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DER PAVARÓ

Auf den Feldern, besonders dort, wo Bohnen und Erbsen angepflanzt sind, haust der Pavaró, ein kleiner, aber bösartiger Orgg. Wehe, wer sich diesem bösen Wesen nähert! Wenn die Burschen zu nächtlicher Zeit auf den Acker gehen, um dort Bohnen oder auch Rüben zu stehlen, so ist er plötzlich da und schneidet ihnen mit seiner scharfen Sichel in die Beine!
Dieser Pavaró versteckt sich zwischen den Bohnenstangen, pfeift wie ein Geier oder schreit wie ein Rabe oder auch eine Elster. Er hat einen Kopf wie ein großer Hund und ein Fell wie ein Bär, ein breites Maul mit eisernen Zähnen darin, einen Schwanz wie eine Schlange, feurige Augen und überaus lange Arme, mit denen er weithin greifen kann, dazu Krallen, spitz wie die von einem Hühnergeier.

Sehen läßt sich dieser kleine Orgg nur selten, dagegen hört man ihn oft seine Sichel wetzen und dabei singen: Wetze, wetze gut und schneide den bösen Buben die Beine ab!

Quelle: Alton, Giovanni. Proverbi, tradizioni ed aneddoti delle valli ladine orientali, con versione italiana. Innsbruck 1881. S. 64