WALPURGA,
hl.
aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli,
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932
1. Eine Angelsächsin, Schwester
der Heiligen Willibald und Wunibald 1), Base des hl. Bonifatius,
Stifterin und Äbtissin des Benediktinerinnenklosters Heidenheim im
Hochstift Eichstätt in Franken, gestorben 779. Der 25. Februar ist
ihr Todestag, der 1. Mai der Tag ihrer Heiligsprechung 2). Sie
ist begraben in Eichstätt 3). Der 4. August ist der Tag
ihrer Ankunft, der 12. Oktober der der Erhebung ihrer Gebeine 4).
Walpurga ist Pestpatronin 5), hilft gegen Unterleibsleiden 6)
und Augenkrankheiten 7). Bei ihren Reliquien in Monheim läßt
ein armes Weib ihr krankes Kind mit Brot wiegen 8).
1) Nach einer Ortssage auch des
h. Oswald: Panzer Beitr. 1, 132.
2) An diesem Tage wurde anfangs ihr Fest gefeiert (Joepf Das HeiligenLeben
im 10. Jahrhundert 215), in Seiferstetten noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts:
Leoprechting Lechrain 107 f. In Böhmen schneidet man am 25. Februar
Zweige von den Bäumen in der Meinung, daß sie das Vieh vor Behexung
verwahren: Reinsberg Böhmen 76.
3) Vg1. Rochho1z Gaugöttinnen 7f.; Panzer Beitr. 1, 132.
4) Rochholz a. a. O. 3 ff.; Künstle Ikonographie 588 ff.; Doyé
Heilige u. Selige 2, 529 f.: W. Grothe Der h. Richard u. seine Kinder. Diss.
Berlin 1908. Ältere belgische Geschichtsschreiber reden von einer Göttin
Walpurga, deren Beseitigung sich der h. Willibrod habe angelegen sein lassen:
Wolf Beitr. 1, 112. Über die sog. Walpurga Westfalica: Kochholz Gaugöttinnen
8o f.
5) ZfVk. 1, 296; Schöppner Sagen 2, 426; Birlinger Aus Schwaben 1,
467.
6) SAVk. 31, 152.
7) Groeteken Sagen des Sauerlandes 2 41 (nach Sömer). Vgl. dazu Rochholz
127.
8) Franz Benediktionen 2, 460.
2. Von den Körperteilen der Heiligen
ist in Eichstätt nur noch das Brustbein vorhanden. Die Kalksteinplatte,
auf der es im Altar der Gruftkapelle ruht, soll sich zu Anfang Oktober bläulich
färben und bis zum Februar mit einem dunstigen, zu Perlen gerinnenden
Stoffe überlaufen, der tropfenweise in eine Goldschale geleitet wird
9). Dies „Walpurgisöl" wird an die Gläubigen verkauft
„gegen alle Gefahren des Leibes und der Seele" 10). Es ist schon
893 bezeugt 11). Vom Ordelbach geht die Sage, daß er einst
Kloster und Stadt Eichstätt vernichten werde, wenn nicht jährlich
an einem bestimmten Tage Walpurgisöl in die Öffnung der Felswand
gegossen werde, aus der er herauskommt 12).
9) Ursprünglich begann das
sog. stillicidium am 1. Mai: Rochholz Gaugöttinnen 9.
10) Andree-Eysn Volkskundliches 129 ff.; Lammert 26; Urds-Brunnen 1888/89,
94; Meyer Aberglaube 98; Bayerischer Heimatschutz 22 (1926), 49: Rochholz
Gaugöttinnen 7 f.; Samson D. Heiligen als Kirchenpatrone 392. Solcher
Ülfluß kommt übrigens auch an andern Heiligengräbern
vor: Joepf D. Heiligenleben im 10. Jahrh. 191 f. 215; Stüekelberg Geschichte
d. Reliquien in d. Schweiz 1, LXXVI Anm.3; Beissel Heiligenverehrung 1,
138 f.; Kochholz 12 ff.
11) Doyé Heilige u. Selige 2, 529 f.
12) Schöppner Sagen 3, 170, 1136.
3. Die hl. Walpurga hat neben einem
Ölfläschchen drei Ähren zum Attribut als Schützerin
der Feldfrucht 13). Ihr sind außer dem 1. Mai auch namentlich
die Erntetage geweiht. In Niederösterreich sowie in Böhmen gibt
es nach dem Volksglauben neun Walpurgisnächte. Läßt man
in diesen Nächten ein kleines Fenster im Hause offen, so hofft man
am Morgen nach der letzten Nacht, darin ein Goldstück zu finden, das
Walpurga hineingelegt hat. Sie wird nämlich in dieser Nacht von Geistern
verfolgt und flieht von Dorf zu Dorf, um ein Versteck zu finden. Am liebsten
verbirgt sie sich hinter einem Fensterkreuz und legt zum Dank ein kleines
Geldstück dorthin 14). Einem Bauern begegnete sie einst,
von Reitern auf weißen Rossen verfolgt, als weiße Frau mit feurigen
Schuhen 15), langwallenden Haaren, eine goldene Krone auf dem
Haupte und in den Händen einen dreieckigen Spiegel und eine Spindel
16). Ein andermal bittet sie einen Bauern, sie in eine Garbe
zu verstecken 17). Betet jemand in jeder der neun Nächte
um Mitternacht ein Vaterunser zur Rettung der Walpurga, so wird ihm in der
neunten Nacht ein Goldklumpen durchs Fenster ins Zimmer geworfen. Die Hexen
können in diesen Nächten verschiedene Dinge von der Heiligen verlangen,
namentlich kleine, dreieckige Spiegel, die alles Zukünftige zeigen.
Erhält man einen Faden von ihrer Spindel, so ist man sicher, daß
man in keiner Gefahr umkomme 18). An ihre Kirchen knüpfen
sich allerlei Sagen 19). Auch die von der hl. Kümmernis
ist auf sie übertragen 20). Über die Walpurgisnacht
siehe Maitag
und Philippus.
13) Rochholz Gaugöttinnen
25 ff.; Menzel Symbolik 1, 37 (in Frankreich wird ein Notre Dame de trois
Opis verehrt); Mannhardt 1, 210 Anm.; Samson D. Heiligen als Kirchenpatrone
391 f. Eine Bauernregel sagt: Georgi gibt Walburga die Ähren in die
Hand; Doye Heilige u. Selige 2, 529 f.
14) Vernaleken Alpensagen 109; Grohmann Sagen 44ff. Die neun Tage werden
in Barzdorf bei Brauna durch eine achttägige Festfeier vom 30. April
bis zum 6. Mai ersetzt. Diese Woche gilt als Unglückswoche: Kühnau
Schles. Sag. 2, 192.
15) Vgl. dazu ZfVk. 4 (1894). 291. 413.
16) S. Anm. 14.
17) Ebd. Die verfolgte Walpurga ist mit den Holzfräulein, Saligen usw.
identisch: Mannhardt 1, 121 f., vgl. 150. 445.
18) Vernaleken Alpensagen 110 f.
19) Reiser Allgäu r, 392 ff.; Günter Die christliche Legende des
Abendlandes 128 f.; Schöppner Sagen 2, 283 ff.
20) Kühnau Sagen 2, 192 f.
+ Sartori.