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Schlimme Augen,

d.h. kranke, kann man bekommen, wenn man einen Augenstein (Gnatzstein, Quarz) längere Zeit ansieht. (Dönhoffstädt.)

Bei Augenkrankheiten Pflegen die Masuren wie auch die Littauer gerne Lichte der Kirche zu schenken mit der Bestimmung, daß dieselben beim Gottesdienste brennen sollen. (Hintz, S. 14.)

Ein sehr wirksames Mittel gegen Krankheit der Augen ist das Osterwasser, und namentlich hilft es, wenn man am ersten Ostermorgen vor Sonnenaufgang aus einem fließenden Gewässer sich wäscht. Eine Entzündung der Augenlieder nennt man in der Gegend von Wehlau Escherschringe. Will man hiergegen rathen, so nimmt man einen Ofenwisch, macht mit demselben vor den Augen des Kranken ein Kreuz und spricht:

Die Escherschringe plagt dich,
Der Ofenwisch verjagt sie!
Im Namen etc.

Ein sogenanntes Gerstenkorn am Auge kann sehr leicht beseitigt werden, wenn Jemand unaufgefordert zu dem damit Behafteten sagt: Du Haft ein Dreck am Auge! In Masuren bestreicht man dasselbe dreimal mit dem Trauringe der Mutter. (Töppen, S. 54.)

Gegen den grauen Staar hat man in Masuren folgende Zauberformel:

Morgens. Wie hier die dunkle Nacht dem hellen Tage weichet, so soll auch von diesem Getauften (Name der kranken Person) der Staar entweichen, von seinem Auge, von seinem Augapfel, von dem Weißen seines Auges, und diese Geschwüre, sie sollen vertrocknen, verschwinden, Niemand soll wissen, wo sie geblieben, durch Gottes Macht, des Sohnes Gottes und des heiligen Geistes Hülfe.

Abends. Abendröthe, Abendröthchen, des Herrn Jesu Diener, ihr dienet dem Herrn Jesus Christus bei Tage, bei Nacht, so dienet auch diesem Getauften (Name), damit ihr den Staar von seinem Auge, von seinem Augapfel und von dem Weißen seines Auges beseitigt durch Gottes Macht, des Sohnes Gottes und des heiligen Geistes Hülfe. Amen, Amen, Amen!
(Töppen, S. 47.)

Ist einem Stück Vieh oder Pferde in's Auge geschlagen oder gestoßen, so daß man fürchten muß, es könne das Auge verlieren, so wendet man dieses Unglück durch folgenden Zauberspruch ab:

Es gingen drei Brüder frisch aus. Es begegnete ihnen der liebe Herr Jesus Christ und fragt sie: Was suchet ihr? Wir suchen das Kraut, das vor allem Schaden gut ist. Gehet hin auf den Mosisberg, nehmet das Oel von den Blumen der Wollen- und Schafgarben, drückt drauf und drein, daß nichts geschwärt noch begehrt, daß es keinen Eiter mehr giebt.
Im Namen etc.

Die Besprechung wird dreimal hintereinander vor Sonnenaufgang wiederholt. (Neudorf bei Graudenz.)

Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870. S. 32 - 34.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juli 2005.
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