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Wider den kalten Brand, Flugbrand etc.

1. Man bestreicht die kranke Stelle mit einem Feuerstahl, beobachtet die Zeit vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang und spricht dabei:

Herr Jesu Christ, Gottes Sohn
Ueber's ganze Land,
Ich rath' für Feuer und Brand
Durch deine milde Hand.
I. N. G. etc.
(Bürgersdorf bei Wehlau. N. Pr. Pr.-Bl. VIII, S. 24.)

2. Unser Herr Jesus Christus
Mit sein molideitem Hand
Ging durch das ganze Land,
Nimmt ab alle feurige Brand.
I. N. G. etc. (Allenburg.)

(In dem "Wassersegen" aus dem 15. Jahrh., mitgetheilt in dem "Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit". Neue Folge. Jahrg. 1862 (Bd. IX.), Sp. 155 heißt es: "Ich beswere dich bi den malendichten wunden" etc.)

3. Ich umfang' und bind' den kalten Brand.
Kommt ihm Luft oder Zug,
So thue er keinen Flug,
Haut, Fleisch und Bein
Soll aussehn, wie es war von Anfang - rein!
I. N. G. etc.

4. Der heilige St. Lorenz der saß auf einem Roß,
Gott der Herr gab ihm den Troß
Und segnet' ihm mit seiner göttlichen Hand
Den Gift- und kalten Rosenbrand,
Daß er nicht weiter um sich fraß
Und aufhört' da, wo er anfangs saß!
I. N. G. etc.

5. Unsere liebe Mutter Gottes und der Herr Jesus zogen über Land,
Die Mutter führte das Kind an ihrer schloweißen Hand,
Sie segnete den vergifteten Brand,
Daß er nicht weiter griff und stand gebannt,
Daß er nicht in Beine, in Arm, in Schwäre
Und niemals in den Leib begehre,
Bis die liebe Mutter Gottes ein ander Kind Gottes gebäre.
I. N. G. etc.
(3-5 aus Neudorf bei Graudenz.)

6. Ich saß unter einem großen Baum
Und sah nach dem weiten Himmelsraum,
Da kam Mutter Maria mit dem alten Mann,
Der das Geschoß und den kalten Brand besprechen kann:
Du sollst verschwinden wie der Todte im Grabe,
Wie der Thau im Grase!
I. N. G. etc.
Bei der Besprechung ist ein Feuerstahl zu brauchen.
(Wehlau.)

7. O du wilder, verfluchter Flugbrand,
Du hast schon lang geherrscht in diesem Rand,
In dieser Galle, in Fleisch und Blut,
Drum ziehe aus, du verdammtes Gut!
Weich aus der Galle,
Weich aus dem Fleisch und Blut und aus den Adern allen! † † †
I. N. G. etc.

Bei Nennung der drei höchsten Namen fahre dem Vieh von der Nase über den Rücken und Schwanz an den Füßen hinunter. Auch lasse dem Vieh Blut und gieb ihm 8 Loth Salpeter mit Essig auf zweimal. (Neudorf bei Graudenz.)

Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870. S. 39 - 41.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juli 2005.
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