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SAGEN.at >> Informationen, Quellen, Links >>Dokumentation >> Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Christian Schneller, 1867 |
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Fasching 8. Der Fasching ist die Zeit der Lust und Heiterkeit. Unter den Gebräuchen mag zunächst der Umstand erwähnt werden, dass in manchen Dörfern die lustige Jugend auch allerlei theatralische Reimspiele ("comedie") aufführt. Es sei gestattet, hier nur kurz den Inhalt eines solchen mitzutheilen, wie es vor kurzem in einem Dorfe des Nonsberges gespielt wurde. Bei der Vermählung wird der Prinz gefragt, ob er "die schwarze und träge und arme Rosina" — "Rosina negra e pegra e bisognosa" — zu seiner rechten ehelichen Gemalin nehme; natürlich bejaht er. Damit schliesst das Stück, welches in derben aber doch wolklingenden Versen abgefasst und reich ist an Anspielungen auf Personen und Vorkommnisse des ländlichen Lebens. Doch daran stösst sich Niemand und die Getroffenen lachen selbst herzlich mit. In frühern Zeiten wurden im Nonsberge besonders in der Faschingszeit auch biblische Stücke aufgeführt, wie Isacco, Oloferue e Giuditta u. a. m. 9. Sehr üblich ist das Verbrennen des Faschings. Die Knaben eines Dorfes vereinigen sich und errichten auf einein Platze zwei Haufen von Holz und Stroh, von denen der grössere "il carnevale", 10. Man geht am lezten Faschingstage auch mit Stangen herum, an denen Laternen befestigt sind, um den Fasching zu suchen. Ein wälsches "Schnaderhüpflein" dazu lautet: 11. Als echt nationales Faschingsspiel ist jenes der sogenannten "Ciusi gobbi" [Einer alten Ueberlieferung zufolge soll dieses Maskenspiel den Sieg feiern, den die Trientiner einst unter dem Ostgothenkönige Theodorich über Bewohner des Gebietes von Feltre errangen, als diese beim Bau der Stadtmauern jenen ihre Vorräthe wegnehmen wollten. Hr. Tito de Bassetti hat hierüber 1858 eine kleine Abhandlung mit Abbildung veröffentlicht. Nach Prof. Dr. Bidermann erinnert die karikirte (karikierte) Tanzweise der gobbi an den Kolo-Tanz der Südslaven] bekannt (in Trient, Lavis und einigen andern Orten). Es sind Masken, welche sich in zwei Haufen theilen; die Einen, Ciusi genannt, tragen buntscheckige Harlekinsgewänder mil vielen Troddeln und Schellen, die andern werfen nur ein Hemd über und füllen sich einen Buckel auf, wesshalb sie "i gobbi" (die Buckligen) heissen. Sie treiben ihr Unwesen besonders am sogenannten fetten Donnerstage ("il giovedi grasso"), indem sie in Lavis und in andern Dörfern in die Häuser eindringen und in der Küche eine in diesen Tagen häufig gekochte Speise aus Schwarzpolenta, "smaccafame" oder "maccafame" genannt, zu stehlen suchen, um damit ihren Muthwillen zu treiben. In Trient dagegen wurden früher (der Gebrauch scheint allmälig in Vergessenheit zu gerathen) am Freitage nach dem "fetten" Donnerstage auf offenem Platze Mehlklösse, gnocchi (Nocken) genannt, gekocht, wie an diesem Tage in ganz Wälschtirol, besonders auch in Verona, geschieht wesshalb dieser Tag allgemein "il Venerdi dei gnocchi" heisst. Da schlossen die Ciusi einen Kreis um das Feuer und fassten sich dabei gegenseitig am starken Gürtel von Garn, den sie um den Leib trugen; die "gobbi" aber suchten diesen Kreis von aussen zu durchbrechen, um zu den Nocken zu gelangen. Beide Theile hatten ihren durch eine Krone von Pappe und viele Schellen kenntlichen König, welcher jedoch beiderseits ausser der Reihe blieb. Nur wenn der Kampf hitzig wurde, griffen sie im Nothfalle auch selbst ein; sonst begnügten sie sich die ihrigen durch Zurufe zu ermuthigen. Der siegende Theil trug die gnocchi im Triumphe davon. 12. Am lezten Faschingstage schlug man früher da und dort an die Bäume, indem man glaubte, das mache sie für das kommende Jahr recht fruchtbar. 13. In Val di Ledro wird am lezten Faschingstage die ,,Alte" d. i. eine grosse aus Stroh und Reisig zusammen gestoppte Figur verbrannt; man nennt es: Alte verbrennen — brusar la veccia"' Quelle: Chrsitian Schneller, Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Innsbruck 1867, S. 232 |