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Christus und der Pope.

Vor altersgrauen Zeiten, als noch alle Menschen zu Fuss gingen, wenn sie kein Pferd hatten, machte sich auch unser Herr Christus auf mit dem heiligen Peter, dass sie zu Fuss das Erdenrund bereisten. Auf ihrer Wanderung trafen sie einen Popen. Christus fragte ihn:

"Wohin des Wegs, Herr Pope?"

"Ich, mein alter Vater," antwortete der Pope, "suche ein Land, wo ich etwas besseres als Weizenbrot zu essen bekomme."

"Was?!" dachte unser Herr Christus bei sich, "warte nur, ich werde dich schon in ein besseres Land führen, wenn dir Weizenbrot nicht gefällt!"

Zur Strafe verwandelte er den Popen gleich in ein Pferd.

Gerade in dem Augenblick kam ein armer Zimmermann des Wegs. Der arme Mann trug Speichen für drei Räder auf seinen zwei Schultern, und wie ein Regenguss, so rieselte der Schweiss an ihm herab.

Unser Herr Christus sprach ihn gleich an:

"Komm nur, komm, armer, braver Mann! Packe deine Last diesem Pferd auf. Packe ihm ein Jahr lang jeden Tag, den Gott giebt, drei Karrenladungen Radspeichen auf, bring sie zu Markte, und am Ende des Jahres kannst du ihm einen Gefährten kaufen. Dann mach einen Wagen und lade soviel Radspeichen auf, wie sie nur ziehen können. Aber diesem Pferd gieb nichts anderes als Hobelspäne zu fressen!"

Es bedurfte nicht erst vielen Zuredens bei dem armen Zimmermann. Er ging gewissenhaft zu jedem Markt; jetzt schwirrten ihm nicht mehr die Sehnen unter der grossen Last, sondern seinem Pferde. Na, er hielt es aber auch gut; er gab ihm so viele Hobelspäne, wie es nur fressen konnte. Am Schluss des Jahres hatte er soviel Geld zusammengescharrt, dass er ihm einen Gefährten kaufen konnte. Als dann zwei Jahre um waren, trieb er sein Pferd auf die Wiese. Christus ging dort gerade mit dem heiligen Peter spazieren.

"Nun, mein Herr Vater," begrüsste ihn der arme Mann, "ich bringe das Pferd. Der Herrgott lohn' Euch Eure Güte; denn von dem Verdienst habe ich ein zweites Pferd angeschafft, und jetzt kann ich mich nun schon so durchschlagen."

"Es ist gern geschehen, mein Sohn", sagte Christus, "aber ich lasse dir das Pferd noch ein Jahr. Brauche es nur so, wie ich dir gesagt; aber halte es auch gut mit Hobelspänen!"

Der arme Mann brauchte das Pferd noch ein Jahr, und am Schluss des Jahres kaufte er wieder ein anderes. Dann trieb er es von Neuem hinaus auf die Wiese, und dort traf er wieder mit Christus zusammen.

"Nun, mein Herr Vater, ich bringe das Pferd zurück. Ich habe mir durch dies schon zwei erworben; der Herrgott segne Eure Schritte!"

Dann ergriff St. Peter die Zügel, führte das Pferd hinter sich her, und so begaben sie sich zur Frau des Popen zur Nachtherberge. Sie banden es dort in der Scheune an, und die Popenfrau legte ihm ein gutes Klafter Heu vor. Als das Pferd seine Frau erblickte, streckte es sein Maul hin, um sie zu küssen; aber die Popenfrau gab ihm solch einen Streich, dass ihm gleich das eine Auge auslief.

Früh morgens, als Christus fortging, verwandelte er das Pferd wieder in den Popen. Aber das war eine schlimme Geschichte für den armen Popen! Seine Frau liess kein gutes Haar an ihm.

"Du! du Herumtreiber! du Landstreicher, du! wo kannst du dich nur die drei Jahre herumgetrieben haben! Und sieh nur! Dein Auge haben sie dir obendrein auch noch ausgeschlagen!"

"Aber das hast du mir ja ausgeschlagen, liebe Frau," antwortete der Pope sehr traurig.

"Ich?! Wahrhaftig, drei Jahre lang habe ich keine Spur von dir gesehen! Wie hätte ich das ausstechen können?"

"Das kam so, liebe Frau: ich war jenes Pferd, dem du gestern Abend zu fressen gabst. In meiner Freude wollte ich dich küssen, und dir beliebte, mir solch einen Streich zu versetzen, dass mir gleich das eine Auge ausgelaufen ist."

"Siehst du," zeterte die Popenfrau, "ich habe dich genug angefleht, du solltest dich nicht versündigen, denn etwas Besseres wie Weizenbrot findest du nicht zu essen, wenn du auch die weite Welt durchsuchst."

"Du hast recht," sagte der Pope; "aber Gott hat mich auch geschlagen. Drei Jahre lang war ich ein Pferd, und sogar Heu ass ich gestern Abend zum erstenmal."

"Herr Jesus! Wovon lebtest du denn, mein lieber, guter Mann?"

Da begann der Pope zu schluchzen wie ein kleines Kind und sagte:

"Von Hobelspänen!" ...

Quelle: Elisabet Sklarek, Ungarische Volksmärchen, Leipzig 1901, Nr. 42