| Wallfahrt: | Marienwallfahrt zu "Maria Stain" mit älterem Gnadenbild und der berühmten Frauensteiner Schutzmantelmadonna. |
| Status: | Lebendiger Wallfahrts- und Pfarrort; Einzelpilger und kleinere Gruppen kommen weiterhin regelmäßig. |
| Kultzentrum: | Älteres Mariengnadenbild des 15. Jahrhunderts; zusätzlich die um 1510/1515 entstandene, Gregor Erhart zugeschriebene Schutzmantelmadonna als wahrscheinliche Votivstiftung Maximilians I. |
| Besonderheit: | Die Schutzmantelmadonna verbindet Frauenstein mit Florian Waldaufs Stiftung in Hall in Tirol und erinnert an die gemeinsame Seenot von 1489. |
| Ort: | Ramsau, Gemeinde Molln |
| Region: | Traunviertel |
| Bundesland: | Oberösterreich |
| • | Lage: Frauenstein 2, 4591 Molln. |
| • | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Frauenstein |
| • | Geöffnet: tagsüber geöffnet und frei zu besichtigen. |
| • | Bilddokumentation - Kirche, Schutzmantelmadonna, ursprüngliches Gnadenbild und Votivtafel |
| • | Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Seenotgelübde, Kultbilder, Wallfahrt und Volkskunde |
Gnadenbild Frauensteiner Schutzmantelmadonna:
Neben der Darstellung von Madonna und Kind sind links Kaiser Maximilian I. (dritter von links) und dahinter der kaiserliche Rat Ritter Florian Waldauf zu Waldenstein abgebildet, auf der rechten Seite vermutlich Maximilians zweite Gemahlin Bianca Maria Sforza und dahinter die Frau Florian Waldaufs Barbara Mittenhofer.
Nach einem Bericht des Ritters Waldauf gerieten er, der damalige römisch-deutsche König Maximilian I. sowie "viel Volk" und Gefangene am Dreikönigstag 1489 in der holländischen Zuidersee in Seenot. In Sturm und Nebel schlugen Eisschollen das Schiff leck und die verzweifelten Passagiere riefen die Gottesmutter Maria an. Tatsächlich soll sich daraufhin der Nebel gelichtet haben und das rettende Ufer konnte erreicht werden. Waldauf stiftete einen "Schatz" und eine Madonna in Hall bei Innsbruck, Maximilian I. die Schutzmantelmadonna in Frauenstein. Erst 1894 wurde der Wert der Votivgabe erkannt, 1967 wurde die Schutzmantelmadonna auf dem Hauptaltar aufgestellt.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Das ursprüngliche Gnadenbild in der Wallfahrtskirche Frauenstein im Ort Ramsau, Gemeinde Molln, Oberösterreich, im Jahr 1973.
Erst 1894 wurde der Wert der in der Sakristei gelagerten Schutzmantelmadonna erkannt. Zuerst wurde sie an die Nordwand des Chores gebracht. 1967 wurde die Schutzmantelmadonna auf dem Hauptaltar aufgestellt. Dieses Gnadenbild wurde auf der rechten Chorwand bei der Sakristei aufgehängt.
Eine gekrönte Muttergottes, das Zepter in der rechten Hand haltend, das Kind auf dem linken Arm aus dem 15. Jahrhundert. Umgeben von mehreren Barockengeln und von zwei auf Wolken schwebenden Engeln, die ein großes, flammendes Herz emporhalten.
