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  253 - Tirol im Kriegsplan
 

 

er sich der Donau nähern wird. Würde nun der besiegte Massena diesen Augenblick, da Tirol nur schwach besetzt wäre, benützen, um sich hineinzuwerfen und dränge er durch Pustertal nach Villach oder im Inntal vor, so würden die Truppen Johanns trotz aller Fortschritte in Italien eilends zurück müssen, um vor dem Feinde Laibach zu erreichen, eine Vereinigung mit der Hauptarmee wäre ganz ausgeschlossen. Diese würde, anstatt Tirol zur Stütze ihres linken Flügels gehabt zu haben, vielleicht gezwungen werden, über die Donau zu gehen und sich auf die Verteidigung des linken Stromufers zu beschränken. Die Eroberung Tirols war also eine unbedingte Notwendigkeit, ein großer Teil des 8. Korps war dazu ausersehen. Von den zwei Wegen, Pustertal und Inntal, konnte nur der erstere gewählt werden, da die Überlegenheit Massenas und Davousts die Absendung einer hinreichenden Truppenzahl von Deutschland her unmöglich machte. 1) Indem Karl diesen Entwurf seinem Bruder Johann mitteilte, erörterte er auch die Gründe, welche gegen den Plan mit Tirol sprachen. Es waren folgende Schwierigkeiten. In der Verpflegung beim Marsch durch Pustertal: aber bis zu den ersten Märschen wird es in Bayern schon zum Schlagen gekommen sein; ist man dabei glücklich, so wird von Bayern und Salzburg aus für Proviant gesorgt, im Unglücksfall tritt das Korps den Rückzug nach Klagenfurt an und erreicht so schnell wieder seine Magazine. Innerösterreich könnte feindlicher Invasion ausgesetzt werden: das ist Nebensache. Beim Vorrücken des Feindes nach Kärnten würde den in Tirol stehenden Truppen der Rückzug nach Klagenfurt abgeschnitten: dafür haben sie um so besseren Rückzug zur Hauptarmee nach Bayern oder Salzburg und die Möglichkeit, ansehnliche Verstärkungen zu erhalten, mit denen der Feind, der nur zwei Straßen (Ponteba und Prewald) zum Rückzug offen hat, für seine Kühnheit empfindlich gestraft werden kann. Der Feind hat in Tirol wenig Truppen, gegen die eine größere Macht zu schicken nicht der Mühe wert scheint: wenn der Feind einen Fehler macht, braucht man ihn nicht nachzuahmen, man soll ihn vielmehr ausnützen; es ist doch vorteilhaft, einen wichtigen Punkt leicht zu gewinnen, dessen Eroberung sonst viel kosten würde. 2)

In den Entwürfen Karls ist einer Mitwirkung des Tiroler Volkes nicht gedacht. Umso mehr waren ihr Johanns Gedanken zugewendet. Was

1) Zuerst hatte Karl dem größten Teil des 8. Korps Salzburg als Sammelplatz angewiesen, um Tirol auch von der Inntaler Seite her zu besetzen. Auf die Vorstellung Johanns wurde dieser Plan aufgegeben. E. Karl an Johann 10. und 14. März. Am 13. März hatte sich zur Besprechung darüber Johann nach Wien begeben. Er führte vor Karl aus, ein Angriff auf Tirol durch das Inntal habe keinen Wert, man müsse durch Pustertal vordringen, weil man sich da am schnellsten in den Besitz des Mittelpunktes, des Brenner, setze; der Besitz des Inntals bedeute noch nicht den Besitz des Landes. A. J.
2) Operationsplan des E. Karl, März 1809, ebend.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 253
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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