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Masleniza (Fastnachtswoche). Масленица . 27.Februar – 5.März 2006
© Oksana Fedotova

Geschichte des Festes. Masleniza ist eines der russischen Kalenderfeste. An diesem Fest wurden der Eintritt des Frühlings und der Abschied vom Winter gefeiert. Masleniza ist ein slawisches Fest, das wir von der heidnischen Kultur geerbt haben und das nach der Christianisierung Russlands erhalten blieb.

Die alten Slawen, wie viele heidnische Völker, hatten ein Fest, an dem man sich vom Winter verabschiedete und über den Eintritt des Frühlings freute. Die Slawen feierten das Fest Weles zu Ehre, dem Gott der Fruchtbarkeit und Viehzucht.

Nach der Christianisierung Russlands hat man das Fest erhalten, aber es galt vor allem als Volksfest, dessen Traditionen sich im Bauernleben geformt hatten. Von der Kirche wurde Masleniza nicht gefeiert, sie übte ihren Einfluss nur im Brauch aus, dass man kein Fleisch in dieser Woche aß und alle am Sonntag vor Fasten um Vergebung bat. Das war das größte vorchristliche Fest, das von der Kirche nicht neu erfasst wurde und dadurch viele archaische Elemente erhalten konnte.

Seit dem 16. Jahrhundert wird das Fest Masleniza genannt, denn seine Hauptattribute sind berühmte russische butterige Bliny (Butter auf Russisch масло [maslo]). Bliny (russisch блины - Teigspeisen, den (flachen) Pfannkuchen ähnlich) symbolisierten dank ihrer runden Form die Sonne, die immer höher und früher aufgeht und damit den Frühling und den Sommer heranrückt. In orthodoxen Ländern beginnt Masleniza eine Woche vor der Grossen Fastenzeit, die sieben Wochen dauert und mit Ostern endet.

Bliny Блины  © Oksana Fedotova

Bliny Блины
© Oksana Fedotova, 28. Februar 2006

 

Bliny, Kuchen Блины , пироги  © Oksana Fedotova

Bliny, Kuchen Блины , пироги
© Oksana Fedotova, 28. Februar 2006

Masleniza selbst ist dazu noch eine Figur aus der slawischen Mythologie, die Winter und Tod verkörperte. Der Name des Festes wurde schon in alten Zeiten auf eine Figur übertragen, der man am Anfang des Festes einen feierlichen Empfang mit Gesang bereitete. Den Namen Masleniza trägt also eine Strohpuppe, die in Frauenkleidung angezogen wird, mit einem Blin (Singular von Bliny) oder einer Pfanne in der Hand. Mit dieser Strohpuppe hatte man viel Spaß während der Festwoche und am Ende des Festes wurde die Puppe begraben oder man verabschiedete sich von ihr, wobei man sie am Dorfrande in kleinste Stücke zerriss. In meisten Fällen wurde die Strohpuppe verbrannt. Zum Vergleich wurde bei westlichen Slawen nach Frühlingsbräuchen die Strohpuppe ertränkt (oder auch verbrannt), das sollte eine gute Ernte sichern. Die Puppe hieß bei ihnen Marena und verkörperte auch Tod und Winter, benannt nach der altslawischen Göttin Mara/Marena, der Göttin des Todes, die mit saisonbedingten Ritualen des Sterbens und der Wiederbelebung der Natur verbunden war.

Interessant: Im katholischen und orthodoxen Bereich hat sich zwar die uralte Tradition der Feier des Frühlingsanfangs infolge der hundertjahrelangen Geschichte zu verschiedenen Festen entwickelt, die auf verschiedene Weisen gefeiert werden und verschiedene Bedeutungen haben, es lassen sich doch gemeinsame Züge finden:

Zitat: „In der Nacht zu Mittwoch um Punkt Mitternacht endet der Karneval und es gibt an vielen Orten die Tradition, dass die Karnevalisten in dieser Nacht eine Strohpuppe, den so genannten Nubbel oder Bandle, als Verantwortlichen für alle Laster der karnevalistischen Tage, vor allem wegen des ausgegebenen Geldes, verbrennen“.

