SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  324 - Bissons Aufbruch nach Sterzing
 

 

und ließ seine Truppen auf den Plätzen Bozens biwakieren. Der abgeschickte Fronbote kehrte erst nach mehreren Stunden zurück und meldete, er habe nur bis Siebeneich gelangen können, dort hätten ihn die Landstürmer aufgehalten und unter Misshandlungen zu ihrem Gefangenen erklärt; mit Mühe sei er ihnen entronnen und habe nur das eine gehört, sie seien für den nächsten Tag nach Bozen bestellt. Darauf beredete man Lemoine, in früher Morgenzeit den Marsch nach Trient fortzusetzen. Dass er diesem Drängen nachgab, bewahrte ihn vor einem Zusammenstoß mit den auf der Vintschgauerstraße vorrückenden Tirolern. 1) Nur ein Burggräfler, Josef Larch von Mais, stahl sich den abziehenden Franzosen nach und nahm aus einem Versteck bei Leifers ihre Abzählung vor. 2) Zwei Stunden, nachdem Lemoine Bozen verlassen, wimmelte es in der Stadt schon von Tausenden von Bauern.

Bisson und Wreden geleiteten wir bis Sterzing, wo sie nach ihrem beschwerlichen Marsch durch das Eisacktal das Nachtlager hielten. Der französische General suchte sich dadurch unbehelligten Weiterzug zu sichern, dass er Geiseln mitnahm: den Bürgermeister, den Kapuzinerguardian, den Landrichter Regulati und den Gastwirt Hochrainer. 3) 3 Uhr früh erfolgte schon der Aufbruch. Man kam nicht schnell vorwärts, da Abgrabungen die Straße sperrten. Bald knallte es auch von den begleitenden Höhen aus dem Hinterhalt; namentlich wurde das Feuer heftiger, wenn ein Graben den Kolonnen Halt gebot. Da musste manchmal eine Abteilung den Weg verlassen und die allzu unbequemen Angreifer stürmend zurücktreiben. Bisson weilte meist bei der Avantgarde und hielt streng darauf, dass die Truppen trotz aller Provokationen sich jeder Ausschreitung enthielten. Solche Befehle musste wohl seine Umgebung beachten, die nachfolgenden kümmerten sich wenig darum. 4) Einen wahren Leidensweg hatten die vier Geiseln zurückzulegen mitten unter den fremden, nicht freundlich gesinnten Soldaten, den Kugeln ihrer Landsleute fortwährend ausgesetzt. So ging es aufwärts bis zum Brenner und von dort unter denselben Nöten hinab nach Steinach. Hartnäckig hielten sich die beschießenden Bauern an die

1) Giovanellis Bericht an Dipauli (A. G.) und Hepperger, die Berichte Donnersbergs und Stautners. M. St. Gesch. d. Deportier, d. Baron Graff.
2) Zeugnis des Blasius Trogmann. J. M. Larch wollte 2864 Mann gezählt haben.
3) Es ist derselbe, welcher die wertvolle Aufzeichnung dieser Begebenheiten anlegte, er war Wirt zur Sonne. Der Bürgermeister war Martin Neumann, der Kapuziner Gotthard Spechtenhauser.
4) Mehr als ein Menschenleben fiel der Erbitterung der Soldaten zum Opfer. Der Sterzinger Gerichtsdiener Franz Wallnöfer, welcher die Geiseln begleiten musste, ermattete infolge übler Behandlung, blieb am Brennersee liegen und wurde von den nachfolgenden getötet. (Sterbebuch von Lueg.) In der Nähe von Griess trafen sie den Goldschmied Georg Paldemayr von Steinach, der eine Flinte trug. Sie verbrannten ihn unter scheußlichen Martern lebenden Leibes. (Chron. v. Vinaders.) In Gossensass und Griess wurden arme, einfältige Taglöhner niedergemacht.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 324
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.