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Das Rosengärtlein auf Aggstein.

Nach der Kuenringer ruhmlosen Ende blieb die Burg Aggstein beinahe ein und ein halbes Jahrhundert Ruine, ein ödes Haus, von Untat wegen mit Recht gebrochen. Hierauf gab es Herzog Albrecht V. seinem vertrauten Rate und Kammerherrn Georg Scheck vom Walde zu Lehen, begabte ihn auch in seiner landesherrlichen Huld mit dem Mautrecht über die den Strom befahrenden Schiffe, und so hub der Scheck im Jahre 1423, wie heute noch auf einer Steintafel ob dem dritten Tore zu lesen, das ,Purgstal' zu bauen an. "Das Purgstal hat angevangen cze pauen her Jorig der Scheckh von wald des nächsten Mantag nach unser Frawntag nativitatis da uon Krist gepurd warn ergangen 1429 Jar."

In harter Frone schichteten die armen Untertanen sieben Jahre lang Stein auf Stein, bis der Bau vollendet war und nun der Ewigkeit zu trotzen schien. Der Scheck aber, übermütig geworden, verwandelte sich aus einem verdienten und allseits geachteten Staatsmanne in einen gefährlichen Raubritter und Schnapphahn, in einen Schreck im Wald und im ganzen Donautale.

Ein nieder Türlein führte wie noch heute in der Hochburg auf eine gar schmale Felsplatte in schwindelnder Höhe.

Ist ein wunderreicher Ausblick in eine Welt göttlicher Schönheit. Unter den Füßen des Wanderers rauscht der Wald geheimnisvolle Weisen und erzählt alte Mären von kühner Recken Streiten, aber auch von Weinen und von Klagen. Der mächtige Strom, den das Dampfschiff furcht, blinkt aus der Tiefe auf. Drüben steigt von Markt Aggsbach und Schwallenbach der Jauerling mit seinen gegen die Donau abfallenden Talrissen, seinen Waldungen, Wiesen und Gehöften bis zur Grenze der alpinen Flora empor. Im fernen Süden schließt das Hochgebirge im bläulichen Dufte das herrliche Bild ab.

Sein Rosengärtlein nannte der Scheck, zur Grausamkeit noch den Hohn fügend, die Platte und stieß die Gefangenen herzlos hinaus, so daß ihnen nur die Wahl blieb, entweder Hungers zu sterben oder ihren Leiden durch einen Sprung in die schauerliche Tiefe ein schnelles Ende zu bereiten.

Ein Gefangener aber hatte das Glück, in die dichte Laubkrone eines Baumes zu fallen und sich so zu retten, ein anderer wurde durch einen hochgemuten Junker, den Sohn der Herrin von Schwallenbach, befreit. Während aber die dem Tode entronnenen Männer nach Wien eilten, um dem Herzog von des Schecken Übeltaten nach Wahrheit zu berichten, entlud sich der Ingrimm des Burgherrn über den armen Jüngling. Scheck warf den Knaben ins Verlies, ja als Späher die Kunde brachten, der Herzog rüste gegen Aggstein, gebot er seinen Schergen, den Gefangenen zu fesseln und über die Felsen des Rosengärtleins in die Tiefe zu stürzen. Schon wollten die Schergen dem Auftrage grinsend Folge leisten, da klang feierlich-leise vom Westufer das Ave-Glöcklein herüber und der Scheck gönnte dem Junker auf seine inständigen Bitten so lange Frist, seine Seele Gott zu empfehlen, bis der letzte Ton des Glöckleins in den Lüften verhallt sei.

Es ertönte aber durch Gottes gnädige Fügung das Glöcklein fort und fort, nicht enden wollte der über des Stromes Wellen zitternde Schall, zur Ein- und Umkehr mahnend des Schecken Herz ... vergeblich; denn nur greuliche Flüche darob, daß das verdammte Geläute nicht verstummen wollte, waren des Schalles Widerhall im verstockten Gemüte des Unmenschen.

Inzwischen aber hatte der Feldhauptmann Georg von Stein auf des Herzogs Befehl in nächtlicher Weise die Burg umzingelt, klingende Münze und die Zusicherung völliger Straflosigkeit öffneten die Tore, und so wurde die letzte Missetat verhindert. Der Scheck wurde gefangen, vom Herzog aller Güter verlustig erklärt und endete sein Leben in Armut und Verachtung.

Quelle: Wachausagen, Erzählt und allen Freunden der goldenen Wachau gewidmet von Josef Wichner. Krems an der Donau. [1920]. S. 53 - 56.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Lisa Lemberg, Jänner 2005.