[Enzyklopädie: Karneval, Fastnacht und Fasching. DB Sonderband: Wikipedia 2005/2006, S. 422709-10]

Masleniza

Masleniza ist das letzte Winterfest, das von allen beliebt wird, weil es den Eintritt des langersehnten Frühlings nach dem langen kalten Winter kennzeichnet. Das Fest dauert eine Woche und weil der Fleischverzicht schon während dieser Woche gilt, wird sie im Volk „Käsewoche“ ( Сырная неделя ) genannt (nicht „Milchwoche“, wie es bei Wikipedia steht!). In Kirchenbüchern wird diese Zeit auch als „Käsewoche“ bezeichnet. Nach christlichen Kanonen darf man in dieser Woche Käse und Eier noch essen und Milch trinken. Es ist eine Übergangsperiode vom Mjasojed ( Мясоед , russisch „mjaso“ – Fleisch, „jest´“ – essen - die Zeit von Weihnachten bis Masleniza wo man viel Fleisch gegessen hat) zum Fasten, und der letzte Sonntag vor Masleniza hieß im Volk Fleischsonntag ( Мясное воскресенье ) .

Fischkuchen Кулебяки  © Oksana Fedotova

Fischkuchen Кулебяки
© Oksana Fedotova, 28. Februar 2006

Masleniza hat im Leben der Menschen eine sehr große Rolle gespielt, davon zeugen die Bezeichnungen der Festwoche, die sie in verschiedenen Orten bekommen hat: breite Masleniza, lustige Masleniza, Herrin Masleniza, Bojarin (historisch, Bezeichnung für eine reiche vornehme Frau) Masleniza.

Die Hauptmerkmale des Festes sind lustiger Gesang, Fastnachtsspiele, Rodelpartien, verschiedene Belustigungen, es ist die Zeit der Fröhlichkeit, Heiterkeit und Ausgelassenheit.

Die Hauptattribute des Festes wie schon oben gesagt sind die Strohpuppe Masleniza und die Bliny. Bliny sind sehr eng mit russischer Kultur verbunden, die Historiker haben herausgefunden, dass Bliny bei uns viel früher als Brot erschienen. Zu Masleniza wurden sie in großen Mengen gebacken, jede Hausfrau hatte ihr eigenes Rezept für Bliny, das sie im Geheimnis wahrte. Bliny konnten dick oder ganz dünn sein, groß wie Pfanne oder klein wie Untertasse, man aß sie mit Butter, Quark, saurer Sahne, Honig, Pilzen. Bekannt sind gerollte Bliny mit Füllung aus Kartoffel, Quark, Pilzen, Kohl. Bliny selbst wurden aus Weizenmehl, Buchweizenmehl, Hafermehl oder Hirsemehl gebacken. In der Fastnachtswoche hat man zu einander zu Gast gegangen, um Bliny zu essen und Tee zu trinken. Und früher war eine Teezeremonie ohne unseren berühmten russischen Samowar nicht vorstellbar. Die bekanntesten Samoware wurden immer in der altrussischen Stadt Tula hergestellt.

Samowar © Oksana Fedotova

Tula-Samowar. Ende des 19. - Anfang des 20.Jh. Museum für bildende Kunst, Archangelsk.
© Oksana Fedotova, Februar 2006.

Samowar © Oksana Fedotova

Tula-Samowar. Ende des 19. - Anfang des 20.Jh. Museum für bildende Kunst, Archangelsk.
© Oksana Fedotova, Februar 2006.

Die Zeitperiode von Epiphanias bis zur Fastnachtswoche hieß „Hochzeitswochen“ ( Свадебные недели ) . In dieser Zeit wurden Hochzeiten gefeiert. Für jene, die noch nicht geheiratet waren, diente Masleniza als Erinnerung daran, dass es höchste Zeit zum Heiraten wurde. Alle unverheirateten jüngen Männer und Frauen mussten in dieser Zeit sehr leiden, denn sie wurden mit Spott und Hohn überschüttet. An ihre Kleidung hingen die Spaßvögel unbemerkt verschiedene Holzspäne an und um diesen „Schandschmuck“ los zu werden, musste den Spaßvögeln bestimmte Einlösung gegeben werden.

