SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  327 - Innsbruck den Franzosen verschlossen
 

 

zum Dorfplatze und kehrte im Oberrauchschen Hause beim Kaufmann Simon Kapferer an. Ermüdet von der unerfreulichen und beschwerlichen Nachtfahrt labte er sich mit seinen Offizieren am dargebotenen Wein und fragte alsbald nach Kinkel. Buchhalter Lener erzählte die Ereignisse des Vortages. Unmöglich, rief der Franzose aus, ich habe Befehl, mich mit dem bayrischen General zu vereinigen. Um sich Gewissheit zu verschaffen, entsandte er den bayrischen Leutnant Margreiter mit zwei Reitern. Wie sie in die Schussweite der Triumphpforte kamen, legte einer der hinter der Barrikade liegenden Schützen, Josef Zimmermann von Imst, 1) an, und der Offizier sank zu Tode getroffen vom Pferde. Seine Begleiter sprengten zum Oberrauch zurück, ihnen folgte das reiterlose Pferd des unglücklichen Leutnants. Dieser Anblick war den Franzosen die Bestätigung dessen, was sie bisher nicht hatten glauben können. Aber Bisson drängte es, von Kinkel selbst aufgeklärt zu werden. Oberstleutnant Wreden übernahm die gefährliche Mission. Um ihn vor dem Schicksal Margreiters zu bewahren, geleiteten ihn Lener und Patsch. Ihr Zureden verschaffte ihm den Eintritt in die Stadt und den Besuch des gefangenen Kinkel. 2) Der von Wreden zurückgesandte Bote musste Bissons letzte Zweifel zerstreuen, so dass der General an Lener die Worte richtete; „Man hat mir also leider wahr gesprochen, ich werde kapitulieren müssen." An die darin ausgedrückte Stimmung knüpfte der Buchhalter an und stellte dem tief erschütterten General die Nutzlosigkeit des Widerstandes vor. Er konnte ihn darauf verweisen, dass die ganze Kolonne eingeschlossen sei. Denn während der Stunde, welche die Entsendung der zwei Ordonnanzen nach Innsbruck ausfüllte, war nicht allein die Stadt von neuen Bauernhaufen betreten worden, sondern alle Anhöhen des Mittelgebirges zeigten sich dicht besetzt, von wo sich die Menge gegen die Truppe in der Ebene vorschob. Hier standen die Soldaten, die Gewehrpyramiden vor sich hingestellt, die Franzosen in den Feldern um Wilten, die Bayern westwärts gegen den Ziegelstadel. Von einem Versuche, über den Holzrechen das andere Gestade des Inn zu erreichen, musste sofort Abstand genommen werden, da auch der Höttinger Abhang eine geschlossene Schützenlinie zeigte und mit einer schussbereiten Kanone versehen war. Immer

1) Diesen nennt Ennemoser.
2) Zu dieser Besprechung holten die Bauern Kinkel von Hötting in das Haus des Altbürgermeisters Riss. — Lener und Patsch beschreiben ausführlich ihre Sendung, ohne einander zu nennen. Ihre Angaben sind nicht immer leicht in Einklang zu bringen. Verlässlicher ist Leners Bericht, der auch eine Korrektur bildet gegen manche Übertriebenheiten bei Hormayr. Gegen Lener, welcher Wreden zu Bisson zurückkehren lässt, wird aber Hormayrs Darstellung, wonach der Bayer in Innsbruck festgehalten wurde, die richtige sein. Denn Bissons Kapitulation ist nicht von Wreden, sondern vom königlichen Offizier Donnersberg unterzeichnet. Auch nach Völderndorff, Kriegsgesch. v. Bayern II. 34 kehrte Wreden nicht mehr zu Bisson zurück.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 327
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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