Aschbach-Markt, Krenstetten - Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt "Maria am Anger"

Schnellüberblick
Wallfahrt:Bedeutende spätmittelalterliche Marienwallfahrt zu "Maria am Anger"; 1441 erforderte der starke Pilgerzustrom bereits einen zweiten Priester, 1504 ist eine Pfarrwallfahrt aus Ybbsitz urkundlich belegt.
Status:Die mittelalterliche Wallfahrt erlosch während der Reformation. Heute ist Krenstetten erneut lebendiger regionaler Wallfahrtsort durch Schauer- und Pfarrwallfahrten sowie die seit 1956 gepflegten Fatimafeiern.
Kultzentrum:Historisch die Steinstatue "Maria am Anger" vom Anfang des 15. Jahrhunderts; mit ihr wird in jüngeren Darstellungen die erhaltene gotische Pietà um 1410/20 verbunden. Seit 1956 gehört zusätzlich die Fatimaverehrung zum Wallfahrtsleben.
Ort:Krenstetten, Marktgemeinde Aschbach-Markt.
Region:Mostviertel, Niederösterreich.
Bundesland:Niederösterreich.
Lage und Besuch
Lage: Hauptstraße 18, 3361 Aschbach-Markt.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Mostviertel
Ansicht in Street View
Pfarre / Seelsorge: Pfarre Krenstetten, Stift Seitenstetten
Öffnungszeiten: keine offiziell festgelegten Kernöffnungszeiten außerhalb von Messfeiern, als Wallfahrtskirche jedoch meist tagsüber frei zugänglich.
Direkt zum Inhalt
Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Pfarr- und Wallfahrtskirche Krenstetten:

Die spätgotische Kirche liegt erhöht innerhalb des ummauerten Friedhofes. Der ungewöhnlich große Hallenchor des frühen 16. Jahrhunderts steht in engem Zusammenhang mit der damaligen Blüte der Marienwallfahrt.

Pfarr- und Wallfahrtskirche Krenstetten

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Wallfahrtskirche Krenstetten:

Eine weitere Ansicht des Kirchenbaues, dessen spätgotische Erweiterung durch den starken Wallfahrerstrom um 1500 wesentlich mitbestimmt wurde.

Wallfahrtskirche Krenstetten, weitere Ansicht

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Der Gänselaltar:

Der spätgotische Flügelaltar entstand um 1510/1520 und steht mit der Messstiftung des Urban Gänsel in Verbindung. Die bereits 1448 verlangte Ausstattung der Gänselkapelle wurde erst Jahrzehnte später in dieser Form verwirklicht.

Gänselaltar in der Wallfahrtskirche Krenstetten

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Renaissancekanzel von Hans Seiz:

Die 1636 von Hans Seiz geschaffene Kanzel war ursprünglich für die Stiftskirche Seitenstetten bestimmt. Nachdem dort 1703 eine neue Kanzel angeschafft worden war, kam das reich verzierte Werk nach Krenstetten.

Kanzel von Hans Seiz in Krenstetten

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Sakristeiportal:

Das spätgotische Portal besitzt einen Vorhangbogen, einen doppelt verstäbten Steinrahmen und den erhaltenen historischen Türbeschlag.

Sakristeiportal der Wallfahrtskirche Krenstetten

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Maria-Hilf-Bild an der Emporenbrüstung:

Das um 1750 entstandene Bild steht mit der Rosenkranzfrömmigkeit in Verbindung. Maria und das Jesuskind halten Rosenkränze; auf ihren Häuptern tragen sie Kränze aus großen Rosenblüten.

Maria-Hilf-Bild in der Wallfahrtskirche Krenstetten

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Wir haben leider kein Detailfoto des Gnadenbildes "Maria am Anger" - Möchten Sie ein Foto zur Verfügung stellen?

Foto von Wallfahrtskirche einsenden

Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.

Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Krenstetten gehört zu den bedeutenden mittelalterlichen Marienwallfahrtsorten des westlichen Niederösterreich. Ihre Geschichte ist jedoch nicht die einer ununterbrochenen Wallfahrt bis in die Gegenwart. Die starke spätmittelalterliche Verehrung von "Maria am Anger" erlosch während der Reformationszeit. Später entstanden neue Formen des Wallfahrens, darunter die bis heute gepflegten Schauer- und Pfarrwallfahrten sowie seit 1956 die regelmäßigen Fatimafeiern. Gerade diese unterschiedlichen Zeitschichten machen Krenstetten zu einem besonders aufschlussreichen Beispiel für Wandel, Unterbrechung und Erneuerung religiöser Wallfahrtspraxis.

Von der Filialkirche zum Wallfahrtsort

Krenstetten wird in der Gründungsurkunde des Benediktinerstiftes Seitenstetten von 1116 genannt. Die Kirche war damals Filiale der Mutterpfarre Aschbach und wurde den Benediktinern von Seitenstetten zur Seelsorge übergeben. Das Patrozinium Mariä Himmelfahrt und die enge Verbindung mit dem Stift Seitenstetten prägen die Kirche bis in die Gegenwart.

Der entscheidende Aufstieg zum Wallfahrtsort fällt in das 15. Jahrhundert. Der Zustrom zu "Maria am Anger" wurde so stark, dass 1441 ein zweiter Priester in Krenstetten eingesetzt wurde. Dadurch konnte nun nicht mehr nur an Sonn- und Feiertagen, sondern täglich eine Messe gefeiert werden. Gleichzeitig wurde die Kirche vergrößert. Diese Maßnahme ist einer der deutlichsten Belege dafür, dass die Wallfahrt bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts eine beträchtliche Größenordnung erreicht hatte.

"Maria am Anger"

Als Zentrum der spätmittelalterlichen Wallfahrt wird eine Steinstatue der Gottesmutter vom Anfang des 15. Jahrhunderts genannt. In den Quellen und in der Wallfahrtsüberlieferung begegnet dafür die Bezeichnung "Maria am Anger". Die mittelalterliche Verehrung galt damit nicht lediglich der Kirche als Station eines Pilgerweges, sondern einem eigenen marianischen Kultzentrum in Krenstetten.

In der Kirche hat sich eine qualitätvolle gotische Pietà aus der Zeit um 1410/1420 erhalten. Jüngere Wallfahrtsdarstellungen identifizieren sie mit dem historischen Gnadenbild "Maria am Anger". Da die überlieferten Nachrichten über das mittelalterliche Kultbild nicht in allen Einzelheiten eindeutig sind, sollte diese Gleichsetzung jedoch nicht als lückenlos gesicherte Objektgeschichte verstanden werden. Sicher ist, dass eine Marienstatue vom Anfang des 15. Jahrhunderts im Mittelpunkt der Wallfahrt stand und dass die erhaltene Pietà derselben frühen Kult- und Ausstattungsphase angehört.

Als ein zweiter Priester für die Wallfahrer gebraucht wurde

Die Einsetzung eines zweiten Priesters im Jahr 1441 lässt den Umfang der Wallfahrt deutlicher erkennen als eine bloße spätere Bezeichnung als "Wallfahrtskirche". Der religiöse Zustrom war stark genug, um eine dauerhafte Erweiterung der Seelsorge notwendig zu machen. Die tägliche Messfeier war damit eine unmittelbare Antwort auf die Anwesenheit zahlreicher Pilger.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nahm der Zulauf weiter zu. Ältere Darstellungen nennen jährliche Wallfahrten aus Strengberg, Ybbsitz, Maria Neustift und weiteren Orten. Die erste derzeit sicher urkundlich fassbare Pfarrwallfahrt aus Ybbsitz ist für 1504 belegt. Damit ist eine organisierte regionale Wallfahrtslandschaft rund um Krenstetten spätestens zu Beginn des 16. Jahrhunderts eindeutig nachweisbar.

Der monumentale Hallenchor als Wallfahrtsarchitektur

Um 1510/1520 erhielt die Kirche ihren ungewöhnlich großen spätgotischen Hallenchor. Die kunsthistorische Forschung bringt diesen Neubau ausdrücklich mit der Funktion Krenstettens als Marienwallfahrtskirche in Zusammenhang. Auch die besondere Raumform dürfte auf Prozessionen und die Bewegung größerer Pilgergruppen innerhalb der Kirche Rücksicht genommen haben.

