Er wollte dem Zug aus dem Weg gehen, weil er sich gewaltig fürchtete, aber im nächsten Augenblick waren schon die Träger mit dem Sarg vor ihm. Er kniete daher nieder und ließ den Trauerzug vorbei.
Zuletzt, weil ihm nichts geschehen war, erfaßte ihn die Neugierde,
und er schloß sich betend den letzten im Zuge an, um zu sehen, wo
der Tote begraben würde. In Plaiken aber hielt der Zug, die Träger
setzten den Sarg vor einem Haus auf dem Boden ab, und das Bäuerlein
sah nun, daß der Sarg leer war. Nach einigen Augenblicken nahmen
sie den Sarg wieder auf, und der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Einige
Schritte außer dem Dorfe löste sich alles auf und verschwand.
Am Tage darauf wurde die Nachricht verbreitet, daß der Bauer, vor
dessen Haus der Sarg niedergestellt worden war, in der Nacht verstorben
sei.
Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 587