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  HISTORISCHE STÄTTEN UND DENKMÄLER

Stumme Zeugen der Vergangenheit
Wo die Heiltümer hergezeigt wurden
Vom Bürgermeister, der geköpft wurde
Judenverfolgung und Kreuzzugspredigt
Vom munteren Studentenleben im Mittelalter
Engel, welche Wappen tragen
Balgen und Schlagen verboten!
Die Pummerin - aus türkischen Kanonen gegossen
Legenden um den Großwesir Kara Mustapha
Was sich alles vor der Kirche Am Hof ereignete
Wie ein freiheitsliebender Wiener verraten wurde
Zeugnisse aus den Jahren der Revolution
Hier wollte man die Helden Osterreichs ehren
Für die Frauen, welche halfen, die Kriegsnot zu lindern
Die großen, alten Bahnhöfe
Der Brand des Ringtheaters
Das Belvedere - ein Denkmal österreichischer Geschichte
Zahllos sind die Gedenktafeln in Wien
Wohnungen berühmter Männer


Wie in jeder alten Stadt gibt es auch in Wien eine ganze Reihe von Orten, die nach historischen Ereignissen benannt wurden. Oft sind diese Plätze durch Gedenktafeln gekennzeichnet, nicht selten erinnert auch ein Straßenname an die große Vergangenheit. Manchmal aber ist die Bevölkerung mit der geschichtlichen Bedeutung solcher Stätten nicht mehr vertraut. Nur mehr Historiker kennen sie.

Stumme Zeugen der Vergangenheit

Der Platz Am Hof zum Beispiel erinnert an die einstige Babenbergerburg, die hier gestanden ist und deren Grundmauern unter dem Pflaster schon einige Male erforscht worden sind.

Hierher hatte Heinrich II. Jasomirgott im Jahre 1158 kurz nach der Erhebung Österreichs zum Herzogtum (1156) die vorher in Klosterneuburg befindliche Residenz verlegt.

Dort, wo sich heute im Schweizerhof der kaiserlichen Burg die Hofburgkapelle befindet, wurde am 12. März 1365 die Wiener Universität gegründet. Herzog Rudolf IV. und seine beiden Brüder, Albrecht III. und Leopold III., haben an dieser Stelle die Gründungsurkunde unterschrieben. Zeugen der wichtigen Handlung waren ein päpstlicher Gesandter, mehrere Bischöfe, Prälaten und zahlreiche weltliche Größen.


Wo die Heiltümer hergezeigt wurden

Die beiden Heidentürme des Stephansdomes bilden mit dem Portal die Reste der ehemaligen romanischen Westfront (Abb. 1), die ihre Entstehung niemand anderem als dem Böhmenkönig Przemysl Ottokar II. verdankt.

Die Stephanskirche mit den Heidentürmen
(Abb. 1) Die Stephanskirche mit den Heidentürmen

Er herrschte bis zum Jahre 1276 über das Herzogtum Österreich. Unweit des Stephansdomes befand sich an der Einmündung der Rotenturmstraße der sogenannte Heiltumsstuhl aus der Zeit Kaiser Friedrichs III. (1483). Der erste Stock dieses Torbaues (Abb. 2) wies zahlreiche Fenster zum Herzeigen der Heiltümer (= Reliquien) auf. Diese wurden besonders seit Herzog Rudolf IV. in reicher Fülle im Wiener Domschatz aufbewahrt. Erst im Jahr 1700 ist das denkwürdige Bauwerk abgetragen worden. Verschwunden vom Stephansplatz ist auch die 1388 erbaute Magdalenenkirche. Sie hatte nebenbei auch als Versammlungsort der Wiener Schreiberzeche gedient. Im Jahre 1781 wurde die Kirche durch einen Brand so weit zerstört, daß man von einem Wiederaufbau absah. Ihre Überreste jedoch haben bei den Planungen für den Bau der Untergrundbahn noch immer eine gewisse Rolle gespielt.

