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Die Gründung des Klosters Benediktbeuern

Im Jahre 740 nach der Geburt unseres Heilandes, als Papst Zacharias in Rom auf dem Stuhl des hl. Petrus saß und Karl, der Vater Karlmanns und Pippins, König im Frankenland war, als der hl. Bonifatius im Land der Franken und Friesen, in Ostfranken und Bayern die Saat des christlichen Glaubens säte und überall in diesen Gauen christliche Kirchen erstanden, wurde auch der Ort, wo heute das Kloster Benediktbeuern sich erhebt, aus einer weglosen Wildnis und einem undurchdringlichen Schlupfwinkel wilder Tiere durch göttliche Fügung und Hilfe zu einer Wohnstätte der Menschen gewandelt. Die Stifter dieses Ortes und seine ersten Schutzherren waren drei Brüder, Lantfried, Waldram und Elilant, gleich angesehen wegen ihrer Frömmigkeit und ob ihres Reichtums, hohe Würdenträger des Reichs und Vettern des Königs Karl. Da sie als fromme Männer aus dem Überfluß ihrer zeitlichen Güter die Not der armen Pilger, besonders der geistlichen, lindern wollten, ließen sie sich durch den Rat des hl. Bonifatius, der überall predigend umherzog und sie oft besuchte, gerne leiten. Um ihre Freundschaft gegen den väterlichen Führer durch die Tat zu beweisen, entschlossen sie sich, nach der christlichen Vollkommenheit zu trachten, alles zu verlassen und dem gekreuzigten Heiland nachzufolgen.

An den Ufern der Loisach hatten sie Höfe, Felder und Wiesen und im benachbarten Antdorf herrliche Häuser. Als sie eines Tages nach ihrer Gewohnheit in den nahen Wäldern der Jagd nachgingen, da regte sich unter dem schattigen Laubdach in ihren Herzen die Sehnsucht nach den ewig grünen Gefilden des Paradieses. Da sie ja schon längst beschlossen hatten, der Eitelkeit und dem Schiffbruch des irdischen Daseins zu entfliehen, dünkte ihnen die Gegend ob ihrer Anmut geeignet zur Ausführung ihres Entschlusses. Allsogleich befahlen sie am Kalomonbach Bäume zu fällen, eine Wohnstätte und daneben eine Kirche zu erbauen. Gott aber hatte sich diesen Ort nicht auserwählt und tat es durch Zeichen kund: Die Knechte verletzten sich immer wieder beim Fällen der Bäume, so daß das Holz von ihren Wunden ganz blutig wurde. Tauben trugen eilig die blutigen Scheite hinweg und legten sie an der Stelle, wo heute die Kirche steht, zu kleinen Kreuzen zusammen. Verwundert folgten die edlen Herren mit ihren Knechten den Vögeln und bauten dort, wo sie den Fingerzeig ihres himmlischen Herrn erkannten, Kirche und Kloster und beschenkten es mit Kostbarkeiten und Schätzen aller Art.

Hierauf errichteten sie noch mit gleicher Freigebigkeit drei andere Klöster; zuerst eines in Kochel, wo ihre Schwester Gailswindis mit anderen ihres Geschlechtes ein jungfräuliches Leben führen wollte, dann in Schlehdorf und Staffelsee.
(Nach einer um das Jahr 1150 im Kloster Benediktbeuern verfaßten lateinischen Aufzeichnung.)

Quelle: Sagen aus dem Isarwinkel, Willibald Schmidt, Bad Tölz, 1936, 1979;