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ST. WOLFGANG

St. Wolfgang, Oberösterreich

(vergleiche auch: Falkenstein)

ST. WOLFGANG am Abersee, Pfarrkirche und Wallfahrtskirche, angeblich von dem hl. Wolfgang 982 gegründet und bis 1787 im Besitze des Benediktinerklosters Mondsee, früheste urkundliche Erwähnung 1194 (nach anderen 1183), das erste urkundliche Zeugnis für die Wolfgangkirche stammt aus dem Jahre 1306 "populi per diversa mundi clymata illae concurrentes". 1396, 1419, 1434 finden sich testamentarische Bestimmungen von Wiener Bürgern für Wolfgang ("ein fart... hincz sand Wolfgang, 1396", "gen Sand Wolfgang bey Salzburg, 1434"). Seit 1505 liegen Aufzeichnungen von Mirakelbüchern vor. Schon früh und späterhin wurde die Kirche mit zahlreichen Ablässen bedacht und gefördert (1306, 1307, 1336, 1381, 1400, 1404, 1451, 1478, 1497 ,1500, 1502, 1751). 1429 und 1480 wurde die Kirche durch Feuer zerstört, aber immer wieder schöner aufgebaut. Die heutige Kirche wurde 1430 - 1460 errichtet und die früher im Freien gestandene Zelle des hl. Wolfgang als Wolfgangskapelle 1713 an die Kirche angebaut. Klause des hl. Wolfgang. Meßkelch des hl. Wolfgang, durch Berühren mit demselben weiht man die "Hackeln". Am Mittelaltar Reliquien des Heiligen. -

Andachtsgegenstand: Statue des hl. Wolf gang (Ende 15. Jahrhundert) in der Kapelle; Bußstein des Heiligen mit seinen Fuß- und Handspuren.


Legende:

Der hl. Wolfgang, der 982 Regensburg heimlich verließ, flüchtete sich in die Einsamkeit des Falkensteines, um dort als Einsiedler zu leben. Später begab er sich herab an den See, wo er in einem Felsen seine Klause aufschlug. Von dort warf er sein Beil, das jetzt im Hochaltar eingemauert ist, und wo es niederfiel, sollte die Kirche stehen. Beim Bau derselben half ihm der Teufel gegen das Versprechen, ihm als Lohn die Seele des ersten Wesens zu geben, das die Kirche betreten würde. Der Heilige sandte aber zuerst einen Wolf hinein, den der Teufel zerriß.

Nach einer anderen Version wäre dem hl. Wolfgang, als er vom Falkenstein herabstieg, der Teufel erschienen, um den Heiligen zu verderben. Er setzte die Felsen ringsum in Bewegung, doch Wolfgang stemmte Rücken und Hände gegen die stürzenden Felsblöcke, die wie Wachs nachgaben. Aus Dankbarkeit für die Rettung beschloß er, sein Beil von sich zu werfen und an der Stelle, wohin es fallen würde, ein Kirchlein zu erbauen. Der Sturmwind trug das Beil weit weg und erst einige Tage später fand es der Heilige auf einer felsigen Anhöhe am See wieder. Hier erbaute er das kleine, 1369 durch Feuer zerstörte Johanneskirchlein.

Auf dem sogenannten Bußstein rastete der Heilige nach der einen Version auf der Suche nach seinem geworfenen Beil, wobei seine Hand- und Fußspuren zurückblieben. Nach anderer Version wäre er zur Messezeit auf dem Stein, der ihm auch sonst als Lager diente, eingeschlafen. Voll Reue stieß er Hände und Knie gegen den Felsen, der aber nachgab und nun die Spuren zeigte. Die Kröten im See wurden von dem Heiligen des Krötenpulvers wegen gefüttert, das er den Armen als Mittel gegen den Grind gab.


Hintergrundinformation aus volkskundlicher Sicht:

St. Wolfgang, Wolfgangbrunnen © www.SAGEN.at

St. Wolfgang, Wolfgangbrunnen
© Lieselotte Morscher, August 2004

Die Mirakelbücher weisen zwischen 1505 und 1752 im ganzen 475 Gebeterhörungen auf, offenbar nur eine Auswahl. Die Gebeterhörungen zerfallen in 22 Abteilungen:

1. Sterbende, Tote (13 Fälle);
2. Todesgefahren (16);
3. Tötliche Wunden (24);
4. Gefährliche Fälle und Stürze (34);
5. Wassergefahr (25);
6. Feuer (21);
7. Pestilenz (15);
8. Blindheit, Augenweh (24);
9. Ohr und Nase (9);
10. Kopf und Tobsucht (26);
11. Stummheit und Halsschmerzen (30);
12. Fraisen, Epilepsie, Ohnmacht (20);
13. Geschwüre, Blattern, Suchten (24);
14. Ruhr, Fieber, hitzige Krankheit (23);
15. Vergicht und Gliederlähmungen (23);
16. Schadhafte Hände, Füße und Leibsgebrechen (51);
17. Leibschaden und Steinschmerzen (31);
18. Kindsnöte und Unfruchtbarkeit (23);
19. Gefangene (12);
20. Donner, Hagel, Ungewitter (9);
21. Gifttrunk, Schlangenbiß, Gespenster und Zauberei (14);
22. Verlorene Sachen (9).