Legende: Diese Madonnenstatue befand sich früher an einer Linde neben der Kirche; im Jahre 1594 nahm Stephan Riegler vom Unteren Bauernhubergut, wegen seines Lebenswandels nur "der tolle Bauernhuber" genannt, das Bild herunter, um es nebst anderen geschnitzten Bildern zu Hause zu verbrennen. Er versuchte es eine Stunde lang, konnte es aber nicht vernichten; daraufhin nahm der die Statue aus dem Feuer und hing sie wieder an ihren Platz. Die Nachricht von diesem Ereignis verbreitete sich und man stellte sie in die Kirche auf den Hochaltar. (Quelle: H. u. F. Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild, 1972, S. 58)
Aufnahme: Dia, 1973
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Ein Votivbild in der Wallfahrtskirche Frauenstein:
Inschrift:
"Dank:Tafel Wegen am Fest Maria Schnee den 5ten Augusty
im Jahr 1769 in Kürchdorff erstandener, aber gütigst abgewendeter Feu=
:ers Gefahr"
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Frauenstein bei Molln gehört zu den bedeutenden Marienwallfahrtsorten des oberösterreichischen Steyrtales. Ihre Geschichte ist ungewöhnlich vielschichtig, denn sie besitzt nicht nur ein, sondern zwei für die Wallfahrt wichtige Marienbilder. Das ältere Gnadenbild ist eine kleine, stehende Madonna mit Kind aus dem 15. Jahrhundert, an die sich die Überlieferung vom vergeblichen Verbrennungsversuch des "tollen Bauernhuber" im Jahr 1594 knüpft. Weltberühmt wurde Frauenstein jedoch durch die monumentale Schutzmantelmadonna, die um 1510/1515 entstand, Gregor Erhart zugeschrieben wird und mit großer Wahrscheinlichkeit auf Kaiser Maximilian I. zurückgeht.
Gerade diese zweite Madonna verbindet Frauenstein unmittelbar mit der Waldaufkapelle in Hall in Tirol. Maximilian und sein enger Vertrauter Florian Waldauf gerieten am Dreikönigstag 1489 auf einer Fahrt in den Niederlanden in schwerste Seenot. Aus diesem Ereignis gingen zwei weit voneinander entfernte Stiftungen hervor: Waldauf schuf in Hall eine groß angelegte Reliquien- und Heiltumsstiftung; Maximilians Gelübde wird mit der Frauensteiner Schutzmantelmadonna verbunden. In der Schnitzgruppe knien beide Männer gemeinsam unter dem Mantel Mariens. Frauenstein und Hall sind damit zwei Erinnerungsorte desselben historischen Rettungserlebnisses.
Die Kirche steht auf einem weithin sichtbaren, etwa 502 Meter hohen Bergkegel über der Steyrschlucht im Mollner Ortsteil Ramsau. Die ältere Überlieferung verbindet den Platz mit einer Burg "Steyrstein" beziehungsweise "Steyrstain". Die historische Deutung dieser angeblichen Burganlage ist jedoch nicht völlig gesichert; neuere burgenkundliche Untersuchungen mahnen bei der Gleichsetzung sichtbarer Geländeformen mit einer mittelalterlichen Burg zur Vorsicht. Sicherer fassbar ist die kirchliche Geschichte.
Der Ort erscheint zunächst unter Namen wie "Maria Stain" oder "Unsere liebe Frau Capell am Stain". 1488 wurde die Kapelle mit drei Altären geweiht. Eine Bruderschaft zu "Unserer lieben Frau Capell am Stain" trug zum Bau und zur Ausstattung bei. Aufzeichnungen aus dem ehemaligen Stiftsarchiv Garsten berichten von Ablässen für Gläubige, die das Heiligtum an bestimmten Festtagen besuchten, beichteten und die vorgeschriebenen religiösen Handlungen erfüllten. Bereits vor Maximilians Stiftung bestand hier also eine Marienwallfahrt; die Schutzmantelmadonna begründete Frauenstein nicht aus dem Nichts, sondern trat zu einem bestehenden Gnadenort hinzu.
Am 6. Jänner 1489 befand sich Maximilian, damals römisch-deutscher König und noch nicht Kaiser, mit seinem Gefolge in den Niederlanden. Bei einer Schiffsreise geriet die Gesellschaft in Nebel, Sturm und Eisgang. Nach dem später von Florian Waldauf festgehaltenen Bericht schlugen Eisschollen das Schiff leck; neben Maximilian und Waldauf befanden sich weiteres Gefolge und Gefangene an Bord. In der als lebensgefährlich empfundenen Lage wandten sich die Reisenden im Gebet an Maria.
Die Überlieferung spricht häufig verkürzt von einem "Schiffsuntergang". Tatsächlich ging das Schiff nach dem erhaltenen Bericht nicht unter. Es handelt sich um eine schwere Seenot, aus der die Gesellschaft das rettende Ufer erreichte. Gerade diese Rettung wurde religiös als Gebetserhörung verstanden und zum Ausgangspunkt der späteren Stiftungen.
