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c, Hug- und Wolfdietrich.
Den Schluß dieses Kreises machen die großen Gedichte
von Hug- und Wolfdietrich, in denen offenbar der alte Dietrich von
Bern christlich apotheosirt [apotheosiert] ist. Dadurch, daß
Wolfdietrich ein seidenes gegen Hieb und Stich schützendes
Hemd (in Beziehung auf die Legende das St. Jörgen Hemd) erhält,
wird auch Sigfrids Hornhaut auf ihn übertragen. Wenn auch Otnit
von ihnen selbstständig getrennt werden kann, so doch nicht
beide Dietriche, weil Hugdietrich die Einleitung zum Wolfdietrich
bildet. Um diese vortrefflichen Gedichte kennen zu lernen, muß
man sich freilich nicht an die Verhunzung derselben in Caspar's
von der Rön Bearbeitung halten, welche v. d. Hagen hat abdrucken
lassen. Eine Ausgabe derselben nach guten Handschriften ist sehr
zu wünschen. Der König Walgunt von Salnecke hat mit seiner
Frau Liebgart eine Tochter Hiltgard, welche er in einen Thurm sperrt
- worin sich die alte Sage der Danae immer wieder erneuet. Hugdietrich,
König von Konstantinopel, wählt sie nach dem Rath seines
Erziehers Berchtung von Meran ans, verkleidet sich als ein Weib,
lernt nähen und spinnen und kommt so in den Thurm, wo er dann
die Hiltgard schwanger hinterläßt. Sie gebiert einen
Sohn, welcher heimlich vom Thurm entfernt und im Walde ausgesetzt
wird. Wölfe ernähren ihn. Daher sein Name Wolfdietrich.
Zufällig wird er von seinem Vater wieder erkannt und auch anerkannt.
Allein nach dem Tode desselben feinden ihn seine beiden Brüder
an und vertreiben ihn, wie Ermenrich den Dietrich, auf Sibechs Anstiften
vornehmlich, von seinem Erbtheil. Mit seinem getreuen Meister Berchtung
von Meran (welcher hier dieselbe Bedeutung wie im Rother und wie
sonst der alte Hildebrand hat) und dessen eilf Söhnen wird
er nach einer Schlacht auf ein festes Schloß eingedrängt.
Durch Zauberei der rauhen, ihn liebenden Elfe wird er seinen Dienstmannen
entnommen und irrt nun abentheuernd umher. Berchtung aber sendet
seine Söhne in die Dienste der Brüder Wolfdietrichs nach
Konstantinopel, wo sie sehr hart gehalten wurden, wahrend er selbst
sich aufmachte seinen Herren zu suchen, ihn jedoch nicht fand und
sich deshalb zu seinen Söhnen in die Gefangenschaft gab. Wolfdietrich
hat unterdeß mancherlei Kämpfe, auch mit Drachen, zu
bestehen. Einst schläft er unter einer Zauberlinde ein und
als er erwacht, kommt das Zauberweib, die rauhe Elfe, auch Sigwine
und Sigeminne genannt, zu ihm. Weil er sie nicht lieben will, wird
er durch ihren Zauber berhört [sic]. Wie Iwain und der rasende
Roland läuft er haarig und tobend im Walde umher. Dann vermählt
er sich mit ihr, da sie ihm als reizende Jungfrau erscheint. Von
einem wilden Heiden, der sie ehelichen will, wird sie ihm geraubt,
aber von Wolfdietrich wieder errettet. Hierauf hat er einen Zweikampf
mit Otnit, weil derselbe von seinem Vater einmal Tribut empfangen
hat. Nur Sydrats Zwischenkunft rettet Otnit das Leben, welcher nun
Wolfdietrichs Gesell wird. Er unternimmt einen Kreuzzug und besteht
viele Fährlichkeiten und reizende Versuchungen im Morgenlande.
Unterdeß ward Otnit von den Drachen getödtet. Wolfdietrich
kam wieder in sein Land und erfuhr seines Gesellen trauriges Ende.
Da ging er Nachts vor die Burg der Sydrat und versprach ihr unerkannt
um den Lohn ihrer Hand die Würme zu bestreiten und ihren Mann
zu rächen. Nach langem Weigern versprach sie ihm die Ehe und
Wolfdietrich zog gegen die Drachen aus. Sein Kampf war schrecklich.
Der alte Wurm trug ihn lebendig in die Höhle, wo sich Wolfdietrich
listig unter den ausgehäuften Todtengerippen verbarg und Nachts
das leuchtende Schwert Rose in dem hohlen Berge fand, womit er die
schlafenden Drachen erschlug. Dann fand er auch unter den vielen
Gebeinen Otnit, nahm ihn mit, ließ ihn, feierlich begraben
und heirathete die Wittwe Sydrat. Mit einem Heer fuhr er nun nach
Konstantinopel, schlug seine Brüder und erlöste seine
Mannen. Der getreue Berchtung aber war todt und sprach mit ihm nur
aus dem Grabe. Darauf ward Wolfdietrich Kaiser zu Rom, übergab
seinem Sohn Hugdietrich II. die Regierung und zog sich nach Sydrats
Tode in das Kloster Ditschall zurück, wo er das Leben mit einem
grauenvollen Geisterkampf endete.
Wenn jetzt vom Heldenbuch die Rede ist, so muß
der große Kreis heimischer Sagen wohl vom minder umfassenden
gedruckten Heldenbuch unterschieden werden. Dies hat schon nicht
mehr die alte vierreimige, sondern die achtreimige Strophe und ist
in vier Theile eingetheilt, von denen der erste Otnit, der zweite
Hug- und Wolfdietrich, der dritte den Rosengarten zu Worms und der
vierte den König Laurin enthält. Diese Gestalt empfing
es am Ende des fünfzehnten Jahrhundert. Die häufige Wiederholung
seines Drucks zeigt von der großen Liebe zu ihm. Selbst nach
dem dreißigjährigen Kriege hat es dieselbe noch bei den
Deutschen genossen.
Quelle: Das
Heldenbuch und die Nibelungen, Karl Rosenkranz, Halle 1829,
S. 43ff
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