SAGEN.at >> Dokumentation >> Andreas Hofer 1767 - 1810 >> Tirols Erhebung im Jahre 1809, Josef Hirn

   
 
  236 - Entwicklung der Pläne
 

 

Gegenwart: „Schon einmal hat Spanien Europa vor den Arabern gerettet, vielleicht rettet es uns auch diesmal; aber sicher werden wir erst vor Napoleon sein, wenn er tot, zu Asche verbrannt und die Asche ins Feuer geworfen sein wird. Wenn einmal die von ihm misshandelten Länder und Völker von Kalabrien bis Kopenhagen und von Warschau bis Lissabon aufstehen werden zur Rache, die nicht ausbleiben kann, dann soll er gehetzt werden, wie er die Menschen gehetzt — bis zu Tode. Ich arbeite fort und fort, um Geschichtsbilder zu liefern, durch welche die Dummen und Feigen aus dem Schlaf geweckt werden sollen. Frundsberg und Tilly waren doch andere Männer als die glücklichen Diebe Ney, Massena und Soult, die alle geschlagen wurden und würden, wenn nicht Napoleon hinter ihnen stünde." 1) Die Kehrseite dieser scheinbar aus rein patriotischem Silber geprägten Medaille bildet die nebenherlaufende zudringliche Bewerbung um den Leopoldsorden. 2)

Hormayr traf beim Erzherzog nicht auf taube Ohren. Johann wies beim Näherrücken des Krieges im Geiste dem Lande Tirol bereits seine Rolle an. Mit Beziehung auf dasselbe entwarf er vor dem Kaiser selbst eine Art Aufwiegelungssystem. 3) Zwei Dinge sollten die Erhebung vorbereiten helfen: Einziehung bestimmter Nachrichten über den Gegner und die Verbreitung zweckmäßiger Meinungen und Nachrichten, um die unzufriedenen Länder in Gärung zu bringen. Zum ersten Zweck empfiehlt es sich, Leute aus dem Behördenpersonal zu gewinnen; je höher das Ansehen und der Wirkungskreis eines solchen Mannes, umso besser. Kleine Spione, wenn auch nicht zu verachten, gewähren selten großen Nutzen, weil sie nur nachreden, was sie hören. In Ländern, die einst zu Österreich gehörten, ist es am leichtesten, solche Werkzeuge zu gewinnen. Können sie sich auch nicht selbst brauchen lassen, so werden sie auf die Spur anderer führen. Spezielle Vorschriften lassen sich da nicht geben, es kommt alles auf den Scharfsinn des Mannes an, welcher betraut wird. Einverständnisse lassen sich unter verschiedenen Vorwänden anknüpfen, alte Verbindungen werden erneuert,

1) Ders. an dens. 26. Okt. 1808. Diese Stelle ist vollinhaltlich ijetzt abgedr. bei Mayerhofer, Krieg 1809, I, 57.
2) Wiederholt geht er darum den Erzherzog an. Einmal bittet er, man möge seine Dienstjahre nicht zählen, sondern wägen; ein andermal meint er, mit diesem Orden ausgezeichnet, würde er in Tirol eine ganz andere Figur spielen. Johann und Stadion erwirkten ihm noch 1808 die Verleihung.
3) E. Johann an den Kaiser 6. Nov. 1808. A. J. Johann bemerkt später dazu: „Ich habe zwar in diesem Vortrag kein Land des Feindes ausdrücklich genannt, aber mein Augenmerk war vorzüglich nach Tirol gerichtet." Schon 23. Okt. hatte er einen ähnlichen Vortrag erstattet. — Offiziell wurde noch geraume Zeit von Tirol nicht gesprochen. In einem Exposé Stadions vom 10. Dezember 1808 bespricht er alle möglichen Schritte: Sicherung Russlands, Verhandlungen mit England, „nicht kompromittierende Anwürfe" am Berliner Hof, Agenten nach Spanien (Kapitän Crossard), in die Schweiz (Ulanenoberleutnant Tschiffelli), nach Italien und Vorbereitungen in Norddeutschland. W. St. Von Tirol kein Wort.

   
  Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 236
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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