Florian Waldauf verwirklichte sein Gelübde in Hall in Tirol. Aus einer zunächst persönlichen Dankstiftung entwickelte sich dort die großartige Waldaufstiftung mit Marienkapelle, Tausenden Reliquien, Ablässen, Predigtamt, Musikpflege und öffentlichen Heiltumsweisungen. Die ausführliche SAGEN.at-Dokumentation zur Waldaufkapelle in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus in Hall in Tirol behandelt diese zweite Seite des gemeinsamen Seenotereignisses.
Frauenstein bewahrt gewissermaßen die kaiserliche Antwort auf dasselbe Erlebnis. Die traditionelle Zuschreibung der Schutzmantelmadonna als persönliche Votivgabe Maximilians ist sehr plausibel, muss aber quellenkritisch etwas vorsichtiger formuliert werden als ältere Darstellungen. Ein ausdrücklicher erhalten gebliebener Auftrag Maximilians an Gregor Erhart ist bislang nicht bekannt. Stark für die Verbindung sprechen jedoch die Bildnisse innerhalb der Gruppe und eine von Maximilian selbst unterzeichnete Urkunde von 1514, mit der er die Vermögensverhältnisse der Kirche regelte. Angela Mohr verwies dafür auf die Urkunde Nr. 505 im Oberösterreichischen Landesarchiv.
Die Urkunde von 1514 zeigt, dass Maximilian persönlich an "Maria Stain" interessiert war. Die Pfarrüberlieferung sieht darin zusammen mit der wenig später entstandenen Schutzmantelmadonna den Ausdruck einer besonderen Beziehung des Herrschers zu der kleinen Kirche. Die Stiftung dürfte um 1510/1515 ausgeführt worden sein. In der Forschung wird der Auftrag meist Gregor Erhart zugeschrieben, der aus Ulm stammte und in Augsburg eine bedeutende Werkstatt führte.
Dass Maximilian ausgerechnet Frauenstein auswählte, ist nicht sicher dokumentiert. Die Gegend stand jedoch in seinem politischen und jagdlichen Erfahrungsraum; außerdem bestand bereits ein Marienheiligtum. Die spätere romantische Erzählung, der Kaiser habe den Künstler persönlich von einem Jagdaufenthalt auf Schloss Klaus nach Frauenstein geführt, gehört dagegen in den Bereich der ausgeschmückten Überlieferung und darf nicht als gesichertes Ereignis behandelt werden.
Die Frauensteiner Schutzmantelmadonna ist aus Lindenholz geschnitzt und misst ungefähr 195 Zentimeter in der Höhe, 150 Zentimeter in der Breite und 60 Zentimeter in der Tiefe. Maria sitzt erhöht und hält das Jesuskind; zwei Engel breiten ihren Mantel über sechs kniende Menschen aus. Die klare Dreieckskomposition, die bewegte Körperhaltung und die feine Behandlung von Gesicht, Gewand und Haar verbinden spätgotische Formensprache mit bereits deutlich spürbaren Renaissanceelementen.
Das Kind hält einen Kranz aus Rosen. Die Frauensteiner Deutung versteht ihn als Hinweis auf das Rosenkranzgebet. Die Pfarrüberlieferung bringt die unterschiedlichen Rosenfarben mit den damals gebräuchlichen Geheimnissen des Rosenkranzes in Zusammenhang und erinnert daran, dass Maximilian bereits früh mit der Rosenkranzbruderschaft von Köln verbunden war. Auch wenn einzelne ikonographische Details unterschiedlich interpretiert werden können, ist die marianische Schutzidee eindeutig: Unter dem Mantel Mariens finden Menschen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen Zuflucht.
Auf der linken Seite knien drei Männer, auf der rechten drei Frauen. Die dritte Männerfigur von außen beziehungsweise die Maria am nächsten stehende hervorgehobene Gestalt wird als Maximilian identifiziert. Hinter ihm erscheint Florian Waldauf. Auf der Frauenseite werden Bianca Maria Sforza, Maximilians zweite Gemahlin, und Barbara Mitterhofer, die Frau Waldaufs, erkannt. Die Identifizierung der beiden äußersten bäuerlichen Figuren ist dagegen unsicher; die Pfarrüberlieferung erwägt darin sogar Bildnisse Gregor Erharts und seiner Frau, doch hierfür fehlt ein eindeutiger Beleg.
