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Die Spinnerin am Kreuz
Die fromme Frau setzte sich nun Tag für Tag mit ihrer Spindel an das Kreuz und spann und spann, sprach auch die des Weges Ziehenden um eine Gabe für das Kreuz an, die aber meist gar gering ausfiel. Und was sie erbat und erspann, das legte sie, sich zur Fristung ihres eigenen Lebens nur auf das Allernotwendigste beschränkend, alles zurück. Die Reisenden allzumal wurden des Anblicks der Armen so gewohnt, daß sie von ihnen nur die Spinnerin am Kreuz genannt wurde. Allmählich mehrte sich das zurückgelegte Geld, das die Spinnerin in treue Hände niederlegte, so daß das gegenwärtige Denkmal fast ausschließlich vom Fleiß ihrer Hände erbaut werden konnte. Freudig sah sie das Steinkreuz sich erheben mit seinen Figuren und Zieraten, und als es nun vollendet war, da spann sie nicht mehr, betete aber um so brünstiger dort und entschlummerte für das ewige Leben zu des Kreuzes Füßen. Zum Gedächtnis dieser Frommen nennt man nun noch das Denkmal nach
ihr: Die Spinnerin am Kreuz. Quelle: Die Sagen und Legenden
der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952, Nr. 125/1,
S. 133f |