Jeder Wochentag der Festwoche hatte seine eigene Bezeichnung und seine eigene Bedeutung.

 

Montag. Встреча. Empfang.

Am ersten Tag wurde Masleniza empfangen und man begann die Bliny zu backen. An diesem Tag wurde die Schwiegertochter (die Ehefrau des Sohnes) für den ganzen Tag zu ihren Eltern geschickt. Sie musste ihnen mit Haushalt helfen, denn am Abend kamen die Schwiegereltern (die Eltern des Ehemannes) zu Besuch und am feierlich gedeckten Tisch wurde von ihnen bestimmt, wie die Woche gefeiert werden musste, wen man aus der Verwandtschaft an welchem Tage besuchen musste.

Zu den jungen Paaren, die zum ersten Mal selbständig Masleniza feierten, kam früh am Morgen die Schwiegermutter und lehrte ihre Tochter, wie man gute Bliny backen musste.

Es gibt im Russischen ein bekanntes Sprichwort: Первый блин комом . Wörtliche Übersetzung ins Deutsche lautet – Der erste Pfannkuchen wie Klumpen verkohlt. Das deutsche entsprechende Sprichwort /wie in allen Wörterbüchern angegeben/ - Aller Anfang ist schwer. Die Bedeutung ist jedem klar und wir Russen meinen auch immer dasselbe, wenn wir unser Sprichwort im Alltag verwenden. Wenn uns am Anfang etwas misslingt, seufzen wir und sagen das mit Verständnis und Hoffnung darauf, dass es dann besser geht.

Ursprünglich hatte doch das russische Sprichwort eine ganz andere Bedeutung. Es gab einen heidnischen Volksglauben, dass sich die Seelen der verstorbenen Verwandten mit Frühlingsanfang auf die Erde niederlassen, um ihren Nachkommen im Leben zu helfen. Darum wurde es zum Brauch, dass der erste gebackene Blin nicht gegessen wurde, sondern man legte ihn auf das Fenster für die Vorfahren.

 

Dienstag. Заигрыш. (Anfang der Spiele).

 Der zweite Tag wurde den Jungverheirateten gegeben. Die jungen Ehepaare, die im Laufe von Hochzeitswochen geheiratet haben, wurden zum Schneeberg eingeladen und mussten rodeln. Das war besonders im Norden Russlands verbreitet.

Am Fluss Pinega (Archangelsker Gebiet) wurde das Rodeln der Jungvermählten zu einem besonderen Ritual geworden. Die jungen Frauen wurden der Reihe nach herausgerufen, eine trat hervor, verbeugte sich, setzte sich in den Schlitten zu ihrem Mann und küsste ihn. Die anderen hielten den Schlitten fest und ließen die Frau ihren Mann 10-15mal küssen. Erst als sie zufrieden waren, gaben sie dem Schlitten einen Anstoß und das junge Ehepaar rannte hinunter. Das alles wurde natürlich von lustigen Liedern begleitet.

 

Holzschlitten © Oksana Fedotova

Bemalte Holzschlitten. Anfang des 20.Jh. Museum für bildende Kunst, Archangelsk.
© Oksana Fedotova, Februar 2006.

Die Rodelpartien und Masleniza selbst hatten wie schon erwähnt ein bestimmtes Ziel – den ledigen jungen Leuten zu helfen, ihr Paar zu finden. Die Liebe war das Hauptthema des zweiten Tages, alle unverheirateten Männer und Frauen wählten einen zukünftigen Geliebten oder eine Geliebte aus. Die Jungverheirateten durften sich vor aller Augen küssen.

 

Mittwoch. Лакомка . Leckertag.

 Am Mittwoch wurde weiter gefeiert, mit Spielen, Rodeln, Liedern.

Die unverheirateten Männer wurden bestrafen – sie mussten mit einem Holzscheit, der an ihr Bein gebunden wurde, über die Straße gehen. Wenn man das nicht wollte, musste man auch Einlösung zahlen (Süßigkeiten, Bliny).

