Mai
tag,
1. Mai
aus: E. Hoffmann-Krayer, H. Bächtold-Stäubli,
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens,
Berlin und Leipzig 1932
1. Die Heiligen des Tages.
2. Frühlingseinzug.
3. Feld und Garten.
4. Haustiere.
5. Geister und Zauber.
6. Hexen und Ungeziefer.
7. Weissagung. Wetterregeln.
8. Gesundheit.
9. Foppereien.
1. Im christlichen Kalender ist der 1. Mai der h. Walpurgis (s. d.)
geweiht. Er ist zugleich der Tag der Apostel Philippus und Jakobus, doch
wird auch dem letzteren der erste und dem Philippus der zweite Mai gegeben
1). So gilt auch hier und da (z. B. im bayerischen Frankenlande)
der zweite Mai als Walpurgistag 2) und demnach der erste als
Walpurgisabend. Doch ist unter dieser Bezeichnung bei weitem am häufigsten
der 30. April verstanden.
1) Mannhardt 2, 216.
2) Ebd. 1, 312.
2. Mit dem Mai zieht der Frühling mit all seiner Segensfülle
ins Land. Er wird mit fröhlicher Musik eingeblasen 3). Der
Kuckuck läßt sich zum erstenmal hören 4). Wie
der Lenz in pflanzlicher und in menschlicher Gestalt empfangen wird, s.
unter Maibaum, Maibraut, Maikönig. Die Jugend führt ihn im „Maisingen"
von Haus zu Haus und empfängt dafür Geschenke 5). Im
westlichen Böhmen macht man sog. „Wege" aus Sand oder Lohe auf dem
Pfade bekannter Liebespaare 6), die wohl eigentlich dem einziehenden
Frühlingsgeiste dienen sollen. In Vaihingen a. Enz war Maientag ein
großes Fest; am Schlusse wurde der Maien vergraben, wobei die Burschen
Mädchenkleider und die Mädchen Mannskleider anhatten 7).
Es ist eigentlich nicht der Mai, sondern vielmehr der Winter, der hier endgültig
beseitigt wird 8).
3) Sartori Sitte 3, 173 Anm. 13.
4) ZfdMyth. 3, 211. 395. Daß der Kuckuck dem Donar geweiht gewesen
sei (Mannhardt in ZfdMyth. 3, 209 ff.; German. Myth. 237), läßt
sich so wenig erweisen, wie daß der 1. Mai diesem Gotte heilig gewesen
sei: Mannhardt German. Myth. 18; Schröder Arische Religion 2, 249.
639 f.
5) Sartori 3, 178 f.; SchwVk. 11, 30ff.; Frazer 2, 59 ff.
6) John Westböhmen 74. Ähnlich in Frankreich aus Blumen: Sébillot
Folk-Lore 3, 404.
7) Meier Schwaben 398.
8) Am ersten Sonntag im Mai wird der „Maibär" von der Brücke in
die Tamina geworfen (wie die römischen Argei in den Tiber am 14. Mai)
SchwVk. 11, 37f.
3. Der 1. Mai ist der beste Tag der Hanfsaat 9). Bohnen,
am Maiabend gesetzt, geraten 10). Auch soll man dann Kürbiskerne
legen 11) und Gurken, dann erfrieren sie nicht 12).
Dagegen darf am 1. Mai kein Korn gesäet werden, sonst fressen es die
Würmer (Kr. Minden) 13). Anderswo muß sich am Maitag
die Krähe schon im Korn verstecken können, dann wird die Ernte
gut 14). In einen Garten, der am 1. Mai noch nicht umgegraben
ist, wird in der Nacht zum Spott ein Strohkerl gestellt 15).
9) Meyer Baden 421.
10) SAVk. 12,153 (Baselland). Am Maitage: Rantasalo Ackerbau 26 f. 30.
11) Drechsler 1, 111.
12) Bartsch Mecklenburg 2, 268; Eberhardt Landwirtschaft 2.
13) ZfrwVk. 4, 27; Rantasa10 27. 30 (in Norwegen glücklicher Säetag).
14) Andree Braunschweig 413.
15) Sartori Sitte 2, 26, Anm. 7.
