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  Ebbs 1809
 

von Ekkehard Hofbauer

Im Bilderdepot des Heimatmuseums auf der Festung Kufstein befindet sich ein Bild des Ebbser Schützenhauptmannes Martin oder Michael Gast (1809), welches an sieben Stellen Stichspuren aufweist. Es stammt aus dem Besitz eines Ebbsers, der dem Schuldirektor Wagner, dem damaligen Käufer des Bildes für das Museum, folgende überlieferte Geschichte als Begründung für diese Einstiche erzählte:

Gast sei der Sache der Tiroler Landesverteidigung von 1809 untreu geworden. Aus Wut darüber habe seine patriotisch gesinnte Tochter das Bild des entflohenen Vaters mit einem Küchenmesser durchstochen.

Eine andere, glaubwürdigere Erklärung gibt Prof. Sinwel in der Erinnerung an verlorengegangene Aufzeichnungen des Ebbser Schmiedemeisters Josef Mayr (um 1890): Als die Bayern (wahrscheinlich im Mai 1809) in Tirol einmarschierten, hatten sie es auf Gast besonders abgesehen und sein Haus umstellt, um ihn gefangen zu nehmen. Gast sei ihnen jedoch entkommen. Aus Zorn darüber hätte der bayrische Offizier sein Bild mit dem Degen mehrmals durchstoßen.

In Hirns „Tirols Erhebung im Jahre 1809" (S. 508, Fußnote) heißt es: Roschmann auf seiner Reise ins Unterinntal im Juni: Mancher Unwille gegen das weitere Mittun — der obere Wirt von Ebbs, Michael Gast (wahrscheinlich auch Besitzer des unteren Wirtes), solle unter Androhung der Todesstrafe zum Besuch einer solchen Konferenz (der Landesverteidiger) genötigt worden sein und dem Beschluss auf Beteiligung an der Defension beharrlich seine Zustimmung verweigert haben (dazu würde wieder die erste Begründung für die Bildereinstiche passen).

J. Mayrs Aufzeichnungen vom 6. Juli 1899 im Nachlass Sinwels (Kufsteiner Stadtarchiv) enthalten hierzu weitere Mitteilungen:

Der Gemeindeschreiber Josef Gschwentner in Ebbs habe sich dadurch verdient gemacht, dass er als Ratgeber des Schützenhauptmanns Martin (oder Michael?) Gast und des Gemeindevorstehers Josef Auschiner (dieser war Theaterdirektor der Ebbser Volksbühne und schrieb auch Theaterstücke) diese vor mancher Überstürzung (im positiven oder negativen Sinn?) zurückhielt.

Nach Peternaders Bericht, so schrieb J. Mayr, kamen einmal bayrische Offiziere auf der Flucht zur obern Wirtin, deren Mann Schützenhauptmann war, und verlangten Rast, Stärkung und Labung, da sie die ganze Nacht auf dem Weg gewesen waren. Dies wurde ihnen anstandslos bewilligt, und sie wurden nicht belästigt. Da kam auf einmal die Wirtin ganz erhitzt zu den Gästen herein, um sie zu begrüßen. Auf die Frage, warum sie so erhitzt sei, antwortete sie: „Ich hab mit dem Kochen so viel zu tun, weil sich viele Tiroler Schützen und Landstürmer angesagt haben." Dies hören und verschwinden war für die Offiziere natürlich eins.

Dass Eichlwang angezündet wurde, kam nach J. Mayr (siehe oben) daher, dass eifrige fremde Schützen über den Inn auf dort vorüberziehende feindliche Truppen geschossen hatten, worauf der Feind kehrtmachte, Eichlwang beschoss, es in Brand steckte und zwei Schützen aus Leukental erschoss. Dies mag auch der Grund gewesen sein, dass der Schützenhauptmann M. Gast nicht mehr mit ganzem Herzen bei der Landesverteidigung mittat, weil er für den Bestand seines Heimatdorfes fürchtete.

   
  Quelle: Ekkehard Hofbauer, Ebbs 1809, in: Tiroler Heimatblätter, 45. Jahrgang, 1970, Heft 7/9, S. 89 - 90.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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