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  Das Meraner Andreas-Hofer-Denkmal
 

Von Hans Matscher

Wenn man als Ankömmling aus der Meraner Bahnhofhalle tritt und nicht gleich „Taxi!" schreit oder sich flugs in den zuständigen Autobus drängelt, sondern Zeit hat, sich Zeit zu lassen, wird man gleich von einem erhebenden Zusammenklang von Kunst und Natur gepackt: aus dem Grün einer stilvollen Anlage steigt ein roter Porphyrsockel und auf ihm steht eine in der Sonne leuchtende Bronzefigur. Als ferne Umrahmung erhebt sich aus dem Hintergrunde der langgestreckte Hügel des Küchelberges, der südlich zur Altstadt abfällt, im Norden aber an die steil aufstrebende Mauer der Texelgruppe stößt und dort ein Dorf trägt. Unweit davon ragen aus dem Berghange drei Burgen, davon eine stolz und beherrschend ins Weite schaut: das Schloss Tirol, das dem „Land im Gebirge" seinen Namen gab.

Und falls der Betrachter darum weiß, ist zu vermuten, dass er im bronzenen Manne jenen Andrä Hofer erkannte, der eisern um die Freiheit dieses Landes kämpfte, bis sie trotz des letzten Sieges auf dem Küchelberge zu Boden getreten wurde.

Anno 1809 waren es besonders viele Wirte, die mit dem Sandwirte bei der Vorbereitung des Aufstandes und im Kampfe engste Verbindung hielten, und 1895 gründete sich in Meran ein „Andreas Hofer-Gastwirte-Verein" mit der Aufgabe, dem Sandwirte ein Denkmal zu errichten, und zwar auf dem Küchelberge. Nur deutsche Wirte sollten dies Gedenken schaffen.

Das Vorhaben scheiterte an dem Preise für den erkorenen Platz, schlief aber nicht ein, sondern erhielt 1904 frischen Auftrieb durch etwas kriegerisch angehauchte Gruppen, wie den Andreas-Hofer-Veteranen- und Kriegerverein, durch die Meraner und die Maiser Reservisten-Kolonne, die Korporation des Hauptschießstandes Meran und in alter Treue auch der Wirtsgenossenschaft. Wahrhaft in Schwung geriet der Plan aber erst, als auch der Künstlerbund beitrat, der Kunst- und Gewerbeverein, als Erzherzog Franz Ferdinand das Protektorat übernahm, Promenadefeste die Kassa zwar mehrten, aber noch immer nicht ganz zum oberen Rande füllten.

Man musste die Absicht, die Jahrhundertfeier 1909 mit der Aufstellung des Denkmals würdigst begehen zu können, wieder begraben und verschob die Auferstehung auf das Jahr 1914, das ja wiederum einen patriotischen Anlass geboten hätte, nämlich die Rückkehr Tirols aus der Fremdherrschaft zu Österreich. Diese Aussicht schien umso sicherer, als mittlerweile Kaiser Franz Josef einen Griff in seine so oft benützte „Privatschatulle" tat und ihr zehntausend Kronen für das Denkmal entnahm.

Mittlerweile hatte in Wien der geborene Meraner Emanuel Pendl (Sohn des Bildhauers Franz und Enkel des Johann Baptist, berühmt wegen seiner meisterhaften Kruzifixe) einen Entwurf des Denkmals ausgearbeitet und im Dezember 1913 beschloss man in Meran, dies in Bronze ausführen zu lassen.

Doch während man darüber sich fast einstimmig zu einigen vermochte, gingen die Meinungen über den Aufstellungsort weit auseinander, so weit nämlich, als der Segenbühel, die äußerste Kuppe des Küchelberges, vom Platze des neuen Bahnhofes abliegt, der ein Stück vor die Stadt hinaus verlegt worden war.