Der Heiltumsstuhl
(Abb. 2) Der Heiltumsstuhl



Vom Bürgermeister, der geköpft wurde

Auf dem Lobkowitzplatz 3 mahnt eine Gedenktafel an folgendes Ereignis:

Konrad Vorlauf, Bürgermeister von Wien, und die Ratsherrn Hans Rokh und Konrad Ramperstorfer wurden Mittwoch, den 11. Juli 1408, auf diesem Platz enthauptet. Sie starben als Opfer ihrer Pflichttreue im Widerstand gegen ungerechte Forderungen Herzog Leopolds IV.

Der Bürgermeister und die beiden Ratsherren mußten damals ihre Parteinahme für Herzog Albrecht V. büßen. Sie wurden vor den Stufen zum Grabmal Kaiser Friedrichs III. bestattet. Der Grabstein aus rotem Marmor trug die Wappen der drei Hingerichteten. Die lateinische Grabinschrift lautet in deutscher Übersetzung:

Stehe, weine - klage - seufze, sterblicher Mensch - lese, lerne - was die Arbeit und der Glaube, was die Herrlichkeit der Welt, was die Hoffnung - Kinder - Reichtümer, was die Ehre nützt und gibt. Siehe, unter diesem kleinen Steine liegen drei Bürger begraben: Konrad Vorlauf, Kunz Ramperstorfer und Hans Rock. - Denn sie waren ausgezeichnet unter allen in dieser Stadt die ersten, durch ihre Ämter berühmt, und haben in Tugend und Ehren und wohlverdient gelebt. Das Schicksal jedoch ist ein trügerisches Rad; ein einziger Tag kostete sie das Leben. So wie sie die Liebe im Bürgerbund verband, so wollte auch jeder zuerst seinen Hals dem verhängnisvollen Schwerte hinstrecken, welchen unglücklichen Vortritt demnach Vorlauf dennoch behauptete; 1408, acht Tage nach dem Fest der Heiligen Margareta.


Judenverfolgung und Kreuzzugspredigt

An die Judenverfolgung des Jahres 1421 sollte nachträglich ein gut gearbeitetes Relief aus dem 16. Jahrhundert erinnern, das am "Haus zum großen Jordan" am Judenplatz 2 angebracht ist. Das Relief zeigt eine Darstellung der Taufe Christi im Jordan. Mag sein, daß sich der Hausbesitzer dabei eine Anspielung auf seinen eigenen Namen erlaubte - er hieß Johannes Jordan. Am Relief (Abb. 3) befindet sich auch eine Inschrift in lateinischer Sprache. In deutscher Übersetzung lautet sie:

Durch den Jordanfluß werden die Körper von Seuche und übeln gereinigt; da weicht alles Sündhafte, das verborgen ist. So erhebt sich der Ingrimm wütend durch die ganze Stadt 1421 und sühnt die furchtbaren Verbrechen der Hebräerhunde. Die Welt ist nun gereinigt durch die Deukalionischen - allgemeinen Überschwemmungs-Fluten und wird so wiederum durch das wütende Feuer die Strafe büßen.

Relief Taufe Christi am Judenplatz
(Abb. 3) Relief "Taufe Christi" am Judenplatz

Im Schlußsatz klingt die Inschrift, die am Beginn recht unversöhnliche Töne anschlägt, wieder einsichtig und sogar fast resignierend: Auf die unbeherrschte Rache wird Strafe und Buße folgen - diese Erkenntnis sollte nicht übersehen werden.

Die Capistrankanzel an der Nordseite des Stephansdomes ist eine in Stein gehauene Kopie jener eichenen Kanzel, von der aus der heilige Johannes Capistran im Jahre 1451 die Wiener zum Kampf gegen die Türken aufrief und den Kreuzzug-Gedanken predigte. Die über der Kanzel angebrachte Monumentalgruppe, die von Franz Roettiers und Johann Joseph Rößler geschaffen wurde, versinnbildlicht die Glorie des Heiligen Capistran.


