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Der Teufelsgraben

Der Teufel stand einmal in der Nähe von Holzkirchen, lehnte sich auf eine Schaufel und sinnierte, was er den Menschen antun könnte. Voll Grimm und Haß schaute er auf die Hauptstadt, weil die Münchener ihm allzu christlich lebten, so daß er wegen ihrer vielen Andachten keinen Platz unter ihnen finden konnte. Da kam er auf den Gedanken, aus Rache ihnen das Wasser abzuschneiden und die Isar nach dem Chiemsee zu leiten. Schleunig machte er sich an die Arbeit und fing ein nächtliches Graben an, als wenn ihm tausend Hände gewachsen wären. Wie er so in vollem Werkeln war, kam der Meßner von Föching dazu, der - um nicht das Gebetläuten zu verschlafen - schon um Mitternacht aufgestanden war. Als er den Lärm hörte und all das Schanzen und Schaufeln, Wühlen und Werfen sah, und wie rechts und links die Erde nur so wegflog, fragte er: "Was machst du da?" - Der Böse knurrte: "Und wenn ich die Isar hier ableiten will, was geht das Dich an?" - "Man könnte schon meinen", entgegnete der Meßner, "Du möchtest heut noch damit zustande kommen. Da brauchst Du ja etliche Jahre!" - "Gilt es eine Wette um deine Seele", versetzte darauf der Gottseibeiuns, "bevor noch die Frühglocke läutet, bin ich mit dem Graben fertig." - "Es gilt", antwortete der Kirchendiener, "wenn auch für mich nichts dabei herausschaut". Bald kam ihm aber doch ein Grausen vor dem unheimlichen Unbekannten, er stellte die Kirchturmuhr zwei Stunden vor und läutete die Gebetglocke schon um 3 Uhr. Sogleich wurden alle Hähne lebendig und brachen mit ihrem Krähen den Zauber der Nacht. Der Teufel aber warf voll Zorn, daß er sich in der Zeit verrechnet hatte oder überlistet war, Pickel und Schaufel weg, gab sein Werk auf und fuhr in die Hölle.

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Ein Müller an der Mangfall, der zu wenig "Wasser hatte, schloß mit dem Teufel einen Bund, daß er ihm von der Isar her einen Kanal nach seinem Mühlwerk ziehe. Dafür mußte er ihm seine Seele verschreiben. In der nächsten Nacht schon, noch vor dem ersten Hahnschrei, sollte der böse Feind den Wassergraben vollenden und machte sich in der Finsternis mit Riesenkraft an die Arbeit. Schon war die ungeheuere Grube von Stumbach herab bis Otterfing und Holzkirchen nach der Valley zu wie von unsichtbaren Armen ausgeschaufelt, da erfaßte den Müller Angst und Reue; er lief schnell heim zur Hühnersteige und weckte den Gockel; der krähte hellauf sein Kikeriki - und so hatte der Teufel die Wette verspielt.

Quelle: Sagen aus dem Isarwinkel, Willibald Schmidt, Bad Tölz, 1936, 1979;