SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  237 - Aussicht auf Krieg
 

 

die Anhänger mit neuen Hoffnungen belebt und zur Mitwirkung aufgemuntert. So kann der Volksgeist bearbeitet, der Aufstand vorbereitet werden. Gefährlich wäre es, alles von einem Punkte ausgehen zu machen. Am besten wählt man eine „geometrische Progression" (heute würden wir etwa sagen: das Schneeballensystem). Zuerst wirbt man zwei an, von denen keiner den andern wissen darf; jeder von diesen in gleicher Weise wieder zwei und so fort. Kommt der Feind auf eine Spur, so kann er höchstens ein einzelnes Glied der Kette herausnehmen. Nähert sich aber die Zeit des Ausbruches, so kann man noch immer vertraute Leute über die Grenze schicken, welche die Führung in die Hand nehmen. Rücken endlich die kaiserlichen Truppen ein, so genügt das Vorangegangene, um den Aufstand ausbrechen zu lassen. Soweit Johanns Ratschläge. Er verhehlt nicht, das System der französischen Revolution abgeschaut zu haben. Diese habe „mit ihren schimärischen Ideen von Freiheit und Menschenrechten" die Köpfe gewonnen, jetzt sehe jeder, dass es nur zu despotischem Druck geführt, und deshalb lasse sich desto leichter sprechen über eine gerechte bürgerliche Freiheit und Abschaffung des Despotismus. Johann vergaß nicht, auf die Aussendung passender Flugschriften und Proklamationen einzuraten, nur möge das vorläufig noch geheim geschehen, „die Regierung darf erst beim Ausbruch des Krieges erscheinen". Der Kaiser erteilte seine Genehmigung „in der Hauptsache". 1)

Welche Verwendung der Erzherzog bei den sich vorbereitenden Ereignissen finden werde, war ihm dermalen noch nicht bekannt. 2) Dass aber die Würfel des Krieges baldigst fallen, das war sein heißer Wunsch. Heute (8. Dez.), so erzählt er, speiste ich beim Kaiser „und fand ihn sehr ernsthaft, ich glaube, es ist keine kleine Sache, einen Entschluss fassen zu müssen: jetzt oder nie; wollte Gott, er zögerte nicht lange, sonst entwischt der günstige Augenblick, es ist der letzte". Um Neujahr sind des Prinzen Zweifel bereits gelöst. Mit lebhafter Befriedigung bestätigt er seinem Bruder: „Italien ist der Zweck, welcher mir vorgesetzt ist, Tirol hängt damit zusammen." 3) Der Krieg scheint ihm nun nahe, im März dürfte es losgehen. Ohne einen Operationsplan zu kennen, drängt es ihn, dem künftigen Generalissimus einige Gedanken zur Prüfung vorzulegen. Er erwartet, dass Österreich die Offensive ergreift. Ungewiss ist, wohin die ersten Schläge geführt werden, ob nach Tirol oder Italien. Dies wird wohl

1) Die kaiserliche Entschließung lautet: „Ich bin einverstanden in der Hauptsache. Aber sehr vorsichtig muss man sein mit unsern Anhängern im feindlichen Lande, weil sie leicht entdeckt werden. Einleitungen zu einem Aufstand können jetzt noch nicht Platz greifen und auch Flugschriften und Aufrufe sind nur vorzubereiten, aber nicht hinauszugeben.
2) Johann notiert zum 19. Nov. 1808: „Könnte ich nur als Wirkungskreis Innerösterreich erhalten, es wäre ein Pflaster auf die Wunde, die mir der Verlust von Tirol schlug."
3) E. Johann an E. Karl, Januar 1809. A. J.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 237
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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