| Wallfahrt: | Historische Marienwallfahrt zur "Inzinger Muttergottes", einem seit 1685 verehrten Mariahilf-Gnadenbild. |
| Status: | Historisch bedeutende, heute weitgehend erloschene Wallfahrt; das Gnadenbild wird weiterhin in der Pfarrkirche bewahrt. |
| Kultzentrum: | Die "Inzinger Muttergottes", eine frühe Kopie des Mariahilfbildes von Lucas Cranach d. Ä., über dem Hochaltar. |
| Ort: | Inzing |
| Region: | Innsbruck-Land |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: Kirchgasse 5, 6401 Inzing. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Innsbruck-Land |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Seelsorgeraum Inzing-Hatting-Polling |
| • | Öffnungszeiten: täglich geöffnet, freier Eintritt. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Außenaufnahme, Blick von Süden Richtung Pfarrkirche, links der Turm von Inzing:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Hochaltar und Gnadenbild:
(zum Aufnahmezeitpunkt war eine Baustelle in der Kirche, bessere Aufnahme willkommen).
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Deckenfresko:
Deckenmalerei der weinenden Muttergottes von Inzing, dem Gnadenbild nach Cranach am Hauptaltar.
Die Malerei wurde von Anton Kirchebner im Jahre 1779 begonnen und nach dessen Tod von seinen Söhnen Franz Xaver Kirchebner und Josef Anton Kirchebner vollendet.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Die Pfarrkirche zum hl. Petrus in Inzing war über mehr als zwei Jahrhunderte ein bedeutender Marienwallfahrtsort des Tiroler Inntales. Mittelpunkt der Verehrung ist die "Inzinger Muttergottes", eine frühe Kopie des berühmten Mariahilfbildes von Lucas Cranach dem Älteren, die nach der Überlieferung um Weihnachten 1685 im Haus des Bauern Leopold Gaßler zu weinen begann. Aus einem zunächst privaten Andachtsbild entwickelte sich innerhalb weniger Jahre ein öffentlicher Gnadenkult mit eigener Kapelle, beträchtlichen Opfergaben, Votivtafeln, Bruderschaftsfrömmigkeit, geistlichen Schauspielen und einem weit über Inzing hinausreichenden Wallfahrtszulauf. Die Wallfahrt erreichte im späten 18. und im 19. Jahrhundert ihre größte Bedeutung und ging seit dem frühen 20. Jahrhundert stark zurück. Heute besteht keine regelmäßige überörtliche Wallfahrt mehr; das Gnadenbild ist jedoch weiterhin über dem Hochaltar erhalten und gehört zu den wichtigsten historischen Zeugnissen der Inzinger Pfarrgeschichte.
Eine Kirche in Inzing wird nach der örtlichen Überlieferung bereits 1260 genannt. Der heutige Bau ist jedoch das Ergebnis einer langen Folge von Neubauten und Veränderungen. Inzing war über Jahrhunderte kirchenrechtlich keine selbständige Pfarre: Die Kirche gehörte zunächst zur Mutterkirche Pfaffenhofen und wurde seelsorglich von Flaurling aus betreut. Erst 1891 wurde Inzing zur eigenständigen Pfarre erhoben.
Von den älteren Kirchenbauten hat sich vor allem der schlanke gotische Turm erhalten. Der heutige spätbarocke Kirchenbau entstand 1777 bis 1779 und wurde am 8. Juli 1780 durch den Brixner Fürstbischof Josef Graf von Spaur geweiht. Bei der Zuschreibung des Neubaus widersprechen sich allerdings die Quellen. Johann Schöpf nennt 1885 ausdrücklich Franz Singer von Götzens als Baumeister und bezeichnet die Inzinger Kirche als ein treues Gegenstück zur von Singer 1772 bis 1775 erbauten Kirche von Götzens. Die heutige Pfarrdarstellung nennt dagegen Joseph Renn aus Innsbruck als Verfasser des Baurisses und ersten Bauführer; nach dessen Tod 1777 habe sein Bruder Peter Renn die Bauaufsicht übernommen. Da beide Überlieferungsstränge bestehen, wird die Frage hier nicht künstlich zugunsten einer einzigen Zuschreibung entschieden.
Das Inzinger Gnadenbild gehört zum weit verbreiteten Bildtypus "Mariahilf". Das berühmte Vorbild stammt von Lucas Cranach dem Älteren und befindet sich heute im Innsbrucker Dom St. Jakob. Die Darstellung zeigt Maria in enger körperlicher Beziehung zum Jesuskind: Das Kind schmiegt sich an die Mutter und greift an ihren Hals, während Maria es schützend an sich hält. Gerade diese menschlich-mütterliche Nähe trug wesentlich zur außergewöhnlichen Verbreitung des Bildtypus im katholischen Alpenraum bei.
Für das konkrete Inzinger Bild liefert Johann Schöpf eine bemerkenswert frühe Beschreibung aus einem Schreiben des Telfer Dekans Franz Oberberger vom 24. Juli 1686. Oberberger bezeichnet es als "uraltes", auf Tuch gemaltes Maria-Hilfe-Bildnis in der Größe eines "Regal-Bogens", das seit vielen Jahren in der gewöhnlichen Stube des Leopold Gaßler gehangen habe und dort nur geringe Beachtung gefunden habe. Gaßler selbst erklärte, das Bild sei ihm von seinen Eltern hinterlassen worden. Damit ist zumindest gesichert, dass es bereits vor den Ereignissen von 1685 als älteres Hausbild im Besitz der Familie war; Künstler und genaues Entstehungsdatum bleiben unbekannt.