Damit hat sich die mittelalterliche Wallfahrt unmittelbar in der Architektur eingeschrieben. Der große Chor ist nicht nur eine stilgeschichtliche Besonderheit, sondern ein bauliches Zeugnis des Pilgerzustroms. Von der spätmittelalterlichen Ausstattung haben sich unter anderem die Pietà um 1410/20, zwei Passionsscheiben aus der Zeit kurz nach 1400 und der etwas jüngere Gänselaltar erhalten.

Die Sage von der Pilgerglocke

Die lokale Wallfahrtsüberlieferung erzählt von einem Streit zwischen Aschbach und Krenstetten um das verehrte Marienbild. Die Bewohner von Aschbach hätten dem kleineren Krenstetten den starken Pilgerzustrom missgönnt und die Gnadenstatue wiederholt in ihre Martinskirche gebracht. Das Bild sei jedoch jedes Mal auf wunderbare Weise nach Krenstetten zurückgekehrt.

Bei einer solchen Rückkehr sollen die Glocken von Krenstetten ohne menschliches Zutun zu läuten begonnen haben. In dieser Überlieferung begegnet deshalb auch die Bezeichnung "Unsere Liebe Frau Pilgerglocke". Die Erzählung gehört in den Bereich der Wallfahrtslegende. Historisch belegt sie nicht einen wundersamen Ortswechsel der Statue, wohl aber die Vorstellung, dass das Gnadenbild selbst seinen verehrten Ort gewählt habe und dort bleiben wolle. Dieses Motiv ist aus zahlreichen europäischen Gnadenbildsagen bekannt.

"Maria am grünen Anger" und die Schauerwallfahrt

Heute ist auch die Bezeichnung "Maria am grünen Anger" verbreitet. Sie wird mit einer Legende über ein schweres Unwetter erklärt: Hagel oder Sturm hätten die Felder und Wiesen der Umgebung verwüstet, während das Gebiet rund um die Krenstettner Kirche grün und unversehrt geblieben sei. Daraus habe sich eine Wallfahrt um Schutz vor Unwettern, Hagel und Missernte entwickelt.

Die Erzählung ist als lokale Deutung des Namens zu behandeln und nicht als gesicherte Entstehungsgeschichte der mittelalterlichen Bezeichnung "Maria am Anger". Die damit verbundene Schauerwallfahrt ist jedoch lebendige religiöse Praxis. Bis heute ziehen Fußwallfahrer aus umliegenden Pfarren nach Krenstetten, um für Schutz vor Unwetter und für eine gute Ernte zu bitten.

Der Gänselaltar

Zu den bedeutendsten Kunstwerken der Kirche gehört der sogenannte Gänselaltar. Sein Name geht nicht auf eine Darstellung von Gänsen zurück, sondern auf Urban Gänsel, der im 15. Jahrhundert eine Kapelle und regelmäßige Messen stiftete. Weil für diese Messstiftung ein geeigneter Altar benötigt wurde, kam es 1448 zu einem Vergleich zwischen den Erben und der kirchlichen Seite. Darin wurde ausdrücklich die Schaffung eines neuen Schnitzaltares vorgesehen.

Die tatsächliche Ausführung erfolgte allerdings erst um 1510/1520. Der spätgotische Flügelaltar ist dem hl. Stephanus gewidmet. Seine Reliefs und Tafelbilder gehören zu den wichtigsten erhaltenen Ausstattungsstücken aus jener Zeit, in der die Marienwallfahrt den großen Chorneubau und eine umfassende künstlerische Erneuerung der Kirche begünstigte. 1909/1910 wurde der Altar teilweise neugotisch ergänzt.

Renaissancekanzel aus Seitenstetten

Ein weiteres herausragendes Ausstattungsstück ist die Kanzel von Hans Seiz. Eine Inschrift mit den Initialen "H. S." und der Jahreszahl 1636 verweist auf den Passauer Meister. Die reich ornamentierte Kanzel wurde ursprünglich für die Stiftskirche Seitenstetten geschaffen. Als Abt Benedikt Abelzhauser 1703 dort eine neue Kanzel anschaffen ließ, kam das ältere Werk nach Krenstetten.

