Sandl, Kapelle Hacklbrunn (Andachtsort)

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Wallfahrt:Keine eigenständige Wallfahrt im engeren Sinn sicher belegt. Historisch kamen Kranke und Heilungssuchende wegen der Quelle und des Badebetriebes nach Hacklbrunn; religiöse Deutung und Kapelle begleiteten diese Nutzung. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung dokumentierte später lokale Maiandachten an der heutigen Kapelle.
Status:Historischer Heilquellen- und Andachtsort; heute lokaler Andachtsort. Wallfahrtsstatus im engeren Sinn nicht sicher nachweisbar.
Kultzentrum:Historisch die Heilquelle mit der darüber errichteten älteren Kapelle; heute getrennte Quellfassung und jüngere Kapelle im Weiler Hacklbrunn.
Ort:Sandl.
Bezirk/Region:Mühlviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: Hacklbrunn, 4251 Sandl; die historische Quelle liegt auf Privatgrund beim ehemaligen Badehaus, die heutige Kapelle etwa 150 Meter südlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mühlviertel
• Ansicht in Street View
• Web: Pfarrgemeinde Sandl
• Öffnungszeiten: keine verlässlich veröffentlichten allgemeinen Innenöffnungszeiten; Kapelle von außen zugänglich. Die Quelle liegt auf Privatgrund, Wasserentnahme nur soweit von den Eigentümern gestattet.
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•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

• Heutige Kapelle in Hacklbrunn, Nachfolgebau der früher direkt über der Heilquelle stehenden Kapelle:
Bad Hacklbrunn, Kapelle

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Hacklbrunn – Heilbad, Quelle und Kapelle

Hacklbrunn liegt rund drei Kilometer nördlich von Sandl im oberen Talraum der Maltsch, nahe der Grenze zu Böhmen. Der kleine Weiler besitzt eine für das Mühlviertel außergewöhnliche Geschichte: Schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts bestand hier ein organisierter Badebetrieb an einer als heilkräftig geltenden Quelle. Hacklbrunn gehört damit zu den ältesten nachweisbaren Heilbädern der Region. Die religiöse Verehrung mit einer Kapelle entwickelte sich im unmittelbaren Zusammenhang mit der Quelle, darf aber nicht mit dem medizinisch beziehungsweise gewerblich organisierten Badebetrieb gleichgesetzt werden.

Heute sind Quelle, ehemaliges Badehaus und Kapelle räumlich voneinander getrennt. Die historische Quelle liegt auf Privatgrund beim Anwesen Hacklbrunn 25, unmittelbar neben dem erhaltenen ehemaligen Badehaus. Die ältere Kapelle stand ursprünglich direkt über der Quelle; sie wurde im 19. Jahrhundert abgetragen. Die heutige Kapelle wurde etwa 150 Meter weiter südlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite errichtet.

1615: eines der ältesten Heilbäder des Mühlviertels

Für Hacklbrunn besitzen wir ungewöhnlich frühe schriftliche Nachrichten. Ein Bereitungsprotokoll des Freiwaldes aus dem Jahr 1615 beschreibt den Ort und seinen Badebetrieb bereits ausführlich. Der Brunnenmeister Andre Genßberger betreute ein Haus mit drei Stuben, Kammern, zwei Ställen, Badstuben und Badhütten. Zum Betrieb gehörten außerdem Einrichtungen wie eine Kohlstatt und eine Sägestätte. Der Brunnenmeister durfte seinen Patienten Wein, Bier und Brot verkaufen; weitere Badhäuser bestanden in unmittelbarer Umgebung.

Diese Quelle zeigt, dass Hacklbrunn damals keineswegs nur ein bäuerliches Bründl war, das gelegentlich von Kranken aufgesucht wurde. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts bestand bereits ein wirtschaftlich organisierter Badeplatz mit Unterkunft, Verpflegung und mehreren im Umfeld tätigen Badern. Das Land Oberösterreich bezeichnet Hacklbrunn in seiner landschaftsgeschichtlichen Dokumentation deshalb zu Recht als einen der kulturhistorisch bemerkenswerten Orte des Freiwaldes.

