| Wallfahrt: | Historische Reliquienwallfahrt zur "Heiligen Kapelle zu Unserer Lieben Frau" mit dem Haller Heiltumsschatz und jährlicher Heiltumsschau. |
| Status: | Historisch bedeutende, in ihrer ursprünglichen Form seit 1524 erloschene Reliquienwallfahrt; Kapelle und Teile des Heiltumsschatzes sind erhalten. |
| Kultzentrum: | Waldaufs Reliquiensammlung mit mehreren tausend Heiltümern, besonders einem Kreuzpartikel; dazu die "Waldaufmutter" aus dem Umkreis Michael Pachers. |
| Ort: | Hall in Tirol |
| Region: | Innsbruck-Land |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: Pfarrplatz 1, 6060 Hall in Tirol |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Innsbruck-Land |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Hall in Tirol - St. Nikolaus |
| • | Öffnungszeiten: täglich 9:00 - 18:30 |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Die Waldaufkapelle im nördlichen Seitenschiff der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus in Hall in Tirol ist der erhaltene Mittelpunkt einer der bedeutendsten spätmittelalterlichen Heiltumsstiftungen des Alpenraumes. Um 1500 zog der sogenannte Haller Heiltumsschatz mit seinen Tausenden Reliquien, päpstlichen und bischöflichen Ablässen, feierlichen Heiltumsweisungen, Prozessionen, Predigten und einer aufwendig geregelten Musikpflege jährlich große Menschenmengen nach Hall. In ihrer ursprünglichen Form endete diese Reliquienwallfahrt bereits 1524 im unmittelbaren Umfeld der Reformation. Die Kapelle selbst, Teile des Reliquienschatzes, die "Waldaufmutter", archivalische Urkunden und das einzigartige Haller Heiltumbuch bewahren jedoch bis heute ein ungewöhnlich dichtes Bild davon, wie Wallfahrt, Reliquienverehrung, Ablasswesen, Stadtwirtschaft, fürstliche Repräsentation und Volksfrömmigkeit am Vorabend der Reformation ineinandergriffen.
Anders als bei vielen klassischen Wallfahrtsorten lässt sich in Hall kein einzelnes Gnadenbild als alleiniger Mittelpunkt des Kultes nennen. Das Kultzentrum war vielmehr die gesamte "Heilige Kapelle zu Unserer Lieben Frau" mit ihrer Marienfigur, dem von Florian Waldauf zusammengetragenen Heiltum und den damit verbundenen Ablässen. Unter den Reliquien besaß ein Partikel des Heiligen Kreuzes besonderes Gewicht. Die Wallfahrt richtete sich somit zugleich an Maria, an die in den Reliquien gegenwärtig gedachten Heiligen und an die Heilsgeschichte Christi. Gerade diese Vielschichtigkeit ist für das Verständnis der Waldaufstiftung entscheidend.
Die Wahl Halls als Standort war keineswegs zufällig. Die Stadt war um 1500 eines der wirtschaftlichen Zentren Tirols. Salzgewinnung und Salzhandel hatten Hall reich gemacht; seit 1477 befand sich hier außerdem die landesfürstliche Münzstätte. Die Stadt lag an bedeutenden Verkehrswegen zwischen dem Inntal und dem Brennerraum und besaß einen stark frequentierten Markt. Die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus, 1281 erstmals in einer Weiheurkunde fassbar und bis etwa 1430 zu einer großen spätgotischen Hallenkirche ausgebaut, stand unmittelbar am Oberen Stadtplatz. Für eine Stiftung, die bewusst große Teile der Bevölkerung erreichen sollte, bot Hall daher weit günstigere Voraussetzungen als eine abgelegene Burg- oder Privatkapelle.
Die Forschung weist zudem darauf hin, dass Florian Waldauf seine Stiftung nicht in Innsbruck errichten ließ, wo sie mit den Repräsentationsprojekten Maximilians I. hätte konkurrieren können. Hall war reich, verkehrsgünstig, landesfürstlich eng eingebunden und zugleich groß genug, um Menschenmengen aufzunehmen. Dass die jährliche Heiltumsschau später mit dem Haller Frühjahrsmarkt zusammenfiel, verstärkte diese Wirkung noch beträchtlich: Pilger, Händler, Reisende und Schaulustige trafen am selben Ort zusammen.
Florian Waldauf, ursprünglich wohl Baldauf genannt, wurde um 1440/1450 in Asch bei Anras in Osttirol geboren. In älteren Darstellungen erscheint er gern als völlig mittelloser Bergbauernbub, der allein aufgrund außergewöhnlicher Begabung bis in die engste Umgebung Kaiser Maximilians I. aufstieg. Die neuere Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild. Waldauf stammte zwar aus einem ländlichen Milieu, seine Familie war aber offenbar keineswegs mittellos; bereits seine Eltern besaßen das Recht, Wappen zu führen. Für seinen Aufstieg waren neben persönlicher Fähigkeit auch Bildung und verwandtschaftliche Netzwerke wesentlich. Seine lateinischen und deutschen Schriftkenntnisse lassen eine gute Schulausbildung vermuten, wahrscheinlich in Innichen oder Brixen.
