| STOFFE DES GLAUBENS Fastentücher in Kärnten |
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| © Harald Hartmann | |
Einleitung (Seite 1)
Schlussbemerkung (Seite 6) |
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Karnburg:
Fastentuch Karnburg bei Maria Saal Dieses Fastentuch wurde 1982, von der Aktion "Brot für alle" (heute: Aktion 2006), Schweiz vertrieben. Das Original des Motivs auf dem Fastentuch, das Meditationsbild des Bruder Klaus wurde von einem unbekannten Künstler des Mittelalters 1475/80 gemalt und befindet sich heute wenige Schritte vom Grab des Nikolaus von Flüe in der Pfarrkirche von Sachseln. Der reiche geistige Gehalt dieses Bildes liegt darin, dass die Erinnerung an die biblischen Geschehnisse und das Beten unabdingbar mit praktisch-ethischem Aufruf verbunden sind. Dies kommt in den drei aufeinander bezogenen Zyklen des Radbildes, dem heilsgeschichtlichen Zyklus (Schöpfung, Geburt Jesu usw.), dem Zyklus der Werke der Barmherzigkeit (Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben usw.) und dem übergeordneten Vater unser-Zyklus (beginnend links oben) zu bildlichem Ausdruck. Der innere Kreis (Gott und die Gemeinschaft der Heiligen) und der äussere Kreis (Geschaffene Welt und Menschen) sind durch drei auslaufende und drei einlaufende Strahlen miteinander verbunden. Drei Medaillons (Dreieck nach unten) weisen hin auf den Dreifaltigen Gott: den Vater als Schöpfer (links oben), den Sohn als Erlöser (rechts oben), den Heiligen Geist in der Verkündigung an Maria (unten Mitte). Drei weitere Medaillons (Dreieck nach oben) zeigen Gottes Liebe: Menschwerdung (links), Eucharistie (rechts), Gefangennahme (mit Verrat) (oben). In den vier Ecken die Symbole der Evangelisten.
Maria Bichl, neues Fastentuch:
Fastentuch in der Kirche Maria Bichl bei Spittal an der Drau Das neue Fastentuch von Maria Bichl zeigt auf einer Fläche von 4,80 m x 3,75 m die Passion Christi. Es wurde mit Kasein-Leimfarbe auf Leinen gemalt. Das Tuch wurde ohne kirchlichen oder weltlichen Auftrag vom damals 80-jährigen Peter Brandstätter 1999 geschaffen. Der Künstler schreibt 2000 selbst darüber: "Gott zur Ehr' und Dank, den Menschen zum Bedenken. Ungefähr vor drei Jahren (Anm.: 1996), an einem Advent Sonntag, hatter ich plötzlich das Grundkonzept für ein neues Fastentuch in meiner Vorstellung. Bald folgten erste Skizzen, Komposition und Details wurden reifer und schließlich auch der Entschluss, ein neues Fastentuch für Maria Bichl zu malen. Meine Absicht war, das Werk in klarer, gegenständlicher Bildsprache zu gestalten, ohne modernistische, oft undeutbare Gauklerei, für jeden verständlich und auch so, dass von den hintersten Plätzen in der Kirche aus das ganze Geschehen auf dem Tuch noch gut zu erkennen ist. Deshalb beschränkte ich mich auf wenige Personen und auch wenige Felder. Das Tuch gliedert sich in ein breiteres Mittelfeld, von oben bis unten durchlaufend und seitlich je drei schmälere, hochgestellte übereinander. Die Themen wählte ich ausschließlich aus der Passion Jesu Christi und beschränkte mich fast durchwegs bei jedem Thema auf zwei Personen. Ich wollte einfach jeweils nur einen menschlichen Chrarkter Jesus gegenüberstellen. Auf diese Weise, glaube ich, wird der Betrachter direkter in die Handlung einbezogen. So wird Judas, der Materialist, zum Verräter und Pilatus aus Angst vor dem aufgehetzten Volk zum Feigling. Auf der rechten Seite oben erkennt man schon am dunklen Schatten dahinter, dass ein brutaler Typus Christus am Stricke zerrt. Darunter Christus, der "Auferstandene" mit dem Thomas konfrontiert wird, und selbst beim letzten Abendmahl, links unten, kann man deutlich die verschiedenen Charaktertypen bei den Jüngern erkennen. Die Bildmitte beherrscht Christus am Kreuz. Links darunter der römische Hauptmann. Ein Heide, aber er war wohl vom Verhalten dieses Jesus während des ganzen Geschehens so beeindruckt, dass er den Ausspruch tat: "Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!" Und er ruft es auch uns zu. Direkt unter dem Kreuz Maria, die Mutter Jesu und Johannes, der tröstend und sorgend seinen Arm um die Schulter von Maria legt. Beide bleiben bis zum Ende treu in seiner Nähe. Die geduckten Pharisäer dahinter, stellvertretend für die Gegner Jesu schlechthin, haben ihr Ziel, den Tod des Jesus am Kreuz erreicht, aber nun verlassen sie, unter der verdunkelten Sonne sichtlich verschreckt, die Richtstätte. Hasserfüllt schaut einer nochmals zurück zum Kreuz. ER aber ist auferstanden. Am dritten Tag. Und er ist den Aposteln erschienen und anderen. Dann auch dem Thomas. Hier hat Christus erstmals einen Heiligenschein. Seine, dem Thomas zugewandte Seite, ist hell, sogar die hellste Figur der gesamten Komposition, eben der "Auferstandene", während die restliche Gestalt, durch den Strahl aus dem Grab geteilt, im roten Hintergrund eintaucht. Er ist ja nicht mehr direkt auf dieser Welt. Zum Abschluss stelle ich auch noch Jesus Christus sich selbst gegenüber. Einmal in seiner tiefsten Erniedrigung am Kreuz und andernteils alle überragend, zwischen Erde und himmlischen Raum auf einem Regenbogen thronend, selbst in einen Halbschatten getaucht, von Licht umrandet, in seiner göttlichen Güte und Erhabenheit dar - als Pantokrator, den Weltenherrscher." Straßburg:
Das Fastentuch von Straßburg Straßburg Seit 2009 hängt in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus ein neues vom Künstler Ferdinand Penker gestaltetes Fastentuch (12 x 6 m). Penkers Konzept, das er in Zusammenarbeit mit Propstpfarrer DI Mag. Johann Rossmann entwickelt hat, folgt dem traditioniellen "Feldertypus" nach dem Muster des Gurker Fastentuches. Die Einzelbilder sind monochrome Kompositionen mit Kohle- und Zinnoberpigmenten. Für den gotischen Kirchenraum schuf der seit langem in der Steiermark lebenden Kärtner Ferdinand Penker ein Fastentuch: 72 Quadratmeter Leinentuch in zwei zwölf Meter langen Bahnen mit 99 Bildmodulen im Digitaldruck. Penker nimmt das Konzept, die biblische Geschichte von der Weltschöpfung bis zur Auferstehung Jesu zu schildern, auf. Allerdings bleibt Penker abstrakt und hält das biblische Bilderverbot in einem Werk, das jahrhundertealte Traditionen mit liturgisch wie spirituell radikal neuen Ansätzen verknüpft, auf eigene Weise ein. Was in den Entwürfen noch in differenzierter Farbigkeit angelegt war, transformierte Penker in monochrome Formationen aus Kohlepigmenten. Die einzelnen Bilder sind durch zinnoberrote Rahmen gefaßt, die Worten aus dem Neuen Testament Platz bieten.
Detail aus dem Fastentuch von StraßburgFastentuch Klagenfurt, St. Peter In die waagrechten Trennlinien ist in Blockbuchstaben abrisshaft mit Zitaten die Heils- und Leidensgeschichte geschrieben: "MITTEN UNTER EUCH STEHT DER DEN IHR NICHT KENNT" Klagenfurt- St. Peter:
Fastentuch Klagenfurt, St. Peter Das 1982 von Prof. Karl Bauer im Feldertyp geschaffene Tuch mit einer Größe von 3 m x 8 m verdeckt in der Fastenzeit ein Mosaik das die Berufung Petri zeigt.
Fastentuch Klagenfurt, St. Peter Dem Kirchenpatron wird dadurch Rechnung getragen, dass dieses Fastentuch in allen Feldern die Rolle des Petrus in der Passionsgeschichte darstellt. Villach – Heiligenkreuz:
Fastentuch Villach - Heiligenkreuz Das Fastentuch wurde 1993/1994 unter der Leitung der Künstlerin Johanna Saddounig von Mitgliedern der Pfarrgemeinde geschaffen. Bemerkenswert ist das ikonographische Konzept dieses aus 5 mal 5 Feldern bestehenden Werkes: "In der Kirche, die dem "Hl. Kreuz" geweiht ist, soll deutlich werden, dass das Kreuz nicht nur Zeichen des Leides, der Not und des Todes ist, sondern durch Jesus Christus auch zum Symbol der Rettung, der Erlösung, des Sieges geworden ist. So stellt das Fastentuch Szenen aus der Bibel zum Thema ,Rettung und Erlösung in der Bibel´ dar. Im Zentrum steht die Darstellung der Kreuzigung. Die beiden linken Reihen zeigen Vorausbilder aus dem Alten Testament, in der Mittelreihe sind Szenen aus dem Leben Jesu und in den beiden rechten Reihen die Fortsetzung im Leben Jesu und in der Geschichte der Kirche dargestellt."
Vergleich zweier Bildfelder von Villach und Baldramsdorf Das Fastentuch von Villach-Heiligenkreuz kann in der Komposition seiner Bilder und dem theologischen Konzept durchaus mit den großen Vorbildern aus dem 16. Jahrhundert verglichen werden.
Vergleich zweier Bildfelder von Villach und Haimburg Als Detail ist im Vergleich auch eine Änderung des Frauenbildes im Laufe der Jahrhunderte erkennbar: Maria Saal:
Das wohl beeindruckendste Kärntner Fastentuch des 20. Jahrhunderts wurde 1990-1994 von dem Künstler Karl Wolschner geschaffen. Die Seidenbatik in Ockertönen gilt mit 35 m² als größte Batik der Welt. In Auflösung des Zentraltyps wird nur mehr das Heilige Haupt auf dem Bild dargestellt. Dieses Werk, mit dem es dem Künstler darum ging, "die gewaltige Größe des Glaubens auch gewaltig darzustellen", füllt die große romanische Basilika von Maria-Saal in der Fastenzeit mit seiner Raumwirkung voll aus. Schlussbemerkung: Die Kärntner Fastentücher sind nicht alleine von der kunst- und kulturgeschichtlichen Seite zu betrachten. Als Gegenstände, die heute noch im liturgischen Gebrauch stehen, sind sie auch und vor Allem Zeugnisse des Glaubens. Ein Besuch dieser Tücher in der Fastenzeit führt den Betrachter unweigerlich zu innerer Einkehr und Besinnung. Es ist zu wünschen, dass diese Werke auch weiterhin für alle zugänglich bleiben und den Besuchern die künstlerische Vielfalt eröffnen, die sich nicht nur durch die Jahrhunderte sondern auch durch die Lebensalter der Menschen zieht.
Fastentuch von Kindern – Maria Gail
Fastentuch des 84-jährigen Karl Wolschner © Harald Hartmann, 2007-2010 Quellen:
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