Michael Häckhel und die "Franzosenkrankheit"

Besonders bemerkenswert ist die Namensüberlieferung. Bereits 1615 wurde berichtet, das Heilbad trage seinen Namen nach dem "Franzosenarzt" Michael Häckhel. Mit "Franzosen" beziehungsweise "Franzosenkrankheit" bezeichnete man in der frühen Neuzeit die Syphilis. Häckhel war demnach ein Bader beziehungsweise Heilkundiger, der an diesem Ort Kranke behandelte.

Die moderne Ortsnamenforschung bestätigt diese Erklärung. Für 1615 sind Formen wie "zum Hacklbrunn" und "Häckhelprun" belegt, später folgen "Bad Hacklbrunn", "Höklbrunn" und ähnliche Schreibweisen. Auch weitere Angehörige einer Baderfamilie Hackl beziehungsweise Häggl sind im 17. Jahrhundert urkundlich nachweisbar. Damit ist die Ableitung des Ortsnamens vom Familiennamen wesentlich wahrscheinlicher als die spätere volkstümliche Geschichte vom Hackenhieb.

Die Sage vom Hackenhieb

Die volkstümliche Gründungssage erzählt von einem Bauern oder Holzfäller, der sich mit einer Hacke schwer in den Fuß geschlagen habe. Er sei zur nahen Quelle gekrochen, um das Blut abzuwaschen, und habe dabei eine unerwartet schnelle Heilung erfahren. Von diesem Ereignis habe das Wasser seinen Ruf als Heilquelle und schließlich auch den Namen "Hacklbrunn" erhalten.

Diese Geschichte ist volkskundlich interessant, aber als Erklärung des Ortsnamens nicht haltbar. Die Ortsnamenforschung konnte nachweisen, dass sie erst 1711 schriftlich greifbar wird, während Michael Häckhel und der nach ihm benannte Badeplatz bereits 1615 belegt sind. Die Sage entstand also später. Hohensinner und Wiesinger vermuten, dass sie möglicherweise sogar werbende Funktion für das Heilbad besaß: Eine anschauliche Wunderheilung war für einen Badeort einprägsamer als die nüchterne Erinnerung an eine Baderfamilie.

Heilbad und medizinische Praxis

Das Wasser wurde durch hölzerne Leitungen beziehungsweise Rinnen zum Badehaus geführt und dort erwärmt. Die Bader behandelten vor allem Hautkrankheiten, Wunden und Gelenkbeschwerden. Die ältere medizinische Literatur nennt außerdem die Syphilis als wichtiges Anwendungsgebiet. Schon zeitgenössische beziehungsweise spätere historische Autoren äußerten sich dabei vorsichtig zur tatsächlichen Wirksamkeit; dass Menschen das Bad nutzten, beweist noch keine medizinische Heilwirkung.

Die Bedeutung des Betriebes wird durch die Tatsache unterstrichen, dass Hacklbrunn auf frühen Darstellungen und Karten Oberösterreichs als Bad erscheint, zu einer Zeit, als viele später berühmte Kurorte noch keine vergleichbare Bekanntheit besaßen. Eine kulturhistorische Rückschau des Landes bezeichnet Hacklbrunn sogar als das älteste bekannte Badehaus des Mühlviertels für Bäder aus Heilquellen.

Die Badeordnung von 1698

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war der Badebetrieb so etabliert, dass eine eigene Badeordnung bestand. Robert Staininger veröffentlichte eine "Badeordnung aus dem Jahre 1698 von Hacklbrunn bei Sandl". Schon die Existenz einer solchen Ordnung zeigt, dass das Bad nicht bloß aus einer frei zugänglichen Quelle mit einigen improvisierten Wannen bestand. Nutzung, Betrieb und Zusammenleben der Badegäste mussten geregelt werden.

Für die Geschichte Hacklbrunns ist diese Badeordnung mindestens ebenso wichtig wie die späteren religiösen Erzählungen. Sie macht sichtbar, dass der Ort zunächst vor allem als Heilbad funktionierte. Die Kapelle und die religiöse Deutung der Quelle begleiteten diese Nutzung, doch der Besuch vieler Kranker darf nicht automatisch als Wallfahrt verstanden werden.

Die ältere Kapelle direkt über der Quelle

Über dem sogenannten Hacklbrunnen wurde eine Kapelle errichtet. Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung vermutete, dass sie bereits um 1699 bestanden haben könnte. Ein exakt gesichertes Baujahr ließ sich jedoch nicht feststellen. Neuere Untersuchungen zur Heilquellengeschichte bestätigen die Existenz einer Kapelle unmittelbar über der Quelle und zeigen zugleich, dass dieser Bau nicht mit der heute sichtbaren Kapelle identisch ist.

