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  477 - Der Kampf am Isel
 

 

Der "Hohlweg" am Bergisel © Wolfgang Morscher

Der "Hohlweg" am Bergisel
hier Kreuzung Hohlweg - Bergiselweg
© Wolfgang Morscher, 23. Mai 2009

 

Der "Hohlweg" am Bergisel © Wolfgang Morscher

Der "Hohlweg" am Bergisel
hier kurz vor der Brennerbundesstraße
© Wolfgang Morscher, 23. Mai 2009

rollten Ertels Soldaten den Gegner allmählich an der Strasse auf, Eisenstecken räumte die Bergseite. Schon im Begriffe, den letzten Waldesrand, von wo der Blick auf die Stadt fällt, zu erreichen, bedräut die Tiroler eine große Gefahr. Durch den zwischen dem Isel und Blumeskopf hinaufführenden Hohlweg war ein frisches bayrisches Bataillon gekommen, das einzelne Abteilungen, welche schon voran waren, in Seite und Rücken anfiel. Rechtzeitig griff Ertel mit seiner Reserve ein, eilte persönlich mit ihr zu Hilfe und jagte den Gegner den gleichen Weg hinunter, auf dem er hinaufgestiegen. Um die Mittagsstunde eröffneten österreichische Kanonen vom Berg Isel-Plateau aus das Feuer gegen die Wiltener Ebene. Die ganze Höhenkette vom Lemmen- bis zum Husslhof war im Besitz der Bauern. Nur in den Höfen am Bergesfuß (Sarnthein, Reseler, Linsingburg) nistete noch der Gegner. Auch diese sollte er noch verlassen müssen.

Gegen 1 Uhr wurde nach Innsbruck gemeldet, dass Landsturm von Oberinntal her an der Seite der Martinswand im Anzuge sei. 1) Vor dessen Annäherung wollte sich Deroy im Besitz der am Morgen innegehabten Höhenstellung sehen. Was er an intakter Mannschaft besitzt, kommandiert er zum Angriff gegen die Bergseite des Isel und des Husslhofes. Mit preiswürdigem Mute schreiten seine Soldaten zum Sturm. Am Husslhof hält Haspinger die Meraner, Stubaier und Buchers Landstürmer zusammen und vereitelt den Bayern jeden Versuch. Die Hauptmasse Deroys, geführt von General Siebein, rennt die Höhen des Iselberges an. Die Wucht der mit gepflanztem Bajonett vorgehenden Kolonnen, hinter denen die im Wiltener Felde stehenden Geschütze einen Hagel von Kugeln und Granaten emporspeien, ist so gewaltig, dass die lockeren Gefechtslinien der Tiroler zerreißen. Die Anstürmenden sind schon daran, die erste Höhe zu gewinnen. Eben auf dieser, dem Plateau, steht Ertel, neben ihm der Sandwirt, der von der Schupfen herbeigekommen.

1) Ausser den bekannten Quellen namentlich auch Knoflach a. a. O. Knoflach markiert in seinem Tagebuch einzelne Schlachtmomente:

¾ 10 komme ich gerade vom Löwenhaus, wo ich mit einem Freunde im Garten fröhlich war. Da hörten wir auf einmal starkes Schießen vom Berg Isel. Die Soldaten im Lager auf dem Saggen erhoben sich. Ich gehe wieder auf das Hausdach.

½ 11 das Schießen dauert fort. Es kommen zwei Wagen voll Verwundete. Die bayrischen Vorposten sind in die Ebene heruntergeflohen. Aus den Bergen bei Wilten wird schrecklich gefeuert.

¾ 12 nun feuern schon 6 österreichische Kanonen, 2 stehen beim Ambraser Schloss, im Wald ¼ Stunde vom Husslhof ist auch eine. Fortwährend werden Verwundete gebracht.

½ 1 fortwährend Verwundete, furchtbare Kanonade, auch von Zirl scheinen die Bauern zu kommen, denn es wird auch schon auf der Höttinger Seite kanoniert usw.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 477
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.