Zur volkstümlichen Biographie gehört die bekannte Erzählung von den zusammengebundenen Kuhschwänzen. Der junge Florian habe beim Viehhüten aus Übermut zwei Kühen die Schwänze zusammengebunden; die Tiere seien daraufhin in Panik geraten und über einen Felsen gestürzt. Aus Angst vor der Strafe sei der Knabe geflohen, von Geistlichen aufgegriffen und wegen seiner Begabung zur Schule geschickt worden. Historisch ist diese Geschichte nicht zu belegen. Sie erklärt aber auf volkstümliche Weise den erstaunlichen sozialen Aufstieg Waldaufs und wurde später sogar mit seinem Wappen in Verbindung gebracht, dessen eigenartige Figuren als zusammengebundene Kuhschwänze gedeutet wurden.
Waldauf trat zunächst in die landesfürstliche Kanzlei Erzherzog Sigmunds von Tirol ein und wechselte später in den Dienst Maximilians. 1488 beteiligte er sich an den Unternehmungen zur Befreiung des in Brügge festgehaltenen Maximilian. Im selben Jahr erhielt er das Prädikat "von Waldenstein". 1490 wurde er nach militärischen Leistungen zum Ritter geschlagen und zum Protonotar ernannt. In den folgenden Jahren begleitete er Maximilian auf Reichstage, Feldzüge und diplomatische Missionen. Besonders bedeutsam war seine Mitwirkung an den Verhandlungen zur habsburgisch-spanischen Doppelhochzeit, die für die europäische Politik der Habsburger weitreichende Folgen hatte.
Waldauf war damit kein frommer Privatmann am Rande des politischen Geschehens, sondern ein hochrangiger Funktionsträger mit Zugang zu Fürstenhöfen, Bischöfen, Kardinälen und dem päpstlichen Hof. Genau diese Kontakte ermöglichten ihm später den Aufbau einer Reliquiensammlung, wie sie einem gewöhnlichen Stifter kaum zugänglich gewesen wäre.
Der Ursprung der Waldaufstiftung liegt in einem Gelübde. Am 6. Jänner 1489 reisten Maximilian und sein Gefolge, darunter Waldauf, auf einem Schiff von Amsterdam in Richtung Spaarndam. Im Nebel stieß das Fahrzeug auf Treibeis und wurde leck. Die zeitgenössische beziehungsweise im späteren Heiltumbuch festgehaltene Überlieferung schildert die Todesangst der Reisenden ausführlich. Maximilian habe versucht, die Löcher des Schiffes mit Kleidungsstücken abdichten zu lassen; Waldauf versprach im Gebet eine große fromme Stiftung, falls die Gesellschaft gerettet werde.
Nach glücklicher Rettung setzte er dieses Gelübde nicht durch eine einmalige Opfergabe um, sondern entwickelte daraus ein umfassendes religiöses Programm: eine Marienkapelle, einen großen Reliquienschatz, regelmäßige Messen, Predigten, liturgische Musik, eine Bibliothek und die Möglichkeit, bei bestimmten Andachten Ablässe zu erwerben. Gerade darin unterscheidet sich die Waldaufstiftung von einem einfachen Votivbild oder einer kleinen Dankkapelle. Das Gelübde führte zu einer institutionell und wirtschaftlich dauerhaft abgesicherten Stiftung.
Das Ereignis vom Dreikönigstag 1489 hinterließ noch an einem zweiten, weit von Hall entfernten Wallfahrtsort ein bedeutendes Denkmal. Nach der Überlieferung gerieten nicht nur Florian Waldauf, sondern auch Maximilian I. selbst in der gefährlichen Fahrt durch Sturm, Nebel und Eisschollen auf der niederländischen Zuidersee in Todesgefahr. Beide wandten sich in ihrer Not an die Gottesmutter und machten ein Gelübde für den Fall ihrer Rettung. Waldauf erfüllte seines mit der Stiftung in der Haller Pfarrkirche; Maximilians Gelübde wird mit der berühmten Schutzmantelmadonna der Wallfahrtskirche Frauenstein bei Molln in Oberösterreich verbunden.
Die um 1510/1515 entstandene und Gregor Erhart beziehungsweise seinem künstlerischen Umfeld zugeschriebene Figurengruppe zeigt Maria mit dem Kind unter einem weit ausgebreiteten Schutzmantel. Nach der Frauensteiner Überlieferung ist unter den Schutzsuchenden auf der linken Seite Kaiser Maximilian I. dargestellt; hinter ihm erscheint Florian Waldauf. Auf der rechten Seite werden vermutlich Maximilians zweite Gemahlin Bianca Maria Sforza und hinter ihr Waldaufs Frau Barbara Mitterhofer erkannt. Damit verbindet die Skulptur die beiden Männer, ihre Familien und das gemeinsame Rettungserlebnis noch einmal bildlich.
Hall und Frauenstein können daher als zwei weit voneinander entfernte Erinnerungsorte desselben Gelübdes verstanden werden. In Hall entstand aus Waldaufs Dank eine institutionell abgesicherte Großstiftung mit Reliquienschatz, Heiltumsweisungen, Predigt, Musik und Ablasswesen; in Frauenstein wurde die Erinnerung an Maximilians Gelübde in einer monumentalen Schutzmantelmadonna verdichtet. Diese Verbindung ist auf SAGEN.at auch in der Dokumentation der Wallfahrtskirche Frauenstein bei Molln ausführlich dargestellt.
