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Gegen allerlei Krankheit.

1. Wenn ein Stück Vieh krank ist, und man weiß nicht, was ihm fehlt, so spricht man ihm dreimal in das rechte Ohr:

Beim Fressen verhungre nicht,
Beim Wasser verdurste nicht,
Und beim Feuer verfriere nicht!

Dabei nimmt man den rechten Rockschoß in die rechte Hand und fährt von der Nase über den Rücken und Schwanz bis zu den Füßen hinunter, während man spricht:

Ich weiß nicht, was dir fehlt,
Das weiß der liebe Herr Jesus Christ,
Der in der Rinderkrippe geboren ist!
Dreimal.
(Neudorf bei Graudenz.)

2. Gegen Krankheiten verschiedener Art werden, außer der gegen den Biß des tollen Hundes bereits angeführten: Sator- und der allgemein bekannten: Abracadabra-Formel, noch nachfolgende Formeln angewandt. Man schreibt sie auf kleine Zettel und giebt diese dem Kranken ein oder reibt damit die betreffende Wunde.

a) Iran + Tiran + castan
+ cacasten +Eremiton
+ in + nomine + Patris
+ et + Filii et + spiri.
+ sanct. + Amen +.

b) aron + y aran +
syran + cyron +
ceraston + crisan
castan + Bastan +
syran + castan +
operam + catha +
eron + et stacyden +
tetragramatan + et ay +
ab onay + ostanum +
ab unos + avit + militia +
et + lingua + continab +
+ davin + et + verbum +
curo + factum + et XXXXXX
et habitavi + + et XXXXXXX

(v. Tettau und Temme, S. 270, 271.)

Gegen viele Krankheiten, ja selbst gegen den Teufel, der Einen besessen, hilft eine Wallfahrt nach der heiligen Linde, welche deshalb auch von Evangelischen unternommen wird. (Vom Aberglauben etc. Pr. Pr.-Bl. VIII, S. 186 f.)

In der Hohensteiner Gegend kocht man gegen verschiedene Krankheiten Thee aus den Blüthen der am Johannisabend gewundenen Kränze. (Töppen, S. 71.)

Schweine schützt man gegen Krankheit durch nachfolgende Formel:

Ich segne meine Schweine gegen Krankheit. Hast du deine Schweine zu Hause? Nein, ich habe sie nicht. Gehe, rufe sie in den Hausflur und gieb ihnen Gerste. Welches von der Gerste frißt, dem wird nichts geschehen. Nicht durch meine etc.

Man muß Gerste in Hosen füllen und dreimal durch den Schornstein werfen, dabei den vorstehenden Segen sprechen und dann die Gerste den Schweinen geben.
(Töppen, S. 48.)


Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870. S. 103ff
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juli 2005.
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