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Der Schmied von Kochel

Der Schmied von Kochel ist in seiner Jugend der schneidigste Soldat in der bayerischen Armee gewesen und hat als Flügelmann dem bayerischen Kurfürsten die Türken von der Kaiserstadt Wien vertreiben helfen. Wie ihm sein Säbel unter den groben Händen zersprungen ist, hat er einfach die Deichsel von einem Wagen gerissen und damit die Türkenschädel eingeschlagen. Auch beim Sturm auf Belgrad ist er dabei gewesen und gar kein anderes Werkzeug hat er mehr haben mögen als seine schwere Stange. Mit der hat er das Festungstor eingeschlagen und den Bayern einen Weg in die Stadt gemacht. Nachher hält er sich vom Kurfürsten eine Gnade ausbitten dürfen und eine Belohnung, einen goldenen Heidensäbel oder so etwas. Aber der Schmied hat gemeint: "Ich hab genug mit dem Kriegswerk. Ich möcht wieder heim zu meinem großen Hammer, mit dem kann ich auch dreinschlagen, wie ich will!" Aber der Kurfürst hat bloß den Kopf geschüttelt und gesagt: "Das gilt nicht. Solche Leut kann ich nicht herlassen. Hätt' ich mehr solche, tat ich dem Türken auch noch Konstantinopel abnehmen."

So ist der Schmied von Kochel Soldat geblieben und erst nach dem Krieg mit dem Kurfürsten wieder heimgekommen.

Nachher ist der Kurfürst mit dem Kaiser von Österreich uneins geworden. Die Österreicher haben das Bayernlandl überschwemmt
und unseren Kurfürsten vertrieben. Da ist der Schmied schon ein alter Mann von siebzig Jahren gewesen mit einem eisgrauen Bart, aber immer noch ein Ries und der stärkste Mann weitum. Wie die Bauern im Oberland aufgestanden sind und im Franziskanerkloster zu Tölz dem Jägerwirt den Eid geschworen haben: "Lieber bayerisch sterben, als kaiserlich verderben", da hat sich die Freude am Krieg auch beim Schmied wieder gerührt und seinen Kurfürsten hat er auch nicht im Stich lassen wollen. Er hat sich eine extra große Keule gemacht, über einen Zentner schwer ist sie gewesen, mit lauter eisernen Spitzen, hat seine zwei Buben mitgenommen und ist am heiligen Abend anno 1705 mit der Landesdefension auf München marschiert, um den Österreichern die kurfürstlichen Kinder abzunehmen und die Blutsauger aus dem Land hinaus zu werfen. Aber die Tochter des Jägerwirts hat ihrem Burschen, einem österreichischen Reiter, den Plan der Bauernschaft verraten. Wie sie vor die Mauern der Hauptstadt gekommen sind, da haben sie umsonst gewartet, daß die Münchner ihnen die Tore aufmachen. Dafür haben die Österreicher aus allen Luken geschossen. Da haben viele Bauern wieder umkehren wollen, aber der Schmied von Kochel hat sie aufgehalten und an ihren Eid gemahnt. "Lieber bayerisch sterben, als kaiserlich verderben!" Da sind die Tölzer Schützen mit ihm vorausgestürmt und die Zimmerleut von der Au haben sich auch gleich angeschlossen. An der Isarbrucken hat der Schmied allein neunzehn Österreicher über den Haufen geschlagen. Dann haben die von der Au mit ihren Äxten an das Tor vom Roten Turm geklopft. Aber dem Schmied hat das zu lang gedauert und - wie selbigsmal in Belgrad - hat er mit seinem Prügel die dicken Türen eingesprengt. Da sind die Tölzer Schützen im Roten Turm gewesen, aber noch lang nicht in der Stadt. Wie sie dann auch von hinten angefallen worden sind, haben die Bauern auf Sendling zurückmüssen. Da haben sie aus lauter Wägen eine Schanz gerichtet, hinter Häusern und Zäunen haben sie gefochten, Mann gegen Mann, und die Mauer des Freithofs hat ihnen noch eine Brustwehr abgeben müssen. Stundenlang haben sie sich gewehrt, bis der Schmied von Kochel grad noch seine zwei Buben und 37 Bauern um sich gehabt hat. Einer um den andern ist in den Schnee gefallen und nicht mehr aufgestanden. Zuletzt hat er auch seine zwei Buben sterben sehen, aber er hat keine Zeit gehabt, daß er sich um sie angenommen hätte. Haufenweis sind die Feinde gegen ihn an, aber er hat keinen herangelassen an die weißblaue Fahn mit dem Bild der Himmelsmutter, bis ihn so ein gelbgesichtiger Pandur von hinten erschossen hat.

Quelle: Sagen aus dem Isarwinkel, Willibald Schmidt, Bad Tölz, 1936, 1979;