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  Die Erinnerungen des Priesters Josef Daney
 

 

Antwort

Freund! Ihr letztes Schreiben hat mich wieder sehr unterhalten. Die Biographie Teimers und seine Beförderung zum wirklichen Kais. Kgl. Major hat viel Interessantes. Ich bin auf sein ferneres Schicksal begierig . . . Dass in dem Augenblicke, als das Band der bürgerlichen Unterordnung gelöst und das Ansehen der Gesetze gestürzt war, bei der verführerischen Hoffnung einer völligen Straflosigkeit und bei so vielen tumultuarischen Auftritten von allen jenen Staatsdienern, welche sich das Misstrauen oder den Unwillen des nun völlig zügellosen Volkes zugezogen, doch kein einziger an seinem Leben gefährdet wurde, zeichnet den Nationalcharakter der Tiroler in einem hohen Grade aus. In Spanien sind die dem Volke verdächtigen Bürger und Beamten nicht so unblutig durchgekommen. Dass Sie Gelegenheit hatten, mehrere Kgl. baierische Offiziere und auch ein paar Beamte zu retten, muss Ihnen ein angenehm tröstendes Bewusstsein gewährt haben und fortdauernd bleiben.

Der Einzug der österreichischen Truppen in Innsbruck verdiente wahrhaftig von einer Künstlerhand gezeichnet und verewigt zu werden. Indessen hatten die österreichischen Herren Generale sowohl, als der Intendant Freiherr v. Hormayr in Tirol doch, wie aus ihren Proklamationen erhellt, einen sehr gefährlichen harten Stand . . . Aus der Zuschrift Sr. Majestät des Kaisers Franz ersieht man, wie väterlich gut er es mit den Tirolern von jeher meinte. Die darin enthaltenen Äußerungen müssen die Tiroler ja im höchsten Grad begeistert und zu ferneren Großtaten aufgemuntert haben. Ist Tirol wirklich von Österreich mit Geld unterstützt worden? . . . Arme Tiroler! Wie gut meinte es Kaiser Franz mit euch! Wie viel habt ihr selbst zu eurer Rettung und Freiheit getan und aufgeopfert! Entferntes Unglück traf auch euch mit harten Schlägen. Schreiben Sie mir ja geschwind wieder! Ich warte schon wieder recht hart auf Ihren nächsten Brief.

   
  Quelle: Der Tiroler Volksaufstand des Jahres 1809, Erinnerungen des Priesters Josef Daney, Bearbeitet von Josef Steiner Innsbruck, Hamburg 1909
 

Rechtschreibung behutsam angepasst.
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