4. Das Vieh wird am Maitag zum erstenmal ausgetrieben 16),
gleichviel ob Futter da ist oder nicht 17). In Schottland sogar,
wenn noch Schnee liegt 18). Auf den badischen Schweighöfen
fährt man am ersten Maifreitag zuerst aus 19). Doch gilt
in einigen Gegenden Preußens der 1. Mai als unheilvoll zum Austreiben
20). Wenn man am Maitag die Kühe mit „Speten" austreibt,
so gedeiht das Vieh in dem Jahre vorzüglich gut 21). Den
Kühen am Maitag mit einem Besen längs dem Rücken streichen
schützt gegen Hexen 22). So werden auch anderswo die Kälber
mit einem Ebereschenzweig „gequekt" und erhalten einen Namen 23).
In Mecklenburg soll man am Maitag morgen vor Sonnenaufgang das Vieh stillschweigend
mit Quitschruten zwicken und zwacken und diese dann im Kreuz auf den Dung
stecken, so hat das Vieh Gedeihen und der Dung Frucht 24). In
Schleswig-Holstein wird am Maitagmorgen alles Vieh gewaschen 25),
aber niemand will seine Tiere zuerst im Teich tränken 28).
Als viehschädigender Dämon erscheint Perht zu Walpurgisnacht im
Flachgau. Gegen sie steckt man zwei Hölzer in Form eines Andreaskreuzes
vor die Stalltüren 27). In Lothringen streut man vor Sonnenaufgang
Salz vor die Ställe 28). Die Kühe müssen vor Sonnenuntergang
gefüttert sein; die Türen werden dann geschlossen 29).
Auch Gegenstände von Stahl werden unter die Schwelle der Stalltür
gelegt, Stahl in die Mähnen der Pferde und die Hörner der Kühe
gebunden 30). In Haarbrück zogen am Maitag sämtliche
Bauern mit ihren Pferden zur Klus, einer Kapelle, und umritten sie
dreimal; das sollte die Pferde vor den Hexen bewahren 31). Am
r. Mai soll man recht schmalzen, dann hat man das ganze Jahr viel Schmalz
im Haus 32). In Grafenried heißt es, wer um Mitternacht
ganz entkleidet Butter ausrühre, habe das ganze Jahr reichen
Buttersegen 33). Die Butter wird das ganze Jahr schön gelb,
wenn man den Kühen am Walpurgisabend Butterblumen zu fressen gibt 34).
In Brie behauptete man, daß die Kühe reichlicher Milch gäben,
wenn man am 1. Mai die Hausleute nach Belieben davon essen ließe 35).
Um das Kratzen der Hühner im Garten zu verhindern, müssen diese
vor Sonnenaufgang „stillswigens aarslangs" aus dem Hühnerstall geworfen
werden (Lauenburg) 36). An der sächsisch-böhmischen
Grenze muß die Katze am Maiabend ihr Futter auf dem Misthaufen verzehren,
dann verunreinigt sie das ganze Jahr den Schüttboden nicht. Die Hühner
läßt man in einen Faßreifen treten und dort die Nacht zubringen.
Die Henne, die zuerst aus dem Reifen herausfliegt, legt am besten 37).
16) Sartori Sitte 2, 148 f.; 3,
181 Anm. 53; Kück Wetterglaube 67.
17) Bartsch 2, 267.
18) Campbell Witchcraft 270.
19) Meyer Baden 135.
20) Frischbier Hexenspruch 142.
21) Bartsch 2, 267.
22) Ebd.
23) Kuhn Westfalen 2 157f.; Woeste Mark 25; Sartori 3, 182 Anm. 54.
24) Bartsch 2, 267.
25) JbLSH. 4, 179.
26) Ebd.
27) Waschnitius Perht 56.
28) Sébillot Folk-Lore 1, 142.
29) Wuttke Sächs. Volksk. 359 (Wenden in d. Lausitz).
30) Hartmann Westfalen N. F. 35.
31) Hüser Beitr. 2, 27 (20).
32) Leoprechting Lechrain 177.
33) John Westböhmen 73 ; vgl. auch Sartori 3, 182 Anm. 57 und 58. Man
geht aufs Land, um Maibutter zu essen: Zingerle Tirol 155 (1313). Sie ist
heilkräftig: Sébillot 3, 88. Vgl. oben 1, 1757.
34) Heßler Hessen 2, 327f.
35) Sébillot 3, 83.
36) JbLSH. 6, 395.
