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  STOFFE DES GLAUBENS
Fastentücher in Kärnten
  © Harald Hartmann
   
 

Einleitung (Seite 1)
Entstehung der Fastentücher (Seite 1)
Die Kärntner Fastentücher (Seite 2)

Gurk (Seite 2)
Haimburg bei Völkermarkt (Seite 2)
Baldramsdorf bei Spittal an der Drau (Seite 3)
Millstatt (Seite 3)
Sankt Stefan im Krappfeld (Seite 4)
Pisweg (Seite 4)
Diex (Seite 4)
Lieding bei Straßburg (Seite 5)
St Peter bei Taggenbrunn (Seite 5)
Sternberg (Seite 5)
Maria Bichl, altes Fastentuch (Seite 5)
St. Peter im Holz (Seite 5)
Karnburg (Seite 6)
Maria Bichl, neues Fastentuch (Seite 6)
Straßburg (Seite 6)
Klagenfurt- St. Peter (Seite 6)
Villach-Heiligenkreuz (Seite 6 )
Maria Saal (Seite 6 )

Schlussbemerkung (Seite 6)

 

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Karnburg:

Fastentuch Karnburg bei Maria Saal © Harald Hartmann 2007

Fastentuch Karnburg bei Maria Saal
© Harald Hartmann, 2010

Dieses Fastentuch wurde 1982, von der Aktion "Brot für alle" (heute: Aktion 2006), Schweiz vertrieben.

Das Original des Motivs auf dem Fastentuch, das Meditationsbild des Bruder Klaus wurde von einem unbekannten Künstler des Mittelalters 1475/80 gemalt und befindet sich heute wenige Schritte vom Grab des Nikolaus von Flüe in der Pfarrkirche von Sachseln.

Der reiche geistige Gehalt dieses Bildes liegt darin, dass die Erinnerung an die biblischen Geschehnisse und das Beten unabdingbar mit praktisch-ethischem Aufruf verbunden sind. Dies kommt in den drei aufeinander bezogenen Zyklen des Radbildes, dem heilsgeschichtlichen Zyklus (Schöpfung, Geburt Jesu usw.), dem Zyklus der Werke der Barmherzigkeit (Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben usw.) und dem übergeordneten Vater unser-Zyklus (beginnend links oben) zu bildlichem Ausdruck.

Der innere Kreis (Gott und die Gemeinschaft der Heiligen) und der äussere Kreis (Geschaffene Welt und Menschen) sind durch drei auslaufende und drei einlaufende Strahlen miteinander verbunden.

Drei Medaillons (Dreieck nach unten) weisen hin auf den Dreifaltigen Gott: den Vater als Schöpfer (links oben), den Sohn als Erlöser (rechts oben), den Heiligen Geist in der Verkündigung an Maria (unten Mitte).

Drei weitere Medaillons (Dreieck nach oben) zeigen Gottes Liebe: Menschwerdung (links), Eucharistie (rechts), Gefangennahme (mit Verrat) (oben). In den vier Ecken die Symbole der Evangelisten.


Maria Bichl, neues Fastentuch:

Fastentuch in der Kirche Maria Bichl © Harald Hartmann

Fastentuch in der Kirche Maria Bichl bei Spittal an der Drau
© Harald Hartmann, 2010

Das neue Fastentuch von Maria Bichl zeigt auf einer Fläche von 4,80 m x 3,75 m die Passion Christi. Es wurde mit Kasein-Leimfarbe auf Leinen gemalt. Das Tuch wurde ohne kirchlichen oder weltlichen Auftrag vom damals 80-jährigen Peter Brandstätter 1999 geschaffen. Der Künstler schreibt 2000 selbst darüber:

"Gott zur Ehr' und Dank, den Menschen zum Bedenken.
Seit einigen Jahren kann das alte Fastentuch von Maria Bichl in dieser Kirche - leider nur im Advent - gezeigt werden. Immer, wenn ich an Sonntagen davor saß, bedauerte ich, dass dieses schöne Tuch nicht in der passenden Fastenzeit hier hängen kann.
(Anmerkung H. Hartmann: Das alte Fastentuch, befindet sich nunmehr im Besitz des Diözesanmuseums Klagenfurt. Es hängt, trotz vielfacher Bemühungen der Lendorfer, es zurück zu bekommen derzeit während der Fastenzeit in der Christkönigskirche in Klagenfurt).

