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WARUM ES IN ST. ULRICH KEINE RATTEN GIBT

Als noch die Stadt Pontives stand, kam einmal der liebe Herrgott, als Bettler verkleidet, dorthin und erbat sich, etwas zu essen und zu trinken. Doch man wies ihn überall herzlos ab. Erst in der nächsten Ortschaft, in St. Ulrich, bekam er zumindest eine Kelle Wasser zu trinken, um seinen ärgsten Durst zu löschen.

Deshalb, weil die Pontiveser so hartherzig mit dem als Bettler verkleideten Herrgott gewesen waren, mußte ihre Stadt untergehen - den Einwohnern von St. Ulrich aber, die mit ihm etwas gnädiger verfahren waren, versprach er, daß sich, soweit die Grödner Glocke zu hören sei, keine Ratte mehr aufhalten werde.

Als vor mehr als 60 Jahren einmal ein Grödner hinaus nach Waidbruck und zur dortigen Falkenmühle kam, sah er zum erstenmal eine Ratte. Er erschrak über das große Ungeziefer und erzählte dem Falkenmüller ausdrücklich, bei ihnen in St. Ulrich seien solche Tiere ganz unbekannt.

Quelle: Fink, Hans, Eisacktaler Sagen, Bräuche und Ausdrücke. Schlern-Schrift Nr. 164, Innsbruck 1957. S. 300 f.