Die Darstellung Maximilians ist bemerkenswert zurückgenommen. Er trägt keine Kaiserkrone und präsentiert sich nicht als triumphierender Herrscher, sondern als kniender Beter. Gerade dadurch erhält die Figur ihren Votivcharakter: Macht und gesellschaftlicher Rang treten unter dem Schutzmantel zurück. Der gerettete Herrscher erscheint gemeinsam mit seinem Vertrauten und den Frauen beider Familien als Schutzsuchender vor Maria und dem Kind.
Die Schutzmantelmadonna darf nicht mit dem ursprünglichen Wallfahrtsbild verwechselt werden. Das ältere Gnadenbild ist eine etwa 60 Zentimeter hohe stehende Madonna mit Kind aus dem 15. Jahrhundert, später barock gefasst und von Engeln umgeben. Sie stand lange am Hochaltar und befindet sich heute an der Chorwand. Gerade an dieses ältere Bild knüpft die lokale Ursprungs- und Mirakelüberlieferung an.
Diese Unterscheidung ist für die Geschichte des Wallfahrtsortes wesentlich. Frauenstein besitzt einerseits einen bereits im späten Mittelalter bestehenden lokalen Marienkult mit einem eigenen Gnadenbild; andererseits kam mit der monumentalen Schutzmantelmadonna eine hochrangige höfische Votivstiftung hinzu. Erst in der neueren Präsentation wurde die kaiserliche Schutzmantelgruppe zum beherrschenden Bild des Hochaltars und zum bekanntesten Symbol Frauensteins.
Mit dem älteren Gnadenbild verbindet sich die bekannteste Frauensteiner Legende. 1594 soll Stephan Riegler vom Unteren Bauernhubergut, wegen seines Lebenswandels "der tolle Bauernhuber" genannt, die an einer Linde bei der Kirche befestigte Madonna heruntergenommen haben. Er wollte sie gemeinsam mit anderen geschnitzten Bildern verbrennen. Trotz langer Einwirkung des Feuers sei es ihm nicht gelungen, die Figur zu vernichten. Daraufhin habe er das Bild wieder an seinen Platz gebracht; die Nachricht von dem Ereignis verbreitete sich und führte zu verstärkter Verehrung.
Diese Erzählung gehört ausdrücklich in den Bereich der Wallfahrtslegende. Historisch interessant ist sie dennoch, weil sie die religiösen Konflikte des 16. Jahrhunderts in eine leicht erinnerbare lokale Geschichte übersetzt: Bilderfeindlichkeit, Marienverehrung und die Vorstellung von der Unverletzbarkeit eines Gnadenbildes werden in einer einzigen dramatischen Handlung zusammengeführt. In der späteren Tradition wurde die Geschichte zu einem entscheidenden Erklärungsmotiv für den Wiederaufschwung der Wallfahrt.
Die frühe Wallfahrt war eng mit dem Stift Garsten verbunden. Ab 1498 sollte ein Teil der Einnahmen an das Stift abgeführt werden. Reformation, konfessionelle Spannungen und die Kriegsunsicherheit des 16. Jahrhunderts führten jedoch zu einem starken Rückgang. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die Kirche in schlechtem Zustand.
Unter dem Garstner Abt Anton II. Spindler begann ab 1615 eine Erneuerung. Aus dieser Phase und den folgenden Jahrzehnten stammen wesentliche Veränderungen, die das heutige Erscheinungsbild prägen. Das Stuckgewölbe wurde 1657 geschaffen; etwa gleichzeitig entstand der Turm. Das große Kruzifix an der Nordwand wird Hans Spindler zugeschrieben und um 1625 datiert. Der Hochaltar des späten 17. Jahrhunderts stammt vom Garstner Bildhauer Marian Rittinger. Frauenstein verbindet daher einen spätgotischen Kern mit einer ausgeprägten frühneuzeitlichen und barocken Ausstattungsgeschichte.
Im 18. Jahrhundert setzte sich allmählich der Name Frauenstein anstelle des älteren "Maria Stain" durch. 1754 wurde Frauenstein als eigenes Vikariat von Molln abgetrennt. Nach der Aufhebung des Stiftes Garsten im Jahr 1787 entwickelte sich die kirchliche Organisation weiter; 1823 wurde Frauenstein selbständige Pfarre. Seit der jüngeren Pfarrstrukturreform gehört Frauenstein als Pfarrteilgemeinde zur Pfarre Steyrtal.