Der besondere Wert von Johann Schöpfs 1885 gedrucktem Bericht liegt darin, dass er nicht nur die spätere Wallfahrtsüberlieferung wiedergibt, sondern eine ganze Reihe damals noch greifbarer Schriftstücke aus den Jahren 1686 und 1687 nennt. Er zählt neun Urkunden beziehungsweise Berichte auf: den Brief Leopold Gaßlers an den Kaltenbrunner Kuraten Michael Pult vom 31. Mai 1686, ein Schreiben des Telfer Dekans Franz Oberberger vom 3. Juni, Oberbergers Bericht an das Brixner Ordinariat vom 24. Juli, den Bericht des Flaurlinger Pfarrers Johann Peißer vom 10. August, den ausführlichen Bericht Michael Pults vom 30. August, ein Schreiben des Imster Dekans Bartlmä Gschwenter vom 16. September, das Bittgesuch der Gaßlerschen Verwandtschaft vom 11. Juni 1687, einen weiteren Bericht Oberbergers vom 4. September 1687 und schließlich ein Schreiben des ersten Kaplans beziehungsweise Benefiziaten Franz Aigner vom 7. Dezember 1687.
Schöpf nennt darüber hinaus ein im Inzinger Kuratie-Archiv verwahrtes Dokument mit dem Titel "Kurtzer, jedoch grindlicher Inhalt und wahrhafte Nachricht der Wunderthätigen heiligen Maria Hilf Bildnis, welche anno 1685 ... Wunderbarlich geweint hat" sowie das in Inzing erhaltene geistliche Schauspiel. Damit lässt sich die Entstehungsphase der Wallfahrt ungewöhnlich dicht aus nahezu zeitgleichen Schriftzeugnissen rekonstruieren. Zugleich ist wichtig, dass Schöpf selbst seinem Druck eine kirchenrechtliche Vorsichtserklärung voranstellt: Er wolle dem Urteil der Kirche nicht vorgreifen und beanspruche für den Inhalt nicht mehr als "bloß menschliche Glaubwürdigkeit". Gerade diese Einschränkung ist für eine heutige quellenkritische Lektüre wesentlich.
Um Weihnachten 1685 wurde das bis dahin wenig beachtete Hausbild zum Mittelpunkt eines außergewöhnlichen Geschehens. Die allgemeine Inzinger Sage, wie Schöpf sie 1885 festhielt, erzählt, Gertraud Hechenberger, die Ehefrau Leopold Gaßlers, habe beim Auskehren einer Kammer hinter einer Truhe ein Weinen gehört und dort das Muttergottesbild gefunden. Das erhaltene geistliche Schauspiel lässt dagegen Leopold Gaßler selbst das Bild hinter einer Truhe in Staub und Schmutz entdecken. Schon diese Abweichung zeigt, dass zwischen zeitnahen Schriftzeugnissen und späterer erzählerischer Ausgestaltung unterschieden werden muss.
Besonders wertvoll ist deshalb Leopold Gaßlers eigener Brief vom 31. Mai 1686 an den Kaltenbrunner Kuraten Michael Pult. Gaßler berichtete darin, seine Frau habe zur Weihnachtszeit gesehen, wie das Maria-Hilf-Bild helle Tränen vergoss, "als wenn es natürlich geweint hätte". Am folgenden Morgen habe er selbst festgestellt, dass das Bild stark "geschwitzt" habe und bis auf die Brust nass gewesen sei; er habe es mit einem Tüchlein abgewischt. Eine weitere frühe Nachricht berichtet, Gertraud Hechenberger habe die Erscheinung wiederholt wahrgenommen und deshalb Nachbarn herbeigerufen, damit diese das Geschehen beobachten und bezeugen könnten.
Damit ist die Erzählung vom weinenden Bild nicht erst aus später Wallfahrtsliteratur bekannt, sondern bereits wenige Monate nach den behaupteten Vorgängen schriftlich fassbar. Historisch belegbar ist das frühe Zeugnis über wahrgenommene Tränen beziehungsweise Feuchtigkeit am Bild; ob und wie das Phänomen zu erklären ist, bleibt davon zu trennen.
Die verschiedenen frühen Berichte zeigen, wie rasch aus einer privaten Beobachtung ein öffentliches religiöses Ereignis wurde. Nach der sogenannten "gründlichen und wahrhaften Nachricht" wurden Nachbarn als Zeugen herbeigerufen und das Geschehen schließlich geistlichen und weltlichen Obrigkeiten angezeigt. Für die Entstehung der Wallfahrt ist weniger entscheidend, ob sich eine übernatürliche Ursache historisch beweisen lässt, als die Tatsache, dass das Bild innerhalb weniger Monate aus der privaten Stube in einen öffentlichen kirchlichen Zusammenhang gelangte und einen starken Zulauf auslöste.
Gleichzeitig wuchs um die frühen Zeugnisse eine reichere Erzähltradition. Dazu gehört das im geistlichen Schauspiel geschilderte Tränentüchlein: Gaßler soll die am Bild abgewischten Tränen in einem Tuch aufbewahrt haben, das später verschwunden sei; ein Engel habe den kostbaren Schatz in den Himmel getragen. Solche Motive sind als Teil der religiösen Deutung und volkstümlichen Erweiterung der Ursprungsgeschichte zu lesen und von den zeitgenössischen Briefen zu unterscheiden.