Vom munteren Studentenleben im Mittelalter

Daß Studentenstiftungen nicht erst eine Erfindung der Neuzeit sind, kann man dem "Goldberg" entnehmen. Eine Stiftung dieses Namens wurde 1473 ins Leben gerufen und nach dem Magister Hanns Goldberger benannt. Das Stiftungshaus befand sich ursprünglich auf dem Fleischmarkt 28 und wurde später in die Johannesgasse 13 verlegt. Hier hatte der "Goldberg" dann seine eigene Kapelle zu den Heiligen Peter und Paul. Dieses Haus wurde zwar 1627 verkauft, die Stiftung lebte aber weiter bis 1938. Der Gemeindebau, der heute in der Johannesgasse 13 steht, wird von einem Mosaik belebt, das sich auf das muntere mittelalterliche Studentenleben bezieht.


Engel, welche Wappen tragen

Aus der Zeit um 1450 stammt der Wappenengel vom Alten Rathaus in der Wipplingerstraße 8. Wappenhalter dieser Art kamen um 1420 auf. Der Engel vom Alten Rathaus hält die Wappen Österreichs und Wiens in seinen Händen. Er befand sich ursprünglich auf dem sogenannten Taschnerhaus am Hohen Markt 11 und kam 1842 an das Rathaus, in dem bis 1885 der städtische Magistrat untergebracht war (Abb. 4).

Steinbild am ehemaligen Taschnerhaus
(Abb. 4) Steinbild am ehemaligen Taschnerhaus

Der moderne Wohnblock in der Bäckerstraße 9, der an Stelle des bombenzerstörten Windhagschen Stiftungshauses errichtet wurde, besitzt noch immer das alte Portal aus dem Jahre 1559. Wie eine Inschrift verkündet, befand sich das Haus um die Mitte des 16. Jahrhunderts im Besitz des Wiener Bürgermeisters Hans von Thaw. Er ließ es im Jahr 1559 umbauen, die Windhagsche Stiftung trat dann erst 1678 ins Leben.

Die Bibliothek der Windhagschen Stiftung wurde ursprünglich im Dominikanerkloster untergebracht. Die Inschrift "Zum öffentlichen Gebrauch gegründet, 1678" - so lautet sie in der deutschen Übersetzung - erinnert noch an den damaligen Eingang zur Bibliothek.


Balgen und Schlagen verboten!

Bewaffnete Zusammenstöße der Religionsparteien gehörten im Zeitalter der Reformation offenbar zur Tagesordnung. Aus diesem Grund ließ Kaiser Maximilian II. im Hof des Niederösterreichischen Landhauses zwei mit dem aufrecht gehaltenen Gerichtsschwert versehene Freizeichen anbringen. Die Inschrift aus dem Jahre 1571 dazu sagt:

Der Römische Kayserlichen Majestät unsers allergnädigsten Landesfürsten Ernstliche Warnung und Befelch ist, daß sich Nimand Wer der auch sein mag unterstehe, in oder vor diesem befreyten Landhauß die Wöhr zu blößen oder Balgen und zueschlagen noch zu romorn. Welcher aber freventlich dawider handeln, daß dieselben Verbrechen an Leib und Leben nach ungnaden gestrafft werden sollen.
Actum im 1571 Jahr.


Die Pummerin
- aus türkischen Kanonen gegossen


Zahlreiche Wiener Wahrzeichen stehen in direktem Zusammenhang mit den Türkenbelagerungen. So zum Beispiel die Starhembergbank im Südturm des Stephansdoms (Abb. 5). Von hier aus soll der Wiener Stadtkommandant Rüdiger Graf Starhemberg während der 33 Belagerungstage im Jahre 1683 den Feind täglich mehrere Stunden lang beobachtet haben.

Die Starhembergbank
(Abb. 5) Die Starhembergbank

Auch die alte Pummerin, die 1945 zerstört wurde, war ein "Erinnerungsstück" an die Türkenbelagerung. Sie war 1712 aus 180 erbeuteten türkischen Kanonenrohren gegossen worden. Beim Brand des Stephansdomes während der letzten Tage des Zweiten Weltkrieges brach sie durch das Glockengestühl und zersprang am Boden. Aus den erhaltenen Teilen der alten wurde eine neue Pummerin gegossen und im Nordturm angebracht (Abb. 6).