Die dem Küchelberg getreuen Männer, darunter der Erzherzog, der Meraner Künstlerbund und der Maler Albin Egger-Lienz, regten an, auf ihm eine denkmalähnliche Formung zu errichten. Auch mehrere Gemeinden, insbesondere aus Passeier, traten in Zuschriften für den Küchelberg ein.

Auf dessen äußerster Kuppe, wo das Wetterkreuz in die Landschaft hinaussegnet, wurde ein hölzerner Rundbau mit Kuppel errichtet, der ohneweiters offenbarte, wie geschaffen dieser Platz, diese Wahl für ein Hofer-Denkmal wäre, weit hinausschauend ins Etschland, am Eingange ins Passeier, Erinnerung an das letzte siegreiche Aufraffen in der Schlacht gerade auf diesem Küchelberge, ein Berg Isel im Herzen des Landes!

Gleichzeitig offenbarte diese Formung aber auch, dass etwas massiger Wirkendes als Pendls Figur geschaffen werden müßte, um von dieser Höhe aus sich Geltung verschaffen zu können. Man dachte daran, dem Hofer noch acht Seitenfiguren anzugliedern. Auch würde Marmor in die Ferne wohl leuchtender wirken als die dunklere Bronze.

Doch alle Überlegungen, alles Hin und Her an Meinung löste sich auf zu Gunsten des neuen Bahnhofplatzes, da sich die Unterhandlungen wegen des Platzes auf dem Küchelberg mit der Gemeinde Tirol zerschlugen.

An der Enthüllung hielt man für den 4. Oktober des Jahres 1914 aus dem angeführten Anlasse fest.

Aber dann kam der Mord in Sarajewo und der mörderische Krieg.

Erst um Ostern 1920 auferstand Andreas Hofer, nachdem er mehr denn fünf Jahre unter Hüllen hatte aufbewahrt werden müssen, und ward auf den Sockel gehoben, der an den Seiten die Verse Gilms trägt:

„Es war einmal ein Schützenfest,
Der Himmel hat's gegeben,
Tiroler Freiheit war das Best,
Der Einsatz Blut und Leben."

und der Gräfin Hahn-Hahn:

„Das ist der Andrä Hofer,
Der echte Sohn der Treu,
Ihm ziemet wohl die Ehre,
Daß er ihr Wächter sei."

Kriegstrophäen und das Wappen Hofers und Österreichs schmücken weiter den Unterbau, der das Standbild trägt.

Zweifellos steht Pendls Hofer da droben in einer Haltung (Pose), die einzunehmen dem biederen Sandwirt zeitlebens nie eingefallen wäre: das linke Bein mannhaft vorgesetzt, den breiten Hut in der Linken an die Lende gedrückt, während der rechte Arm schwungvoll (pathetisch) einen Säbel an das Herz drückt, das umbartete Haupt leicht zum Himmel erhoben; ein über den Küchelberg herwehender Sturm aus Passeier weht die rechte Joppenhälfte hinaus.

Und doch: wenn man alles in die Tat übersetzt, es hat alles seine Richtigkeit! Ein Mann, der seinen Mann zu stellen wusste; dem dieser Kampf für Gott und Vaterland vom Herzen kam, am Herzen lag; der ihn führte mit dem Hut in der Hand vor Gott, zu dem er allzeit vertrauensvoll emporblickte bis ans Letzte in Mantua.

Und wenn man will: das letzte Wehen der Freiheit kam aus Passeier über den Rücken des Küchelberges in der siegreichen Schlacht auf diesem.

Ja, dieser Hofer da oben sagt aus, was Tirol anno neun war und wollte: „Die Freiheit war das Schützenfest / Der Einsatz Blut und Leben!"

   
  Quelle: Hans Matscher, Das Meraner Andreas-Hofer-Denkmal, in: Der Schlern, Illustrierte Monatsschrift für Heimat- und Volkskunde, 33. Jahrgang, 3. und 4. Heft, März/April 1959, S. 97 - 98.
  Fotos: siehe "Andreas-Hofer-Denkmal Meran"
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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