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La busa del barbaz

Gerade über dem schönen und grossen Marktflecken Mori liegen die Ruinen eines alten Schlosses und ganz nahe dabei führt eine Felsenspalte der Sage nach in eine unterirdische Höhle. Diese Spalte nun führt den Namen "la busa del barbaz" d. i. das Loch des Bärtigen. Die Sagen hierüber sind abgeblasst und fast erloschen; es dürfte aber eine jener zahlreichen Höhlen gewesen sein, in welche einst das zum Christenthume bekehrte Volk seine alten ihm schrecklich gewordenen Göttergestalten versetzte.

Die Einen erzählen, es habe früher im Mori ein böser und gewaltthätiger Mann, Namens B. gelebt, welcher sich jene Höhle zu seinem Zufluchtsorte erkor. Weil er einen langen weissen Bart trug, sei die Höhle vom Volke so nach ihm benannt worden.

Dagegen erzählen die ältesten Weiber — und diese wissen oft viel mehr als die jungen —, es sei in jener Höhle ein Alter mit sehr langem weissemm Barte gewesen, jedoch so grausam, dass er sich an Menschenfleisch nie sättigen konnte. Seine Gebeine — wird hinzugefügt — liegen im Grunde jener Höhle und wenn es Einem gelinge, dorthin zu kommen, so werde der Alte ihm erscheinen und den Platz weisen, wo ein grosser Schatz verborgen liege.

Quelle: Chrsitian Schneller, Märchen und Sagen aus Wälschtirol, Innsbruck 1867, S. 225
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Helene Wallner, 2007.
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