Die Pummerin
(Abb. 6) Die Pummerin


Ebenfalls an das Jahr 1683 erinnert die Statue des Georg Kolschitzky. Emanuel Pendl schuf 1885 dieses Standbild, das sich am Eckhaus Kolschitzkygasse - Favoritenstraße 2 befindet. Kolschitzky war während der zweiten Türkenbelagerung als Botengänger zum Entsatzheer tätig und erhielt als Anerkennung für seine Kundschafterdienste den beim türkischen Troß erbeuteten Kaffee. So wurde der Pole Begründer des ersten Wiener Kaffeehauses am Stockim-Eisen-Platz 8.


Legenden um den Großwesir Kara Mustapha

Auch das Bürgerliche Zeughaus Am Hof 10 ist ein Denkmal des Türkenkrieges. Schon die erste Anlage von 1562 hatte ihre Ursache in der Türkengefahr und den Erfahrungen aus der ersten Türkenbelagerung. Während der zweiten Belagerung wurde das Zeughaus schwer beschädigt und mußte gründlich erneuert werden. 1731/32 wurde es nach den Plänen von Anton Ospel umgestaltet. Ospel ist dieser Aufgabe mit Geschick und Stilgefühl gerecht geworden.

Türkischer Reiter
(Abb. 7) Figur eines türkischen Reiters am Haus Neustiftgasse 32

Bis zur Gründung des Historischen Museums der Stadt Wien im Jahre 1887 wurden hier im Bürgerlichen Zeughaus die Wiener Türkentrophäen aufbewahrt. Darunter befand sich auch der angebliche Schädel des türkischen Großwesirs Kara Mustapha. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer in Mitleidenschaft gezogen. Heute präsentiert es sich wieder in altem Glanz als Feuerwehrzentrale der Stadt Wien. - Eine Gedenktafel neben dem Tor erinnert an die während der nationalsozialistischen Ära hingerichteten Feuerwehrleute.

Nach einer Lokallegende soll das Zelt Kara Mustaphas an jener Stelle gestanden sein, wo sich heute das Haus Neustiftgasse 32 befindet. Eine entsprechende Inschrift und die Figur eines türkischen Reiters beziehen sich auf diese Legende (Abb. 7 und 8).

Inschrift Zelt Kara Mustapha
(Abb. 8) Inschrift am Haus Neustiftgasse 32

An der Fassade des Neustätter Hofs in der Sterngasse 3 ist noch ein 79 Pfund schweres Türkengeschoß aus Stein angebracht. Die Inschrift daneben besagt, daß diese Kugel im Jahre 1683 von der Leopoldstadt aus in die Innere Stadt geschossen worden sei.

Arg beschädigt wurde damals auch das kaiserliche Lustschloß Favorita, Favoritenstraße 15. Kaiser Mathias hatte das Schloß gebaut, das Karl VI. gerne als Sommerresidenz benützte. Nach der Zerstörung durch die Türken und dem Wiederaufbau wurde die Favorita von Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1764 in eine Akademie für junge Adelige umgewandelt, die mit kurzen Unterbrechungen als "Theresianum" (Abb. 9) bis heute besteht. Als Favorita gab das Schloß dem Bezirk Favoriten seinen Namen.

Ansicht der Favorita
(Abb. 9) Ansicht der "Favorita" aus dem XVIII. Jahrhundert


Was sich alles vor der Kirche Am Hof ereignete

An ein überaus denkwürdiges Ereignis erinnert die Terrasse der Kirche zu den neun Chören der Engel Am Hof. Hier segnete am 31. März 1782 der bisher einzige amtierende Papst, der je Wien besucht hat, das in hellen Scharen erschienene Volk (Abb. 10). Papst Pius VI. hielt sich einen Monat lang in Wien auf. Er wollte Einfluß auf die Reformen Kaiser Josephs II. gewinnen, die auch vor der katholischen Kirche des Landes nicht halt machten. Doch gerade in diesem Punkt ließ sich der Kaiser nicht beirren. Papst Pius VI. mußte unverrichteter Dinge wieder abreisen.