Seit den frühen 1490er Jahren sammelte Waldauf auf seinen diplomatischen Reisen systematisch Reliquien. Dabei handelte es sich um körperliche Überreste von Heiligen, aber auch um Gegenstände und Stoffe, die mit Christus, Maria, Heiligen oder heiligen Orten in Verbindung gebracht wurden. Für spätmittelalterliche Gläubige waren solche "Heiltümer" keine bloßen Erinnerungsstücke. Man verstand sie als materielle Nähe zu den Heiligen, deren Fürbitte bei Gott erhofft wurde.
Waldauf bemühte sich um kirchliche Beglaubigungen und setzte seine politischen Beziehungen ein, um Zugang zu bedeutenden Reliquienschätzen zu erhalten. 1493 ordnete Papst Alexander VI. an, dass der Kölner Erzbischof Waldaufs Vorhaben unterstützen solle. Einen besonderen Erfolg erzielte Waldauf 1495 in Köln: Mit päpstlicher und kaiserlicher Unterstützung sowie durch Vermittlung des Erzbischofs erhielt er dort mehr als 2000 Reliquien. Insgesamt wuchs seine Sammlung auf mehrere tausend Stücke an und wurde zu einer der umfangreichsten Reliquiensammlungen Europas.
Unter den zahlreichen Heiltümern ragte ein Partikel des Heiligen Kreuzes heraus. Bereits am 10. Juli 1493 erhielt Waldauf im Stift Wilhering ein Fragment, das als Teil des Kreuzes Christi verehrt wurde. Im späteren Ablauf der Haller Heiltumsweisung nahm dieses Kreuzreliquiar die Schluss- und damit Ehrenstellung ein. Das Heiltumbuch ordnet die Präsentation der Reliquien in 21 aufeinanderfolgende Abschnitte oder "Gänge"; das Kreuzreliquiar wurde als letztes und herausgehobenes Stück gezeigt.
Die historische Echtheit einzelner mittelalterlicher Reliquien lässt sich heute vielfach nicht naturwissenschaftlich nachweisen. Für die Wallfahrtsgeschichte ist jedoch zunächst entscheidend, dass ihre Authentizität im damaligen religiösen und rechtlichen System durch Herkunft, Beglaubigungsurkunden und kirchliche Autorität abgesichert wurde. Die Menschen kamen nicht deshalb nach Hall, weil sie ein kurioses Museum sehen wollten, sondern weil sie in diesen Gegenständen reale Zeichen der Nähe zu Christus und den Heiligen erkannten.
Zunächst bewahrte Waldauf seine Sammlung auf Schloss Neu-Rettenberg bei Kolsassberg auf. Die Burg war jedoch für eine Stiftung, die möglichst vielen Menschen geistlichen Nutzen bringen sollte, ungeeignet. Um 1493 begann daher der Bau beziehungsweise die Einrichtung einer eigenen Kapelle im nördlichen Seitenschiff der Nikolauskirche in Hall.
Das starke schmiedeeiserne Kapellengitter mit den Wappen Waldaufs und seiner Frau Barbara Mitterhofer trennte den Stiftungsraum vom übrigen Kirchenraum. Unter der Kapelle wurde eine Familiengruft eingerichtet. Waldauf erwirkte dafür besondere Ablassprivilegien, die an die römische Campo-Santo-Tradition anknüpften. Nach wissenschaftlicher Auswertung ließ er sogar Erde vom Campo Santo nach Hall bringen und in der Gruft ausstreuen. Hier zeigt sich besonders anschaulich, wie spätmittelalterliche Frömmigkeit heilige Orte symbolisch über große Entfernungen übertragen konnte.
Am 19. Jänner 1500 weihte Konrad, Bischof von Belluno und Weihbischof des Brixner Bischofs Melchior, den Altar der Waldaufkapelle. Die offizielle Urkunde bezeichnet sie als Marienkapelle und nennt als Altarpatrozinium Mariä Himmelfahrt sowie eine größere Gruppe von Heiligen, darunter Thomas, Florian, Georg, Christophorus, Erasmus, Martin, Barbara und Birgitta. Im Altar wurden wiederum zahlreiche Reliquien eingeschlossen.
Die Weiheurkunde belegt zugleich, dass die Stiftung schon vor der großen Übertragung des Heiltums über ein ausgearbeitetes liturgisches Programm verfügte: tägliche Messe, Salve Regina und ein eigenes Predigeramt. Auch zahlreiche Ablässe waren zu diesem Zeitpunkt bereits bestätigt. Der Gnadenort entstand also nicht erst mit einem einzigen spektakulären Fest im Jahr 1501, sondern wurde über Jahre planmäßig aufgebaut.
Die Kapelle war der Muttergottes geweiht. Mittelpunkt des Altars war eine Marienfigur, die heute als "Waldaufmutter" bezeichnet wird und aus dem Umkreis beziehungsweise der Schule Michael Pachers stammt. Die direkte Zuschreibung an Michael Pacher selbst gilt in der neueren Kunstgeschichte als unsicher; die Figur gehört jedoch zweifellos in die hochrangige spätgotische Tiroler Bildschnitzkunst. Das Haller Heiltumbuch zeigt die Madonna in einer Darstellung der Marienkrönung und macht damit deutlich, dass die Reliquienverehrung von Anfang an in einen ausgesprochen marianischen Kult eingebettet war.