Ungefähr vor drei Jahren (Anm.: 1996), an einem Advent Sonntag, hatter ich plötzlich das Grundkonzept für ein neues Fastentuch in meiner Vorstellung. Bald folgten erste Skizzen, Komposition und Details wurden reifer und schließlich auch der Entschluss, ein neues Fastentuch für Maria Bichl zu malen.

Meine Absicht war, das Werk in klarer, gegenständlicher Bildsprache zu gestalten, ohne modernistische, oft undeutbare Gauklerei, für jeden verständlich und auch so, dass von den hintersten Plätzen in der Kirche aus das ganze Geschehen auf dem Tuch noch gut zu erkennen ist. Deshalb beschränkte ich mich auf wenige Personen und auch wenige Felder.

Das Tuch gliedert sich in ein breiteres Mittelfeld, von oben bis unten durchlaufend und seitlich je drei schmälere, hochgestellte übereinander.

Die Themen wählte ich ausschließlich aus der Passion Jesu Christi und beschränkte mich fast durchwegs bei jedem Thema auf zwei Personen. Ich wollte einfach jeweils nur einen menschlichen Chrarkter Jesus gegenüberstellen. Auf diese Weise, glaube ich, wird der Betrachter direkter in die Handlung einbezogen.

So wird Judas, der Materialist, zum Verräter und Pilatus aus Angst vor dem aufgehetzten Volk zum Feigling. Auf der rechten Seite oben erkennt man schon am dunklen Schatten dahinter, dass ein brutaler Typus Christus am Stricke zerrt. Darunter Christus, der "Auferstandene" mit dem Thomas konfrontiert wird, und selbst beim letzten Abendmahl, links unten, kann man deutlich die verschiedenen Charaktertypen bei den Jüngern erkennen.

Die Bildmitte beherrscht Christus am Kreuz. Links darunter der römische Hauptmann. Ein Heide, aber er war wohl vom Verhalten dieses Jesus während des ganzen Geschehens so beeindruckt, dass er den Ausspruch tat: "Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!" Und er ruft es auch uns zu.

Direkt unter dem Kreuz Maria, die Mutter Jesu und Johannes, der tröstend und sorgend seinen Arm um die Schulter von Maria legt. Beide bleiben bis zum Ende treu in seiner Nähe. Die geduckten Pharisäer dahinter, stellvertretend für die Gegner Jesu schlechthin, haben ihr Ziel, den Tod des Jesus am Kreuz erreicht, aber nun verlassen sie, unter der verdunkelten Sonne sichtlich verschreckt, die Richtstätte. Hasserfüllt schaut einer nochmals zurück zum Kreuz.
Mit dem toton Christus im Felsengrab scheint nun alles vorbei zu sein. Um das noch zu betonen, lege ich quer über den Leichnam ein Totengerippe und ein schwarzes Tuch.

ER aber ist auferstanden. Am dritten Tag. Und er ist den Aposteln erschienen und anderen. Dann auch dem Thomas. Hier hat Christus erstmals einen Heiligenschein. Seine, dem Thomas zugewandte Seite, ist hell, sogar die hellste Figur der gesamten Komposition, eben der "Auferstandene", während die restliche Gestalt, durch den Strahl aus dem Grab geteilt, im roten Hintergrund eintaucht. Er ist ja nicht mehr direkt auf dieser Welt.

Zum Abschluss stelle ich auch noch Jesus Christus sich selbst gegenüber. Einmal in seiner tiefsten Erniedrigung am Kreuz und andernteils alle überragend, zwischen Erde und himmlischen Raum auf einem Regenbogen thronend, selbst in einen Halbschatten getaucht, von Licht umrandet, in seiner göttlichen Güte und Erhabenheit dar - als Pantokrator, den Weltenherrscher."

 

Straßburg:

Fastentuch Strassburg © Harald Hartmann

Das Fastentuch von Straßburg
© Harald Hartmann, 2010

Straßburg

Seit 2009 hängt in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus ein neues vom Künstler Ferdinand Penker gestaltetes Fastentuch (12 x 6 m). Penkers Konzept, das er in Zusammenarbeit mit Propstpfarrer DI Mag. Johann Rossmann entwickelt hat, folgt dem traditioniellen "Feldertypus" nach dem Muster des Gurker Fastentuches. Die Einzelbilder sind monochrome Kompositionen mit Kohle- und Zinnoberpigmenten.

