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  Peter Mayr's Wirtshaus
 

von Rudolf Granichstaedten-Czerva

Auf der Reichsstraße von Brixen nach Klausen gelangt der Wanderer in zwanzig Minuten, drei Kilometer südlich von Brixen, zu einer Ortschaft von elf Häusern mit zirka 70 Einwohnern. Es ist die „Mahr". Zur Zeit des Minnesängers Ulrich von Liechtenstein führte diese Gegend den Namen „Die Merre" (merren = wühlen), da der nahe Wildbach die Straße öfters vermurte. Ulrich von Liechtenstein soll nach einem seiner Lieder im Jahre 1225 hier ein Turnier mit dem Ritter Uolschach von Potzen ausgekämpft haben, wobei er einen Finger verlor. Die „Mahr" gehört heute zur Gemeinde Pfeffersberg, Bezirk Brixen.

Berühmt wurde diese Stätte durch das Wirtshaus, das dort steht. Um 1780 gehört es der Claudia Peer, geb. von Stolz-Latschburg, Dann (um 1803) den Eheleuten Johann und Maria Oeler, am 8. November 1804 kaufte es laut Verfachbuch PeterMayr, geboren am 15. August 1767 auf den Köhlhöfen in Siffian, Sohn des Peter Mayr und der Marie Mayr, geb. Unterhofer. Peter Mayr war mit Maria Kreszenz Fuchs, geb. am 24. März 1784, Tochter des Lehrers Franz Fuchs in Gries am Brenner, seit 22. April 1799 verehelicht. Er hatte seine Frau in Unter-Atzwang im Eisacktal kennen und lieben gelernt, wo sie als Kellnerin angestellt war; sie heiratete schon im Alter von 15 Jahren. Zu Peter Mayrs Zeiten war die „Mahr" das Lieblings-Ausflugsziel der Brixener Bürgerschaft und infolge seiner Lage auch ein gesuchter Zusammenkunftsort des Landvolkes dies- und jenseits des Eisack. Das Haus hat durch Auf- und Zubauten seit 1809 manche Veränderungen erfahren, steht aber noch an derselben Stelle wie damals.

Schon in den Römerzeiten, dann im Mittelalter soll dort ein Kastell gestanden haben; erst seit dem Jahre 1746 ist dort ein Gasthaus. Hinter diesem befindet sich ein Seitengebäude, das sogenannte Schmied-Häusl, in dem — auch unter Teilnahme Andreas Hofers — geheime Zusammenkünfte der unzufriedenen Tiroler Bauern abgehalten wurden, so auch am 25. November 1807 der „Bauernkonvent". Das Schmied-Häusl hatte einen Schacht im Kellergewölbe, der Warnungssignale vom Wirtshaus aus zuließ. Der Keller unter dem Häuschen, das dem zu den Pächtern des jeweiligen Mahr-Wirtes gehörenden „Mahrer-Schmied" als Wohnung diente, stand durch einen unterirdischen Gang mit dem Wirtshauskeller in Verbindung.

Nach der Erschießung Peter Mayrs am 20. Februar 1810 vermählte sich dessen Witwe im Jahre 1816 mit Anton Kerschbaumer, der das Mahr-Wirtshaus weiterführte. Nach Kerschbaumers Tod übernahm Peter Mayrs gleichnamiger Sohn (geb. 1802) das Gasthaus, .geriet jedoch am 24. September 1831 in Konkurs. Im Jahre 1905 besuchte die Witwe des Deutschen Kaisers Friedrich das Mahr-Wirtshaus, das auch Quirein genannt wird. Nun wechseln die Beisitzer, bis es zu Lichtmess 1906 Anton Gasser erwarb, der es, unterstützt durch Zuschüsse des Kaisers und des Staates, restaurierte. Das Haus kostete damals samt dazugehöriger Landwirtschaft, sieben Kühen, einem Pferd und zwölf Schafen, 42.000 Goldkronen. Aber auch Anton Gasser konnte sich nicht halten, denn am 6. Juni 1911 wurde das Mahr-Haus um den Schätzwert von 91.000 Kronen öffentlich versteigert. Sechs Jahre darauf, am 21. Dezember 1917, kam es wieder unter den Hammer, wobei es um das Mindestanbot von 60.000 Kronen von dem einzigen Bewerber, dem Kellereibesitzer Flamingo Rigo in Trient ersteigert wurde, dessen Sohn es heute noch besitzt.

Im Jahre 1910 wurde am Hause eine marmorne Peter-Mayr-Tafel enthüllt und am 25. September 1910 vor dem Hause ein großer Gedenkobelisk errichtet. Zur Mahr gehört auch die kleine St.-Jakobs-Kapelle, die aus dem 15. Jahrhundert stammt, ein Altarbild aus dem 17. Jahrhundert und interessante Fresken von Jakob Gunter (1461) besitzt. Ein künstlerisch interessantes Eisengitter von dem Erker soll vor einiger Zeit nach — Ungarn verkauft worden sein.

Heute rasen Autos an dieser historischen Stätte, die den Tirolern ein Nationalheiligtum ist, vorbei und Italiener hausen dort, wo einst Peter Mayr, dessen Lebensbild Josef Psenner im 4. Bändchen der Anno Neun-Bücher (Vereinsbuchhandlung Innsbruck 1907) ausführlich schilderte, seine Gäste und Freunde empfing.
   
  Quelle: Granichstaedten-Czerva Rudolf, Andreas Hofers alte Garde, Innsbruck 1932, S. 330 - 331.
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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