Zum ursprünglichen spätgotischen Flügelaltar gehörten bemalte Tafeln von Marx Reichlich beziehungsweise aus dessen unmittelbarem künstlerischem Umfeld. Bedeutende Teile befinden sich heute im Stadtmuseum Hall. Die Außenseiten zeigten unter anderem den Stifter Florian Waldauf, von den Heiligen Florian und Georg empfohlen, und Barbara Waldauf mit ihren Heiligen. Auf den Innenseiten erschienen Szenen aus dem Marienleben. Die Tafeln gehören zu den kunsthistorisch bedeutendsten erhaltenen Gegenständen der Waldaufstiftung und verbinden private Stiftermemoria, Marienverehrung und die politische Nähe zu Maximilian.
Am 9. Mai 1501 wurde der Reliquienschatz in einer großen Prozession von Rettenberg nach Hall übertragen. Das später von Waldauf selbst verfasste Heiltumbuch widmet diesem Ereignis mehrere Holzschnitte Hans Burgkmairs des Älteren. Sie zeigen den langen Zug mit Geistlichen, weltlichen Würdenträgern, bewaffneten Begleitern, Sängern, Musikern und Reliquienträgern auf dem Weg in die Stadt.
Das Heiltumbuch nennt für die Prozession die erstaunlich genaue Zahl von 32.784 Teilnehmern beziehungsweise Anwesenden. Diese Angabe darf nicht unkritisch als moderne Besucherstatistik verstanden werden. Der Historiker Grantley McDonald bezeichnet sie ausdrücklich als wahrscheinlich übertrieben und weist darauf hin, dass viele Menschen gleichzeitig wegen des Frühjahrsmarktes in Hall gewesen sein dürften. Sicher ist dennoch, dass die Übertragung als außergewöhnliches öffentliches Ereignis inszeniert wurde und eine sehr große Menschenmenge anzog. Andere Haller Überlieferungen sprechen rund von 30.000 Personen.
Die Prozession war auch ein akustisches Ereignis. Burgkmairs Darstellungen zeigen Trompeter und Paukenschläger, Sänger mit Notenbüchern und weitere Musiker. Das Heiltumbuch nennt Schulmeister und Schüler aus Hall, Innsbruck, Schwaz und anderen Orten des Inntals. Wallfahrt war hier also nicht nur Sehen und Beten, sondern ein Fest für die gesamte Wahrnehmung: Glocken, Musik, Gesang, Fahnen, Gewänder, Reliquiare und die geordnete Bewegung einer großen Menschenmenge durch die Landschaft und die Stadt.
Am 29. Dezember 1501 stellten Florian Waldauf und seine Frau Barbara den großen Stiftbrief aus. Die Urkunde ist ein Monument spätmittelalterlicher Stiftungskultur. Sie regelte nicht nur Besitz und Einkommen, sondern minutiös die religiösen Pflichten der Kapläne, Prediger, Musiker, Schulmeister und anderer Beteiligter. Zwei kostbar ausgeführte Exemplare haben sich in den Stadtarchiven von Hall und Innsbruck erhalten.
Barbara Mitterhofer darf dabei nicht bloß als Ehefrau eines männlichen Stifters übergangen werden. Mehrere Urkunden nennen sie ausdrücklich als Mitstifterin und zeigen ihre aktive Rolle. Die Stiftung sollte zugleich dem Seelenheil des Ehepaares, seiner Familie und Verwandtschaft dienen. Stiften bedeutete im spätmittelalterlichen Verständnis daher immer auch "Memoria": Durch Messen, Gebete und Jahrtage sollte das Gedächtnis an die Stifter über ihren Tod hinaus liturgisch bewahrt werden.
Die Waldaufstiftung war außergewöhnlich reich dotiert. Ihre wirtschaftliche Grundlage bildeten Grundstücke, Zinsrechte und andere Einkünfte in der Umgebung von Hall und Innsbruck; Maximilian unterstützte die Stiftung zusätzlich mit Einkünften aus landesfürstlichen Quellen. Bürgermeister und Rat der Stadt Hall wurden mit wesentlichen Verwaltungsaufgaben betraut. Gerade deshalb blieb im Haller Stadtarchiv ein außerordentlich großer Urkundenbestand zur Waldaufstiftung erhalten.
Heinz Moser konnte für seine Edition der Waldaufurkunden einen Bestand von insgesamt 668 Urkunden auswerten, der heute auf mehrere Archivkörper verteilt ist. Diese ungewöhnlich dichte Überlieferung macht die Waldaufkapelle zu einem seltenen Fall, bei dem nicht nur die religiöse Idee, sondern auch ihre Verwaltung, Finanzierung und alltägliche Durchführung über Jahrhunderte verfolgt werden können.
Die Reliquien blieben nicht verborgen in der Kapelle. Einmal jährlich wurden sie öffentlich "gewiesen", also dem versammelten Volk gezeigt und ausgerufen. Die Heiltumsschau wurde zum eigentlichen Höhepunkt der historischen Wallfahrt. Als Termin setzte man den dritten Sonntag nach dem Fest des hl. Georg fest; dieser Tag fiel mit dem Haller Frühjahrsmarkt zusammen. Ein bedeutendes internationales Wirtschaftsereignis und ein religiöses Großereignis überlagerten sich damit unmittelbar.
