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Die alten Grabsteine bei der Pfarrkirche von Bruneck

  © Dietrich Feil
   
 

Grabsteine bei der Pfarrkirche von Bruneck © Dietrich Feil

Südliche Außenmauer des Widums-Gartens mit vermauerten Grabsteinen (Ausschnitt)
© Dietrich Feil

   
 

Im Folgenden finden Sie eine Beschreibung der alten Grabsteine bei der Pfarrkirche von Bruneck.

Text: © Dr. Dietrich Feil, Innsbruck/Bruneck, für SAGEN.at. Version 1.2 vom 26.11.2006. Bitte zitieren Sie diesen Beitrag wie folgt:
Feil, Dietrich: Die alten Grabsteine bei der Pfarrkirche von Bruneck. In: SAGEN.at. Projekt der Sagensammlung im Internet (2000-2006). Innsbruck 2006. Verfügbar über: http://www.SAGEN.at/doku/Bruneck/bruneck_grabsteine.html (Datum des Zugriffs).

Abgekürzt zitierte Literatur:

Bertel I = R. Bertel, Die Seelsorger in Bruneck, in: Pfarrgemeinderat Bruneck (Hg.), Unsere Liebfrauenkirche. Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Bruneck (1977) 29-31.
Bertel II = R. Bertel, Geistliche Berufe aus der Pfarre Bruneck, in: Pfarrgemeinderat Bruneck (Hg.), Unsere Liebfrauenkirche. Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Bruneck (1977) 66-95.
Brunopolis = Museumsverein Bruneck (Hg.), Brunopolis – Bruneck in Bildern 1256 – 2006…, Katalog der gleichnamigen Ausstellung (2006).
Feil = D. Feil (Hg.), Das alte Bruneck (2006).
Schroffenegger = M. Schroffenegger, Beiträge zum Spätbarock und Frühklassizismus in Südtirol. Die Sakralbauten von Joseph Abenthung und seinem Sohn Blasius aus Götzens (ungedr. Dipl.-Arbeit Innsbruck 2006).
Suppl. = (St. v. Mayrhofen) Supplementum ad monumenta Brixinensia edita Brixinae ao. 1765 unacum epitaphiis et inscriptionibus in ecclesiis conterminis et vallis Pustrissae adjectum (1775), zu J. Resch, Monumenta veteris ecclesiae Brixinensis (1765); zum Text der Monumenta und des Supplementums.
Tinkhauser = H. Stemberger (Hg.), J. N. Tinkhauser’s Brunecker Chronik 1834 (1981).
Waschgler = H. Waschgler, Bruneck im Pustertal, Die Kunst in Tirol 9/10 (1922).
Weingartner = J. Weingartner, Die Kunstdenkmäler Südtirols Bd. 1 (1. Aufl., 1923).
Weingartner-Hörmann = J. Weingartner, Die Kunstdenkmäler Südtirols Bd. 1 (7. Aufl., Red. M. Hörmann-Weingartner, 1985).

Als ausführlichste Arbeit zur Baugeschichte der Pfarrkirche (mit Schwerpunkt auf dem Umbau von 1850) ist zu nennen: B. Longariva, Die Kirchen von Bruneck (ungedr. Dipl.-Arbeit Innsbruck 1988).

Der Umbau von 1788/93 ist am ausführlichsten in der Arbeit von M. Schroffenegger behandelt.

   
  Einleitung

Wohl schon vor Gründung der Stadt Bruneck befand sich an der Stelle der heutigen Pfarrkirche eine Kapelle. Auch ein Friedhof dürfte sich schon seit dem 13. Jahrhundert hier befunden haben, jedenfalls stammt der älteste später erwähnte Grabstein angeblich aus dem Jahr 1300 (Suppl. Nr. 1, danach Tinkhauser 51 u.a.; schwerwiegende Bedenken gegen die korrekte Abschrift des Textes erhob jüngst allerdings St. v. Wenzl, Adel und Stadt (ungedr. Dipl.-Arbeit Innsbruck 2006) 37 ff.; sie schlägt vor, die Datierung auf 1300 als Lesefehler zu interpretieren, den Grabstein um 1400 zu datieren und Jakob Kirchmair „dem Jüngeren“ zuzuweisen, der zwischen 1361 und 1392 in öffentlichen Ämtern und als Zeuge und Siegler bei zahlreichen Rechtsgeschäften belegt ist.)

1334 wird eine Kirche erstmals erwähnt und für das Jahr 1381 ist eine Neu-Einweihung der umgebauten Kirche überliefert. Dabei dürfte es sich um eine dreischiffige romanische Anlage gehandelt haben, die an der Wende zum 16. Jahrhundert durch Meister Valentin Winkler von Pfalzen durch einen gotischen Neubau ersetzt werden sollte.

„In den Jahren 1489 bis 1517 wurde das gegenwärtig noch bestehende Presbyterium in der Unserfrauenkirche zu Bruneck erbaut. Es scheinet der Antrag geweßen zu sein, die ganze Kirche in dieser Höhe fortzusetzen, was aber aus Mangel an Gelde unterblieb; daher war das Presbyterium höher als das Langhaus... Dieses Baues Leitung besorgte Christian Kirchmayr von Ragen.“ (Tinkhauser 93).