Die Segensspendung des Papstes Pius VI.
(Abb. 10) Die Segensspendung des Papstes Pius VI. am Ostertage 1782 vom Balkon der Hofkirche

Sechs Jahre zuvor hatte Kaiser Joseph II. den Jesuitenorden aufgehoben. Das Profeßhaus der Jesuiten, direkt neben der Kirche Am Hof gelegen, wandelte er um in das Hofkriegsratsgebäude. Bis zum Umzug in den Neubau, das heutige Regierungsgebäude am Stubenring, arbeitete hier der Kriegsminister. Von 1892 bis zum Jahr der Übersiedlung, 1913, stand vor dem Hofkriegsratsgebäude auch das Radetzkydenkmal, das später ebenfalls auf den Ring gebracht wurde.

Von der Terrasse der Kirche Am Hof, von der aus Papst Pius VI. die Wiener gesegnet hatte, wurde im Jahre 1806 auch die Niederlegung der römischen Kaiserwürde durch Kaiser Franz II. verkündet.

Im Oktober des Revolutionsjahres 1848 erschlug die aufgebrachte Menge am selben Platz vor dem Hofkriegsratsgebäude den Kriegsminister Graf Latour.


Wie ein freiheitsliebender Wiener verraten wurde

Deutliche Spuren im Wiener Stadtbild haben nicht nur die Türkenkriege hinterlassen. Auch an die wesentlich kürzere Periode der Franzosenkriege gemahnen viele Denkmäler.

Als modernes Beispiel dafür mag ein Relief zur Erinnerung an den Sattlermeister Jakob Eschenbacher genannt werden. Die Gedenktafel befindet sich am Haus Favoritenstraße 47. Eschenbacher hatte Kanonenrohre vor den französischen Besatzungstruppen verborgen. Nach seiner Denunzierung wurde er am 26. Juni 1809 beim Jesuitenhof erschossen (Abb. 11). Heute stehen dort die Gebäude der Technischen Hochschule auf dem Getreidemarkt. Eschenbacher besaß das Haus "Zum goldenen Sattel" in der Favoritenstraße. Das Relief zeigt ihn beim Vergraben einer Kanone; sein zukünftiger Denunziant sieht ihm dabei zu.

Die Erschießung Eschenbachers
(Abb. 11) Die Erschießung Eschenbachers


Weltgeschichtliche Bedeutung erlangte das Dorf Aspern, das heute einen Teil des Bezirkes Donaustadt bildet. Hier fand am 21. und 22. Mai 1809 jene berühmte Schlacht statt, in der zum ersten Mal ein von Napoleon persönlich geführtes Heer besiegt wurde. Zur Erinnerung an die schweren Kämpfe um den Friedhof von Aspern ist 1858 der Löwe von Aspern (Abb. 12) aufgestellt worden. Das Monument stammt von Anton Fernkorn, der auch das Standbild des Erzherzogs Karl, des Siegers von Aspern, geschaffen hat. Es steht vor der Neuen Hofburg.

Löwe von Aspern
(Abb. 12) Orginalmodell zum "Löwen von Aspern", gegen 1858


Zeugnisse aus den Jahren der Revolution

Ein Ereignis aus den Revolutionswirren von 1848 ist auf der Gedenktafel für den Feuerwerker Johann Pollet am Looshaus, Ecke Kohlmarkt - Michaelerplatz, verewigt. An dieser Stelle soll der Artillerie-Unteroffizier den Befehl erhalten haben, mit seinen Kanonen in die Menge zu schießen. Pollet soll jedoch den Feuerbefehl verweigert haben. Die dankbare Bevölkerung ließ die Tafel anbringen. - Ganz historisch dürfte diese Geschichte allerdings nicht sein. Immerhin herrschten an diesem Tag in derselben Gegend schwere Unruhen. Ihr Zentrum lag beim Niederösterreichischen Landhaus in der Herrengasse, wo auch der Student Spitzer erschossen wurde. Er war der erste Tote dieses Volksaufstandes.