Am meisten sticht die Gruppe 16 hervor, die ihre Heilung hauptsächlich in den Waschungen mit dem Wasser des Wolfgangsbrunnen sucht, der, mit einer Wolfgangsstatue geschmückt, nördlich des Chores liegt. Der hl. Wolfgang soll ihn mit seinem Stab hervorgerufen haben. Seine Ausschmückung erfolgte 1515. Das Wasser, das auch getrunken wurde, wurde weit und breit verschickt oder in besonderen Fläschchen, auf denen das Bild des Heiligen auf der einen Seite und mit dem seiner Klause auf der anderen Seite eingepreßt ist, mitgenommen. Besonders Augenleidende suchten den Brunnen am Pfingstdienstag, Magdalenen- (Wasserpatronin) und Wolfgangstag auf. Auch vorzüglich jene, die an Hau- und Stichwunden litten, vertrauten sich dem Heilbrunnen an. Das Mirakelbuch erwähnt die Waschungen mehrfach. Öfters scheint auch der Bußstein verehrt worden zu sein, besonders die Spuren des hl. Wolfgang. Im Jahre 1649 wäscht sich ein Pilger mit Wolfgangwasser und verehrt die Fußstapfen. 1654 schlummert ein Fußkranker auf dem Stein und ist beim Erwachen gesund. Eine Person schickt ein Weib nach St. Wolfgang, damit es an ihrerstatt Arme und Hände in den Bußstein hält. Es war Brauch, daß sich namentlich die Pilger aus Bayern auf ein "Vater-unser-lang" auf den Stein hinlegten. Vielbegehrt als Amulett, besonders gegen Schlaganfälle, Fraisen, tötliche und ansteckende Krankheiten, Ungewitter, Feuer, Zauberei und teuflische Nachstellungen war das sogenannte Wolfganghackel aus Silber, Messing oder Zinn, das mit dem in St. Wolfgang aufbewahrten Meßkelch des Heiligen berührt wurde. Man trug es gern an der Fraisen- oder Uhrkette. Jeder von der Wolfgangsbruderschaft sollte eines tragen. Diese etwa 2 bis 3 cm langen Beile zeigen auf der einen Seite in den Stiel geprägt die Legende: St. Wolfgang O. P. N. (ora pro nobis), in der Beilklinge aber das Bild des Heiligen mit Kirche und Beil. 1682 findet nach dem Mirakelbuch von 1753 eine Frau ein solches Hackl und betrachtet dies als eine Aufforderung, eine Wallfahrt nach St. Wolfgang zu machen. 1747 will ein Kind nur dorthin wallfahrten, wo man die "kleinen Häcklein" verkauft. Diese Hackeln sollen auch zu einem Haufen anderer hinter das Kapellengitter als Votiv geschleudert worden sein. Heute ist der Verkauf dieser Amulette fast gänzlich verschwunden. Neben diesen Amuletten wurden auch Ablaßpfennige und Rosenkränze im Wolfgangskelch aufbewahrt, offenbar, um dadurch heilkräftig zu werden. Beliebt als Heilmittel war der sogenannte Krötenstein, dessentwegen man die Kröten fütterte, und dem man eine wunderbare Heilkraft gegen die vergifteten Pfeile der Ungarn zuschrieb. Vielfach waren auch Erscheinungen des Heiligen das Wallfahrtsmotiv neben diesen Heil- und Schutzmitteln. Gelegentlich wurden auch tote Kinder in das Leben gerufen und man bediente sich auch einer Wunschglocke.