So konnte also der Neubau nicht vollendet werden, das alte Langhaus blieb bestehen und für fast 300 Jahre stand das romanische Langhaus mit höherem gotischem Choranbau. Während sich vom romanischen Langhaus keine sichtbaren Reste erhalten haben, steht der gotische Chorbau samt angegliederter Sakristei im Wesentlichen noch aufrecht und die hohen gotischen Spitzbogenfenster sind durch Verfärbungen im Mauerverputz noch sehr deutlich zu erkennen (vgl. Waschgler 17, der das Phänomen auch schon 1922 feststellte).

   
 

Bruneck Pfarrkirche, Chor © Dietrich Feil

Chor der Brunecker Pfarrkirche etwa von Nordosten (2005).
Die hohen gotischen Spitzbogenfenster zeichnen sich im Verputz noch deutlich ab.
© Dietrich Feil, 2005

 

Bruneck Pfarrkirche, Sakristei © Dietrich Feil

Ansicht der noch dem gotischen Kirchenumbau zugehörigen, aus Granit errichteten Sakristei von Nordosten.
Das Obergeschoß wurde beim Umbau nach dem Brand von 1850 abgetragen und
zugleich die Sakristei etwas nach Osten verlängert.
Im Hintergrund ein ebenfalls noch gotischer abgetreppter Strebepfeiler (Jänner 2005)
© Dietrich Feil, 2005

Bei dieser Kirche wurden im Laufe der Zeit verschiedene Kapellen errichtet, z. B. für den Hl. Sebastian und die Hl. Anna, die alle so wie große Teile der alten Kirche 1788 für einen barockisierenden Kirchenneubau abgerissen wurden. Ihre genaue Lage lässt sich teilweise aus dem Entwurf für den Umbau von 1788/98 erschließen, den Jakob Philipp Santer 1790 vorlegte (abgebildet in: Brunopolis 275 Nr. 6.6); die Sebastianskapelle ist auch auf der Stadtdarstellung von Matthias Burglechner um 1620 deutlich zu sehen (abgebildet in: Brunopolis 80 Nr. 4.3).

„In den Jahren 1788 bis 1798 ist das Langhaus und die beyden Thürme der Pfarrkirche zu Bruneck, vom Grunde aus neu erbauet worden. Am 8. September 1789 weihte und legte der Fürstbischof von Brixen, mit großer Feyerlichkeit selbst den Grundstein...
Nach einigen gemachten Fehlern, weil die geistliche und weltliche Vorstehung über den Bauplan nicht einig waren, und nach einer schonungslosen Abbrechung der alten Denkmäler an der Kirche, wo auch unter anderen der welsbergische Grabstein beschädiget wurde, ist endlich die Inspection des Baues dem... Jacob Santer übertragen worden.“ (Tinkhauser 159; auf welchen der welsbergischen Grabsteine sich Tinkhauser bezieht, bleibt unklar; vgl. Nr. 12).
Tinkhauser erweckt hier den Eindruck, mit den alten Grabdenkmälern sei nicht sehr pfleglich umgegangen worden. Sollte dem so gewesen sein, wäre es jedenfalls ein Verstoß gegen den Baukontrakt gewesen, denn dieser sah unter Punkt 8 vor: "Die Epitaphien und Grabsteine sind fleißig aufzuheben und dann von außen an die Kirchenmauer einzumauern" (Domkapitelprotokoll 1789 fol. 67r-68v nach Schroffenegger 183; zu den schon vorher geführten Unterhandlungen mit den Grafen von Welsberg und den Freiherren von Sternbach wegen ihrer Familiengrüfte und -altäre vgl. die bei Schroffenegger 178-181 zitierten Abschnitte der Domkapitelprotokolle).

Noch dramatischer als Tinkhauser beschreibt Paul Tschurtschenthaler, Brunecker Heimatbuch (1928) 21 den Vorgang: "Über ihrem Grabe (sc. der Brixner Bischöfe Wilhelm von Welsberg, gest. 1641, und Sebastian, gest. 1525 in Bruneck) baute man in der Pfarrkirche schöne Grabmonumente, welche leider beim Neubau der Kirche im Jahre 1788 mit vielen anderen schönen Grabsteinen, so jenen der Herren von Welsperg zerschlagen oder sonst vernichtet wurden."

Tschurtschenthaler verabsäumt aber, auf eine Tatsache hinzuweisen, die einen etwas respektvolleren Umgang zumindest mit einigen Gräbern belegt: Tinkhauser, dem immerhin noch die ab 1788 erbaute Kirche vor Augen stand, bemerkt nämlich (S. 104) im Zusammenhang mit dem Tode des obgenannten Bischofs Sebastian Sprenz: "Am folgenden Tag (sc. 4. Oktober 1525) wurde sein Leichnam in der Unserfrauenkirche zu Oberragen zur Erde bestattet, welchen Begräbnißplatz er sich selbst gewählt hat. Sein Grabstein wurde mit der Zeit ganz ausgetreten, aber sowohl ihm, als auch dem Fürstbischof Wilhelm, wurde vom Fürstbischof Joseph Grafen von Spaur ein anderes Denkmal gesezt, die noch in der heutigen Pfarrkirche im Presbyterium zu sehen sind."