Hier wollte man die Helden Österreichs ehren

An jener Stelle, an der Kaiser Franz Joseph I. am 18. Februar 1853 einem Attentat entging, wurde die Votivkirche Zum göttlichen Heiland errichtet. Ursprünglich hätte hier eine neue Universitätskirche gebaut werden sollen. Der Platz um die Kirche war als Universitätsviertel geplant. Nach dem mißlungenen Attentat wurde auf Betreiben des dankbaren Kaiserbruders Ferdinand Max, des späteren Kaisers Maximilian von Mexiko, eine Gedächtniskirche nach Entwürfen des Architekten Heinrich Ferstel gebaut. Gedenktafeln im Inneren der Kirche erinnern an ihre Bestimmung. Zahlreiche andere Hinweise gelten den Helden der altösterreichischen Heere.

Graf Niklas Salm
(Abb. 13) Das Grabdenkmal des Grafen Niklas Salm

Heldenverehrung - geplant. Als einziger Prominenter liegt hier aber nur der Verteidiger der Stadt Wien im Jahre 1529 begraben: Graf Niklas Salm wurde mitsamt seinem prachtvollen Hochgrab hierher überführt (Abb. 13).


Für die Frauen, welche halfen, die Kriegsnot zu lindern

An die Notzeiten des Ersten Weltkrieges erinnert der Eiserne Wehrmann in den Arkaden des städtischen Amtshauses in der Felderstraße. Die hölzerne Ritterfigur wurde von dem Bildhauer Josef Müllner 1914 geschaffen. Sie ist heute über und über mit Nägeln beschlagen. Jedermann konnte einen solchen Nagel einschlagen und hatte dafür einen bestimmten Betrag für Zwecke der Kriegsfürsorge zu spenden. über dem Eisernen Wehrmann ist ein Erinnerungsspruch von Ottokar Kernstock zu lesen:

Wehrmann Wiens gemahne an die Zeit,
Da unerschöpflich wie des Krieges Leid
Die Liebe war und die Barmherzigkeit!

Vor allem waren es die österreichischen Frauen, die versuchten, ihren Teil zur Linderung der Kriegsnöte beizutragen. So ist es nur Dankespflicht gewesen, eine Gedenktafel am Portal der Michaelerkirche anbringen zu lassen. Ihr Text lautet:

Ehre und Dank
den
Frauen Österreichs
für ihr
Heldenhaftes Wirken
im
Weltkriege
1914-18.

An die Opfer der österreichischen Widerstandsbewegung in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes mahnt eine Gedenktafel am Heldentor. Eine andere Erinnerungstafel im Chemischen Institut der Universität erzählt von zwei Wissenschaftern, die ihr Leben für ihre österreichische Heimat ließen. Wieder eine andere Inschrift an der Fassade des Palais Auersperg berichtet von einer Gruppe österreichischer Patrioten, die hier während der Endtage des Zweiten Weltkrieges ihren Stützpunkt eingerichtet hatten.


Die großen, alten Bahnhöfe

Die Bombardements und die letzten Kämpfe des Zweiten Weltkrieges haben Wien fast alle historischen Bahnhöfe gekostet.

Wien Nordbahnhof
(Abb. 14) Abfahrt des ersten Eisenbahnzuges vom Nordbahnhof am 6. Jänner 1838


Völlig vom Erdboden verschwunden ist zum Beispiel der Nordbahnhof. Er war Ausgangspunkt für die erste öffentliche Eisenbahnfahrt in Österreich. Diese historische Fahrt am 6. Jänner 1838 führte vom Nordbahnhof nach Deutsch-Wagram (Abb. 14 und 15). Der alte Südbahnhof mußte einem Neubau weichen. Die Giebel des alten Bahnhofsgebäudes wurden von geflügelten Löwen bewacht. Diese wiesen auf den heiligen Markus hin, den Schutzpatron Venedigs. Tatsächlich war der Verkehr mit der Lagunenstadt eine Hauptaufgabe der Südbahn. Einen dieser Löwen hat man an der Gürtel-Front des neuen Bahnhofs wieder aufgestellt; sein Zwillingsbruder steht heute in Laxenburg.

