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  Therese Rott
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

Sie war ein Alt-Haller Original. Am 18. September 1784 in Hall als Tochter des Salinenarbeiters Franz Ignaz Rott und der Anna Maria Rott, geb. Strobl, geboren, schloss sie sich ihrem Bruder, dem baumlangen Johann Rott, dessen Biographie wir in diesem Buche bereits gebracht haben, bei allen seinen tollen Stückeln an.

Als am 11. April 1809 in Innsbruck der Aufstand gegen die Bayern ausgebrochen war, kam nebst vieler Infanterie auch eine Eskadron Kavallerie in die Nähe von Hall. Als deren Annäherung bekannt wurde, eilten die gerade in Hall anwesenden Schützen in die Haller Au und Therese Rott suchte mit Hilfe von vier Weibern die Tür zum Glockenhaus zu sprengen und Sturm zu läuten. Gleich darauf begab sich die Rott an den Ort der Gefahr, woselbst jedoch sämtliche feindliche Truppen bereits gefangen genommen worden waren. Ein junger feindlicher Kavallerieoffizier klagte ihr nun sein Leid, dass ihm der Mantelsack mit 500 fl. geraubt worden sei und bezeichnete ihr einen Mann, der gerade in aller Eile den Mantelsack in Sicherheit bringen wollte. Therese setzte sofort ihren Bruder von dem Vorfall in Kenntnis und dieser zwang den frechen Dieb, dem Offizier das geraubte Gut zurückzustellen. Der Offizier wollte sie für diesen Dienst belohnen, sie wies dies jedoch mit dem Bemerken zurück, nur ihre Pflicht getan zu haben. Die bayerischen Truppen wurden in Hall untergebracht und erfreuten sich hier der besten Behandlung; Therese wirkte bei der Verpflegung der Gefangenen eifrig mit. Wie die Therese, genannt die „Rottnramml", den Raufbold Johann Empl, den Freund ihres Bruders, befreite, haben wir bereits in der Lebensbeschreibung Johann Rott's erzählt.

Im weiteren Verlauf des Befreiungskrieges trug die Rott Nachrichten, in den Rock eingenäht, an Speckbacher, einmal sogar mitten durch die Feinde an Siberer nach Lienz und Windisch-Matrei. Im Döblacher Wald zeigte sie den Landesverteidigern die Stellung des Feindes. So war sie unermüdlich in der Unterstützung der Landesverteidigung tätig. Leider verabsäumte sie es, sich von den Kommandanten Zeugnisse über ihre vielseitige Tätigkeit zu verschaffen, sodass sie in den alten Tagen kümmerlich ihr Dasein fristen musste. Sie lebte von einer Salinenpension von 20 kr. wöchentlich und einer Armenunterstützung von 80 kr. wöchentlich, die sie von der Stadt Hall erhielt, und von Spenden guter Leute, denen ihre Erlebnisse gut in Erinnerung waren. Sie beschloss am 20. Juli 1865 ihr Leben, 81 Jahre alt, im Stadtspital in Hall.

   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 425 - 426.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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