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SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Wien >> Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, Gustav Gugitz |
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Die Spinnerin am Kreuz
Schon legte Meister Hämmerling die Schlinge um des Müllers
Hals, als der Ankläger ausrief: "Halt! Ich habe noch etwas zu
bekennen!" Alles horchte hoch auf und lauschte wieder voller Erwartung
der ferneren Rede. Da wandte sich der Dieb gegen den in Todesangst zitternden
Müller und fragte ihn: "Weißt du nun, wie einem zu Mute
ist auf der Galgenleiter?", und zu den Richtern gewandt, sprach er:
"Dieser Mann ist unschuldig! Da aber sein Fürwitz darnach verlangte,
zu wissen wie einem sei, der auf dieser Himmelsleiter steht, so hab' ich
ihm zur Lehre und mir zur Lust den Spaß gemacht. Denke, er wird
sein Lebetag nicht mehr hier herauf verlangen!" Der alsobald freigesprochene
Müller fiel auf sein Angesicht, lobte Gott für die Offenbarung
seiner Unschuld und gelobte zu ewigem Gedächtnis seiner Rettung von
dem gewissen schmählichen Tode dankbar die Errichtung einer Kreuzessäule.
Dieses Gelübde hielt er, und so entstand die Denksäule, die
man nach ihm das Spinerkreuz nannte, daraus allmählich die jetzt
übliche Benennung geworden sein soll. Quelle: Die Sagen und Legenden
der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952, Nr. 130, S.
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