Zu den ungewöhnlichsten Gestalten der Inzinger Überlieferung gehört Ursula Egger, die 1686 in den Quellen als "besessene Person" bezeichnet wird. Solche Zuschreibungen gehören zur religiösen und medizinischen Vorstellungswelt der frühen Neuzeit und dürfen nicht mit einer modernen Diagnose gleichgesetzt werden. Gerade Schöpfs Wiedergabe des Gaßler-Briefes zeigt jedoch, welche Funktion diese Frau in der Entstehung des Kultes erhielt: Gaßler wollte offenbar erfahren, wie sie sich vor dem Bild verhalten und was sie über dessen Bedeutung sagen würde.
Nach Gaßlers Bericht geriet Ursula Egger beim Betreten der Stube in einen außergewöhnlichen Zustand. Der Bericht lässt den "bösen Geist" aus ihr sprechen, das Bild als wundertätig bezeichnen und Maria loben; außerdem ist von lateinischer Rede, körperlichen Anfällen und Blutspucken die Rede. Als anwesende Zeugen nennt Gaßler Johann Fritz, Christian Fritz, Peter Windegger und Johann Dietrich sowie sich selbst. Besonders aufschlussreich für die Mentalitätsgeschichte ist der Schluss seines Briefes: Gaßler bat Kurat Michael Pult ausdrücklich, bei einem Exorzismus den bösen Geist zu zwingen, zu erklären, ob es sich tatsächlich um ein Gnaden- oder "mirakuloses" Bild handle. Die erhoffte religiöse Autorisierung des Bildes sollte also ausgerechnet über die Aussage einer als besessen angesehenen Person gewonnen werden.
Schöpf führt noch einen weiteren bemerkenswerten Beleg an. Im Pfarrarchiv Flaurling befand sich ein Bittgesuch von vier als besessen bezeichneten Frauen an Eleonora Josefa, Königin von Polen und geborene Erzherzogin von Österreich. Die Frauen erklärten, bereits zahlreiche Wallfahrten unternommen zu haben und nun beim Gnadenbild in Inzing Hilfe zu suchen; die Königin sollte beim Bischof von Brixen erwirken, dass Priester ihnen geistlichen Beistand leisteten. Damit wird sichtbar, dass die frühe Inzinger Wallfahrt zeitweise auch in ein größeres frühneuzeitliches Netzwerk von Exorzismus, Heilssuche und Wallfahrt eingebunden war.
Die spätere Sage schreibt Ursula Egger zudem die Forderung zu, das Bild müsse nach Kaltenbrunn gebracht werden. Schöpf weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass Gaßlers zeitnahes Schreiben diese konkrete Aufforderung nicht enthält. Gerade hier lässt sich beobachten, wie sich aus historischen Vorgängen und späteren Deutungen eine geschlossene Wallfahrtslegende formte.
Dass das Inzinger Bild tatsächlich nach Kaltenbrunn im Kaunertal gebracht wurde, ist durch mehrere der von Schöpf genannten Schriftstücke belegt. Wahrscheinlich erfolgte die Übertragung in der ersten Junihälfte 1686; möglicherweise brachte Leopold Gaßler das Bild selbst dorthin. Kaltenbrunn war damals ein weithin bekannter Tiroler Marienwallfahrtsort, und Gaßlers Brief zeigt, dass er sich dort eine religiöse Klärung erhoffte.
Der Aufenthalt war überraschend kurz. Aus Michael Pults Bericht vom 30. August 1686 geht hervor, dass das Bild nur einmal in Kaltenbrunn übernachtete. Bereits am nächsten Tag erschienen Abgeordnete aus Inzing, um es zurückzuholen. In der späteren Überlieferung wurde erzählt, Ursula Egger habe auch in Kaltenbrunn behauptet, das Bild gehöre dorthin; den Inzingern sei sogar gedroht worden, es werde beim Wegtragen immer schwerer werden. Die Träger hätten sich davon nicht abhalten lassen und festgestellt, dass das Bild auf dem ganzen Weg sein Gewicht behielt.
Schöpf berichtet ferner von der Überlieferung, der Rückweg durch das Oberinntal habe sich zu einem Triumphzug entwickelt: In den Gemeinden sei das Bild von Geistlichkeit und Bevölkerung mit Kreuzen, Fahnen und Glockengeläute empfangen worden. Diese Einzelheiten sind nicht in gleicher Weise urkundlich gesichert wie der kurze Aufenthalt in Kaltenbrunn selbst, machen aber verständlich, warum gerade die Reise des Bildes seine Bekanntheit enorm gesteigert haben dürfte. Nach der Rückkehr kam es nicht mehr in das Haus Gaßler, sondern wurde in der Peterskirche auf dem Hochaltar öffentlich ausgestellt.
Nach der Rückkehr wurde das Gnadenbild auf dem Hochaltar der damaligen Inzinger Kirche öffentlich aufgestellt. Dekan Oberberger berichtete bereits am 24. Juli 1686, dass es täglich von immer mehr "Kirchfahrtern" verehrt und mit beträchtlichen Opfern beschenkt werde. Die Gaßlersche Verwandtschaft fasste deshalb rasch den Entschluss, für das Bild eine eigene Kapelle zu errichten. Am 14. August 1686 erteilte die kirchliche Behörde die Erlaubnis, allerdings unter der Bedingung, dass die Kapelle keinen eigenen Zugang von außen erhalten dürfe.
Die Kapelle wurde an die bestehende Peterskirche angebaut. In einem Bittgesuch vom 11. Juni 1687 erklärte die Gaßlersche Verwandtschaft, Kapelle und Altar seien weitgehend fertiggestellt; lediglich Fassung und Vergoldung des Altares fehlten noch. Für den Bau seien bereits ungefähr 1600 Gulden aufgewendet worden. Zugleich lagen beim Gnadenbild Opfergaben von 600 bis 700 Gulden. Die Familie ersuchte darum, dieses Opfergeld für die restlichen Baukosten, die Vergoldung des Altares und ein eisernes Gitter verwenden zu dürfen. Die Zahlen zeigen, wie rasch aus dem privaten Hausbild ein materiell bedeutender Gnadenort geworden war.