37) Reinsberg Böhmen 207.
5. In der Walpurgisnacht regen sich die Geister, und allerlei
Zauber wirkt sich aus. In Würzburg fährt der Parlafex (d.
i. der Teufel selbst) in einer prächtigen Kutsche durch die Stadt 38).
Auf dem Hutberge bei Herrnhut hört man ein Tosen in der Luft und sieht
riesenhafte Gestalten daherziehen 39). Die Krone der Prinzessin
Brunhilde zeigt sich auf dem Bodekessel mit gewaltigem Blinken 40).
Unterirdische Glocken läuten in der Maitagnacht oder im Mai überhaupt
41). Arme Seelen, in Fische verwandelt, dürfen in dieser
(und in der Christ-) Nacht auf dem Wasserspiegel tanzen 42).
Die Saale fordert (wie am Johannistag) jährlich ihr Opfer 43).
In der Mitternacht verwandelt sich alles Wasser in Brunnen und Flüssen
in Wein (Böhmen) 44). Eine einjährige Haselrute, in
der Nacht zwischen 11 und 12 Uhr gebrochen, zeigt das im Boden liegende
Metall 45). Wer eine solche Rute bei sich trägt, wird nie
in einen Abgrund stürzen 46). Der Stab im Butterfasse muß
am Walpurgistage gemacht sein (Oberpfalz) 47). Wenn man am Walpurgisabend
in ein Haus kommt, in dem gerade gebuttert wird, muß man sich schnell
niedersetzen; dann geht die Butter schneller zusammen 48). Wer
um Mitternacht einen Stern vom Himmel fallen sieht, muß dort nachgraben;
er wird einen Schatz finden 49). Will man die Pferde stark haben,
so holt man sich in der Walpurgisnacht eine Teufelswurzel aus dem Walde
und mengt sie zerschnitten den Pferden ins Futter (Böhmen) 50).
Kinder, die am 1. Mai zur Welt kommen, gehören in der Oberpfalz
den Hexen, in Schlesien werden sie ungeschickte, unbrauchbare Menschen 51).
Auch die an diesem Tage ausgekommenen Gänse geraten nicht 62).
Hier und da ruht am 1. Mai die Arbeit 53). Man darf nicht backen,
weil dann der Regen ausbleibt 54), aus demselben Grunde auch
nicht Flachs schwingen und brechen 55).
38) Schöppner Sagen 2, 264.
39) Meiche Sagen 425 (560).
40) Kuhn und Sehwartz 169.
41) ZfVk. 7, 114. 117.
42) Schönwerth 2, 231. Totenvesper: Heyl Tirol 478.
43) Grimm Mythol. 1, 409.
44) Wuttke 76 (88).
45) Witzschel Thüringen 2, 39; vgl. Schell Bergische Sagen 357 (57).
46) Wuttke 109 (142).
47) Ebd. 448 (707).
48) ZfrwVk. 18, 14 (Böhmen).
49) Reinsberg Böhmen 207f.
50) Wuttke 451 (712).
51) Ebd. 76 (88); Drechsler 1, 112. 184. Maikinder taugen überhaupt
nichts: Volkskunde 22, 6o.
52) Wuttke 76 (88: Ostpreußen).
53) Sartori Sitte 3, 185 Anm. 73.
54) Heßler Hessen 2, 98.
55) Ebd. 2, 328.
6. Der 1. Mai und namentlich die Nacht vor ihm ist den Hexen
in besonderem Maße preisgegeben. Sie reiten nach dem Blocksberg 56)
oder einem der unzähligen örtlichen Hexentanzplätze. Felder,
Haus und Stall werden daher durch allerlei Schutzmittel, namentlich
durch Aufmalen von Kreuzen und Bestecken mit dem Maibusch gesichert 57).
In manchen Gegenden wird am Maitag oder an seinem Vorabend mit allen Glocken
geläutet 58). Keine Hexe kann über den Rhein, wenn
abends nach Sonnenuntergang die große Glocke vom Lorcher Kirchturm
ihr tiefes Geläut beginnt 59). In Marburg auf der Elisabethkirche
hebt schon am 30. April mittags feierlich das „Walpern" an. Man glaubte,
wer unter seinen Klängen Bohnen legte, werde eine besonders reiche
Ernte einheimsen 60). Örtlich findet dies Läuten den
ganzen Mai hindurch statt 61). Neuerdings ist es in ein Geläut
zu Ehren der Mutter Gottes umgewandelt worden 62). Durch Peitschenknallen
(in Lippe namentlich vor den Häusern kinderloser Eheleute) und sonstigen
Lärm werden die schlimmen Mächte verscheucht 63), oder
man verbrennt die Hexen im Feuer 64) (s. Maifeuer). Auch das
Verstellen von allerlei Sachen dient der Abwehr 65).