Für den gotischen Kirchenraum schuf der seit langem in der Steiermark lebenden Kärtner Ferdinand Penker ein Fastentuch: 72 Quadratmeter Leinentuch in zwei zwölf Meter langen Bahnen mit 99 Bildmodulen im Digitaldruck. Penker nimmt das Konzept, die biblische Geschichte von der Weltschöpfung bis zur Auferstehung Jesu zu schildern, auf. Allerdings bleibt Penker abstrakt und hält das biblische Bilderverbot in einem Werk, das jahrhundertealte Traditionen mit liturgisch wie spirituell radikal neuen Ansätzen verknüpft, auf eigene Weise ein. Was in den Entwürfen noch in differenzierter Farbigkeit angelegt war, transformierte Penker in monochrome Formationen aus Kohlepigmenten. Die einzelnen Bilder sind durch zinnoberrote Rahmen gefaßt, die Worten aus dem Neuen Testament Platz bieten.

Fastentuch Straßburg, Detail © Harald Hartmann

Detail aus dem Fastentuch von StraßburgFastentuch Klagenfurt, St. Peter
© Harald Hartmann, 2010

In die waagrechten Trennlinien ist in Blockbuchstaben abrisshaft mit Zitaten die Heils- und Leidensgeschichte geschrieben:

"MITTEN UNTER EUCH STEHT DER DEN IHR NICHT KENNT"
"WENN DU GOTTES SOHN BIST SO BEFIEHL DASS AUS DIESEN STEINEN BROT WIRD"
"ICH BIN DAS LICHT DER WELT WER MIR NACHFOLGT WIRD NICHT IM FINSTERN GEHEN"
"GRIECHEN PILGER TRATEN AN PHILIPPUS HERAN: WIR MÖCHTEN JESUS SEHEN"
"WEN SUCHT IHR? SIE SAGTEN : JESUS VON NAZARETH"
"EINE MAGD SAH PETRUS AM FEUER SITZEN SCHAUTE IHN GENAU AN: DER WAR AUCH MIT IHM ZUSAMMEN!"
"PILATUS SAGTE ZU IHM: ALSO BIST DU DOCH EIN KÖNIG?"
"UNS GESCHIEHT RECHT ; DIESER ABER HAT NICHTS UNRECHTES GETAN"
"DER HAUPTMANN PRIES GOTT UND SAGTE: DAS WAR WIRKLICH EIN GERECHTER MENSCH"
"ERSCHRECKT NICHT ! IHR SUCHT JESUS VON NAZAREZH DEN GEREUZIGTEN ER IST AUFERSTANDEN ER IST NICHT HIER"
"BRANNTE NICHT UNSER HERZ IN DER BRUST LAS ER MIT UNS REDETE UND UNS DEN SINN DER SCHRIFT ERSCHLOSS"
"WENN IHT MICH LIEB HATTET, WÜRDET IHR EUCH FREUEN; DASS ICH ZUM VATER GEHE"
"SEID GEWISS ICH BIN BEI EUCH ALLE TAGE BIS ANS ENDE DER WELT !"

 

Klagenfurt- St. Peter:

Fastentuch Klagenfurt, St. Peter © Harald Hartmann

Fastentuch Klagenfurt, St. Peter
© Harald Hartmann, 2007

Das 1982 von Prof. Karl Bauer im Feldertyp geschaffene Tuch mit einer Größe von 3 m x 8 m verdeckt in der Fastenzeit ein Mosaik das die Berufung Petri zeigt.

Fastentuch Klagenfurt, St. Peter © Harald Hartmann

Fastentuch Klagenfurt, St. Peter
Klagenfurt/St. Peter - "Ehe der Hahn dreimal kräht, wirst Du mich verraten"
© Harald Hartmann, 2007

Dem Kirchenpatron wird dadurch Rechnung getragen, dass dieses Fastentuch in allen Feldern die Rolle des Petrus in der Passionsgeschichte darstellt.

Villach – Heiligenkreuz:

Fastentuch Villach - Heiligenkreuz © Harald Hartmann

Fastentuch Villach - Heiligenkreuz
© Harald Hartmann, 2007

Das Fastentuch wurde 1993/1994 unter der Leitung der Künstlerin Johanna Saddounig von Mitgliedern der Pfarrgemeinde geschaffen. Bemerkenswert ist das ikonographische Konzept dieses aus 5 mal 5 Feldern bestehenden Werkes: "In der Kirche, die dem "Hl. Kreuz" geweiht ist, soll deutlich werden, dass das Kreuz nicht nur Zeichen des Leides, der Not und des Todes ist, sondern durch Jesus Christus auch zum Symbol der Rettung, der Erlösung, des Sieges geworden ist. So stellt das Fastentuch Szenen aus der Bibel zum Thema ,Rettung und Erlösung in der Bibel´ dar. Im Zentrum steht die Darstellung der Kreuzigung. Die beiden linken Reihen zeigen Vorausbilder aus dem Alten Testament, in der Mittelreihe sind Szenen aus dem Leben Jesu und in den beiden rechten Reihen die Fortsetzung im Leben Jesu und in der Geschichte der Kirche dargestellt."

