SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  624 - Niedergeschlagenheit der Bayern
 

 

kritisch geworden. Als die Soldaten nach Abbruch der Schlacht einrückten, sahen sie sich auf halbe Ration gesetzt. Die Munition war stark verschossen. 1) Der 13. ging nicht zu Ende, ohne dass Lefebre noch die Kunde von einem schweren Unfall empfing. Am Abend vorher war Oberst Arco mit seinem Korps nach Unterinntal abgegangen. Von Volders an wurde er von der südlichen Bergseite her stetig beunruhigt. 2) An einer schmalen Straßenstelle unterhalb Pill, bei der Heiligkreuzkapelle, war die Passage verbaut. Arco ritt vor, aus dem Walde prasselte plötzlich ein Kugelregen, der Oberst fiel tot vom Pferd. 3) Diese Todesbotschaft bestärkte den Marschall in der Überzeugung, dass seine einzige Rückzugslinie bedroht sei. Jegliche Hoffnung, sich halten zu können, war ihm geschwunden. Das bedeutete den Sieg der Tiroler in der Augustschlacht am Berg Isel. In welcher Verfassung sich Lefebre nach derselben fühlte, hat er vor dem bayrischen König ausgesprochen: „Nachdem der Feind meine rückwärtigen Verbindungen hatte unterbrechen lassen, griff er mich am 13. bei Innsbruck an. Ich behauptete meine Stellung, aber der Kampf, welcher übrigens wenig Bedeutung (!) hatte, kostete eine Menge Offiziere und beeinflusste die Moral der Armee. Die sich verbreitenden Gerüchte, dass der Feind unsere rückwärtigen Verbindungen besetzt hätte, verursachten einen so starken Eindruck auf die Armee, dass ich nicht Gefahr laufen wollte, sie gänzlich zu verlieren, was mir wohl begegnet wäre, wenn ich von neuem angegriffen hätte. Diese Erwägung hat mich, ebenso wie die Schwierigkeit, Lebensmittel zu beschaffen, bestimmt, eine rückgängige Bewegung anzutreten." 4) Das ist die Sprache eines Feldherrn, der sich geschlagen sieht. Die bayrische Generalität hat sich später gegen Lefebres Argumente verwahrt, soweit sie sich auf die Qualität und Schlagfertigkeit der Mannschaft bezogen. Wenn Demoralisation statthatte, schrieb General Rechberg, so entstand sie nicht in der Truppe, sondern musste von oben herunterkommen und zwar von jener Stelle, die den Rückzug notwendig fand und befahl. Nun wäre es zwar höchst ungerecht, dem bayrischen Soldaten die verdiente Anerkennung für seine gerade in den so schwierigen Augustkämpfen bewiesene Bravour und Aufopferung vorzuenthalten. Wäre es aber zum verwundern, wenn die physischen Kräfte zu versagen und die moralische Zuversicht zu wanken begannen? Gegen den Bayer Rechberg

1) Patsch, welcher die Verwundeten im Wiltener Stift pflegte, hörte dort die Offiziere unter sich besprechen, dass Fortsetzung des Kampfes unmöglich sei, da die Vorräte ausgegangen.
2) In Volders und in dem kaum aufgebauten Wattens zündeten die Soldaten Häuser an.
3) Oberst Oberndorf an Montgelas (den Schwager Arcos), Rattenberg 13. August: „Eine Kugel ging ihm mitten durch das Gehirn, so dass er nichts mehr zu leiden hatte." M. St.
4) Nach dem französ. Or. bei Völderndorff II, 328 übers. v. Maretich II, 361.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 624
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.