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Von Wetter- und Milchhexen

In Benediktbeuern hat einmal der stärkste Schauer geschlagen. Da hat ein Jäger die Hexe aus den Wolken geschossen. Ein andermal betete ein Klosterherr den Wettersegen, da mußte die Unholdin, die schrecklichen Schaden angestiftet hatte, splitternackend auf die Erde herunter.

In Tanning hatten sie auch einmal recht einen wettergerechten Herrn. Der hat eine Hexe zum Sturz aus den Wetterwolken auf einen Misthaufen gebracht.

Als Mittel gegen die von den Hexen gemachten Wetter galten vor allem die Glocken; aber sie waren nicht alle gleich stark. Wenn der Geistliche bei einem schweren Gewitter den Wettersegen nicht gut geben konnte, weil ihm das Allerheiligste in den Händen fast niedergedrückt wurde, dann sagten die Leute: "Wenn nur das Bairawieser hochheilige Glöckerl läuten tat!"

Einem Wallgauer Flößer waren an einem Tag drei Kühe vom Blitz erschlagen worden. "Wenn damals der neue Herr Benefiziat dagewesen war', hätte ich meine Kühe noch", sagte der Flößer. "Oh, des ist ein frommer Herr, der betet alle schweren Wetter weg. Seit der da ist, kommt gar keins mehr herein nach Wallgau. Wir beten aber auch alle Tage, daß der dableibt!"

In Lenggries ist ein Kooperator gewesen, dem haben die Hexen arg zugesetzt, daß er ganz aufmarig geworden ist und unter der Predigt einmal geschrien hat: "Jetzt läßt's mich doch einmal in Ruh! Ich kenn' euch schon. Neun seh ich allein in einer Bank."

Der Pater Gusterer von Benediktbeuern ist einmal bei der Prozession und ein andermal bei der hl. Messe in die Luft gehoben worden. Wenn er nicht ein so frommer Mann gewesen wäre, hätte ihm der böse Feind gewiß angekonnt.

Wenn eine Kuh keine Milch gibt, ist eine Hexe daran schuld. Verkaufte Milch, die beim Kochen übergeht, gibt den Hexen Macht und sie lassen dann die Milch im Kuheuter gerinnen. Deshalb wollten früher die Bäuerinnen keine Milch verkaufen. Zum Schutz gegen die Hexen werden auf den Flachs- und Getreideäckern geweihte Palmzweige, die "Hexenbesen" aufgesteckt und Hexenkräuter in die Stallecken gesteckt oder es wird ein stinkender schwarzer Bock eingestellt, damit die Hexen das Vieh nicht krank machen können.

Wenn ein Bauer eine Reise in die Stadt nach München machte, fütterte er das Vieh zuerst mit geweihtem Salz oder geweihten Kräutern, damit ihm die Hexen nicht ankonnten, solang er fort war.

Wer einen Hexenverdacht hat, soll drei Tage nichts aus dem Haus leihen. Die Person, die nach den drei Tagen zuerst ins Haus kommt, um etwas zu borgen, das ist die Hexe.

Wer sich in der Christmette auf einen Schemel kniet, der aus neunerlei Holz gemacht ist, erkennt die in der Kirche anwesenden Hexen, weil sie alle umschauen müssen.

Wenn man Tischsalz umschüttet, wirft man etwas davon hinter sich und sagt dazu: "Hex', bleib' hinter mir!"

Wenn einen die Trud drückt, hilft der Spruch:

"Alle Steine klauben!
Über alle Wasser schwimmen!
Auf alle Bäume klimmen!"

Quelle: Sagen aus dem Isarwinkel, Willibald Schmidt, Bad Tölz, 1936, 1979;