Diese Entwicklung zeigt, dass die Wallfahrt nicht neben der örtlichen Seelsorge stand, sondern langfristig zur Ausbildung eines eigenen kirchlichen Mittelpunktes beitrug. Die kleine Wallfahrtskirche wurde zugleich Gotteshaus der Bevölkerung des abgelegenen Ramsauer Gebietes.
Erstaunlicherweise stand die heute berühmte Schutzmantelmadonna über Jahrhunderte nicht im Zentrum der Wallfahrt. Bei einer Renovierung ab 1886 wurde die große, damals bereits stark vom Holzwurm geschädigte Figur aus der Sakristei an die Nordwand des Chores gebracht. Der Klauser Pfarrvikar Eberhard Bauer beschrieb sie 1894 in seinem "Vergißmeinnicht von Frauenstein" bereits mit ihren auffälligen Maßen und dem Rosenkranz des Kindes, ohne dass ihre kunsthistorische Bedeutung schon vollständig erkannt war.
1918 wurde die Figur gegen Holzwurmbefall behandelt und beschädigte Stellen wurden ausgebessert. Erst in den 1920er Jahren begann die kunsthistorische Neubewertung. Gustav Gugenbauer erkannte 1925 in der knienden Männerfigur Maximilian und deutete das Fehlen geistlicher Stände unter dem Mantel als Hinweis auf eine weltliche Stiftung. Karl Feuchtmayr schrieb die Plastik anhand von Detailaufnahmen Gregor Erhart zu.
Eine entscheidende Rolle für die öffentliche Bekanntheit spielte der Schlierbacher Fachlehrer Josef Kurz. Zwischen 1935 und 1937 fotografierte er die Madonna, sammelte Nachrichten zu ihrer Geschichte und hielt zahlreiche Lichtbildvorträge. Dadurch wurde die bis dahin außerhalb der engeren Region wenig bekannte Plastik als bedeutendes Werk der süddeutschen Bildschnitzkunst wahrgenommen.
1937/38 kam die Figur zur Restaurierung in die Werkstätten des Kunsthistorischen Museums in Wien. Dort wurde sie gegen Holzwurm behandelt; außerdem entfernte man jüngere barocke Überfassungen und legte ältere Farbschichten frei. Anschließend war sie in der Ausstellung "Altdeutsche Kunst im Donauland" zu sehen. 1967 erfolgte eine weitere Instandsetzung. Seit diesem Jahr steht die Schutzmantelmadonna am Hochaltar, während das ältere Frauensteiner Gnadenbild an die Chorwand versetzt wurde.
Die SAGEN.at-Bilddokumentation bewahrt auch eine Votivtafel mit einer besonders anschaulichen Inschrift. Sie erinnert an eine am Fest Maria Schnee, dem 5. August 1769, in Kirchdorf entstandene und als gnädig abgewendet verstandene Feuersgefahr. Solche Tafeln gehören zu den wichtigsten volkskundlichen Quellen einer Wallfahrt: Sie zeigen nicht abstrakt, sondern an einem konkreten Ereignis, wofür Menschen die Hilfe des Gnadenortes erbaten und wofür sie anschließend öffentlich dankten.
Das Beispiel belegt zugleich, dass das Einzugsgebiet der Frauensteiner Wallfahrt über die unmittelbare Ramsau hinausreichte. Feuer gehörte in dicht verbauten Orten und bäuerlichen Anwesen zu den existenziellen Bedrohungen der Vormoderne; eine Danktafel wegen abgewendeter Brandgefahr ist daher ein besonders typisches Zeugnis religiöser Alltagsbewältigung.
Frauenstein ist kein erloschener Wallfahrtsort. Die Pfarrgemeinde berichtet, dass Einzelpilger und kleinere Gruppen weiterhin regelmäßig kommen, auch wenn große organisierte Wallfahrten gegenüber früher seltener geworden sind. Wallfahrtsgottesdienste, Andachten und Kirchenführungen gehören weiterhin zur Praxis. Auch Einrichtungen der Diözese Linz wählen Frauenstein regelmäßig als Ziel ihrer Wallfahrten.