Auch des Ungeziefers entledigt man sich am 1. Mai 66).
Wenn man vor Sonnenaufgang stillschweigend drei Hände voll Stroh aus
dem Bette nimmt und nach dem Gerstenacker trägt, dann sind alle Flöhe
weg 67). Klettenwurzel, am 1. Mai mittags 12 Uhr stillschweigend
aus der Erde gehackt und im Hause umhergestreut, vertreibt die Ratten 68).
Wenn man eine schwarze Hexenkatze auf den Dachboden sperrt und diese einen
Ausweg findet, so sind auch alle Mäuse fort, sonst bleiben sie (Böhmen)
69).
Die Herbstzeitlose, am 1. Mai abgeschnitten, dient den Hexen als Nahrung
70). Der Rahmtopf soll am Walpurgisabend leer sein, in den vollen
kommen die Hexen 71). Man soll nichts aus dem Hause leihen oder
verkaufen, weil man dadurch leicht der Behexung anheimfallen kann 72).
Wer auf Maitag etwas leiht, kann hexen 73). Dagegen wird heimliche
Entwendung aus einem anderen Hause oder Besitztum als glückbringend
betrachtet 74).
56) S. oben 1, 1423 ff.
57) Sartori Sitte 3, 170; Grimm Mythol. 2, 878; Reinsberg Festjahr 172 ff.;
Fehrle Volksfeste 62 f.; Kapff Festgebräuche 15; Schramek Böhmerwald
151; Wrede Eifeley Volksk.2 218; Sartori Westfalen 16o; ZfVk. 12, 424 f.;
Wuttke 157 (215). z56. 258; Frazer 2, 53 ff. S. auch Hexenabwehr, -austreiben.
Dieselben Mittel gegen die Hexen wie am ersten Mai werden an der Mosel auch
am letzten angewandt: ZfdMyth. 1, 89.
58) Schmitz Eifel 35; Wrede Eifeley Volksk.2 94; Manz Sargans 34 f. 87 f.;
Meyer Baden 364; Schell Berg. Volksk. 99.
59) Bach Hexenprozesse in d. Vogtei Ems 9.
60) Bader Turm- und Glockenbüchlein 102.
61) Schmitz Eifel 35; Wrede Eifeler Volksk. 94.
62) Fox Saarland 252.
63) Sartori 3, 171; Ders. Westfalen 160; Rochholz Gaugöttinnen 78 f.
64) Sartori 3, 172; ZfVk. 12, 424.
65) Sartori 3, 171 f.; ZfrwVk. 26, 18.
66) Sartori 3, 170.
67) Bartsch Mecklenburg 2, 266; JbLSH. 4, 178.
68) Curtze Waldeck 399 (142).
69) Wuttke 399 (615).
70) Curtze 388 (98).
71) John Erzgeb. 196. Am 1. Mai vor Sonnenaufgang können gewisse Frauen
mit einem Bindfaden anderen Leuten Butter und Milch entziehen: Sébillot
Folk-Lore 3, 84.
72) Sartori 3, 172 Anm. 12; Schönwerth 1, 334; Reinsberg Böhmen
208 f.
73) Curtze Waldeck 388 (96).
74) Sartori 3, 172; SAVk. 20, 383; Wuttke 418 (650).
7. Die Burschen nehmen am Vorabend des 1. Mai ihren Schätzen
die Blumentöpfe vom Fenster weg und stellen sie in der Mitte des Dorfes
auf einem mit einem bekränzten Tännlein versehenen Brunnenstock
auf. Dann lauern sie in der Nähe bis zum frühen Morgen. Das Mädchen,
das zuerst ihre vermißten Blumenstöcke sucht, soll die erste
Hochzeiterin werden 75). Auch sonst veranlaßt der Tag allerlei
Liebesorakel 76). Man gräbt in der Mainacht unbeschrieen
einen Spiegel mit dem Glas nach unten auf einem Kreuzweg ein und holt ihn
in der anderen Nacht zwischen it und 12 Uhr wieder, um dann alles darin
zu sehen, z. B. jeden Diebstahl 77). In der Pflege Reichenfels
horcht man auf dem grünen Korne nach einem Zukunftszeichen 78).