Diese Verbindung darf nicht vorschnell als bloße Kommerzialisierung verstanden werden. Märkte und Wallfahrten gehörten in der vormodernen Gesellschaft häufig zusammen. Wer aus größerer Entfernung anreiste, benötigte Unterkunft, Nahrung und Gelegenheit zum Handel; umgekehrt brachte ein stark besuchter Markt Menschen an einen Ort, an dem sie religiöse Angebote wahrnehmen konnten. In Hall verstärkten sich beide Bewegungen gegenseitig.
Für die öffentliche Präsentation ließ Waldauf nördlich der Kirche einen zweigeschossigen hölzernen Heiltumsstuhl errichten. Er war eine Art überdachte Schaubühne. Im oberen Geschoss standen Geistliche und Würdenträger mit den Reliquien; ein "Heiltumsschreier" benannte und erläuterte die gezeigten Stücke. Im unteren Bereich hielten bewaffnete Männer beziehungsweise Hellebardenträger Ordnung, während sich davor die Menschenmenge versammelte.
Das Haller Heiltumbuch enthält eine besonders wichtige Darstellung dieses Bauwerks. Sie orientiert sich offenbar am Nürnberger Vorbild, das Waldauf gekannt haben dürfte. Der Heiltumsstuhl ist für die Volkskunde deshalb bedeutsam, weil er den performativen Charakter der Wallfahrt zeigt: Heiltum wurde nicht nur aufbewahrt, sondern in festgelegter Reihenfolge sichtbar gemacht, benannt, musikalisch begleitet und durch den körperlichen Blick der Pilger angeeignet.
Die Weisung folgte einer genau geregelten Ordnung. Das Heiltumbuch nennt 21 aufeinanderfolgende Gänge beziehungsweise Stationen. Zu jedem Abschnitt gehörten bestimmte Reliquien und eigene Gesänge. Das Ziel war nicht eine möglichst rasche Präsentation einer großen Menge von Gegenständen, sondern ein gegliedertes religiöses Schauspiel. Am Ende stand das besonders verehrte Kreuzreliquiar.
Die erhaltenen Holzschnitte des Heiltumbuchs vermitteln einen Eindruck von der Formenvielfalt der Gefäße: Büstenreliquiare, Kopfreliquiare auf Kissen, Kästchen, Armreliquiare, Tafelreliquiare, Monstranzen, ein Banner und das große Kreuz. Von den ursprünglich für das Buch vorgesehenen 151 Holzschnitten sind 145 erhalten. Gerade ihre Detailgenauigkeit lässt vermuten, dass Burgkmair reale Reliquiare vor Augen hatte.
Ein wesentlicher Anreiz für den Besuch waren die zahlreichen Ablässe, die Waldauf von Päpsten, Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen erwirkte. Der Begriff wird heute leicht missverstanden. Nach damaliger katholischer Lehre bedeutete ein Ablass nicht den Kauf der Sündenvergebung. Vorausgesetzt waren vielmehr Reue und die sakramentale Ordnung; der Ablass bezog sich auf zeitliche Sündenstrafen und war an vorgeschriebene Gebete, Gottesdienstbesuche, Beichte oder fromme Werke gebunden. Spenden für Bau und Erhaltung konnten Teil dieser Praxis sein.
Gerade die Verbindung religiöser Leistung mit Geld, die enorme Zahl von Ablassbriefen und das massenhafte öffentliche Werben um Ablässe gehörten jedoch zu jenen Entwicklungen, die im frühen 16. Jahrhundert zunehmend Kritik hervorriefen. In Hall ist dieser Übergang besonders unmittelbar zu beobachten: Eine Stiftung, die den spätmittelalterlichen Katholizismus in höchster organisatorischer Perfektion verkörperte, wurde nur zwei Jahrzehnte später von reformatorischen Predigern grundsätzlich angegriffen.
Die Waldaufstiftung ist auch deshalb außergewöhnlich, weil ihre musikalische Praxis so gut dokumentiert ist. Maximilian stiftete 1497 ein ewiges Licht und die tägliche Feier des Salve Regina. Noch im selben Jahr stellte er Mittel für einen besonders befähigten Organisten, den Haller Schulmeister, einen Jungmeister, Ministranten und Chorknaben bereit. Messe und abendliches Salve sollten mit mehrstimmigem Gesang und Orgel begleitet werden.
Waldaufs Ordnung von 1503 verpflichtete den Schulmeister und die Lateinschüler ausdrücklich zur musikalischen Gestaltung der Stiftungsfeste. Jeden Abend sollte nach der Komplet das Salve Regina gesungen werden; weitere Marienantiphonen und Gebete schlossen sich an. Montags war ein gesungenes Seelenamt für die Stifter vorgesehen. Freitags galten besondere Marien- und Passionsandachten.