Votive: Wachs, besonders in schweren Gewichten, war häufig, so in Kinderschwere, ein 20 Pfund schweres Wachsbild, zehnpfündige Kerzen usw. Es wurden Wachsstöcke, so lang, als der Umkreis der Behausung betrug, 1650 und 1660 geopfert. 1536 (Mirakelbuch 1753, 123) wurde bei einem Sturz in den Brunnen ein eiserner Arm dargebracht. Eiserne Votive wurden noch bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts dargebracht. Auch Kleideropfer bekannt (1595). Bei Tobsucht hing man eine eiserne Kette auf. Hölzerne Füße werden gemeldet. In älteren Zeiten war das Lebendopfer noch üblich, so 1512 und 1532 "das beste Pferd". Nach Andree-Eysn wären auch schwarze Hennen geopfert worden. Votivbilder verzeichnet das Mirakelbuch 23 mal, ein besonders wertvolles scheint 1505 von Erzbischof von Magdeburg Ernestus bei Blatternerkrankung dargebracht gewesen zu sein. Es waren darauf auch seine Edelleute dargestellt. Silbervotive sind häufig. An Wallfahrtserschwerungen findet sich das Steintragen als Buße, Wallfahrt im Hemd, das Fasten bei Wasser und Brot (6mal angeführt), die Wallfahrt mit bloßen Füßen. Auch die dreimalige Circumambulatio um den Altar wird barfuß, auf bloßen Knien und mit einem brennenden Licht in der Hand durchgeführt (1532, 1544). Auch im weißen Kleid wallfahrtet man (1542). Zuweilen wird ein Kind als Gelübde mit einem Wolfgangsbruderschaftskleid bekleidet. - An älteren Votiven findet sich nichts mehr, nur einige Dutzend wertlose Votivbilder und Bußkreuze.

Bildstock, hl. Wolfgang © www.SAGEN.at

Bildstock mit der Darstellung des hl. Wolfgang
© Wolfgang Morscher, 24. Oktober 2004

Wallfahrtszuzug: Die Wallfahrt nahm im Mittelalter unmittelbar nach Rom, Aachen und Einsiedeln ihren Platz ein. Zwischen 1521 und 1536 war der Zustrom so stark, daß dem Kloster Mondsee jährlich 15 bis 18 Tausend Goldgulden zugeflossen sein sollen. Damals verzeichnen auch die Mirakelbücher zwischen 1531 und 1790 die meisten Gebeterhörungen. Sie schwanken zwischen 10 (1577) und 57 (1562), um später auf einstellige Zahlen zu sinken. Zwischen 1654 und 1683 finden sich nur einstellige Zahlen (Mirakelbuch 1687). Noch 1782 erschienen jährlich 74 Prozessionen. Im 19. Jahrhundert nur mehr 2. Im ganzen etwa 4000 Pilger. Nach dem Mirakelbuch 1753 waren unter den 475 Begnadeten die meisten Bayern (156), sodann Oberösterreicher (121), Salzburger (35), Steiermärker (9), Niederösterreicher (8), davon aus Wien 3, Tiroler (7), Sachsen (6), Böhmen (5), Mähren, Kärnten (je 3), Ungarn, Schlesien (je 2), Schweiz (1). -

Beim Verlassen des Ortes rufen die Pilger das Echo wach: "Hl. Wolfgang, darf ich wiederkommen aufs Jahr?" Tönt es: "Ja! ja! ja!", so ist der Wunsch angenommen. Hier vernahm Leopold I. 1683 die Befreiung Wiens von den Türken. Mehrere Pilger verbanden mit einer Wallfahrt nach St. Wolfgang auch die nach Mariazell, Altötting und Passau. -

Zwischen 1721 und 1737 meldet das Mirakelbuch 1753 verschiedene Verzauberungen; Nägel, Haare, Klampfen, abscheuliche Sachen werden einzelnen Personen beigebracht, auch Vieh behext.

Mirakelbücher: Seit 1505 liegen Gebeterhörungen vor, das älteste Mirakelbuch ist von 1599, weitere Ausgaben von 1655, 1687, 1694, 1732, 1753. Das Mirakelbuch von 1599 erschien in einer Auflage von 2500 Stücken. Auf Gebeterhörungen nahm übrigens schon Bezug das Buch: Dyss ist die hystorie vund leben mit etlichen mirackeln vnd wunderzaichen des heyigen byschoffs vnd hymelfuersten sant Wolffgangs. Strassburg 1502. 4°.