Die Jungverheirateten dafür standen am Mittwoch in hohem Ansehen. Sie zogen ihre besten Kleider an und fuhren Schlitten.

Das wichtigste Ereignis des Tages war jedoch, dass jede Schwiegermutter ihre Schwiegersöhne zu Gast einladen musste, und noch andere Verwandtschaft, damit es den lieben Schwiegersöhnen nicht langweilig war. Dazu musste sie natürlich viele Bliny backen und den Tisch reichlich decken. Die verkleideten Gäste machten Vorstellungen, die erzählten, wie die Schwiegermutter für ihren Schwiegersohn Bliny buk und wie er sich bei ihr dann bedankte. Besonders ruinös war Masleniza also für Familien, die viele Töchter hatten.

 

Donnerstag. Разгул. Der Tag der Ausgelassenheit.

 Kulmination des Festes .

Besonders beliebt waren an jenem Tage Faustkämpfe oder Ballspiele, wo Bursche und Männer aus einigen Dörfern zum Fluss gingen, sich in 2 Mannschaften teilten und einen Lumpenball mit Beinen vor sich her trieben (Analogie zum heutigen Fußball).

An diesem Tag setzte man die Strohpuppe Masleniza in den Schlitten, die Menschen verkleideten sich und gingen mit der Strohpuppe im Zug mit Gesang über das Dorf.

 

Freitag . Тёщины вечера. Die Abende der Schwiegermutter (der Mutter der Ehefrau).

 An diesem Tag hat der Schwiegersohn seine Schwiegermutter zu Besuch eingeladen und sie reichlich bewirtet. Damit erwies er der Familie seiner Frau die Ehre.

 

Samstag. Золовкины посиделки. Besuche der Schwägerin.

 An diesem Tag musste die junge Ehefrau ihre Schwägerinnen (die Schwestern des Ehemannes) zu Gast einladen und sie auch beschenken.

 

Sonntag . Прощеное воскресенье. Der vergebene Sonntag.

Der letzte Tag, der Abschied. An diesem Tag wurde die Strohpuppe in einem großen Feuer verbrannt. Zu diesem Feuer, das gewöhnlich am Dorfrand gemacht wurde, wurde die Puppe von einer Prozession gebracht, alle Einwohner nahmen daran teil. Die Asche wurde dann über die Felder verstreut, um eine gute Ernte zu bekommen.

In Dörfern wurden noch mehrere Feuer gemacht, in denen alte Sachen verbrannt wurden, die schon nicht nützlich sein konnten.

Das war der letzte Tag vor Fasten, man bereitete sich darauf vor, indem man alle um Vergebung bat. Die Menschen strebten nach der Befreiung von sündhaften Gedanken. Man ging zum Friedhof und ließ auf den Gräbern der Verwandten Bliny und bat sie auch in Gedanken um Vergebung.

Am letzten Tag der Fastnachtswoche besuchten die Neuverheirateten ihre Verwandten und beschenkten sie für die Geschenke, die sie von ihnen zu ihrer Hochzeit bekommen haben.

Quelle:

  • Enzyklopädie der russischen Feste. Sankt-Petersburger Verlag RESPEKS, 1997.- S.122-128.

Wie gesagt wurde Masleniza ursprünglich und vor allem von Bauern in Dörfern und Siedlungen gefeiert, da viele Bräuche dieser Woche darauf gerichtet waren, eine gute Ernte zu bekommen. Das Rodeln war dabei auch nicht einfach ein Zeitvertreib, sondern ein Ritual. Man glaubte z.B., dass bei jener Frau, die weiter als die anderen den Berg hinunterfährt, der Flachs besser wachsen wird.

Im 18.Jahrhundert ist Masleniza in die großen Städte gekommen, die Anregung dazu hat unser Zar Peter der Große gegeben. In  seiner Regierungszeit wurde Masleniza mit aller Pracht in Sankt-Petersburg gefeiert, er selbst hat daran aktiv teilgenommen. Er wollte sich aber mit unseren Traditionen allein nicht zufrieden geben und hat dem europäischen Karneval seine Umzüge und Verkleidungen übernommen. Seine Nachfolger setzten es mit den Traditionsvermischungen fort, so vereinigten sich die altrussische Masleniza und der europäische Karneval in dieser Zeitperiode zu einem besonderen Fest.