Bei der Heiltumsweisung wurden Trompeten, Pfeifen, Posaunen, Sänger und Orgel eingesetzt. Das Heiltumbuch beschreibt sogar den Wechsel zwischen Instrumentalmusik und Gesang. Damit wurde die Heiltumsschau zu einem streng choreographierten Klangereignis. Die Menschen hörten nicht einfach eine Messe, sondern erlebten ein über Stunden gegliedertes religiöses Fest, dessen Musik die Bedeutung des Gezeigten verstärkte.
Waldauf wollte nicht nur Reliquien zeigen, sondern das religiöse Leben reformieren und vertiefen. Deshalb stattete er ein hervorragend dotiertes Predigeramt aus, das nur von einem studierten Geistlichen übernommen werden durfte. Daneben bestand die Stelle eines Unterkaplans. Der Prediger hatte unter anderem im Advent mehrfach wöchentlich und in der Fastenzeit täglich zu predigen.
Diese Bestimmungen zeigen, dass die Stiftung nach dem Selbstverständnis ihres Gründers keine bloße Ansammlung heiliger Gegenstände sein sollte. Reliquien, Predigt, Liturgie und Bildung bildeten ein Gesamtprogramm. Gerade daraus ergibt sich später die historische Ironie, dass ausgerechnet das von Waldauf geschaffene Predigtamt zu einem Ausgangspunkt reformatorischer Kritik in Hall wurde.
Zum Predigtamt gehörte eine eigene Bibliothek. In der Kaplanei standen Bücher für die Geistlichen bereit; nach den Stiftungsbestimmungen sollten regelmäßig weitere Werke angekauft werden. Ein Teil war nach mittelalterlicher Bibliothekspraxis angekettet. Die Bibliothek wuchs in den folgenden Jahrhunderten durch Schenkungen und Übernahmen weiter.
Im 20. Jahrhundert wurde der Bestand stark zerstreut und teilweise verkauft oder entfremdet. 2003 wurde der erhaltene Kern als Leihgabe an die Universitätsbibliothek Innsbruck übergeben, wo er wissenschaftlich erschlossen wird. Damit besitzt die Waldaufstiftung neben Kapelle, Reliquien und Archiv noch ein viertes bedeutendes materielles Erbe: eine historische Gelehrten- und Predigerbibliothek.
Zu den bedeutendsten Quellen der gesamten europäischen Reliquienkultur um 1500 gehört das Haller Heiltumbuch. Waldauf verfasste den Text 1508/09 weitgehend eigenhändig. Das Werk beschreibt die Entstehung der Stiftung, ihre Privilegien, die Reliquien und den Ablauf der Heiltumsweisung. Für einen geplanten Druck ließ Waldauf bei Hans Burgkmair dem Älteren eine umfangreiche Folge von Holzschnitten anfertigen.
Der Druck kam vor Waldaufs Tod nicht mehr zustande. Erhalten blieb die Handschrift im Haller Pfarrarchiv mit den eingeklebten Holzschnitten. 145 von ursprünglich 151 Bildern sind noch vorhanden. Sie zeigen nicht nur die Reliquiare, sondern auch das Seenotgelübde, die Stifterfamilie, päpstliche und kaiserliche Bestätiger, die Reliquienprozession und den Heiltumsstuhl. Das Werk ist daher zugleich Gebrauchsordnung, Kultpropaganda, Erinnerungsbuch und ein außergewöhnliches Dokument spätmittelalterlicher visueller Kultur.
Das Heiltumbuch erwähnt außerdem einen kleineren gedruckten Katalog, der auf dem Haller Markt verkauft worden sein soll. Von diesem Druck ist bislang kein Exemplar bekannt. Sollte er tatsächlich in größerer Zahl verbreitet worden sein, wäre er ein frühes Beispiel dafür, wie ein Wallfahrtsort mit gedruckten Medien für seinen Heiltumsschatz warb.
Die Waldaufstiftung war eng mit dem Hof Maximilians verbunden. Der König und spätere Kaiser unterstützte sie finanziell, bestätigte Rechte und förderte besonders die musikalische Ausstattung. Auch Bianca Maria Sforza wird in den Stiftungszusammenhängen genannt. Philipp der Schöne besuchte St. Nikolaus am 15. September 1503; seine Hofkapelle sang in der Kirche, und wenige Tage später bestätigte er Rechte der Stiftung.
Die religiöse Stiftung diente damit nicht nur privater Frömmigkeit. Sie war zugleich Teil jener habsburgischen Memorial- und Repräsentationskultur, in der Dynastie, Frömmigkeit und politisches Ansehen eng miteinander verbunden waren. Die zahlreichen Wappen im Heiltumbuch und an der Stiftung zeigen, dass diese Verbindung bewusst sichtbar gemacht wurde.
Florian Waldauf starb am 13. Jänner 1510 auf Schloss Rettenberg und wurde in der Familiengruft seiner Haller Kapelle beigesetzt. Auch seine Frau Barbara und weitere Familienangehörige waren mit der Stiftung und ihrer Grablege verbunden. Die liturgischen Bestimmungen sorgten dafür, dass regelmäßig für die Verstorbenen der Familie gebetet und Messe gefeiert wurde. Die Stiftung sollte damit Waldaufs eigenes Leben überdauern und seinen Namen dauerhaft in das religiöse Gedächtnis Halls einschreiben.
