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Woran man erkennt daß Menschen oder Vieh behext sind.

Es hält nicht schwer, zu gewahren, ob wir selbst, unsere Kinder oder unser Vieh verhext, verrufen sind. Die frischesten Kinder fangen an zu quimen, d. h. dahinzuwelken, das gesundeste Vieh kränkelt, wenn es verrufen ist; durch Zauberspruch verrufene Menschen und Thiere bekommen ein Zittern in den Gliedern, so daß sie weder gehen noch stehen können, auch bricht ihnen heftiger Schweiß aus. Will man erfahren, ob ein ungetauftes Kind verrufen sei, so braucht die Mutter nur mit der Zunge über seine Stirne zu fahren: - zeigt sich ein salziger Geschmack, so ist die Verrufung außer Zweifel. Verrufene Kinder weinen heftig.

Wenn die Milch, noch während sie süß ist, schon gerinnt und lang wird, so ist die Kuh verhext. (Wehlau.) Das Gleiche gilt, wenn eine sonst gute Kuh mit einemmale nur wenige oder röthliche Milch giebt, oder wenn diese - was übrigens oft genug vorkommt - nach Kuhdünger riecht. Verhext ist das Vieh, wenn es plötzlich erkrankt. (Littauen. [Litauen])*)

*) In letzterer Zeit sind die Bewohner der Provinz sehr häufig durch Bärenführer geprellt worden, welche vorgaben, ihre Thiere seien im Stande, die Hexerei zu wittern. Ist der Stall verhext, so geht der Bär nur gezwungen hinein - welche Weigerung regelmäßig erfolgt. Nun wird Preis gemacht, um welchen der Bärenführer den Zauber entfernt. Es sind 1 bis 10 Thaler gezahlt worden. Die Bannung des Zaubers gelingt jedesmal: der Bär geht zum Beweise, daß der Stall nunmehr vom Zauber rein, ohne Zaudern in denselben.

Quelle: H. Frischbier, Hexenspruch und Zauberbann. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens in der Provinz Preußen, Berlin 1870. S. 8.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Gabriele U., Juli 2005.
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