Die Übertragung zeigt die enge institutionelle und künstlerische Verbindung zwischen dem Benediktinerstift und seiner Kirche in Krenstetten. Die Kanzel bewahrt noch deutlich den reichen Formenschatz der Spätrenaissance und hebt sich damit von der späteren neugotischen Ausstattung ab.

Die Wallfahrt erlischt in der Reformationszeit

Die bedeutende mittelalterliche Marienwallfahrt überstand die religiösen Umbrüche des 16. Jahrhunderts nicht. Eine wissenschaftliche Untersuchung zur niederösterreichischen Wallfahrtskultur hält ausdrücklich fest, dass die Wallfahrt nach Krenstetten während der Reformation erlosch und nach der Gegenreformation vom Stift Seitenstetten nicht in ihrer alten Form wiederbelebt werden konnte.

Damit besteht keine ununterbrochene Wallfahrtskontinuität vom 15. Jahrhundert bis heute. Die spätere religiöse Bedeutung Krenstettens muss vielmehr als neue Phase verstanden werden. Gerade diese Unterbrechung ist wichtig, weil sie zeigt, wie stark Wallfahrtsorte von konfessionellen, politischen und seelsorglichen Veränderungen abhängig waren.

Pfarrliche Selbständigkeit

Krenstetten blieb über lange Zeit kirchlich mit Aschbach verbunden. Das Stift Seitenstetten führt 1862 als Errichtungsjahr der selbständigen Pfarre Krenstetten. Ältere und neuere Sekundärdarstellungen nennen teilweise frühere Daten; für die heutige institutionelle Einordnung ist die Angabe des zuständigen Stiftes maßgeblich.

Das 19. Jahrhundert brachte zugleich eine tiefgreifende Erneuerung des Kirchenraumes. Ab 1868 entstanden neugotische Altäre, und weitere Maßnahmen griffen in die mittelalterliche und barocke Ausstattung ein. Der historische Wallfahrtscharakter blieb jedoch durch die erhaltenen Kunstwerke und die Erinnerung an "Maria am Anger" präsent.

Rosenkranzfrömmigkeit und Maria-Hilf-Bild

An der Emporenbrüstung befindet sich ein um 1750 entstandenes Maria-Hilf-Bild, das mit der Rosenkranzfrömmigkeit in Verbindung steht. Maria und das Jesuskind halten Rosenkränze und tragen zugleich Kränze aus großen Rosenblüten. Das Bild gehört einer jüngeren marianischen Frömmigkeitsschicht an, die nicht mit dem mittelalterlichen Gnadenbild gleichgesetzt werden darf.

Gerade solche unterschiedlichen Marienbilder zeigen, dass die religiöse Bedeutung Krenstettens nach dem Ende der mittelalterlichen Wallfahrt nicht völlig verschwand. Der Kult wandelte sich und nahm neue Formen an, bevor im 20. Jahrhundert mit der Fatimaverehrung eine weitere, eigenständige Wallfahrtstradition hinzukam.

1956 beginnt die Fatimatradition

Am 13. Oktober 1956 wurde in Krenstetten erstmals eine Fatimafeier abgehalten. Die Einführung fällt in die Amtszeit von P. Ambros Rosenauer, der von 1954 bis 1971 Pfarrer in Krenstetten war. Die regelmäßigen Feiern entwickelten sich zu einer neuen Form regionaler Marienwallfahrt und zogen Gläubige aus einem weiten Umkreis an.

Bis heute finden vom Mai bis Oktober jeweils am 13. des Monats Fatimafeiern statt. Das Stift Seitenstetten nennt zwei Gottesdiensttermine am Nachmittag und Abend. Rosenkranz, Beichtgelegenheit und bei bestimmten Terminen Prozessionen mit der Fatimastatue gehören zum religiösen Ablauf.