Dass dies gelang, zeigt schon die Bezeichnung "Waldaufkapelle", die den ursprünglichen Titel "Heilige Kapelle zu Unserer Lieben Frau" im allgemeinen Sprachgebrauch überlagerte. Der Stifter ist so eng mit seinem Werk verbunden geblieben, dass sein Name bis heute den gesamten Andachtsraum bezeichnet.
Nur wenige Jahre nach Waldaufs Tod geriet die religiöse Welt, für die seine Stiftung geschaffen worden war, ins Wanken. Ausgerechnet zwei Inhaber beziehungsweise Prediger der Waldaufstiftung, Jakob Strauß und Urban Rhegius, wandten sich reformatorischen Ideen zu. Strauß trat scharf gegen kirchliche Missstände, Ablasswesen und Reliquienverehrung auf. Rhegius, der ihm folgte, war ebenfalls der lutherischen Reform zugeneigt.
Damit wurde die Waldaufstiftung zum Schauplatz einer besonders eindrucksvollen historischen Umkehrung: Das bestens ausgestattete katholische Predigtamt, das der Vertiefung des alten Glaubens dienen sollte, bot hochgebildeten Predigern eine öffentliche Kanzel, von der aus genau jene Formen von Frömmigkeit kritisiert wurden, auf denen die Stiftung beruhte.
Im Jahr 1524 wurde die große öffentliche Heiltumsschau eingestellt. Damit endete die eigentliche Blütezeit der Haller Reliquienwallfahrt nach kaum einem Vierteljahrhundert. Die Reliquien verschwanden nicht vollständig, die Kapelle blieb bestehen und die Stiftung lebte in veränderter Form weiter, doch das spätmittelalterliche Massenereignis mit Heiltumsstuhl, Markt, Ablässen und großen Pilgerströmen war beendet.
Gerade diese kurze Blüte macht Hall für die Religionsgeschichte so wichtig. Die Waldaufstiftung entstand auf dem Höhepunkt einer Frömmigkeitsform und wurde innerhalb einer einzigen Generation von der Reformation überholt. Kaum anderswo lässt sich der Übergang vom spätmittelalterlichen Reliquienkult zur frühneuzeitlichen Konfessionsgeschichte derart anschaulich an einem einzigen Ort verfolgen.
Die Waldaufstiftung besaß neben der Kapelle im Kircheninneren auch einen selbständigen Bau nördlich der Kirche. Die 1505 geweihte Wolfgangskapelle stand bei jenem Bereich, an dem sich auch der Heiltumsstuhl befand. Beim schweren Erdbeben von 1670 stürzte der Kirchturm ein und zerstörte die Wolfgangskapelle. An ihrer Stelle wurde 1695 bis 1698 das heutige Josefikirchl errichtet.
Auch die Waldaufstiftung erlebte im Barock eine gewisse Wiederbelebung, ohne jedoch je wieder die überregionale Bedeutung der Zeit um 1500 zu erreichen. Die Ausstattung der Kapelle wurde verändert und barockisiert. Die heutige Präsentation der Reliquien in Wandvitrinen ist daher nicht einfach der Zustand von 1501, sondern Ergebnis einer langen Geschichte von Umgestaltung, Verlust und Neuordnung.
Von den einst Tausenden Reliquien und zahlreichen kostbaren Fassungen hat nur ein vergleichsweise kleiner Teil die Jahrhunderte überstanden. In den Wandvitrinen der Waldaufkapelle sind noch Reliquien und Reliquiare sichtbar, darunter auffällige Schädel- und Knochenreliquien. Einzelne kostbare Stücke der Stiftung befinden sich heute im Stadtmuseum Hall; dort werden auch die bedeutenden Altartafeln von Marx Reichlich bewahrt.
Der erhaltene Rest darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie umfangreich die ursprüngliche Sammlung war. Das Heiltumbuch listet und illustriert eine Fülle verschiedener Reliquiare. Für Besucher der Zeit um 1500 muss der Anblick von Gold, Silber, Textilien, Büsten, Armen, Kästchen und Monstranzen in Verbindung mit Gesang, Weihrauch, Glocken und öffentlicher Ausrufung eine außerordentlich starke sinnliche Wirkung besessen haben.
Heute ist die Waldaufkapelle vor allem historischer Andachts- und Erinnerungsraum innerhalb der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Die große Reliquienwallfahrt ist erloschen; eine mit den Heiltumsweisungen des frühen 16. Jahrhunderts vergleichbare Pilgerpraxis besteht nicht mehr. Die "Waldaufmutter", die Reliquienvitrinen und die erhaltene Kapellenarchitektur machen den alten Kult jedoch unmittelbar sichtbar.
Auch die jüngere kirchliche Nutzung zeigt, dass der Raum nicht zu einem bloßen Museumsobjekt geworden ist. Die Kapelle blieb Teil des sakralen Kirchenraumes. Gleichzeitig sind viele wesentliche Stücke der ursprünglichen Stiftung heute auf Pfarrkirche, Stadtmuseum, Pfarrarchiv, Stadtarchiv und Universitätsbibliothek verteilt. Wer die Waldaufstiftung verstehen will, muss daher mehrere heute getrennte Sammlungen wieder gedanklich zu einem Ganzen verbinden.