Der Ort besitzt dabei heute zwei sich ergänzende religiöse Schwerpunkte: die alte lokale Tradition des ursprünglichen Gnadenbildes und die inzwischen weithin bekannte Schutzmantelmadonna als Bild von Schutz, Geborgenheit und Fürbitte. Die Kirche ist tagsüber geöffnet und damit auch für einzelne Besucher als stiller Andachtsort zugänglich.
Frauenstein ist für die Wallfahrtsforschung besonders ergiebig, weil hier mehrere historische Schichten nebeneinander erhalten geblieben sind. Die spätmittelalterliche Marienkapelle mit Bruderschaft und Ablasswesen gehört einer anderen Frömmigkeitswelt an als die kaiserliche Votivstiftung um 1515. Die Legende vom unverbrennbaren Gnadenbild verarbeitet die konfessionellen Konflikte des 16. Jahrhunderts. Votivtafeln dokumentieren persönliche Notlagen der frühen Neuzeit. Die Wiederentdeckung der Schutzmantelmadonna im 20. Jahrhundert zeigt schließlich, wie Kunstgeschichte selbst die Wahrnehmung eines Wallfahrtsortes verändern kann.
Am eindrucksvollsten bleibt jedoch die Verbindung nach Hall in Tirol. Derselbe Tag der Seenot von 1489 führte zu zwei völlig verschiedenen Formen des Dankes: Florian Waldauf schuf ein institutionelles Heiltumszentrum mit Reliquien, Predigt und Musik; Maximilians Gelübde verdichtete sich in Frauenstein in einem einzigen monumentalen Bildwerk. Unter dem Mantel der Madonna stehen beide Stifter wieder nebeneinander. Damit verbindet die Frauensteiner Schutzmantelmadonna auf ungewöhnlich anschauliche Weise persönliche Gefahr, politisches Umfeld, höfische Kunst und Wallfahrtsfrömmigkeit.
- Schober, Hertha / Schober, Friedrich: Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972, besonders S. 58. Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.
- Kerber, Roger: Frauenstein und die Schutzmantelmadonna. 3. Auflage, 1970.
- Kurz, Josef: Frauenstein und seine Schutzmantelmadonna. Vereinsdruckerei Steyr, 1937, 40 S.
- Mohr, Angela: Die Schutzmantelmadonna von Frauenstein. Steyr 1983; 2. Auflage, Ennsthaler, Steyr 1986, ISBN 3-85068-132-7.
- Mohr, Angela: "Kaiser Maximilian I. unter dem Schutzmantel Mariens". In: Oberösterreichische Heimatblätter, 42. Jg., Heft 3, 1988, S. 193-194.
- Bauer, Eberhard: Vergißmeinnicht von Frauenstein. 1894. Frühe Beschreibung der damals an der Chorwand aufgestellten Schutzmantelmadonna.
- Kirchner, Franz: Das Mollner Heimatbuch. Molln 1987, S. 39-40.
- Girkinger, Willibald / Heitzmann, Wolfgang: Die Steyr. Landschaft und Menschen am Fluß. 2. Auflage, Landesverlag, Linz 1990.
- Girkinger, Willibald (Hg.): Molln. Nationalparkgemeinde im Steyrtal. Freya Verlag, Linz 2014, S. 604-605.
- Oberösterreichisches Landesarchiv: Urkunde Nr. 505, 1514; von Kaiser Maximilian I. unterzeichnete Regelung zu den Vermögensverhältnissen der Kirche "Maria Stain", nach Angela Mohr.
- Pfarre Frauenstein, Diözese Linz: Dokumentationen zur Geschichte der Wallfahrtskirche und der Schutzmantelmadonna.
- McDonald, Grantley: "Liturgical Foundations from the Court of Maximilian I and the Hope of Salvation". In: Lundberg, Mattias / Schildt, Maria / Lundblad, Jonas (Hg.): Lutheran Music Culture: Ideals and Practices. Berlin 2021, S. 69-79.
- Moser, Heinz: Waldaufstiftung Hall in Tirol. Urkunden aus den Jahren 1490-1856. Tiroler Geschichtsquellen 44, Innsbruck 2000.
- SAGEN.at: Hall in Tirol, Stadtpfarrkirche St. Nikolaus - Waldaufkapelle und Haller Heiltumsschatz. Dokumentation zur zweiten Stiftung aus dem Seenotereignis von 1489.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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