Das Zentrum des Tuches bildet die Darstellung der Kreuzigung Jesu. Die beiden linken Reihen sind Vorausbilder aus dem Alten Testament. Die Mittelreihe weist hin auf die wichtigsten Stationen aus dem Leben Jesu Christi. Die beiden rechten Reihen zeigen die Fortsetzung der Bilder aus dem Leben Jesu und Szenen aus der Geschichte der Kirche.

Vergleich Fastentüch Villach - Baldramsdorf © Harald Hartmann

Vergleich zweier Bildfelder von Villach und Baldramsdorf
links: Die Schöpfung – rechts: Bund Gottes mit Noah
© Harald Hartmann, 2007

Das Fastentuch von Villach-Heiligenkreuz kann in der Komposition seiner Bilder und dem theologischen Konzept durchaus mit den großen Vorbildern aus dem 16. Jahrhundert verglichen werden.

Vergleich Fastentüch Villach - Haimburg © Harald Hartmann

Vergleich zweier Bildfelder von Villach und Haimburg
Die Vertreibung aus dem Paradies

© Harald Hartmann, 2007

Als Detail ist im Vergleich auch eine Änderung des Frauenbildes im Laufe der Jahrhunderte erkennbar:
Hat auf dem Fastentuch die Schlange, also das Böse, noch das Gesicht einer Frau mit den Zügen Evas, so tritt in Villach die Frau mit der Verheißung an Eva als Vorbotin der Erlösung auf, nämlich als der Sproß der Frau der Schlange den Kopf zertreten wird (vgl. Gen 3, 15).

Maria Saal:

Fastentuch von Karl Wolschner in Maria Saal © Harald Hartmann

Fastentuch von Karl Wolschner in Maria Saal
© Harald Hartmann, 2007

Das wohl beeindruckendste Kärntner Fastentuch des 20. Jahrhunderts wurde 1990-1994 von dem Künstler Karl Wolschner geschaffen. Die Seidenbatik in Ockertönen gilt mit 35 m² als größte Batik der Welt. In Auflösung des Zentraltyps wird nur mehr das Heilige Haupt auf dem Bild dargestellt. Dieses Werk, mit dem es dem Künstler darum ging, "die gewaltige Größe des Glaubens auch gewaltig darzustellen", füllt die große romanische Basilika von Maria-Saal in der Fastenzeit mit seiner Raumwirkung voll aus.

 

Schlussbemerkung:

Die Kärntner Fastentücher sind nicht alleine von der kunst- und kulturgeschichtlichen Seite zu betrachten. Als Gegenstände, die heute noch im liturgischen Gebrauch stehen, sind sie auch und vor Allem Zeugnisse des Glaubens. Ein Besuch dieser Tücher in der Fastenzeit führt den Betrachter unweigerlich zu innerer Einkehr und Besinnung. Es ist zu wünschen, dass diese Werke auch weiterhin für alle zugänglich bleiben und den Besuchern die künstlerische Vielfalt eröffnen, die sich nicht nur durch die Jahrhunderte sondern auch durch die Lebensalter der Menschen zieht.

Fastentuch von Kindern in Maria Saal © Harald Hartmann

Fastentuch von Kindern – Maria Gail
© Harald Hartmann, 2007

 

Fastentuch des 84jährigen Karl Wolschner in Maria Saal © Harald Hartmann

Fastentuch des 84-jährigen Karl Wolschner
© Harald Hartmann, 2007

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© Harald Hartmann, 2007-2010

Quellen:
Dr. Erwin Mock: Entstehung der Hungertücher, Aachen, 1998
Notizen zu einem Vortrag von Prof. Heinz Ellersdorfer: "Am Hungertuch nagen", Tainach, Kärnten, 2007
Informationsschriften der Kirchen Villach-Heiligenkreuz, Baldramsdorf/Lendorf und Haimburg
Peter Brandstätter
Kleine Zeitung