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  STOFFE DES GLAUBENS
Fastentücher in Kärnten
  © Harald Hartmann
   
 

Einleitung (Seite 1)
Entstehung der Fastentücher (Seite 1)
Die Kärntner Fastentücher (Seite 2)

Karte der Fastentücher in Kärnten Bild!

Gurk (Seite 2)
Haimburg bei Völkermarkt (Seite 2)
Baldramsdorf bei Spittal an der Drau (Seite 3)
Millstatt (Seite 3)
Sankt Stefan im Krappfeld (Seite 4)
Pisweg (Seite 4)
Diex (Seite 4)
Lieding bei Straßburg (Seite 5)
St Peter bei Taggenbrunn (Seite 5)
Sternberg (Seite 5)
Maria Bichl, altes Fastentuch (Seite 5)
St. Peter im Holz (Seite 5)
Karnburg (Seite 6)
Maria Bichl, neues Fastentuch (Seite 6)
Straßburg (Seite 6)
Klagenfurt- St. Peter (Seite 6)
Villach-Heiligenkreuz (Seite 6 )
Maria Saal (Seite 6 )

Schlussbemerkung (Seite 6)

 

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Villach Weizenkorn © Harald Hartmann 2007

Jesus im Grab – Villach/Heiligenkreuz
© Harald Hartmann 2007

Einleitung:

Wer kennt nicht die Begriffe "Am Hungertuch nagen", "Schmachtfetzen" aus unserer Alltagssprache. Was steckt aber dahinter? Anhand einer kleine Reise durch Kärnten wird versucht diese Begriffe zu erklären, einige schöne Beispiele zu zeigen und näher zu betrachten.

Seit etwa dem Jahr 1000 wurde in der Fastenzeit der Altarraum der Kirchen mit dem "Tempeltuch" (lat.: velum templi) verhüllt. Aelfric von Winchester (+1006) berichtet: "Ein Tuch wird zwischen Altar und Volk aufgezogen." Am Mittwoch der Karwoche wurde dann, wenn in der Komplet der Text "et velum templi scissimum est medium" (und der Vorhang des Tempels riss in der Mitte entzwei) gesungen wurde, das Tuch wieder herabgelassen. Der Brauch, Fastentücher aufzuhängen, erlebte seinen Höhepunkt in den Alpenländern vom 15. bis ins 17. Jahrhundert. Als Folge der clunyziazensischen Reform wurde es in manchen Diözese ausdrücklich vorgeschrieben. Aus dieser Zeit stammt auch die ältesten erhaltenen Fastentücher Kärntens, wie zum Beispiel das Fastentuch von Gurk (1458) oder das Fastentuch von Haimburg (1504).


Entstehung der Fastentücher:

Im frühen Christentum waren die Büßer, die sich öffentlich einer Schuld bekannt hatten, von der Eucharistiefeier ausgeschlossen. Ebenso mussten die Taufkandidaten (Katechumenen) nach dem Wortgottesdienst den Kirchenraum verlassen. Später schloss sich ihnen in der Fastenzeit die ganze Gemeinde an. Im Verständnis eines umfassenden Fastens einhielt man sich nicht nur gewisser Speisen, man übte auch das "Fasten der Augen", indem man den Ort der heiligen Handlungen, den Altarraum mit Tüchern verhüllte.

Auch das "Fasten der Ohren", der Entfall des "Gloria" und des "Halleluja" während der Messe sowie das Schweigen der Orgel und der Kirchenglocken war in der Fastenzeit üblich. Auch heute noch rufen in der Karwoche hölzerne Klopfinstrumente, die Ratschen zum Gottesdienst. Um dem Messopfer während der Fastenzeit folgen zu können, wurden Klingelsignale eingeführt, Daher stammen auch die heutigen Glockensignale der Ministranten.

Im Mittelalter sah man in den Fastentüchern noch einen weiteren Sinn: Sie sollen ein sichtbares Zeichen dafür sein, dass in der Passionszeit die Gottheit Jesu verhüllt ist. Er leidet und stirbt als ganzer Mensch, so, wie er als ganzer Gott in der Osternacht aufersteht.

Die Anfangs schlichten Tücher wurden im Laufe der Zeit immer prächtiger verziert. Etwa im 15. Jahrhundert setzte sich ein Typ durch, bei dem auf Bildfeldern, wie auf einer Bildergalerie die Heilsgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Letzten Gericht dargestellt wird. Im 17. und 18. Jahrhundert wird auf den Fastentüchern auch die Passionsgeschichte in Medaillons um die Kreuzigungsszene dargestellt. Oft auch – und hier sehen wir den Einfluss der Gegenreformation – die fünf Stationen des Schmerzhaften Rosenkranzes. Bis zum Ende der der Gotik wurde das Allerheiligste in Sakramentsnischen oder Sakramentshäuschen aufbewahrt und die Flügelaltäre während der Fastenzeit geschlossen.

 

Maria Gail Flügelaltar © Harald Hartmann 2007

Während der Fastenzeit geschlossener Flügelaltar (Maria Gail)
© Harald Hartmann, 2007

Ab der Barockzeit werden auch oft nur mehr die Bilder der Altäre verhängt. Das Aufkommen der Tabernakelaltäre machte es notwendig, den Aufbewahrungsort für das Allerheiligste sichtbar zu lassen (Es werden Fastentuchensembles für Hochaltar und Seitenaltäre geschaffen).

Auch in neuester Zeit entstanden Fastentücher, so zum Beispiel in Maria Saal, in Klagenfurt/St. Peter und Villach/Hl. Kreuz. So stehen die Fastentücher gerade in Kärnten in ununterbrochener liturgischer Verwendung. Auch heute noch werden die Altäre während der gesamten Zeit von Aschermittwoch bis Karsamstag mit ihnen verhüllt, während es ansonsten üblich ist, nur in der Passionswoche (von Palmsonntag bis Karsamstag) die Kruzifixe und Bilder mit einfachen, meist violetten Tüchern zu verhängen, hat das Aufhängen der Fastentücher in Kärnten eine bis heute durchgehende Tradition.

Das sonst in den katholischen Kirchen übliche Verhüllen der Kruzifixe entstand aus dem Brauch der Fastentücher. Als feste Regelung findet sich die Verhüllung von Kreuzen, Bildern und Statuen offiziell erst im Caeremoniale Episcoporum (1. Hälfte des 17. Jahrhunderts). Im Zuge der Neuordnung der Liturgie entschied sich das Messbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebiets (1975-1979) für die Beibehaltung der Kreuzverhüllung. Die Verhüllung soll nach dem Gottesdienst am Gründonnerstagabend vorgenommen werden. Die Kreuze bleiben bis zur Kreuzverehrung am Karfreitag verhüllt, alle anderen Bilder und Statuen bis in die Osternacht.

Baldramsdorf Kreuzverhüllung © Wolfgang Morscher, www.SAGEN.at, April 2001

Verhülltes Kruzifix in Baldramsdorf
© Wolfgang Morscher, April 2001

Die Kärntner Fastentücher:

In Kärnten sind heute über 90 Fastentücher bekannt. Im Folgenden wird versucht, einige typische Beispiele näher zu zeigen.

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© Harald Hartmann, März 2007

Quellen:
Dr. Erwin Mock: Entstehung der Hungertücher, Aachen, 1998
Notizen zu einem Vortrag von Prof. Heinz Ellersdorfer: "Am Hungertuch nagen", Tainach, Kärnten, 2007
Informationsschriften der Kirchen Villach-Heiligenkreuz, Baldramsdorf und Haimburg