Jedenfalls wurde bei diesem Neubau Ende des 18. Jahrhunderts eine Reihe alter Grabdenkmäler aus ihrem Zusammenhang gerissen. Eine Neujahrsentschuldigungskarte von 1828 (abgebildet in: Brunopolis 129 Nr. 8.1) zeigt noch die Ummauerung des alten Friedhofes: zwischen den Wandnischen stehen Grabkreuze, am linken Bildrand ist ein etwa an der Nordwest-Ecke des heutigen Kirchenvorplatzes zu lokalisierender offener kapellenartiger Bau zu erkennen und in den Pfeilersockel zwischen Haupt- und nördlichem Seitenportal der Kirche scheint eine größere Steinplatte, vielleicht ein Grabstein, eingemauert. Weitere Details der Gräber sind nicht zu erkennen.
Die Errichtung des neuen Friedhofes 1833 und die damit einhergehende endgültige Auflassung des alten dürfte Anlass gewesen sein, als schonenswert empfundene Grabsteine in die Mauer des Widums-Gartens nördlich der Pfarrkirche einzulassen.
Nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgte, ist nicht ganz klar, immerhin scheinen seit damals bzw. seit dem Kirchenneubau nach dem Brand von 1850 bei Tinkhauser noch besonders hervorgehobene Grabsteine – die beiden ältesten von Jakob Kirchmayr (1300) und Heinrich Sell (1335) (Tinkhauser 51) – und jener des Wernher von Welsberg (1517) (Tinkhauser 219; vgl. hier zu Nr. 12) verschwunden.

Eine kurze Würdigung des Denkmälerbestandes findet sich bei Waschgler 24:

"An der Nordseite der Kirche vorüber wendet man sich dem Friedhofe zu. In die Mauer zur Linken sind eine Reihe von Grabsteinen eingelassen, die durch ihre schönen Formen und vermöge ihres trefflichen Erhaltungszustandes einen guten Überblick über die Kunst der Brunecker Steinmetzen bieten. Die bemerkenswertesten davon sind: Der (erneuerte) Gebenstorffsche von 1485, der für Dekan von Mayrhofen (1705), der eines Edlen von Mayrhofen von 1800, jener für eine Freiin von Spaur (1558) sowie die fein gearbeitete Platte für Jakob Kirchmair zu Ragen mit Architekturrahmung, Kreuz, Bildnis, Wappen und Jahrzahl 1528 und der Stein des Leonhard von Welsberg, gestorben 1675; außerdem sind viele Steine aus der Zeit des Klassizismus und des Vormärz, meist klein und aus weißem Marmor in geschmackvoller Formgebung gearbeitet."

Eine knappe Beschreibung der einzelnen Steine gibt J. Weingartner (1923); sie ist im Folgenden jeweils wiedergegeben.- Eine summarische Übersicht über die vorhandenen Steine bietet auch H. Stemberger in Tinkhauser 243 Anm. 025, einige werden noch bei Weingartner-Hörmann 514 erwähnt, viel Aufmerksamkeit ist ihnen aber nie zuteil geworden…

Vorbemerkungen:
Ich habe zwar versucht, Kriterien der epigraphischen Umschreibung in sinnvoller Anpassung einigermaßen gerecht zu werden, im Wesentlichen aber mehr Wert darauf gelegt, eine flüssig lesbare Umschrift zu bieten.
Wer auf die Details Wert legt, wird sich in der Regel anhand der Bilder oder durch Autopsie genauer informieren können.
Bei den Familiennamen von Frauen habe ich schließlich überall dort, wo es um mehr als die reine Transskription der Inschrift geht, die geschlechtsneutrale Form gewählt - also z. B. "Christina Mayr" statt "Christina Mayrin" - weil die früher gängige weibliche Endung heute einen der Sache ganz unangemessen komischen Beiklang hat.

   
   

Weiter:

Chronologische Übersicht

Die alten Grabsteine bei der Pfarrkirche von Bruneck - 1. Teil (Nr. 1-13)

Die alten Grabsteine bei der Pfarrkirche von Bruneck - 2. Teil (Nr. 14-24)

Die alten Grabsteine bei der Pfarrkirche von Bruneck - 3. Teil (Nr. 25-38)

Die alten Grabsteine bei der Pfarrkirche von Bruneck - 4. Teil (Nr. 39-53)

Quellenschriften:

J. Resch, Monumenta veteris ecclesiae Brixinensis (1765)

(Stephan von Mayrhofen) Supplementum ad monumenta Brixinensia edita Brixinae ao. 1765 unacum epitaphiis et inscriptionibus in ecclesiis conterminis et vallis Pustrissae adjectum (1775)

 

   
   
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