Schauerwallfahrten bis heute

Neben den Fatimafeiern bestehen ältere regionale Fußwallfahrten fort. Die traditionelle Schauerwallfahrt aus Allhartsberg führt weiterhin nach Krenstetten; auch Wallfahrer aus Sonntagberg und Neuhofen nehmen daran teil. Die Bittprozession verbindet die Erinnerung an zerstörerische Unwetter mit der Bitte um Bewahrung vor Hagel und Missernte.

Auch aus Wolfsbach kommt weiterhin eine traditionelle Pfarrwallfahrt nach Krenstetten. Der ursprüngliche Sinn wird dort ausdrücklich als Schauerwallfahrt beschrieben: Bitte um Schutz vor Hagel und Unwetter, heute erweitert um weitere persönliche und gemeinschaftliche Anliegen. Damit besitzt Krenstetten gegenwärtig eine reale Wallfahrtsfunktion, auch wenn sie nicht als unmittelbare Fortsetzung des mittelalterlichen Gnadenkultes verstanden werden darf.

Mariä Himmelfahrt als Patrozinium

Das Hauptpatrozinium der Pfarrkirche ist Mariä Himmelfahrt am 15. August. Der Festtag bildet neben den Schauerwallfahrten und den Fatimatagen einen weiteren marianischen Schwerpunkt. Die heutige neugotische Hochaltarausstattung stellt die Aufnahme Mariens in den Himmel in den Mittelpunkt.

So liegen in Krenstetten mehrere Formen der Marienverehrung übereinander: das mittelalterliche "Maria am Anger", die jüngere Rosenkranzfrömmigkeit, das Patrozinium Mariä Himmelfahrt und schließlich die Fatimaverehrung des 20. Jahrhunderts. Diese Schichten dürfen nicht miteinander verschmolzen werden, bilden zusammen aber die außergewöhnlich lange marianische Prägung des Ortes.

Volkskundliche Einordnung

Krenstetten ist ein besonders anschauliches Beispiel dafür, dass die Geschichte eines Wallfahrtsortes nicht notwendig geradlinig verläuft. Die spätmittelalterliche Wallfahrt war stark genug, eine dauerhafte Erweiterung der Seelsorge und einen monumentalen Kirchenbau hervorzubringen. Mit der Reformation brach diese Kultform jedoch ab.

Die spätere Schauerwallfahrt knüpfte an andere religiöse Bedürfnisse an: Schutz der Felder, Bewahrung vor Hagel und Bitte um eine gute Ernte. Die Fatimafeiern seit 1956 wiederum gehören in die internationale marianische Frömmigkeit des 20. Jahrhunderts. Aus demselben Kirchenraum wurde damit in verschiedenen Epochen ein Wallfahrtsziel mit unterschiedlichen kultischen Schwerpunkten.

Besonders charakteristisch ist die Sage vom wiederkehrenden Gnadenbild. Sie verleiht "Maria am Anger" jene Eigenmächtigkeit, die viele Wallfahrtslegenden kennzeichnet: Nicht die Menschen bestimmen den Ort des Heiligen, sondern das Kultbild selbst zeigt durch wundersame Rückkehr, wo es verehrt werden will. Die selbständig läutenden Glocken verstärken dieses Motiv und geben der Überlieferung ihre Bezeichnung "Pilgerglocke".

Literatur und Quellen

Benedikt Wagner: Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frauen Himmelfahrt in Krenstetten. Christliche Kunststätten Österreichs, Verlag St. Peter, Salzburg 1997.

Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich südlich der Donau. Horn/Wien 2003, Aschbach-Markt, Krenstetten, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, S. 87-90.

Elisabeth Oberhaidacher-Herzig u. a.: Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich. 2. Teil: Krenstetten bis Zwettl. Corpus Vitrearum Medii Aevi Österreich IV/2, Wien/Köln/Weimar 2015.

Kulturgeschichte der Wallfahrt in Niederösterreich, Abschnitt Krenstetten.

Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich - Krenstetten.

Pfarre Allhartsberg: Schauerwallfahrt nach Krenstetten.

Pfarre Wolfsbach: traditionelle Pfarr- und Schauerwallfahrt nach Krenstetten.

SAGEN.at: Marienwallfahrt nach Krenstetten - Überlieferung zur Pilgerglocke.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at