Am Fest Kreuzerhöhung, dem 14. September 1687, wurde das Gnadenbild feierlich vom Hochaltar in die neue Kapelle übertragen. Ein von Schöpf zitierter zeitgenössischer Bericht schildert einen ausgesprochen großen Festtag: Vor dem Gnadenbild wurden ein Amt, eine Predigt und acht weitere heilige Messen gefeiert. Um zwölf Uhr zog bei großer Volksmenge eine Prozession mit dem Gnadenbild sowie zahlreichen Kreuzen und Fahnen auch aus benachbarten Gemeinden. Die Lauretanische Litanei wurde gesungen, anschließend wurde das Bild in die neue Kapelle gebracht und der Tag mit dem Te Deum beschlossen.
Am folgenden Tag wurde in der Kapelle erstmals ein feierliches levitiertes Amt gefeiert; hinzu kamen sechs weitere Messen. Der Altar wurde schließlich am 22. Oktober 1688 von Franz Johann Graf von Kuen feierlich geweiht. Die Dichte der Gottesdienste und die Beteiligung auswärtiger Kreuze und Fahnen zeigen, dass die Inzinger Marienverehrung schon knapp zwei Jahre nach den ersten Berichten über das weinende Bild weit über eine rein private oder dörfliche Andacht hinausgewachsen war.
Der starke Wallfahrtszulauf führte auch zu einer dauerhaften seelsorglichen Einrichtung. Schöpf bezeichnet die Errichtung eines Benefiziums als eine der großen Folgen des Gnadenkultes: Obwohl Inzing weiterhin von Flaurling abhängig blieb, war nun ein eigener Priester im Ort, der täglich Messe feiern, Beichte hören, Kranke betreuen und auch in der Schule mitwirken konnte. Als ersten Benefiziaten nennt Schöpf Franz Aigner, der bereits im November 1686 in den Flaurlinger Taufmatriken als Taufender erscheint.
Der formelle Stiftbrief des Benefiziums datiert allerdings erst vom 31. Mai 1713; das Stiftungskapital betrug damals 4000 Gulden. Die zeitliche Differenz zeigt, dass die praktische geistliche Betreuung der Wallfahrt schon lange vor der endgültigen rechtlichen und finanziellen Fixierung der Stiftung eingesetzt hatte.
Für den 14. September 1687 ist urkundlich gesichert, dass am Nachmittag neben der Prozession eine "kleine Exhibition de Beatissima Virgine theatraliter" stattfinden sollte, also eine theatralische Darstellung über die seligste Jungfrau. In Inzing war 1885 außerdem ein umfangreicheres geistliches Schauspiel erhalten, das dem Wiltener Prämonstratenser Ignatius Zach zugeschrieben wurde und aus Vorspiel, Hauptspiel und Nachspiel bestand. Das Vorspiel trug den Titel "Der Ursprung einer gnadenreichen, weinenden und zu Inzing rastenden heiligen Maria-Hilfe-Bildnis"; das Hauptspiel behandelte die Albigenser und die Wirksamkeit des Rosenkranzes.
Johann Schöpf hielt es für sehr wahrscheinlich, dass bereits 1687 eben dieses Stück oder zumindest eine frühe Fassung davon gespielt worden sei. Beweisen konnte er die Gleichsetzung jedoch nicht. Sicher belegt sind Aufführungen des erhaltenen Schauspiels erst für 1720, 1723, 1724, 1751 und 1791. Diese Unterscheidung ist wichtig: Fest steht eine Marienaufführung bei der Übertragung von 1687; die Identität mit dem später überlieferten Rosenkranzspiel bleibt eine plausible, aber nicht gesicherte Annahme Schöpfs.
Unabhängig davon zeigt die Tradition, dass die Inzinger Wallfahrt nicht nur aus Gebet, Messe und Prozession bestand. Geistliches Theater vermittelte die Ursprungserzählung des Gnadenbildes öffentlich und verband Glaubenslehre, Dorfgeschichte und Festkultur. Zugleich bewahrte das Schauspiel Motive der frühen Wallfahrtslegende, die mit den zeitnahen Briefen verglichen werden können.
Die Rosenkranzfrömmigkeit wurde zu einem wichtigen Träger des Marienkultes. Für 1718 nennt die Pfarre die Gründung einer Rosenkranzbruderschaft. Aus dem Jahr 1748 ist darüber hinaus ein gedrucktes beziehungsweise graphisches Zeugnis der "Erzbruderschaft des heiligen Rosenkranzes" von Inzing überliefert. Bruderschaften strukturierten die Frömmigkeit durch gemeinsame Gebete, Feste, Prozessionen, Mitgliedschaften und häufig auch durch gegenseitige Hilfe im Krankheits- und Todesfall.
Für einen Wallfahrtsort waren sie besonders wichtig, weil sie die Verehrung des Gnadenbildes aus dem individuellen Gebet in eine dauerhafte gemeinschaftliche Form überführten. In Inzing verbanden sich dadurch Gnadenbild, Rosenkranz, Prozession und Volksschauspiel zu einer ausgeprägten barocken Marienkultur.
Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts war die ältere Kirche den Anforderungen des Ortes und wohl auch dem Wallfahrtsbetrieb nicht mehr gewachsen. 1776 bewilligte das oberösterreichische Gubernium den Neubau. Die Bevölkerung beteiligte sich mit Geld, Material und Arbeitsleistungen; erhaltene Verzeichnisse nennen zahlreiche Spender und dokumentieren einzelne Tagschichten der Dorfbewohner. Die Gesamtausgaben der Kirchenbaurechnung werden für 1783 mit mehr als 20.000 Gulden angegeben.
