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"ruhe im karton" von WIGLAF DROSTE
und RALF SOTSCHECK Klaus Thomas Mann
hatte zu einem seiner legendären Gelage in den Norden der Grafschaft
Clare gebeten, und so warfen wir unsere ausgemergelten Leiber ins Automobil.
Der Pfälzer Gastgeber empfing uns mit Auf die überbackenen Austern mit Béchamel und schwarzen Trüffeln
ließ er eine Entenleberpastete folgen, der man die kompetente Massage
durch den Koch anschmeckte; der Muskateller dazu tat ein Übriges,
uns Der Abend war bei den Geschichten angelangt. Die schönste erzählte
die Buchhändlerin Ulla Britt aus Speyer. Ein ebenfalls dort ansässiges
Ehepaar hatte beschlossen, sich im lokalen Media Markt einen neuen Fernsehapparat
anzuschaffen - ein großer Panasonic mit Flachbildschirm sollte es
sein. Die beiden stiegen in ihren Kombi und fuhren los, an Bord hatten
sie ihren Bernhardiner. Sie parkten am Media Markt. Es war So machten die drei kehrt. Als sie einen kleinen Teil des Rückwegs
geschafft hatten, brach der Bernhardiner tot zusammen. Diesen Vorfall
hatten die Angestellten des Media Markts beobachtet, die eben noch dem Die Angehörigen des Hundes schwankten zwischen Pietät und Pragmatismus - der Tod ihres Tieres schmerzte sie, andererseits hatten sie auch den weiten Weg gemacht, um einen Fernsehapparat zu kaufen. Das Personal des Media Marktes erwies sich als feinfühlig und hilfreich bei der Entscheidungsfindung. Der vom Unglück heimgesuchten Kundschaft wurde ein äußerst großzügiger Rabatt angeboten, und so betraten sie das Kaufhaus doch noch und erwarben das gewünschte Gerät. Vom zuvorkommenden Personal mit ihrem Einkauf zu ihrem Auto begleitet, fanden sie die Heckklappe des Kombis aufgebrochen und die Ladefläche leer. Der Karton mit dem toten Bernhardiner war verschwunden. Quelle: "ruhe
im karton" von WIGLAF DROSTE und RALF SOTSCHECK, veröffentlicht
in der Berliner
Tageszeitung taz - die tageszeitung, taz Nr. 7424 vom 2.8.2004, Seite
20. Anmerkung: die Autoren
schildern deutlich eine Erzählsituation, in der Sagen heute weitergegeben
werden und praktizieren fröhlich und erzählerisch hervorragend
die Weiterverbreitung einer modernen Sage. Variante: Ein etwas betagtes Pärchen geht kurz vor Weihnachten in Köln in ein Elektrogeschäft, um sich einen neuen Videorekorder zu kaufen. Auf dem Arm nimmt die Dame ihren ebenso betagten Dackel mit. Im Geschäft verstirbt dieser allerdings leider! Die Aufregung ist groß und der Einkauf ist nun erst einmal verschoben. Aber was tun mit dem toten Dackel, denn das Paar ist mit der U-Bahn unterwegs gewesen und nach Hause mit einem toten Dackel auf dem Arm? Der Verkäufer erweist sich als sehr hilfsbereit und bietet dem Paar einen leeren Videorecorder-Karton als Transportmöglichkeit an, was sie auch gerne in Anspruch nehmen. Im U-Bahnhof angekommen, stellen sie den Karton ab, um die Fahrpläne zu studieren. Als sie die günstigste Verbindung herausgefunden haben, wollen sie sich auf den Weg machen... und .... der Karton mit dem toten Dackel ist weg! Geklaut und vielleicht landete er ja unter einem weihnachtlich leuchtenden Weihnachtsbaum! Quelle: E-Mail-Zusendung von Gaby Bartkowski-Goedeke,
18. März 2005, die diese Geschichte "als echt wahr" gehört
hat. Variante: Ein Mann kauft im Media-Markt in Düsseldorf einen grossen verpackten Plasma TV und fährt ihn auf einem Wägelchen zusammen mit sinem altersschwachen grossen Jagdhund zur Kasse. Gerade als er bezahlen will, verstirbt der Hund an der Kasse. Auf die Frage, wohin mit der Hundeleiche, rät ihm die Kassierin, den TV auszupacken, den Hund in den Karton zu legen und den toten Hund so ohne grosses Aufsehen in sein Auto zu bringen. Anschliessend könne er ja mit dem Wägelchen zurückkommen und den ausgepackten Fernseher solo zum Auto fahren. In der Notsituation tut der Mann genau, wie ihm geraten und bringt den toten Hund in dem TV Karton mit Hilfe des Wägelchens in seinen Kombi, der vor dem Markt parkt. Als er anschliessend vom MediaMarkt mit dem ausgepackten TV wieder zu seinem Kombi zurückkommt, findet er sein Auto aufgebrochen vor. Ein Dieb hatte die vermeidliche Gunst der Stunde genutzt und den schweren TV-Karton gestohlen. Über den weiteren Verbleib des Hundes gibt es leider keine Hinweise... Quelle: E-Mail-Zusendung von Marc Gerhards, 19. November 2007.
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