DIE WETTERGLOCKE IN PARTSCHINS

Bei Oberhaus lebte in uralter Zeit ein frommer Einsiedler, der einmal im Traume sah, der Papst schwebe in großer Lebensgefahr. Da beschwor er voll Sehnsucht das Haupt der Christenheit zu retten - einen Geist und fragte ihn, wie schnell er ihn nach Rom tragen könnte. "So schnell wie das Wasser", antwortete der Befragte. Das war zu langsam. Der Einsiedler zitierte einen zweiten, der so schnell wie die Vögel war. Auch dieser war ihm zu langsam.

Deshalb berief der fromme Mann einen dritten, der so schnell wie der Wind war. Dieser bringt ihn nach Rom, und der Papst wird vom Meuchelmorde gerettet. Zum Dank erhielt der Einsiedler eine schöne und hochgeweihte Glocke, die der beschworene Geist wider seinen Willen samt dem Einsiedler nach Hause tragen mußte. Schon waren sie bei Partschins, als dem Geiste die geweihte Last zu schwer wurde und er sie zu Boden stürzen ließ, daß sie in viele Stücke sprang. Der Einsiedler schenkte das Metall den Partschinsern, die daraus ihre Wetterglocke gießen ließen. (Partschins.)

Quelle: Zingerle, Ignaz Vinzenz, Sagen aus Tirol, 2. Auflage, Innsbruck 1891, Nr. 479, S. 268