Der heutige Bau entstand 1777 bis 1779, wobei der gotische Turm stehen blieb, und wurde am 8. Juli 1780 geweiht. Gerade bei der Frage nach dem Baumeister ist die Überlieferung widersprüchlich. Schöpf nennt 1885 Franz Singer von Götzens und bezeichnet die Inzinger Kirche ausdrücklich als treues Ebenbild der Götzner Kirche. Auch ältere Inzinger Ortsliteratur schreibt Singer eine maßgebliche Rolle zu. Die heutige Pfarrbeschreibung nennt dagegen Joseph Renn als Urheber des Baurisses und Bauführer bis zu seinem Tod 1777 sowie dessen Bruder Peter Renn als Nachfolger in der Bauaufsicht. Eine endgültige Entscheidung wäre nur aus den Bauakten selbst zu gewinnen; bis dahin sollte die Differenz offen benannt werden.
Das Kircheninnere besitzt einen für Tirol bemerkenswert weiten spätbarocken Raum mit elliptischen Kuppeln. Unabhängig von der offenen Zuschreibungsfrage ist der Neubau auch als Ausdruck der wirtschaftlichen und religiösen Kraft zu verstehen, die Inzing während der Blüte seiner Wallfahrt mobilisieren konnte.
Beim Neubau wurde das seit nahezu hundert Jahren verehrte Gnadenbild in die neue Kirche übernommen und über dem Hochaltar angebracht. Dort befindet es sich bis heute. Das große Hochaltarblatt mit der Kreuzigung des Kirchenpatrons Petrus ist von Anton Zoller signiert und trägt die Jahreszahl 1766. Darüber beziehungsweise in unmittelbarer Beziehung zum Hochaltar behauptet das kleinere Mariahilfbild seine besondere Stellung als eigentliches Kultzentrum der historischen Wallfahrt.
Diese Anordnung ist religionsgeschichtlich interessant: Das Patrozinium der Kirche bleibt dem Apostel Petrus vorbehalten, während das Wallfahrtsgeschehen von einem Marienbild bestimmt wird. Pfarrkirche und Wallfahrtskirche überlagern sich damit, ohne dass das ursprüngliche Kirchenpatrozinium verdrängt wurde.
Die Geschichte des Gnadenbildes wurde unmittelbar in die Ausstattung der neuen Kirche eingeschrieben. Im Fresko der mittleren Kuppel erscheint die Verehrung der Inzinger Muttergottes. Leopold Gaßler ist mit dem Tränentüchlein dargestellt; auf der anderen Seite erscheint Ursula Egger. Hinter Gaßler stehen Wallfahrer aus bürgerlichen und adeligen Kreisen, gegenüber Bauern, die sich an Maria wenden. Das Fresko ist damit zugleich religiöses Bild und bildliche Sozialgeschichte der Wallfahrt.
Mit den Fresken ist auch eine tragische Künstlergeschichte verbunden. Anton Kirchebner aus Götzens arbeitete noch an der zweiten Kuppel, als er am 17. August 1779 vom Gerüst stürzte und kurz darauf starb. Seine Söhne Franz Xaver und Josef Anton vollendeten die Arbeiten. Das dritte große Fresko wird im Volksmund als "Inzinger Rosshimmel" bezeichnet. Es zeigt unter anderem Maria, die der hl. Klara und dem hl. Dominikus den Rosenkranz reicht, und gehört damit ebenfalls in die ausgeprägte Rosenkranzfrömmigkeit des Ortes.
Schöpfs Druck ist auch deshalb wertvoll, weil er den damaligen Zustand der Kirche unmittelbar nach der großen Restaurierung von 1870 bis 1877 beschreibt. Nach seinen Angaben wirkte der Franziskaner Bertrand Schöpf bei der künstlerischen Erneuerung beratend mit; Altäre, Kanzel und Beichtstühle wurden neu gefasst, der Innenraum dekoriert und ein neuer Plattenboden verlegt. Für die Seitenaltäre kamen neue Figuren hinzu: Arbeiten aus München sowie Figuren des Bildhauers Winkler aus Weerberg.
Besonders aufschlussreich ist die Beschreibung des Hochaltares. Schöpf schreibt, dieser habe seit 1871 ein Gemälde Franz Hellwegers getragen, in dessen Mittelpunkt Christus und Petrus standen. Das ist kein Widerspruch zum heutigen Hochaltarbild von Anton Zoller aus dem Jahr 1766: Die Inzinger Ortschronik berichtet, dass Zollers ursprünglich aus Telfs stammendes Bild erst bei der Restaurierung 1959 in Inzing aufgestellt wurde, während Hellwegers Bild später hinter dem Hochaltar verwahrt wurde. Schöpf dokumentiert somit eine heute nicht mehr sichtbare Ausstattungsphase.
Auch die übrigen Altarbilder nennt er beim Namen. Das Josefsbild stammte ebenfalls von Franz Hellweger; die Bilder der Heiligen Familie und des hl. Antonius von Padua schrieb er Franz Bernlochner zu. Die Deckenbilder nennt er als Werk Anton Kirchebners und seiner Söhne Franz und Josef. 1884, also unmittelbar vor Erscheinen des Berichtes, erhielt die Kirche außerdem neue Fenster aus der Innsbrucker Glasmalerei. Damit liefert Schöpf einen seltenen geschlossenen Zustandsbericht des Kirchenraumes am Ende des 19. Jahrhunderts.
