Einen Schafhirten bei Gsies fragte ein altes Weib um den Weg über
das Joch. Er wies ihr denselben, und alsogleich war sie in derselben Richtung
verschwunden. Wenige Minuten darauf zog vom Joch ein entsetzliches Gewitter
nieder, das großen Schaden anrichtete. Der Hirte, der nun wußte,
daß dieses Weib eine Hexe sei, sah dieselbe Alte bei einem Begräbnis.
Sie hatte ein blaues Fürtuch an und ging zuallerletzt. Seitdem glaubt
das Volk, daß jenes Weib, welches bei einer Beerdigung oder Prozession
zuletzt geht und eine blaue Schürze oder Haube trägt, eine Wetterhexe
sei. (Pustertal.)
Quelle: Zingerle, Ignaz Vinzenz, Sagen aus Tirol, 2. Auflage, Innsbruck 1891, Nr. 782, S. 450