Während der Sowjetzeit hat man Masleniza auch gefeiert, nur nicht so prachtvoll.

Es ist offensichtlich, dass Masleniza als ein äußerst wichtiges Fest mit seinen Aufgaben und Ritualen den ursprünglichen Sinn teilweise verloren hat, und sich einfach in ein Fest transformiert, an dem man sich vom Winter verabschiedet und den Frühlingsanfang feiert. Dieses modifizierte Fest hat im 20.Jahrhundert auch den zweiten Namen bekommen – „Verabschiedung vom Russischen Winter“ ( Проводы Русской зимы ) .

Dazu gibt es auch gleiche Spiele und Belustigungen, aber nicht immer wird dabei eine Strohpuppe als Symbol für den Winter verbrannt. Und das Fest selbst wird in verschiedenen Orten zu verschiedener Zeit gefeiert, manchmal ist es am letzten Tag der Fastnachtswoche (dann heißt es „Masleniza, Verabschiedung vom Russischen Winter“), manchmal an einem beliebigen Sonntag im März.

Man kann also nicht mit Sicherheit sagen, dass es immer um ein und dasselbe Fest geht. Ich habe z.B. in Nachrichten gehört, dass die Stadt Smolensk (bei Moskau) das Fest "Verabschiedung vom Russischen Winter" schon am 24.Februar gefeiert hat, obwohl die Fastnachtswoche in Russland dieses Jahr erst am 27.Februar beginnt.

Noch ein Beispiel: Meine Mutter stammt aus einem Dorf am Fluss Mesen (Archangelsker Gebiet, Leschukonskij Bezirk), sie erzählte, man hat in Lebskoje (so heißt ihr Heimatdorf) nie Masleniza gefeiert, sondern eben „Verabschiedung vom Russischen Winter“. Nie hat sie es in ihrer Kindheit und ihren Schuljahren erlebt, dass eine Strohpuppe verbrannt wurde.

Dieses Fest wurde aber im Dorf sowie in anderen Dörfern an der Mesen auf gleiche Art und Weise gefeiert, wie es uns die traditionellen Masleniza-Beschreibungen zeigen.

Nur lässt sich da noch etwas Interessantes finden, ein Zeugnis dafür, wie sich die alten Feste mit hundertjährigen Traditionen dem modernen Leben anpassen können, indem sie Elemente anderer Feste aufnehmen. In diesem konkreten Fall geht es um Verflechtung der Feste Masleniza und Neujahr. Die Hauptfiguren der Neujahrsfeier sind Ded Moros und Snegurotschka (siehe Bericht „Das Neujahr in Russland“), und weil man sich zu Masleniza vom Winter verabschiedet, kommen Ded Moros und seine Enkelin an diesem Tag, um sich auch von Menschen zu verabschieden.

Die Fotos unten zeigen gerade die Feier der Verabschiedung vom Russischen Winter in nördlichen Dörfern an der Mesen. Auf dem ersten Foto (das Dorf Selische) rechts stehen zwei Personen, die sich als Ded Moros (im langen Mantel mit Schnurrbart) und Snegurotschka verkleidet haben. Die Rolle des Schneemädchens hat meine Mutter gespielt, sie war aber etwas ungeschickt und im Moment, wo das Foto gemacht wurde, verbeugte sie sich, um ihre gefallene Handschuh vom Boden aufzuheben. Die Frauen zogen an diesem Fest ihre Tracht an (die vier auf dem Foto) und sangen lustige Lieder.

Selische an der Mesen 1973 © Familie Fedotova

Verabschiedung vom Russischen Winter. Selische an der Mesen. 1973.
© Familie Fedotova, 1973.

Auf diesem Foto (das Dorf Kojnas, Archangelsker Gebiet, Leschukonskij Bezirk) sitzen Ded Moros und seine Schneeenkelin auf Schlitten (diese Snegurotschka war Freundin meiner Mutter, das Jahr unbekannt, musste aber auch in 70er Jahren sein).