Die zahlreichen Votivtafeln gehörten zu den wichtigsten sichtbaren Zeugnissen der Inzinger Wallfahrt. Sie wurden als Dank für eine als erfahren geglaubte Hilfe gestiftet und machten persönliche Nöte öffentlich sichtbar. Besonders wertvoll ist deshalb der dritte Teil von Schöpfs Bericht. Er erklärt, ihm hätten sieben schriftliche "Attestationen" über Gnadenerweisungen vorgelegen; vier davon trugen sogar die laufenden Nummern 63, 74, 77 und 91. Daraus schloss er, dass ursprünglich wesentlich mehr schriftliche Zeugnisse vorhanden gewesen sein mussten. Aus den sieben ihm bekannten Attestationen erzählt Schöpf vier ausführlicher.
Am 22. August 1686 geriet der elfjährige Andreas, Sohn des Alexius Gritsch und der Eva Reilin aus Mötz, unter einen schwer beladenen Wagen; ein Rad soll über seinen Körper gegangen sein. Die Eltern gelobten eine Wallfahrt nach Inzing und die Stiftung einer Votivtafel. Nach ihrer Attestation blieb das Kind ohne bleibenden Schaden. Schöpf berichtet außerdem, die Eltern hätten ihr Gelübde erfüllt und in Mötz zu Ehren Mariens eine Kapelle erbaut.
Ein zweiter Bericht betrifft den vierjährigen Andreas, Sohn des Postmeisters Lorenz Ampasser im Wirtshaus von Dirschenbach. Das Kind stürzte am 5. Oktober 1687 frühmorgens aus einem Fenster auf Steinpflaster und erlitt nach Aussage der Eltern eine schwere Kopfverletzung. Die Hausgemeinschaft brach noch am selben Morgen zu einer Wallfahrt nach Inzing auf und gelobte eine Votivtafel. Bei der Rückkehr, so die Attestation, sei das Kind wieder gesund gewesen.
In Telfs fiel im Herbst 1687 der siebenjährige Sohn des Elias Kluibenschädl so unglücklich auf ein Messer, dass dieses im Auge stecken blieb. Die Eltern gelobten eine Wallfahrt und trugen den Knaben am folgenden Tag betend nach Inzing. Kurz vor dem Dorf nahmen sie den Verband ab und erklärten später, das Auge sei bis auf einen kleinen Fleck wieder unversehrt gewesen. Der Knabe wurde anschließend auch im Telfer Widum gezeigt.
Der vierte von Schöpf ausführlich wiedergegebene Fall betrifft Simon Pärtl, einen Tischlergesellen aus dem Mühlfeld im Zillertal, der nach der Attestation etwa zwei Jahre am ganzen Körper so stark erstarrt gewesen sei, dass er sich kaum bewegen und keine Nahrung zu sich nehmen konnte. Er ließ sich auf einem Karren nach Inzing bringen und habe dort nach längerem Gebet schrittweise die Beweglichkeit zurückgewonnen, zunächst bis zu den Krücken und schließlich bis zum freien Gehen. Auch ein Geschwür am Genick sei ohne die zuvor gefürchtete Behandlung verheilt.
Solche Berichte sind keine medizinischen Krankengeschichten im modernen Sinn und erlauben keine nachträgliche Diagnose. Volkskundlich und wallfahrtsgeschichtlich sind sie dennoch außerordentlich wertvoll: Sie zeigen, welche existenziellen Nöte Menschen nach Inzing führten, wie Gelübde, Wallfahrt und Votivtafel miteinander verbunden waren und wie der Ruf eines Gnadenortes durch schriftliche Erzählungen erlangter Hilfe weitergegeben wurde.
Einen neuen starken Aufschwung erhielt die Wallfahrt durch Berichte vom 15. und 16. August 1814. Mehrere Personen erklärten mündlich und schriftlich, sie hätten gesehen, wie Maria und das Jesuskind am Gnadenbild die Augen öffneten und den Mund beziehungsweise nach anderen Berichten auch Hände und Körper bewegten. Die Aussagen sollen protokolliert und im Kirchenarchiv hinterlegt worden sein.
In jüngeren Kurzfassungen wird dieses Ereignis gelegentlich mit dem Jahr 1848 angegeben. Die ausführliche Inzinger Ortschronik und die dort herangezogenen älteren Unterlagen nennen jedoch ausdrücklich den 15. und 16. August 1814. Bis zu einer unmittelbaren Prüfung der archivalischen Protokolle ist daher 1814 als die wesentlich besser belegte Datierung anzusehen. Unabhängig von der Frage nach der Deutung des Vorganges ist historisch greifbar, dass die Berichte den Wallfahrtszulauf in den folgenden Jahren erheblich verstärkten.
Wie andere größere Wallfahrtsorte verbreitete auch Inzing sein Gnadenbild durch gedruckte Andachtsbilder. Im Österreichischen Volkskundemuseum ist ein Blatt mit dem Titel "Das gnadenreiche Bildniß Maria Hilf zu Inzing im Tyrol" überliefert. Solche kleinformatigen Drucke konnten von Wallfahrern mitgenommen, in Gebetbüchern gelegt, in Wohnräumen aufgehängt oder an andere Personen weitergegeben werden. Dadurch verließ das Bild gewissermaßen den Kirchenraum und wurde Teil der häuslichen Frömmigkeit.
Die Existenz solcher Druckgraphik ist für die Wallfahrtsgeschichte besonders wichtig, weil sie zeigt, dass Inzing nicht nur von der unmittelbaren Umgebung besucht wurde. Das Gnadenbild besaß einen Namen und eine ikonographische Wiedererkennbarkeit, die sich über das Dorf hinaus verbreiten ließ.
