SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  533 - Die ersten Berichte über Wagram
 

 

die heißblütigsten Napoleonshasser bei Hofe, welche, noch in Unkenntnis von der zweiten Befreiung des Landes, die Tiroler noch mit stärkeren Reizmitteln entflammen zu sollen glaubten, als es in den bisherigen Manifesten geschehen war. In der Furcht, dass Johann ihre Leistung zu stark finden könnte, beschlossen sie, auf seine Vermittlung zu verzichten und das Billet hinter seinem Rücken zu verbreiten. Hormayr begrüßte es als willkommenen Zündstoff und, frei von den Bedenken, die dem Erzherzog gekommen, besorgte er bereitwilligst die weiteste Publizität. Erst viel später hat er, um sich dieses Punktes wegen außer aller Schuld zu setzen, durch ein unredliches Manöver, durch Fälschung nämlich von Sieberers Tagebuch, gerade dem Erzherzog die Schuld an der Verbreitung zugemessen.

Keine von den kaiserlichen Zuschriften, keine von allen, wenn auch noch so übertreibenden Depeschen hat eine so mächtige und anhaltende Wirkung auf das Tiroler Volk ausgeübt wie dieses Wolkersdorfer Handbillet. Die gleichzeitigen Berichterstatter schildern übereinstimmend, wie Jubel und Begeisterung von neuem entfacht wurden, als man las, der Kaiser habe geschworen, Tirol dürfe nie mehr von Österreich getrennt werden. Noch in den Tagen des schwersten Unglücks ist man auf dieses Schreiben zurückgekommen, hat es wie ein Palladium allen anders lautenden Beteuerungen entgegengehalten. Nicht Waffenstillstand, nicht Friedensschluss könne wahr sein, so kalkulierte der fest vertrauende Bauer, da der Kaiser sein Wort gegeben.

Während der ersten Julihälfte gingen noch immer Gerüchte durch das Land, welche die Lage in rosigem Lichte schilderten. In Mantua sollten 4000 gefangene Österreicher sich befreit und der sie bewachenden Besatzung sich bemächtigt haben; in Italien greife der Aufstand gegen die Franzosen immer mehr um sich; die bayrische Königsfamilie, auf der Flucht begriffen, sei gefangen genommen und nach Brünn deportiert worden. Auch die ersten Berichte über die Schlacht von Wagram sickerten nach Tirol durch in Form eines österreichischen Siegesbulletins: acht Tage habe sie gedauert, der Verlust Napoleons sei ungeheuer, 31 seiner Generale seien gefallen oder verwundet, die Strasse von Enzersdorf bis Wien sei mit Blut gefärbt, in Wien lägen 60 000 blessierte Franzosen, Tirol müsse
   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 533
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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