Die Verbindung von Quelle und Kapelle verlieh dem Heilbad eine religiöse Dimension. Wer zur Quelle kam, konnte körperliche Behandlung und Gebet miteinander verbinden. Dies entspricht einem in der frühen Neuzeit weit verbreiteten Muster: Heilquellen wurden medizinisch genutzt, gleichzeitig aber durch Heiligenbilder, Kreuze oder Kapellen sakral markiert.

Die heutige Kapelle ist ein Nachfolgebau

Im 19. Jahrhundert wurde die alte Kapelle über der Quelle abgetragen. Eine neue Kapelle entstand ungefähr 150 Meter südlich davon auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Das heute bestehende Gebäude ist dieser Nachfolgebau. Die oft wiederholte Formulierung, die heutige Kapelle stehe "über der Quelle", ist daher geografisch nicht mehr richtig.

Ein genaues Baujahr der heutigen Kapelle ist in den zugänglichen Quellen bislang nicht sicher festzustellen. Die örtliche Kleindenkmalliteratur von Sandl könnte weitere Angaben enthalten; eine gesicherte Jahreszahl liegt derzeit nicht vor.

Die Quelle heute

Die historische Quelle besteht weiterhin. Sie liegt auf Privatgrund beim Anwesen Hacklbrunn 25 und ist in einer kleinen neueren Anlage gefasst. Das Wasser tritt an einem Granitblock aus und sammelt sich in einem steinernen Trog, örtlich "Grand" genannt. Das ehemalige Badehaus Hacklbrunn 26 ist ebenfalls erhalten und befindet sich in Privatbesitz.

Im Rahmen des europäischen Projektes "Healing Places" wurde das Wasser auch naturwissenschaftlich untersucht. Dabei wurde unter anderem ein Radongehalt gemessen. Solche Messwerte erklären möglicherweise, weshalb bestimmte Quellen später kurmedizinisch interessant wurden, sie bestätigen jedoch nicht rückwirkend die historischen Heilungsberichte. Die frühneuzeitlichen Bader arbeiteten mit völlig anderen medizinischen Vorstellungen.

1827 noch als Bad in Verwendung

Noch 1827 wird Hacklbrunn als in Gebrauch stehendes Heilbad beschrieben. Benedikt Pillwein hob es unter den oberösterreichischen Bädern und Gesundbrunnen hervor. Danach verlor der Badebetrieb allmählich seine frühere Bedeutung. Neue medizinische Standards, veränderte Verkehrswege und größere Kurorte machten kleine abgelegene Bäder zunehmend unattraktiv.

Spätestens im Verlauf des 19. Jahrhunderts verschwand die eigentliche Badetradition. Gerade in dieser Zeit wurde auch die alte Kapelle über der Quelle abgetragen und durch den heutigen, räumlich versetzten Kapellenbau ersetzt. Der Ort wandelte sich damit von einem Heilbad mit religiöser Begleitung zu einem kleinen lokalen Erinnerungs- und Andachtsplatz.

Maiandachten in Hacklbrunn

Eine ältere wallfahrtskundliche Beschreibung hält Anfang der 1970er Jahre fest, dass die Bewohner von Hacklbrunn an der Kapelle Maiandachten feierten. Diese Nachricht ist der deutlichste Beleg für die jüngere religiöse Funktion des heutigen Kapellenbaues. Die Kapelle diente der örtlichen Bevölkerung als marianischer beziehungsweise allgemeiner Andachtsort, nachdem der frühere Badebetrieb längst verschwunden war.

Ob diese Maiandachten heute noch jedes Jahr in derselben Form stattfinden, ließ sich in den derzeit öffentlich zugänglichen Pfarrkalendern nicht verlässlich nachweisen. Die in einer älteren wallfahrtskundlichen Beschreibung dokumentierte Praxis gehört damit zur historisch jüngeren Nutzung des Ortes; ein aktuell jährlich wiederkehrender Termin ist daraus nicht abzuleiten.

Wallfahrt oder Heilbad?