Hört der in der Walpurgisnacht an einer Tür Horchende seinen eigenen
Namen, so soll er im Laufe des Jahres sterben 79). Auch über
den Tod der Hausfrau und der Eltern kann man Auskunft erhalten 80)
sowie über sein eigenes Leben 81). Von zwei Menschen, die
sich am 1. Mai zeitig in der Frühe begegnen, stirbt derjenige zuerst,
der zuerst spricht 82). Wenns am Maitag regnet, so gibts Futtermange1
83), oder es regnet die Gänse tot und den Kühen die
Hungersnot 84). Regnet es in der Walpurgisnacht, so gibt es ein
gutes Jahr 85). So lange das Wetter vor Maitag gut ist, solange
ist es nach ihm schlecht 86).
75) Meyer Baden 222.
76) Sartori Sitte 3, 184 Anm. 71; Geramb Brauchtum 41 f.; Sebillot Folk-Loye
3, 507 (Lüttich).
77) Meyer Baden 504; vgl. Reinsberg Böhmen 2o8.
78) Köhler Voigtland 373.
79) John Erzgeb. 198.
80) Reinsberg Böhmen 207.
81) Sebillot 2, 244. Im 13. Jahrh. befragte man den Kuckuck danach: ebd.
3, 200.
82) ZfVk. 4, 401.
83) Alemannia 24, 155 (Wiesloch) ; Meyer Baden 504; SAVk. 2, 28o.
84) John Westb. 76.
85) Drechsler 1, 111; Reinsberg Böhmen 208.
86) Lauffer Niederd. Volksk. 73.
8. Mancher Brauch und Glaube des Maitages betrifft die körperliche
Gesundheit. Ein Bad am 1. Mai ist von besonderem Segen 87).
Siehe auch Mairegen,
Maitau, Maiwasser.
In Poitou ißt man, um viel Geld zu haben, ein bißchen Knoblauch
und reibt sich die Lippen mit einem Zwanzigfrankstück. Der Genua von
Knoblauch schützt nach Meinung der Bauern in der Touraine gegen Fiebere
88). Auf dem Nikolasberge bei Spangdahlen wird Quirinuswasser
gesegnet und von denen gebraucht, die mit offenen Wunden behaftet sind 89).
Wer einen körperlichen Schaden hat, muß in der Walpurgisnacht
vor 11 Uhr auf den Kreuzweg gehen, drei Kreuze über den Schaden machen
und dazu sprechen: im Namen Gottes usw. Dann bleibt der Schaden auf dem
Kreuzwege zurück, und wenn die Hexen auf den Brocken ziehen, müssen
sie ihn mitnehmen 90). Vor Tagesanbruch soll der Gichtkranke
drei Tropfen seines Blutes in den Spalt einer jungen Fichte unter einem
Segen stillschweigend versenken 91). Der „Schlag mit der Lebensrute"
und der Wasserguß - beide glückbringend - werden an vielen
Orten verabreicht 92).
87) Oben 1, 816 ff.
88) Sebillot Folk-Lore 3, 479.
89) Schmitz Eifel 1, 35.
90) Sommer Sagen 148 f.
91) Grimm Mythol. 3, 504.
92) Sartori Sitte 3, 182 f.
9. Wie am 1. April 93) so werden auch am 1. Mai (und am
31. April) Leichtgläubige zum besten gehabt 94).
Glückt das, so schilt man sie Maikatt 95), Maiochs 96),
Maikalv 97), Maikieker 98), Maigänsle 99).
93) Oben 1, 560 ff.
94) Sartori 3, 167 Anm. 2; 185 Anm. 74. Vgl. oben 1, 561 (sogar noch am
31. Mai).
95) Urquell 4, 103 (Lübeck).
96) Drechsler 1, 114 f.; Mannhardt Forschungen 63.
97) Wrede Rhein. Volksk.2 266.
98) Urquell 3, 140 (Norderditmarschen).
99) Meier Schwaben 396.
Sartori