 

Verabschiedung vom Russischen Winter. Kojnas. 1970-er Jahre.
© Familie Fedotova, 1973.

In meiner Heimatstadt Mirny (Archangelsker Gebiet) hat man auch immer "Verabschiedung vom Russischen Winter" gefeiert und ich bin nicht sicher, dass es immer am Masleniza-Sonntag stattfand. Es gab keine Strohpuppe zum Verbrennen, dafür wurden auf dem Platz Verkaufsstände aufgestellt, wo man
Süßigkeiten, Kuchen und andere Naschereien kriegen konnte.

Da Mirny eine Militärstadt ist, wurde es bei uns zur Tradition, dass die Soldaten an diesem feierlichen Sonntag für die Stadteinwohner Soldatenbrei kochen und jeder Einwohner kann in einem speziellen Zelt einen ganzen Teller Brei bekommen. Hat mir immer gut geschmeckt :-)

Im Zentrum des Festes war eine altrussische Belustigung, deren Beschreibung in vielen literarischen Werken und auf vielen Bildern zu treffen ist. In der Mitte des Platzes wird ein großer glatter Pfahl aufgestellt und die Männer versuchen, ihre Kraft und Geschicklichkeit zu zeigen, indem sie auf diesen Pfahl klettern. Wer es bis zur Ebene schafft, verdient Beifall und Anerkennung des Publikums und dazu noch einen Preis. Ganz oben werden gewöhnlich bunte Luftballons angebunden mit kleinen Zetteln drin. Wenn jemand die Ebene erreicht, darf er einen Luftballon platzen und den wohl verdienten Preis, der auf dem Zettel geschrieben steht, bekommen.



Der feierliche Tag, Kopylow B.I.

Kopylow B.I. Der feierliche Tag. 1970, Fragment. Das Museum für bildende Kunst, Archangelsk.
Reproduktion: Oksana Fedotova

Archangelsk gehört zu jenen russischen Städten, die Masleniza feiern. Für die Fastnachtswoche 2006 sind viele Veranstaltungen geplant, im Festprogramm:

- „Geburt von Masleniza“: „kreative Werkstätten“ in Kultureinrichtungen. In Kunstschulen, Kulturzentren werden die Kinder die Traditionen der Masleniza-Feier kennen lernen, auch ihre eigenen Strohpuppen Masleniza basteln.

- Verschiedene Ausstellungen zum Thema „Masleniza“ in Bibliotheken und Museen der Stadt.

- Konzerte der Folkloregruppen, Masleniza gewidmet.

- Am 5.März, dem vergebenen Sonntag, vergeben alle Bibliotheken ihren Lesern die „Schulden“. Wenn man bei uns ein Buch nicht rechtzeitig in die Bibliothek zurückbringt, muss man Verzugszinsen zahlen. Wenn man an diesem Sonntag das Buch zurückbringt, wird man dafür nicht bestraft. Über diese Tradition freuen sich besonders Studenten, denn bei ihnen kommt es oft vor, dass sie dies oder jenes Buch bei sich entdecken, dessen Leihfrist schon längst vorbei ist.

- Am Sonntag werden für Kinder und Erwachsene auf Stadtplätzen und auf der Uferstraße verschiedene Spiele veranstaltet. Man sagt, in diesem Jahr wird es zum ersten Mal auch einen Umzug geben. Mal sehen, vielleicht übernehmen wir auch etwas vom europäischen oder brasilianischen Karneval.

- Rodelpartien, einen Preisepfahl wird es auch dieses Jahr geben.

- Zum Schluss wird am Fluss die Strohpuppe Masleniza verbrannt.

In Sewerodwinsk (die Nachbarstadt von Archangelsk) hat man einen Wettbewerb angekündigt, zum Aufbau der besten Masleniza-Puppe. Die Wettbewerbsbedingungen bestimmen: die Puppe muss 1,5-3 m hoch sein, aus Lumpen, Stroh, Baumzweigen gemacht werden und natürlich den traditionellen Vorstellungen entsprechen. Alle Puppen werden auf dem Hauptplatz errichtet und dann wird am 5.März die beste ausgewählt.

zum Foto-Bericht von Masleniza-2006.

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