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  299 - Ausbreitung der Bewegung
 

 

ein bayrischer Soldat fällt. Aber Bucher merkt, dass ihrer zu wenig sind; er bricht das Scharmützel ab und führt die Kameraden zurück. Da hilft nichts anderes mehr, als die Nachbarschaften in möglichst weitem Umkreis aufzubieten. Der Rest des Tages und die folgende Nacht sind dieser Werbearbeit gewidmet. Wohin Bucher nicht selbst laufen kann, dahin schickt er seine Leute. Ins obere und untere Inntal, nach Sellrain und Stubai fliegen die Botschaften: am nächsten Tage sammle man sich auf den Waldeshöhen vom Iselberg bis zur Gallwiese.

Wie es da rege wurde hin und hin und einer dem andern es kündete, möge ein Beteiligter selbst erzählen; es ist der Schulmeisterssohn Josef Patsch von Wilten: „Am 9. April verbreitete sich in Wildermieming 1) die Nachricht, dass österreichische Offiziere im Land herumzogen, um für einen Aufstand zu werben. Nun hatte ich keine Ruhe, bis mein Onkel Gabriel Schaffenrat mit mir ausmachte, dass wir beide (am nächsten Tag) nach Telfs gehen wollten, um Näheres zu hören. Beim sogenannten Bauernwirt in Telfs trafen wir mehrere Bauern, die nur von Patriotismus und Revolution sprachen und sagten, in Innsbruck sei es schon zum Kampf gekommen, man soll auch über die bayrische Abteilung in Telfs herfallen. Mein vorsichtiger Onkel meinte, sie sollten mich anhören, und ich schlug vor, ich wollte nach Oberperfuss oder Axams und von dort gleich Nachricht senden. Sie waren einverstanden und gaben mir noch Grüße mit an den Schmied in Oberperfuss Matthias Kirchmayr, der guter Gesinnung war. Als ich nachmittags beim Schmied ankam, war er erstaunt, und fasste erst allmählich Zutrauen zu mir. Endlich sagte er, der Verrat unserer Landesfreiheiten und die Schmach, die wir leiden müssten, erlaubt keinen Tag mehr zu warten. Das sei die allgemeine Stimmung. Er habe schon nach Axams geschickt zu fragen, wann der Landsturm aufbrechen soll. Er führte mich zum Kuraten, wo wir alle drei weitere Beratung pflegten. Der Priester nahm mich sehr gut auf, denn es stellte sich heraus, dass wir Verwandte seien. Es war Ignaz Stueleitacher. Mit seinem Wein tranken wir das Hoch auf den Kaiser Franz. Unterdessen suchte uns der Vorsteher Josef Abfalterer von Grinzens auf und meldete, die Axamser lassen sagen, dass morgen angegriffen wird, sie seien schon bei der Götzener Höhle und die Oberperfusser sollen sich am reißenden Ranggen und bei der Zirler Brücke einstellen. Ich fragte, wer am Berg Isel stehe. Abfalterer antwortete: die von Mutters und Natters, und die Stubaier hätten auch dazu Ordre bekommen. Und nun umarmte mich Abfalterer wie ein Bär, und wir eilten sogleich zur Gallwiese. Da trafen wir schon eine

1) Patsch hatte sich angeschickt, beim Märzrummel in Axams mitzutun und hatte sich darauf in der Furcht, den Bayern angegeben zu werden, zu Verwandten in das stille Wildermieming zurückgezogen. Er schrieb 1838 seine Erlebnisse nieder als „Beiträge zur Geschichte des Tiroler Krieges 1809". J. M.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 299
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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