Für die Volkskunde und Wallfahrtsforschung ist die Waldaufkapelle außergewöhnlich ergiebig. Hier lässt sich eine Wallfahrt nicht nur über Legenden und spätere Erinnerungen rekonstruieren, sondern bis in ihre organisatorischen Einzelheiten verfolgen. Wir kennen Stiftungsurkunden, Ablassbriefe, Rechnungs- und Verwaltungszusammenhänge, Musikordnungen, Predigerpflichten, Prozessionsabläufe, die Reihenfolge der Reliquien und sogar die Worte, die der Heiltumsschreier bei einzelnen Stücken ausrufen sollte.
Ebenso wichtig ist die Verbindung von Religion und Öffentlichkeit. Die Heiltumsschau fand nicht in einem abgeschlossenen klösterlichen Raum statt, sondern am Oberen Stadtplatz, gleichzeitig mit einem großen Markt. Der Pilger erlebte Hall als Stadt: Er sah Kaufleute und Waren, hörte Musik und Predigt, beichtete, betete, betrachtete Reliquien und konnte Ablässe erwerben. Wallfahrt, Wirtschaft, soziale Begegnung und Unterhaltung lassen sich dabei nicht sauber voneinander trennen.
Schließlich dokumentiert Hall wie kaum ein anderer Tiroler Ort den historischen Wandel religiöser Vorstellungen. Was um 1500 als hochmoderne, theologisch und päpstlich abgesicherte Großstiftung galt, wurde wenige Jahrzehnte später zum Gegenstand reformatorischer Kritik. Die Waldaufkapelle ist deshalb nicht nur ein Denkmal mittelalterlicher Reliquienfrömmigkeit, sondern zugleich ein Schlüsselort zum Verständnis jener Spannungen, aus denen die Reformation hervorging.
- Moser, Heinz: Waldaufstiftung Hall in Tirol. Urkunden aus den Jahren 1490-1856. Tiroler Geschichtsquellen 44, Innsbruck 2000, 444 S., 50 Abb.
- Garber, Josef: Das Haller Heiltumbuch mit den Unika-Holzschnitten Hans Burgkmairs des Älteren. Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses 32, Heft 6, Wien 1915, S. I-CLXXVII.
- Hohenbühel, Ludwig von: Die Holzschnitte der Handschrift des Heilthum-Büchleins im Pfarrarchive zu Hall in Tyrol. Ein Beitrag zur Kunst- und Culturgeschichte des beginnenden 16. Jahrhunderts. Innsbruck 1883.
- Engel, Josef / Egger, Franz: Die heilige Kapelle zu unseren lieben Frau in Hall in Tirol. Innsbruck 1951.
- Verdroß-Droßberg, Ernst: Florian Waldauf von Waldenstein. Schlern-Schriften 184, Innsbruck 1958.
- Senn, Walter: Aus dem Kulturleben einer süddeutschen Kleinstadt. Musik, Schule und Theater der Stadt Hall in Tirol in der Zeit vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. Innsbruck 1938.
- Friedrich, Verena / Schmitz-Esser, Romedio: Pfarrkirche St. Nikolaus und Kapellen. Hall in Tirol. Peda-Kunstführer Nr. 665, Passau 2007.
- Cárdenas, Livia: "Zwischen Legitimation und Memoria. Florian Waldauf und das unvollendete Projekt des Haller Heiltumsbuches". In: Zanesco, Alexander / Schmitz-Esser, Romedio (Hg.): Forum Hall in Tirol. Neues zur Geschichte der Stadt. Band 2, Hall in Tirol 2008, S. 234-253.
- West, Ashley: "Hans Burgkmair the Elder's Woodcuts for the Hall-in-Tyrol Heiltumsbuch: Tradition, Authenticity, and Artistic Authority". In: Forum Hall in Tirol. Band 2, Hall in Tirol 2008, S. 254-273.
- Schmitz-Esser, Romedio: "Persönliche Beziehungen von Macht und Frömmigkeit: Erich von Braunschweig, Katharina von Sachsen und Florian Waldauf. Der Umschlag des Haller Heiltumsbuches als übersehene historische Quelle". In: Forum Hall in Tirol. Band 2, Hall in Tirol 2008, S. 278-299.
- Zotz, Nicola: "Haller Heiltumsbuch, Hall in Tirol, Pfarrarchiv, o. Sign., 1508/09". In: Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters (KdiH). Band 6, München 2015, laufend aktualisierte Online-Fassung.
- McDonald, Grantley: "The Waldauf foundation at St. Nicholas' church, Hall in Tirol". In: Musikleben des Spätmittelalters in der Region Österreich / Musical Life of the Late Middle Ages in the Austrian Region. Universität Wien, Online-Publikation.
- Stadtmuseum Hall in Tirol: Dokumentation zur Waldaufstiftung, zum Haller Heiltumsschatz und zu den erhaltenen Altartafeln.
- Pfarre Hall St. Nikolaus: Kirchenbeschreibung und Dokumentation zu Waldaufkapelle und Josefikirchl.
- Universitätsbibliothek Innsbruck, Sondersammlungen: Bestand der Waldauf'schen Stiftsbibliothek.
- SAGEN.at: Molln, Ramsau, Frauenstein, Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung. Dokumentation zur Schutzmantelmadonna und zum gemeinsamen Seenotgelübde Maximilians I. und Florian Waldaufs.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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