Zur Zweihundertjahrfeier von 1885 liegen zwei verschiedene Schöpf-Quellen vor, die nicht miteinander verwechselt werden sollten. Der nun vollständig transkribierte gedruckte Kurze Bericht über das Gnadenbild Maria-Hilf in Inzing zu dessen 200jähriger Säkularfeier erschien aus Anlass des Jubiläums, behandelt aber vor allem die frühen Urkunden, die Entstehung des Kultes, die Gnadenkapelle, Mirakelberichte und die Kirche. Den eigentlichen Verlauf der Festtage schilderte Johann Schöpf in einem gesonderten Bericht, der von Gemeindevertretern, dem Kooperator Franz Buchner und Lehrer Andreas Nagele mitunterfertigt wurde und nach der Inzinger Ortschronik im Tiroler Landesarchiv verwahrt wird.
Diese zweite Quelle berichtet, dass die Feier bereits am 11. August mit Predigt, Rosenkranz und einer Lichterprozession mit Kerzen und Lampions begann; anschließend gab die Musikkapelle beim Pfarrhaus ein Konzert. Am folgenden Morgen kündigten Böllerschüsse um drei Uhr früh den Festbeginn an; um fünf Uhr zog die Musikkapelle mit klingendem Spiel durch den Ort. Dieses Wecken durch Musik und Böller wiederholte sich während der Festtage.
Am 12. August wurde Fürstbischof Simon Aichner von Brixen bereits um sechs Uhr morgens an der Bahnhaltestelle vor einem festlichen Empfangsbogen erwartet. Geistliche aus Inzing und der Umgebung, Bürgermeister und Gemeinderäte, Musikkapelle, Schützen mit Fahnen, Kranzjungfrauen und ein großer Teil der Bevölkerung geleiteten ihn zur ebenfalls festlich geschmückten Kirche. Nach seiner Predigt folgte ein Pontifikalamt. Bei der anschließenden Mittagstafel waren der Bischof und 24 Geistliche anwesend; bei dieser Gelegenheit wurde Schöpf zum Geistlichen Rat ernannt.
Die Jahrhundertfeier war zugleich mit einer Volksmission verbunden. Innsbrucker Jesuitenpatres hielten während der Festtage insgesamt zehn Predigten. Täglich fanden am Morgen Predigt und Hochamt und am Abend wiederum Predigt und Rosenkranz statt. Am 13. August zelebrierte der Pfarrer von Telfs das Amt. Der Bericht hebt hervor, dass die Inzinger Muttergottes bei den Telfern in hoher Verehrung stand, weil man ihr bei häufigen Bittgängen die Erhörung von Gebeten um gutes Wetter zuschrieb. Am 14. August hielt der damals im Inzinger Schloss wohnende preußische Dekan Robert Veit den feierlichen Vormittagsgottesdienst.
Den Höhepunkt bildete Mariä Himmelfahrt am Samstag, dem 15. August. Festgottesdienste wurden vom Stamsser Prälaten Cölestin Prader gefeiert. Besonders eindrucksvoll war die Nachmittagsprozession: Schuljugend, Kranzjungfrauen, Schützen, die Musikkapellen von Inzing, Telfs, Oberhofen und Flaurling, zahlreiche Geistliche und eine kaum übersehbare Menge von Gläubigen zogen unter Böllerknall und Glockengeläute durch die Straßen. Für das Gnadenbild hatte man eigens ein Ferkulum vom Wiltener Junggesellenbund ausgeliehen.
Bemerkenswert ist, dass bei dieser Prozession das Allerheiligste nicht mitgeführt wurde. Die gesamte Andacht konzentrierte sich auf das Gnadenbild. Vier Männer aus der Gaßlerschen Verwandtschaft trugen es in Volkstracht durch das Dorf. Schöpf schätzte die Zahl der Teilnehmer auf etwa 6000 und bemerkte, die umliegenden Dörfer seien an diesem Tag geradezu leer gewesen. Auch das Dorf selbst wurde in das religiöse Festbild einbezogen: Häuser waren neu geputzt oder geweißt und mit Fahnen, Gewinden, Transparenten, Sinnsprüchen und Marienbildern geschmückt. Am Sonntag, dem 16. August, beschloss der Flaurlinger Dekan Josef Walter die Feier mit einem feierlichen Te Deum.
Die beiden Schöpf-Quellen ergänzen sich damit hervorragend: Der Druck von 1885 erschließt die Geschichte und frühe Überlieferung des Gnadenbildes, der gesonderte Festbericht zeigt die Wallfahrt in ihrer dörflichen und öffentlichen Hochform des späten 19. Jahrhunderts.
Der seltene Druck von Johann Schöpf ist für die Geschichte der Inzinger Wallfahrt eine Schlüsselquelle. Da er zahlreiche heute schwer zugängliche Schriftstücke von 1686 und 1687 zitiert beziehungsweise zusammenfasst und außerdem vier frühe Mirakelberichte ausführlich wiedergibt, stellt SAGEN.at den Text zusätzlich zur inhaltlichen Auswertung vollständig als Transkription bereit.
Auch der 250-jährige Gedenktag wurde im Mai 1935 feierlich begangen. Die spätere Inzinger Ortschronik berichtet, dass wiederum große Bögen am Dorfeingang gegen Zirl und vor dem Kirchenportal errichtet wurden und die Häuser mit Fahnen, Sinnsprüchen und Muttergottesbildern geschmückt waren. Zugleich wird bereits ein gesellschaftlicher Wandel festgestellt: Die religiöse Geschlossenheit des 19. Jahrhunderts bestand nicht mehr im selben Ausmaß. Dennoch zeigt die Feier, dass die Inzinger Muttergottes auch in der Zwischenkriegszeit im örtlichen religiösen Gedächtnis fest verankert blieb.
Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert begann die Bedeutung Inzings als Wallfahrtsort allmählich abzunehmen. Die lokale Chronik sieht einen Zusammenhang mit dem gleichzeitigen Aufstieg der nahe gelegenen Wallfahrt Maria Locherboden, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer größere Pilgerströme anzog. Nach dem Ersten Weltkrieg war der Inzinger Wallfahrtszulauf nur noch gering.
Die Pfarre bezeichnet Inzing heute ausdrücklich als einen als Wallfahrtsort weitgehend in Vergessenheit geratenen Ort. Selbst die Dreihundertjahrfeier des Gnadenbildes 1985, bei der sich die Gemeinde erneut mit ihrer Wallfahrtsgeschichte auseinandersetzte, führte nicht zu einer dauerhaften Wiederbelebung regelmäßiger Wallfahrten. Im Diözesanarchiv ist dazu eine Ansprache beziehungsweise Aufzeichnung Bischof Reinhold Stechers vom 30. Juni 1985 erhalten.
Die historische Marienwallfahrt nach Inzing ist heute weitgehend erloschen. Die Kirche erfüllt in erster Linie ihre Funktion als Pfarrkirche, und es besteht kein regelmäßiger überregionaler Wallfahrtsbetrieb mehr. Das Gnadenbild befindet sich jedoch weiterhin an seinem hervorgehobenen Platz über dem Hochaltar, und die Geschichte der "Inzinger Muttergottes" bleibt in Kirchenraum, Fresken, Votivüberlieferung, Andachtsbildern und örtlicher Erinnerung deutlich sichtbar.
Damit unterscheidet sich Inzing von einem vollständig verschwundenen Wallfahrtsort. Das Kultobjekt ist erhalten, die historische Erzählung ist im Kirchenraum präsent, und das Wissen um die frühere Wallfahrt wird von Pfarre und Gemeinde weiterhin gepflegt. Was erloschen ist, ist vor allem die regelmäßige kollektive Pilgerbewegung.
Inzing ist ein besonders aufschlussreicher Wallfahrtsort, weil sich hier beinahe der gesamte Lebenszyklus einer frühneuzeitlichen Wallfahrt beobachten lässt. Am Anfang steht ein privates Hausbild. Ein außergewöhnliches Ereignis macht dieses Bild öffentlich bekannt. Zeugen, Geistliche und Nachbarn werden einbezogen; das Bild wandert zu einem bereits anerkannten Gnadenort und kehrt zurück; eine eigene Kapelle entsteht; Opfergaben und Votive häufen sich; ein Benefizium wird notwendig; Bruderschaft, Prozession und Volksschauspiel organisieren den Kult; der Kirchenneubau nimmt das Gnadenbild in seine Architektur auf; neue Wunderberichte verstärken den Pilgerzulauf; Andachtsbilder verbreiten den Ruhm des Ortes; schließlich verändern Konkurrenz anderer Wallfahrtsorte und gesellschaftlicher Wandel die Pilgerpraxis, bis die Wallfahrt nahezu erlischt.
Gerade deshalb ist die Inzinger Muttergottes weit mehr als eine lokale Kuriosität. Ihre Geschichte zeigt exemplarisch, wie aus einem unscheinbaren religiösen Gegenstand durch Erzählung, Ritual, öffentliche Anerkennung, materielle Opfer und gemeinschaftliche Erinnerung ein Gnadenort entstehen konnte - und wie ein solcher Kult später wieder an Bedeutung verlieren kann, ohne dass seine materiellen und kulturellen Spuren verschwinden.
- Schöpf, Johann: Kurzer Bericht über das Gnadenbild Maria-Hilf in Inzing zu dessen 200jähriger Säkularfeier. Innsbruck: Druck der Vereinsbuchdruckerei, 1885, 36 S. Digitalisat der Landesbibliothek Dr. Friedrich Tessmann; vollständige Transkription auf SAGEN.at.
- Puecher, Dyonis: Chronik der Pfarrkirche Inzing. Pfarrchronik / archivalische Überlieferung.
- Knabl, Eugen: Pfarr- und Wallfahrtskirche zum hl. Petrus. Kirchenbeschreibung, ohne Jahresangabe.
- Pisch, Ernst: Inzing. Geschichte unserer Pfarrei - Unser Gnadenbild. Ortschronik Inzing.
- Gemeinde Inzing (Hg.): Dorfbuch Inzing. Inzing 2007.
- Pfarre Inzing: Die Inzinger Pfarrkirche. Pfarrinformation, Seelsorgeraum Inzing-Hatting-Polling.
- Stecher, Reinhold: 300 Jahre Inzing (Gnadenbild). 30. Juni 1985, Nachlass Bischof Dr. Reinhold Stecher, Diözesanarchiv Innsbruck, Signatur 1.3.1.24.32.
- Tinkhauser, Georg: Topographisch-historisch-statistische Beschreibung der Diözese Brixen. Band III.
- Österreichisches Museum für Volkskunde: Andachtsbild "Das gnadenreiche Bildniß Maria Hilf zu Inzing im Tyrol".
- Archiv des Erzbistums München und Freising: Inzing in Tirol, Erzbruderschaft des heiligen Rosenkranzes, 1748, Signatur GA009, 160.
- Unser Gnadenbild (Inzing), Auszug aus der Inzinger Überlieferung auf SAGEN.at
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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