Historisch zweifelsfrei belegt sind ein sehr alter Badebetrieb, der Besuch zahlreicher Kranker, die Verehrung beziehungsweise religiöse Deutung der Quelle und eine Kapelle. Nicht belegt sind dagegen regelmäßige Prozessionen, feste kirchliche Wallfahrtstage, ein überörtlich verehrtes Gnadenbild oder ein eigenständiger organisierter Wallfahrtsbetrieb.

Gerade bei Heilquellen ist diese Unterscheidung wichtig. Menschen konnten aus großer Entfernung zu einem Bad kommen, ohne dass ihre Reise religiös als Wallfahrt verstanden wurde. In Hacklbrunn bestanden medizinische beziehungsweise volksmedizinische Nutzung und religiöse Andacht nebeneinander. Hacklbrunn ist daher als historischer Heilquellen- und Andachtsort sowie heute als lokaler Andachtsort einzuordnen; eine pauschale Bezeichnung als Wallfahrtsort wäre zu weitgehend.

Keine Belege für einen vorgeschichtlichen Quellkult

Neuere touristische Beschreibungen sprechen bisweilen von einer "Urquelle". Daraus darf kein vorgeschichtlicher oder vorchristlicher Kultplatz abgeleitet werden. Für eine religiöse Nutzung der Quelle vor der frühen Neuzeit liegen keine archäologischen Nachweise vor. Die dokumentierte Geschichte beginnt mit der Besiedlung des Freiwaldes und dem im frühen 17. Jahrhundert bereits etablierten Badebetrieb.

Gerade weil Hacklbrunn historisch ungewöhnlich gut belegt ist, benötigt der Ort keine spekulative Vorgeschichte. Die Quellen von 1615, die Baderfamilie Häckhel, die Badeordnung von 1698 und die spätere Heilungslegende ergeben bereits ein ausgesprochen reiches Bild frühneuzeitlicher Gesundheitskultur.

Volkskundliche Bedeutung

Hacklbrunn ist volkskundlich vor allem als Schnittstelle zwischen frühneuzeitlicher Medizin, Volksmedizin, Ortsnamensage und religiöser Andacht bedeutsam. Die Quelle wurde professionell von Badern genutzt; Kranke wohnten in Badstuben, erhielten Verpflegung und wurden behandelt. Gleichzeitig erhielt das Wasser einen Ruf besonderer Heilkraft, über der Quelle stand eine Kapelle, und aus dem nüchternen Namen einer Baderfamilie entstand eine dramatische Heilungssage vom Hackenhieb.

Besonders lehrreich ist die Entstehung dieser Sage. Historisch hieß der Ort bereits nach Michael Häckhel, bevor die Geschichte vom verletzten Holzfäller schriftlich auftauchte. Die Sage erklärte also einen bereits bestehenden Namen neu und lieferte zugleich eine eindrucksvolle Werbung für die vermeintliche Heilkraft des Wassers. Nach dem Ende des Badebetriebs blieb von diesem komplexen System ein kleiner Andachtsort zurück. Die heutige Kapelle, das erhaltene Badehaus und die Quelle machen Hacklbrunn deshalb zu einem außergewöhnlichen Zeugnis der Gesundheits- und Frömmigkeitsgeschichte des Freiwaldes.

Literatur und Quellen

Robert Staininger: Sandl und seine Einwohner. In: Heimatgaue, Jg. 9, Linz 1928.

Friedrich ältere volkskundliche Literatur: Das Baderwesen in Freistadt. In: Freistädter Geschichtsblätter 2, Freistadt 1951.

Robert Staininger: Eine Badeordnung aus dem Jahre 1698 von Hacklbrunn bei Sandl. In: Oberösterreichische Heimatblätter, Jg. 19, Heft 1/2, Linz 1965, S. 58–61.

Franz Schmat: Gemeinde-Chronik Sandl. Sandl 1982.

Karl Hohensinner, Peter Wiesinger unter Mitarbeit von Hermann Scheuringer und Michael Schefbäck: Die Ortsnamen der politischen Bezirke Perg und Freistadt (Östliches Mühlviertel). Ortsnamenbuch des Landes Oberösterreich, Band 11. Wien 2003.

Rudolf Wagner: Gedenkstätten, Kapellen, Marterl in und um Sandl. Sandl 2014.

Interreg Central Europe, Projekt "Healing Places": Heilbründl im Mühlviertel, Dokumentation Bad Hacklbrunn.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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