1. Johann Christoph, Des heil. Beichtigers und Bischoffen zu Regensburg St. Wolfgangs Herkommen, Leben und Ableiden, auch dessen uhralten, weltberühmten im gebürg am Abersee bey Salzburg durch ihm erbauten Capellen und etliche namhafte daselbst beschehene Wunderzeichen ... Salzburg 1599. 8° (Linz, Stud. Bibl.);

2. Simon (Rebiser), Miracula oder Wunderzeichen des h. Bischoffs Wolfgangi, welche in dem Aberseeischen Gebürg bei seiner uralten und weitberühmten Capell geschehen. Passau 1655. 8°;

3.Maurus (Oberascher), Continuatio Göttlicher Gnaden, So durch die Fürbitt dess Heyligen Vatter Wolffgangi ... zu St.Wolff-gang ... erzeigt worden Anno 1654 biss 1683. Lintz 1687. 8° (Linz, Stud. Bibl.);

4. 1694 (wo?);

5. Bernardus (Lidl), Gesegnetes Aberseeisches Gebürg, d. i. Leben und Gutthaten dess heiligen Bischoffs und Einsiedeis Wolfgangi in seiner ... Wallfahrt am Abersee. Salzburg 1732. 8°;

6. Bernardus (Lidl), Gesegnetes Aberseeisches Gebürg, Das ist: Leben und Gutthaten des heiligen Bischoffs ... Wolfgangi in seiner Wallfahrt ... am Abersee ... handelt von denen Gnaden und Gutthaten, welche Gott von Anno 1505 bis auf das 1752ste Jahr ... gewüreket. Augsburg und Ynnsprug 1753. 8° (Linz, Stud. Bibl.).

Quelle: Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Bd 5, S. 115 - 119.

Das Wolfgangi - Flascherl Heilwasser seit altersher.

Adele Sungler  

Heilquellen, Heiligenverehrung sind ein Ausdruck der Volksfrömmigkeit seit der Antike. Heilige Orte sind Heilung versprechende Plätze, die Bitt- und Dankprozessionen wie Wunderberichte von Heilungen zum Gnadenort beinhalten. Es gibt eine geheime Sehnsucht die Menschen zu diesen heiligen Stätten hinführt.( Barfußgehen zum aberseeischen Gepirg, zu den Heilquellen am Wolfgangsee)  Das heilige „Wolfgangiwasser“ hat geholfen und galt gegen vielerlei Gebrechen, besonders aber für die Augen. Dieses Wasser war auch für Weiber bei Unfruchtbarkeit ein sehr gerühmtes Mittel. Kunstgeschichtlich hochinteressante blaue Glasflaschen zum mitnehmen des heiligen Wolfgangi - Wassers, heute eine große Rarität wurden im 18.Jhd. zur Aufbewahrung des Heiligen Wolfgangi Wassers vom Falkenstein und dem „Wolfgangibrunnen“ in St. Wolfgang erzeugt. Diese Fläschchen sind in die Form geblasen und zeigen auf der Vorderseite den Heiligen Wolfgang mit Kirche, Stab und dem Beil über einer Wolke, darunter das Spruchband; „ST. WOLFGANG “.Die Rückseite ist der Volkskunst im Salzkammergut zugeordnet. Ein beliebtes Almmotiv, mit einer Almhütte im Mittelpunkt zwischen Bäumen. Davor idyllisch gelagert ein Hirsch vor einem spitzen Felsberg und darauf ein nach rechts blickender Gams, wieder zu beiden Seiten Bäumchen.

Dieses Fläschchen war auch im 18.Jhd. eine Votivgabe aus dem Wolfgangland im „Aberseeischen Gepyrg“.

Im Abersee Zinkenbach, Eich und St. Gilgen waren schon seit dem 17.Jhd. Glashütten und auf dem „SAMSENHAUS“ am Bichl St.Wolfgang Markt 81 ruhte die Glasgerechtigkeit (1550 bis 1780) zur Anfertigung dieser kleinen Kunstobjekte. Es gab auch weiße „WOLFGANGI Flaschen“ wie gemodelte Beutelflaschen mit Zinnverschluß, der klassische Typus ist aber die blaue Wolfgangiflasche mit Wolfgang und Almmotiven.

So war das Bußbrauchtum im Mittelalter eine Art der Übelbekämpfung. Zum Beispiel trug man einen Knaben mit einem Klumpfuß über den Falkenstein um hier am Wolfgangibrunnen Waschungen vorzunehmen, wobei bald die völlige Genesung eintraf. Auch bei Lähmungen, Gelenksschmerzen, Blasensteinen, bei schweren Geburten und Gichtanfällen wurden kalte „Wolfgangi Bäder“ angepriesen. Gesichtsdampfbäder zur Schönheitspflege waren ein Wink. Man gab vielerlei Kräuter in das kochende Wasser und ließ die Dämpfe auf das Gesicht einwirken um ein „rein Angesicht“ zu erhalten. Ein Vorläufer der heute in der Kosmetik hochgepriesenen Gesichtsdampfbädern.

Bischof Wolfgang als Heilkundiger Arzt und Heiler und Helfer, war durch seine Krankheits - und Gesundheitslehre seiner Zeit weit voraus.

Quelle: Email-Zusendung von Adelheid Sungler, 2. Februar 2008

Ergänzungen sind gerne willkommen!