Wallfahrt Innsbruck, Wiltener Basilika oder Unserer Lieben Frau unter den vier Säulen

Die Wiltener Basilika in Innsbruck, offiziell die Basilika Unserer Lieben Frau von der Unbefleckten Empfängnis, ist zugleich Pfarrkirche und Wallfahrtskirche der alten Pfarre Wilten. Sie wird auch "Unsere Liebe Frau unter den vier Säulen" genannt und gehört zu den bedeutendsten Marienheiligtümern Tirols. Wilten selbst ist einer der ältesten christlichen Orte Nordtirols: Unter der heutigen Kirche wurden bei Grabungen 1999 Reste eines frühchristlichen Gotteshauses aus der Zeit um 420 festgestellt. Die Pfarre Wilten gilt als Mutterpfarre von Innsbruck; 1138 übernahmen die Prämonstratenser des Stiftes Wilten die Seelsorge.

Der Legende nach reicht der Ursprung der Wallfahrt sogar noch weiter zurück. Schon römische Soldaten des Kastells Veldidena sollen in Wilten ein Marienbild verehrt haben; beim Abzug der sogenannten „donnernden Legion“ sei dieses Bild in der Au bei Wilten unter vier Bäumen verborgen worden. Später habe es ein frommer Bauer namens Lorenz wiedergefunden, worauf die Verehrung der Gottesmutter an diesem Ort neu auflebte. Diese Sage erklärt den alten Namen "Maria unter den vier Säulen" beziehungsweise die besondere Vorstellung eines seit frühester Zeit beschützten Gnadenbildes.

Historisch fassbar wird die Marienverehrung im Mittelalter. 1259 erscheint die Kirche bereits urkundlich als "Kirche Unserer Hohen Frau", und die Wallfahrt zur "Maria unter den vier Säulen" ist für das 13. Jahrhundert belegt. Das heutige gotische Gnadenbild, eine Sandsteinmadonna mit Kind, stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts beziehungsweise um 1320. 1609 erhielt die Kirche einen Baldachin auf vier Steinsäulen, wodurch der Name "unter den vier Säulen" auch baulich besonders anschaulich wurde.

Die heutige Kirche entstand in den Jahren 1751 bis 1756 als Neubau im Rokokostil. Bauherr war das Stift Wilten unter Abt Norbert Bußjäger; als Baumeister ist besonders der Tiroler Priester und Architekt Franz de Paula Penz zu nennen, die Pläne werden mit Joseph Stapf verbunden. Das Innere mit Stuck, Fresken und reicher Altarausstattung zählt zu den schönsten Rokokoräumen Tirols; die Deckenbilder stammen von Matthäus Günther und zeigen Szenen aus dem Leben Mariens. 1957 wurde die Wiltener Pfarr- und Wallfahrtskirche von Papst Pius XII. zur Basilica minor erhoben.

Volkskundlich besonders wichtig ist die lange Tradition der Bitte und Danksagung vor dem Gnadenbild. Votivbilder zeigen, dass die Wiltener Madonna nicht nur allgemein verehrt wurde, sondern in ganz konkreten Lebensgefahren angerufen wurde: Ein Votivbild von 1802 erinnert etwa an die Rettung eines elfjährigen Knaben bei einem Pferdeunfall am Lorenzimarkt, ein anderes von 1829 an die Rettung aus einem Wasserunfall beim Sillkanal. Solche Votivgaben machen die Basilika als Wallfahrtsort sehr anschaulich, weil sie persönliche Not, Unfall, Dank und Marienvertrauen miteinander verbinden.

Die Bedeutung der Wiltener Basilika liegt daher in einer außergewöhnlichen Verbindung von Frühchristentum, römischer Ortssage, mittelalterlicher Marienwallfahrt, Prämonstratenserseelsorge und prächtiger Rokokokunst.

Lage: Innsbruck, Stadtteil Wilten - Pastorstraße 2, 6020 Innsbruck.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innsbruck
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Wilten
Geöffnet: übliche Kirchenöffnungszeiten, kein Eintritt. Zutritt bis zum schmiedeeisernen Gitter von 1759.
Außenansicht im Jahr 1976:

Innsbruck, Dom St. Jakob

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Über dem Tabernakel aus Marmor umschließt ein goldener Strahlenkranz das Gnadenbild, eine Muttergottes auf einem zierlichen Maßwerkthron sitzend ein. Das aus Sandstein geschaffene Bildwerk stammt aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Vor dem Altar stehen Leuchterengel.

Innsbruck, Dom St. Jakob

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Weitere Ansicht Hochaltar:

Innsbruck, Dom St. Jakob

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Literatur zur Wallfahrt:
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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