Wagram Bahnhof
(Abb. 15) Ankunft des ersten Eisenbahnzuges in Wagram am 6. Jänner 1838

Ein anderes Denkmal wirtschaftsgeschichtlichen Charakters befindet sich am Anfang der Mariahilfer Straße bei der Rahl-Stiege: der Gänsemädchenbrunnen. Er stellt keine Sagenfiguren dar, sondern wurde ursprünglich für den Wiener Gänsemarkt auf der Brandstätte von dem Bildhauer Anton Paul Wagner geschaffen.


Der Brand des Ringtheaters

Bombenkrieg und Nachkriegselend, leider auch menschlicher Unverstand, haben manches Denkmal der Wiener Kulturgeschichte verschwinden lassen. So fiel unter anderem auch das Sühnhaus am Schottenring 7, nachdem es 1945 durch Bomben schwer beschädigt worden war, der Spitzhacke zum Opfer. An seine Stelle ist nun der inzwischen fast fertiggestellte Neubau des Polizeipräsidiums getreten. Das Sühnhaus (Abb. 16) war an der Stelle des 1881 abgebrannten Ringtheaters nach den Plänen des Architekten Friedrich Schmidt errichtet worden. In diesem kaiserlichen Stiftungshaus befand sich auch eine Kapelle, die besonders dem Gedenken an die Opfer der Brandkatastrophe im ehemaligen Ringtheater gewidmet war.

Sühnhaus am Schottenring Wien

(Abb. 16) Das Sühnhaus am Schottenring in Wien



Das Belvedere - ein Denkmal österreichischer Geschichte

Eines der berühmtesten und zugleich eines der vornehmsten und schönsten Denkmäler österreichischer Geschichte ist das Schloß Belvedere (Abt. 17). Prinz Eugen von Savoyen ließ es in den Jahren 1714 bis 1722 durch Johann Lukas von Hildebrandt erbauen und benutzte es vornehmlich als Sommerresidenz. Hierher brachte er auch seine große Bibliothek, seine umfangreichen Kunstsammlungen, seine Menagerie und seine exotischen Pflanzen. Kaiser Joseph II. ließ im Belvedere die Kunstsammlungen des Herrscherhauses unterbringen.

Schloß Belvedre

(Abb. 17) Schloß Belvedere


Im Oktober 1848 lagerten dann im Belvederegarten und im benachbarten Park des Palais Schwarzenberg etwa 15.000 Mann der revolutionären Mobilgarden.

Nachdem die Kunstschätze 1890 ins neuerbaute Kunsthistorische Museum gelangt waren, nahm der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand im Jahr 1899 das Belvedere zu seinem Wohnsitz. Bis zu seiner Ermordung im Jahre 1914 unterhielt der Erzherzog hier auch seine Residenz. Von vielen wurde damals das Belvedere als eine Art zweiter Regierungssitz neben der Hofburg angesehen.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert wohnte im Kustodentrakt des Schlosses der oberösterreichische Tondichter Anton Bruckner. Er starb hier auch am 11. Oktober 1896. Eine Gedenktafel erinnert daran.

Im Unteren Belvedere wurde 1903 die erste staatliche Kunstgalerie Österreichs eingerichtet, die Moderne Galerie. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde außerdem das Obere Belvedere wieder als Museum verwendet.

Selbst die Repräsentanten des Dritten Reiches bedienten sich der Prunksäle des Belvederes. Hier wurden die sogenannten Wiener Schiedssprüche von 1938 und 1940 unterzeichnet. Auch die Beitrittserklärungen von Ungarn, Rumänien und Jugoslawien zu dem aus Deutschland, Italien und Japan bestehenden Drei-Mächte-Pakt wurden 1940/41 im Belvedere besiegelt.

Zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aber unterzeichneten die Außenminister der vier Großmächte (USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich) am 15. Mai 1955 im Schloß Belvedere den österreichischen Staatsvertrag, der unserem Staate seine Souveränität und unserem Volk die Freiheit wiedergab.


Zahllos sind die Gedenktafeln in Wien

Gedenktafeln, aus denen hervorgeht, daß in dem betreffenden Haus ein berühmter Musiker, Dichter, Maler oder Wissenschafter gewohnt hat, geboren wurde oder gestorben ist, gibt es in Wien fast unzählige. Um dem Thema dieses Büchleins auch auf diesem Gebiet einigermaßen gerecht zu werden, sollen wenigstens ein paar dieser Erinnerungstafeln angeführt werden.

An die denkwürdige Zusammenkunft zwischen Kaiser Friedrich III. und König Mathias Corvinus von Ungarn im Jahre 1470 erinnert eine Inschrift auf dem neuen Regensburger Hof (Lugeck 4).

Im Hause Bauernmarkt 10 wurde Franz Grillparzer geboren, in der Spiegelgasse 21 ist er vor hundert Jahren, am 21. Jänner 1872, im 82. Lebensjahr gestorben.

Auf dem Wohnhaus Kohlmarkt 11 steht auf einer Inschrift zu lesen:

In diesem Hause lebte und starb
Pietro Metastasio (1698-1782).
Seinem Andenken von Italienern und Österreichern gewidmet.
12. April 1882.

Außer dem berühmten italienischen Librettisten und Hofdichter österreichischer Kaiser lebte auch Joseph Haydn zwischen 1750 und 1755 in diesem Haus. Gestorben ist Haydn am 31. Mai 1809 im Hause Haydngasse 19 (Abb.18).

Haus Windmühle in Wien
(Abb. 18) Abbildung des Hauses in der Vorstadt Windmühle in Wien, in dem Haydn am 31. Mai starb und in dem am 1. Juni 1840 die Trauer- und Erinnerungsfeier stattfand.

Ein äußerst unruhiger Mieter war Ludwig van Beethoven. Er hat es an einem Platz nie lange ausgehalten. Die letzte seiner vielen Wiener Wohnungen bezog er im Schwarzspanierhaus in der gleichnamigen Straße auf Nummer 15. In diesem ehemaligen Klosterbau, den man später zum Zinshaus degradierte, wohnte eine Zeitlang auch Nikolaus Lenau.

In der Nußdorfer Straße 94, also ebenfalls im 9. Bezirk, befindet sich das Geburtshaus Franz Schuberts. Das Sterbehaus Friedrich Hebbels steht in der Liechtensteinstraße 13.

Ferdinand Raimunds Geburtshaus (1790) liegt in der Mariahilfer Straße 45, und in der Gymnasiumstraße 87 ist Josef Lanner 1843 gestorben.

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen; besonders dann, wenn man die letzten Ruhestätten berühmter Persönlichkeiten einbeziehen wollte: etwa das Schubert-Grab auf dem ehemaligen Währinger Friedhof und heutigem Schubert-Park, die Ehrengräber auf dem Zentralfriedhof oder das Grab Wolfgang Amadeus Mozarts (Abb. 19) auf dem St. Marxer Friedhof.


Wohnungen berühmter Männer

Der Erwähnung wert ist die Tatsache, daß die Erinnerung an einige Größen der österreichischen Geschichte und Kultur in eigenen Schauräumen gepflegt wird. Als Beispiele genügen die Wohnräume Kaiser Franz Josephs I. in Schönbrunn und in der Hofburg, die Beethoven-Gedenkstätte im Hause Mölkerbastei 8, das Schubert-Museum in der Nußdorfer Straße 54, das Grillparzer-Zimmer im Historischen Museum der Stadt Wien auf dem Karlsplatz, das Haydn-Museum in der Haydngasse 19 und die Mozart-Erinnerungsräume in der Domgasse 5.

Mozartgrab Wien
(Abb. 19) Mozartgrab
(Zustand bis 1945)

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